Weisheiten zum Thema »Charakter und Tugend«

Eine diskursive Folge erlesener Aphorismen von genannten Autoren ohne Rangfolge - » VORWORT

 

Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.):

Das Gesicht ist das Abbild des Hirns, die Augen sein Berichterstatter.



Ernst Bloch (1885 - 1977):

Die einzige Sprache, die jeder versteht, ist die Sprache des menschlichen Gesichts.



Albert Schweitzer (1875 - 1965):

Mit zwanzig Jahren hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat, mit vierzig das Gesicht, das ihm das Leben gegeben hat, und mit sechzig das Gesicht, das er verdient.



Heraklit (544 - 483 v. Chr.):

Der Charakter eines Menschen ist sein Schicksal.



Jean-Jaques Rousseau (1712 - 1778):

Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten, an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.



Immanuel Kant (1724 - 1804):

Es kommt nicht auf das an, was die Natur aus dem Menschen, sondern was dieser aus sich selbst macht. Denn das Erstere gehört zum Temperament und nur das Letztere gibt zu erkennen, dass er eigenen Charakter habe.

Der Mensch, der sich eines Charakters in seiner Denkungsart bewusst ist, hat ihn nicht von der Natur, sondern muss ihn jederzeit erworben haben. Erziehung, Beispiele und Belehrung können diese Festigkeit und Beharrlichkeit in Grundsätzen überhaupt nicht nach und nach, sondern nur gleichsam durch eine Explosion bewirken, die auf den Überdruss am schwankenden Zustande des Instinkts auf einmal erfolgt.

Vielleicht werden nur wenige sein, die diese Revolution vor dem dreißigsten Jahre versucht, und noch weniger, die sie vor dem vierzigsten fest gegründet haben.


Tugend ist die moralische Stärke in Befolgung seiner Pflicht, die niemals zur Gewohnheit werden, sondern immer ganz neu und ursprünglich aus der Denkungsart hervorgehen soll.

Dass Tugend erworben werden müsse und nicht angeboren sei, liegt schon in dem Begriffe derselben. Denn das sittliche Vermögen des Menschen wäre nicht Tugend, wenn es nicht durch die Stärke des Vorsatzes in dem Streit mit so mächtigen entgegenstehenden Neigungen hervorgebracht wäre. - Sie ist das Produkt der Vernunft.

Das sittliche Handeln und die sittliche Wertschätzung ist von dem Glauben an die Existenz eines Gottes unabhängig.


Man muss wollen können, dass eine Maxime unserer Handlung ein allgemeines Gesetz werde: dies ist der Kanon der moralischen Beurteilung überhaupt.


Der Charakter ist absolute Einheit des inneren Prinzips des Lebenswandels überhaupt.

Wahrhaftigkeit ist der Grundzug und das wesentlichste eines Charakters. Ein Mensch, der lügt, hat keinen Charakter.

Gewissen ist das Bewusstsein eines innren Gerichtshofes im Menschen.



Hermann Hesse (1877 - 1962):

Tugend ist Gehorsam, - beste Tugend ist Eigensinn.

Leute mit Mut und Charakter sind den anderen Leuten immer sehr unheimlich.



Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832):

Man muss die Chourage haben, das zu sein, wozu die Natur uns gemacht hat.

Nicht allein das Angeborene, sondern auch das Erworbene ist der Mensch.

Unsere Eigenschaften müssen wir kultivieren, nicht unsere Eigenheiten.

Versuche deine Pflicht zu tun, und du weißt gleich, was an dir ist.

Freudigkeit ist die Mutter der Tugenden.

Der liebt nicht, der die Fehler des Geliebten nicht für Tugenden hält.

Gegen große Vorzüge eines anderen gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe.

Gegen die Kritik kann man sich weder schützen noch wehren; man muss ihr zum Trutz handeln, und das lässt sie sich nach und nach gefallen.

        Was klagst du über Feinde?
        Sollten solche je werden Freunde,
        denen das Wesen, wie du bist,
        im Stillen ein ewiger Vorwurf ist?


Ein großer Fehler: dass man sich mehr dünkt, als man ist, und sich weniger schätzt, als man wert ist.

Der Mensch, der Gewalt über sich hat und behauptet, leiste das schwerste und Größte.

Wer gegen sich selbst und andere wahr ist und bleibt, besitzt die schönste Eigenschaft der größten Talente.

Das höchste Glück ist das, welches unsere Mängel verbessert und unsere Fehler ausgleicht.

Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden.

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.



Wilhelm Busch (1832 - 1908):

Toleranz ist gut, aber nicht gegenüber Intoleranten.



Albert Einstein (1879 - 1955)):

Toleranz ist das menschenfreundliche Verständnis für Eigenschaften, Auffassungen und Handlungen anderer Individuen, die der eigenen Gewohnheit, der eigenen Überzeugung und dem eigenen Geschmack fremd sind. [1934; AEA 28-281, S. 1]



Arthur Schnitzler (1862 - 1931):

Toleranz heißt: die Fehler der anderen entschuldigen. Takt heißt: sie nicht bemerken.



Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799):

Ehe man tadelt, sollte man immer erst versuchen, ob man nicht entschuldigen kann.



Q. H. F. Horaz (65 - 8 v. Chr.):

Wenn wir fehlerfrei wären, würde es uns nicht so viel Spaß machen, Fehler bei anderen festzustellen.



Jean Genet (1910 - 1986):

In der moralischen Entrüstung schwingt auch immer die Besorgnis mit, vielleicht etwas verpasst zu haben.



Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916):

Wir verlangen sehr oft nur deshalb Tugenden von anderen, damit unsere Fehler sich bequemer breitmachen können.

Der Umgang mit einem Egoisten ist darum so verderblich, weil die Notwehr uns allmählich zwingt, in seine Fehler zu verfallen.

So mancher meint, ein gutes Herz zu haben, und hat nur schwache Nerven.

Die meiste Nachsicht übt der, der die wenigste braucht.



Arthur Schopenhauer (1788 - 1860):

Um fremden Wert willig und frei anzuerkennen und gelten zu lassen, muss man eigenen haben.

Die erkannte Güte eines Charkters macht uns geduldig und nachgiebig gegen Schwächen des Verstandes wie auch gegen die Stumpfheit und das kindliche Wesen des Alters.

Für sein Tun und Lassen darf man keinen andern zum Muster nehmen. - Man muss nach reiflicher Überlegung und scharfem Nachdenken seinem eigenen Charakter gemäß handeln. Also auch im Praktischen ist Originalität unerlässlich; sonst passt, was man tut, nicht zu dem, was man ist.

Groß ist nur der, welcher bei seinem Wirken (Dieses sei nun ein praktisches oder theoretisches) nicht seine Sache sucht; sondern allein einen objektiven Zweck verfolgt. -
Klein hingegen ist alles auf persönliche Zwecke gerichtete Treiben; weil der dadurch in Tätigkeit versetzte sich nur in seiner eigenen verschwindend kleinen Person erkennt und findet.

Die Anschauung ist nicht nur die Quelle aller Erkenntnis, sondern sie selbst ist die Erkenntnis. - Wir sehen sogar die Tugend eigentlich von der anschauenden Erkenntnis ausgehn: denn nur die Handlungen, welche unmittelbar durch diese hervorgerufen werden, mithin aus reinem Antriebe unserer eigenen Natur geschehen, sind eigentliche Symptome unseres wahren und unveränderlichen Charakters.



Konfuzius (Kong-fu-zi, 551 - 479 v. Chr.):

Die Selbsterkenntnis ist eine Tugend, die von den Menschen am schwersten erkämpft werden muss.

Wer Altes bewahrt und zugleich neues Wissen und neue Erfahrungen zu gewinnen vermag, der kann den Menschen Lehrer und Vorbild sein.

Weisheit heißt, die Menschen zu kennen.

Wer nicht an die Zukunft denkt, wird bald Sorgen haben.

Wer bei seinen Handlungen immer auf Vorteil bedacht ist, wird sich viel Feinde machen.

Das ist 'gegenseitige Rücksichtnahme': Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen.

Wer die Regeln sittlichen Verhaltens nicht kennt, hat im Leben keinen festen Stand.

Dem Edlen geht es stets vor allem darum, dem Leben einen festen Grund zu geben. Ist der Grund gefestigt, eröffnet sich der rechte Weg.

Der Edle hasst den Gedanken, die Welt zu verlassen, ohne etwas geleistet zu haben, was bleibender Anererkennung wert ist.

Von den Menschen verkannt zu werden, ohne dabei Verbitterung zu spüren - ist das nicht auch eine Eigenschaft des Edlen?

Der Edle lässt sich nicht wie ein Werkzeug behandeln.

Der Edle fordert sich selbst. Der Gemeine fordert von anderen.

Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von anderen. So wird dir viel Ärger erspart bleiben.

Über das Ziel hinausschießen ist ebenso schlimm wie nicht ans Ziel kommen.

Wer die Fehler anderer übernimmt, dessen Schuld ist größer als die Schuld desjenigen, der sie begeht.

Einen Fehler machen und sich nicht bessern: das erst heißt fehlen.



Pablo Picasso (1881 - 1973):

An den Fehlern erkennt man die Persönlichkeit.



Abraham Lincoln (1809 - 1865):

Willst du den Charakter eines Menschen kennenlernenen, so gib ihm Macht.



Erich Maria Remarque (1898 - 1970):

Den Charakter eines Menschen erkennt man erst dann, wenn er Vorgesetzter geworden ist.



Demokrit (um 460 - 360 v. Chr.):

Vergessen der eigenen Sünden erzeugt Frechheit.



Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916):

Wer sich gar zu leicht bereit findet, seine Fehler einzusehen, ist selten der Besserung fähig.

Viele Leute glauben, wenn sie einen Fehler erst eingestanden haben, brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen.

Nichts lernen wir so spät und verlernen wir so früh, als zugeben, dass wir unrecht haben.

Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.



Franz Grillparzer (1791 - 1872):

Von allen Tugenden die schwerste und seltenste ist die Gerechtigkeit.

Man findet zehn Großmütige gegen einen Gerechten.



Aurelius Augustinus (354 - 430):

Die Gerechtigkeit ist jene Tugend, die jedem gibt, was ihm gebührt.



Wilhelm Ludwig Wekhrlin (1739 - 1792):

In einem Staat, wo das Geld alles ist, ist die Tugend nichts.



Blaise Pascal (1623 - 1662):

Nichts ist für den Menschen wichtiger als die Lage, in der er sich befindet.

Das Ausmaß eines Menschen Tugend darf nicht an seinen Bemühungen gemessen werden, sondern an seinem täglichen Leben.



Kurt Tucholski (1890 - 1935):

Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut.

Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!



Moriartes, gr. Philosoph (314 - 244 v. Chr.):

Mut ist eine Tugend, doch Angst beweist Vernunft, Bewusstsein und Phantasie.
- Die Kunst ist es abzuwägen.



Leonardo da Vinci (1452 - 1519):

Kraft wird aus dem Zwang geboren und stirbt an der Freiheit.

Das Glück besteht darin, in dem zu Maßlosigkeit neigenden Leben
das rechte Maß zu finden.



Baruch Spinoza (1632 - 1677):

Geduld ist die Tugend des Glücklichen.



Martin Held (geb. 1908):

Die Lebenskunst des Individualisten besteht darin, nur so viel Abstand zu halten, dass er nicht isoliert wird.



Theodor Fontane (1819 - 1898):

Das Undankbarste, weil Unklügste, was es gibt, ist Dank erwarten.

Man muss Ärger aushalten können; wenn man es nicht kann, wenn man ihm überall aus dem Wege geht, so erreicht man nichts.



Max Frisch (1911 - 1991):

Nichts ist schwerer als sich selbst anzunehmen.



Sinnspruch:

Selbstvertrauen ist der Schlüssel, der fast jede Tür öffnet.



Stanislaw Jerzy Lec (1909 - 1966):

Menschliche Geradlinigkeit ist nicht immer der kürzeste Weg zum Ziel.

Fahre nicht aus der Haut, wenn du kein Rückgrat hast.



Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832):

Dir frommt an jedem Ort, zu jeder Zeit:
Geradheit, Urteil und Veträglichkeit.

Man soll nur Rat geben in Dingen, in denen man selbst mitwirken will.

Wer Gründe anhört, kommt in Gefahr, nachzugeben.



Ernst Ferstl (geb. 1955):

Auf dem richtigen Weg ist, wer seinem Gewissen folgt.

Ein großer Erfolg ist kein Geschenk, vielmehr ein äußerst günstiger Kredit.

Es wird immer schwieriger, anderen ein gutes Beispiel zu geben. Es fehlt an Abnehmern.

Die menschliche Faulheit arbeitet unermüdlich.

Es ist bequem, aber nicht gut, das Bequeme für das Gute zu halten.

Die neue Bescheidenheit: Wir muten uns nur noch zu, wozu uns gerade zumute ist.



Wilhelm Busch (1832 - 1908):

Das Gute - dieser Satz steht fest -
ist stets das Böse, was man lässt.



Denis Diderot (1713 - 1784):

Das Böse ist das, was mehr Nachteile als Vorteile, und das Gute, was mehr Vorteile als Nachteile hat.



Konfuzius (Kong-fu-zi, 551 - 479 v. Chr.):

Wer bei seinen Handlungen immer auf Vorteil bedacht ist, wird sich viele Feinde machen.



Konrad Lorenz (1903 - 1989):

Unsere gefühlsmäßige Hochwertung des Guten und Anständigen ist mit erdrückender Wahrscheinlichkeit der einzige Faktor, der heute noch gegen Ausfallserscheinungen sozialen Verhaltens eine einigermaßen wirksame Selektion treibt.



Alte chinesische Weisheit:

In erster Linie heißt gut sein, seine Pflicht tun,
sei es auch noch so beschwerlich.



Rudolf Diesel (1858 - 1913):

Die wichtigste Charaktereigenschaft ist Energie. Der Wille bestimmt das Schicksal des Menschen, nicht das Wissen. Der Wille versetzt die Berge, nicht der Glaube. Wollen ist Können, Mut, Geduld, Beharrlichkeit. Alles Schwere, alles Neue muss man allein tun.



Paracelsus (1493 - 1541):

Nicht der Wille allein, sondern Wille und Tat machen erst die Arbeit vollkommen.

Eines Andern sei nicht, wer sein Eigener sein kann.



Matt Ridlay (in "Genome" - 1999):

Die Menschen beziehen ihre Persönlichkeit nicht von den Eltern, sondern aus ihren Genen und ihrem Umfeld.

Soweit wir aus eigenem Antrieb handeln, sind wir für unsere Handlungen verantwortlich; aber wer aus eigenem Antrieb handelt, verleiht damit nur den vielen deterministischen Einflüssen Ausdruck, die über den Antrieb bestimmen. - (Dilemma nach Hume)

Charles Darwin bezeichnete den freien Willen als Täuschung, verursacht durch unsere Unfähigkeit, unsere eigenen Beweggründe zu analysieren.



Douglas R. Hofstadter (geb. 1945):

Aus dem Gleichgewicht zwischen Kenntnis und Unkenntnis seiner selbst erwächst das Gefühl des freien Willens.



Baruch de Spinoza (1632 - 1677):

Wer also glaubt, dass er nach freiem Entschluss des Geistes rede oder schweige oder irgendetwas tue, der träumt mit offenen Augen. [aus: Ethik, 1675]



Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832):

Die so genannte Freiheit des Menschen läuft darauf hinaus, dass er seine Abhängigkeit von den allgemeinen Gesetzen nicht kennt.



Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916):

Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt und nie gehasst.



Albert Einstein (1879 - 1955)):

Ich glaube nicht an die Freiheit des Willens. Schopenhauers Wort: "Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will" begleitet mich in allen Lebenslagen und versöhnt mich mit den Handlungen der Menschen, auch wenn sie mir recht schmerzlich sind. Diese Erkenntnis von der Unfreiheit des Willens schützt mich davor, mich selbst und die Mitmenschen als handelnde und urteilende Individuen allzu ernst zu nehmen und den guten Humor zu verlieren. [aus: 'Mein Glaubensbekenntnis' auf Schallplatte, 1932]

Vernünftiges Handeln in der menschlichen Sphäre ist nur möglich, wenn man die Gedanken, Motive und Befürchtungen des anderen zu verstehen versucht, so dass man sich in seine Lage zu versetzen weiß. [1947]

Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten. [Religion und Wissenschaft, Nov. 1930]

Das Moralische ist [...] keine göttliche, sondern eine rein menschliche Angelegenheit. [aus: Die Religiosität der Forschung, vor 1934]

Wenn es sich um Wahrheit und Gerechtigkeit handelt, gibt es nicht die Unterscheidung zwischen kleinen und großen Problemen. Denn die allgemeinsten Gesichtspunkte, die das Handeln der Menschen betreffen, sind unteilbar. Wer es in kleinen Dingen mit der Wahrheit nicht ernst nimmt, dem kann man auch in großen Dingen nicht vertrauen. - Diese Unteilbarkeit gilt aber nicht nur für das Moralische, sondern auch für das Politische; denn die kleinen Probleme können nur richtig erfasst werden, wenn sie in ihrer Abhängigkeit von den großen Problemen verstanden werden. [1955]

Ich brauche nicht zu betonen, wie sehr ich alles Streben nach Wahrheit und Wissen achte und schätze. Aber ich glaube nicht, dass der Mangel an moralischen und ethischen Werten durch rein intellektuelle Bemühungen aufgewogen werden kann. [1951]

In grundsätzlichen Fragen der Moral hilft Schulbildung nicht viel. [1955]

Nicht auf Personen kommt es an, sondern auf Werke im Dienst der Gesellschaft. [1929]

Nur das Leben im Dienst anderer ist ein lebenswertes Leben.



Martin Luther King (1929 - 1968):

Geistig und moralisch zurückgeblieben zu sein, ist das Hauptproblem des modernen Menschen. Es drückt sich aus in drei umfassenden Fragen, die aus dem ethischen Infantilismus des Menschen entstehen. Ich beziehe mich auf rassische Ungerechtigkeit, Armut und Krieg.



George Orwell (1903 - 1950):

Eine Veranlagung zu Herrschaft und Egoismus wird man nicht automatisch durch religiöse Bekehrung los, im Gegenteil, es liegt auf der Hand, dass infolge der Illusion, eine Wiedergeburt erlebt zu haben, angeborene Untugenden unter Umständen nur noch üppiger gedeihen, wenn auch vielleicht in verfeinerter Form.



Aristoteles (384 - 322 v. Chr.):

Wir sollen uns gegen andere so benehmen, wie wir wünschen, dass andere gegen uns handeln sollen.



Xenophon (etwa 430 - 355 v. Chr.):

Wer an Ausdauer der erste ist, wo es zu ertragen gilt,
an Stärke, wo ein Kampf der Tapferkeit,
an Einsicht, wo ein Werk des guten Rates,
der scheint mir mit Recht als ein vollkommener Mensch angesehen zu werden, ein Vorbild für alle, die sich um Vollkommenheit bemühen.





Eberhard Liß (geb. 1941):

Unser Denken, Fühlen und Handeln ist funktionell abhängig von subjektiv bewerteten Wahrnehmungen und assoziierten Erinnerungen (Vorstellungen, Erwartungen) für empirische Urteile.

Die subjektive Reiz-Bewertung erfolgt gemäß individuellem Naturell und Befinden beim Empfinden.

Das Finden einer eigenen Meinung oder rationalen Entscheidung, z. B. beim Nachdenken bzw. Abwägen, erfolgt durch Selbstreflexion gemäß individuellem Erfahrungswissen und subjektiven Bewertungen.

Die subjektiven Bewertungsfunktionen des Unbewussten können im Konflikt stehen mit der wissentlichen "rationalen" Selbstkontrolle und erschweren dadurch optimale Handlungsentscheidungen mit sozialer Verantwortung gemäß einem ethischen Verhaltenskodex.

Der emotional konditionierte Mensch wird durch seine impliziten Motive verleitet zu egoistischem Denken und Handeln, auch zu aggressivem Verhalten ohne Mitgefühl.

Wer zielstrebig lernt, sich über Wesentliches zu informieren und sich durch Einsicht selbst zu helfen, der nutzt seinen Verstand mit einer gesunden Eigennutzorientierung zur Selbsterhaltung.

Die Eigennutz-Orientierung der 'konkurrierenden' Menschen, insbesondere ihr Geltungsdrang und Profitstreben (gesteigert zu Machtgier und Ruhmsucht), bedingt ihre vielen Konflikte und Kriege, auch den Missbrauch von wissenschaftlich-technischen Innovationen.

Der egoistische Mensch sieht seinen Vorteil ohne Rücksicht auf andere Lebewesen.

Emotional konditionierter Eigensinn und unbewusste Rücksichtslosigkeit sind schwer beherrschbar durch bewusste Selbstkontrolle, die zu erstreben ist mit vernünftigen Argumenten der Logik und Ethik zwecks Vermeidung von sozialem Unrecht oder möglichem Schaden.

Der Mensch wird dann klein, wenn sein Schaden groß ist.

Ärgerliche Enttäuschung über Unerwartetes oder Irrtümliches kann zu Schuldzuweisung und Streit führen, ist aber kein ausreichender Grund für verbitternde Gegnerschaft.

Schadensverursacher werden oft schnellfertig beschuldigt und verantwortlich gemacht zur Entschädigung und Entschuldigung, sogar nach einer unbeabsichtigten Schädigung im Unglücksfall ohne Gesetzesverstoß.

Der unperfekte Mensch ist nicht frei von Irrtümern und Vorurteilen.

Das 'unbewusst irrende' Gehirn der (nicht perfekten) Menschen muss die erfahrbaren Auswirkungen seiner Irrtümer (vgl. Fehlurteile wegen Unkenntnis oder falschen Vorstellungen) und die Folgen von Fehlverhalten ertragen lernen, insbesondere wenn sie Schaden oder Leid verursachen.

Eigene Fehler aus Leichtsinn sind die ärgerlichsten.

Wer eigene Fehler selbstkritisch prüft und aufrichtig zugibt, hat Rückgrat. -
Wer gelassen seine Schuldlast erträgt, muss dazu breite Schultern haben.

Belastende Schuldgefühle wegen 'nicht gewolltem' Fehlverhalten sind reduzierbar durch selbstkritische Fehleranalyse für 'einsichtige' Reue mit Selbstachtung.

Selbstvertrauen ist gut, doch besser wäre Selbstkontrolle für kluges Handeln.

Vernünftige Selbstkontrolle und freudiges Lachen sind zu fördern bei der Ausbildung von intelligenten Menschen.

Selbstbewusst denkende Menschen sind befähigt zu rationaler Selbstkontrolle und Selbstkritik hinsichtlich intentionalen Aktionen (absichtlichen Handlungen), die sie im Rahmen ihrer Handlungsfreiheit 'gewissenhaft' planen können.

Vernünftige Selbstkontrolle zur lerntypischen Verbesserung des Verstehens ist möglich mit kritikfähiger Selbstreflexion.

Kann bewusste Selbstkontrolle impulsive Äußerungen und spontane Handlungen verhindern?

Das situationsabhängige Denken, Fühlen und Handeln des lernfähigen Menschen wird vorrangig unbewusst bestimmt, insbesondere von 'instinktiven' Automatismen seines "Steinzeitgehirns" gemäß uralten 'tierischen' Dispositionen wie vor 100 000 Jahren.

Riskante Reaktionen oder Aktionen mit problematischen Konsequenzen sind möglich als unbewusst gesteuerte Affekt-Handlungen oder als Effekte von "unvernünftigen" Entscheidungen des Wunschdenkens ohne ein Abwägen von abschätzbaren Risiken.

Selbstreflexives Deuten und kognitiv-rationales Entscheiden stehen in ernstem Konflikt mit dem schwer kontrollierbaren Unbewussten, das egoistische Bedürfnisse und emotionale Wunschvorstellungen bestimmt (vgl. Selbstinteresse).

Die Macht des Unbewussten führt zu instinktiven Reaktionen und intuitiven Aktionen, die erst nach ihrem Bewusstwerden möglicherweise korrigiert werden können.

Unbewusste Automatismen können zu Irrtümern führen, die zu spät bewusst werden.

Über viele Automatismen unseres Denkens und Handelns sind wir uns selbst kaum bewusst; aber von unseren Kritikern werden unsere Eigenarten oder Angewohnheiten als individuelle Verhaltensmuster erkannt und aus subjektiver Sicht bewertet.

Unbewusste Gewohnheitshandlungen werden uns erst dann bewusst, wenn wir ihre "ungewollten" Konsequenzen erkennen.

Der "relativ freie" Wille ist ein Bewusstseinsphänomen für 'mutwillige', zielgerichtet gefällte Entscheidungen des Subjekts im Rahmen seiner Handlungsfreiheit unter aktuellen Bedingungen, - individuell bestimmt von unbewussten Gehirnzuständen.

Für jede 'bewusst gefällte' Entscheidung muss eigene Verantwortung getragen werden, - dagegen weniger für 'unüberlegte', unbewusst bestimmte oder Affekt-Handlungen.

Wer kritische Feststellungen unbedacht sagt, muss sich emotionalen Widerspruch sagen lassen.

Wer das Sagen hat, bestimmt die Zielrichtung für sein Gefolge, dessen Wohl von ihm verantwortet werden muss.

Eine relative Sicherheit ist nur durch Vorsicht und gegenseitige Rücksichtsnahme erreichbar, wobei Risiken "intelligent" abzuschätzen und rechtzeitig eigene Konsequenzen zu ziehen sind.

Voraussicht zur Absicherung erfordert "worst case tests", d. h. kritische Untersuchungen dessen, was im schlimmsten Fall passieren könnte.

Pragmatisches Handeln ohne Vorsichtsmaßnahmen ist riskant hinsichtlich notwendiger Fehlerkorrekturen zwecks Schadensbegrenzung.

Kluge Rechthaber mit praktischer Einsicht wirken selbstbewusst und selbstsicher.

Aktive Menschen gelten allgemein als optimistisch und risikofreudig, weil sie mühevolle Absicherungen oft unterlassen.

Passive, denkfaule Menschen erwarten, dass ihnen gesagt wird, was zu tun ist.

Wer selbständig handelt, um mit Selbstvertrauen seine Probleme selbstbestimmt zu lösen, ist mit eigenen Projekten beschäftigt und zeigt wenig Interesse an Problemen anderer, die ihm nicht nahe stehen.

Beim selbständigen Handeln nach eigener Planung für selbstbestimmte Ziele wird das Selbstvertrauen durch Erfolge gestärkt, wozu Geduld und Beharrlichkeit beitragen.

Die Selbstverwirklichung gilt als höchstes Ziel der Persönlichkeitsentwicklung, insbesondere für 'einsichtiges' Verstehen durch Selbstlernen aus Lebenserfahrungen.

Die selbstreflexive Besonnenheit gilt als Tugend des rechten Maßes, insbesondere zur Einschränkung von Begierde, bei der rationalen Entscheidungsfindung durch Abwägen von alternativen Handlungskonsequenzen mit der Orientierung auf Disziplin und Anerkennung der Realität.

Für eigensinnige Ziele und Aktionen sollte man besonnen das rechte Maß finden, damit ihre sozialen Auswirkungen von unverständigen Gegnern nicht bekämpft werden.

Zielorientiertes Erwägen einer optimalen Entscheidung wird ermöglicht durch 'antizipative' subjektive Bewertung von zu erwartenden Handlungskonsequenzen, die empirisch oder theoretisch vorausgesagt werden können.

Hohes Ziel für Selbständigkeit ist die "vernünftige" Selbstbestimmung durch rationale Selbstkontrolle mit einer 'sozialverträglichen' Eigennutz-Orientierung.

Eigennutz erscheint dem Egoisten vorteilhafter als Anteil am Gemeinnutz, der Eigenverzicht verlangt.

Bescheidenheit findet man selten, aber häufig bei denjenigen, die aufgrund ihrer Leistungen größere Ansprüche haben dürften.

Wenn jeder nur an sich denkt, dann gibt es nur rücksichtsloses Gewinnstreben und kein soziales Miteinander, keine Hilfsbereitschaft und auch keine Solidarität.

Menschen, die sich nicht selbst helfen können, erwarten Hilfe von anderen und sind dann verloren, wenn sie keine fremde Hilfe erlangen.

Leidminderung wird ermöglicht durch menschliche Hilfe mit Rat und Tat.

Wer uneigennützig hilft, muss Undank und womöglich Beschuldigung verkraften können.

Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft sind Tugenden, die von raffinierten Menschen ausgenutzt werden, um gespendetes Kapital zu gewinnen.

Betrüger und Wucherer entlasten sich mit dem Argument, dass sie nur das verkaufen, was Kunden haben wollen.

Ehrgeizige "Intelligenzbestien" sind rücksichtslose Aufsteiger mit freundlichem Gesicht, die zu ihrem Vorteil lügen und skrupellos handeln gemäß der jeweiligen Ideologie ihrer Geldgeber.

Dem Ungerechten sind Großmut und Milde fremd.

Erst, wenn Unrecht offenkundig ist, wird Ethik gefordert.

Fairness in Kampf oder Spiel verlangt die Einhaltung von festgelegten Regeln, die den Gegnern vorher bekannt sein müssen.

Ein "Anständiger" handelt nach bestem Wissen und Gewissen.

"Gewissen" kann mit einer 'ethisch-moralischen' Bewertungsinstanz im Gehirn erklärt werden, für die aber keine universellen Wertekategorien aus der Menschheitsgeschichte ableitbar sind.

Individuelles Gewinnstreben zwecks Bedürfnisbefriedigung bewirkt soziale Konflikte, die sich mit moralischen Vernunftweisheiten der theoretischen Handlungsethik nicht verhindern lassen.

Moralisten und Religionen haben bisher vergeblich versucht, mit ethischen Maximen und normativen Verhaltensregeln für alle Menschen sozialen Frieden zu erreichen.

Revolutionäre Ideale wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erzielen Gesetze zur sozialen Beschränkung von individuellem Gewinnstreben, Geltungsdrang und Machtmissbrauch im moralischen Konflikt mit der natürlichen Eigennutzorientierung des Menschengehirns beim Fühlen, Denken und Handeln.

Die schwierige Selbsterkenntnis ermöglicht die realistische Einschätzung und Beurteilung eigener Talente und Fähigkeiten, - als Voraussetzung für eine Selbstverwirklichung der Persönlichkeit und auch für eine Stärkung des Selbstwertgefühls, das vom sozialen Verhalten rückwirkend mitbestimmt wird.

Wer nach seiner Hilfeleistung für andere eine soziale Anerkennung erwartet, kann enttäuscht werden, denn "Undank ist der Welt Lohn".

Die "guten" Menschen, die Mitgefühl oder Hilfe für die Anderen zeigen, können nicht zugeben, dass auch sie an ihren (materiellen oder ideellen) Vorteil 'unwissentlich' denken.

Das menschentypische Verlangen nach sozialer Anerkennung entspricht dem Geltungsdrang und wirkt motivierend für Imponiergehabe, Besitzstreben, Karrieredenken, Ruhmsucht oder Machtanspruch; - im Gegensatz dazu gibt es die Bescheidenheit, Gelassenheit, Ausdauer und relative Zufriedenheit des Weisen, der selten fragt, ob er glücklich ist.

Dem 'naiven Glücksucher' fehlt eine notwendige Akzeptanz der begrenzten Erreichbarkeit des Verlangten (Spaß, Freude, Lust, Erfolg oder Geltung); - deshalb erlebt er im Fall der Nichterlangung eine persönliche Unzufriedenheit oder Resignation, die emotional ausufern kann zu Wut bzw. Verzweiflung, auch zu Hass auf vermeintlich Schuldige.

Mit sich selbst unzufriedenen Menschen benötigen Ablenkung von depressiven Gedanken, - am besten durch Beschäftigung mit nützlichen Aufgaben.

Wer nicht dankbar für Erreichtes ist und seine Wünsche nicht unter Kontrolle hat, wird ein unzufriedener und getriebener Mensch bleiben.

Wer durch erfolgreiches Handeln nutzt, kann mit sich zu frieden sein.

Als belastbar geltende Leistungsfähige sollten sich vor Überlastung schützen.

Verschonung vor Leid ist mehr Glück als ein unerwarteter Gewinn.

Wir müssen lernen, unsere Enttäuschungen mit Würde und Toleranz zu ertragen. Dabei helfen uns Aufrichtigkeit, Humor und Tapferkeit.

Habe weiterhin Mut zum Miteinander, - trotz bestärkter Skepsis durch erfahrene Ungerechtigkeit!


Hinweis: Das genetisch veranlagte Temperament und der erfahrungsgemäß gebildete Charakter eines Menschen werden psychologisch beurteilt gemäß variierenden Persönlichkeitsmerkmalen der definierten "Big Fife": Offenheit für Neues (vgl. zielstrebig / konservativ), Gewissenhaftigkeit (vgl. zuverlässig / undiszipliniert), Extraversion (vgl. gesellig / introvertiert), Verträglichkeit (vgl. kooperativ / egozentrisch) und emotionale Stabilität (vgl. ausgeglichen / sensibel). - Als "abnorm" oder "extrem" bewertete Variationen der Persönlichkeitsmerkmale sind kennzeichnend für Psychosen (d. h. Geisteskrankheiten wie Schizophrenie, Wahnvorstellungen oder Traumata) aufgrund von funktionell gestörten (verrückten) Gehirnstrukturen.
   Der produktive Charakter eines kreativen Problemlösers hat die Vorzüge von Besonnenheit, Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit, wofür eine 'rational-emotionale' Ausgewogenheit notwendig ist.
   Schwierig ist die realistische Einschätzung und Beurteilung von eigenen und anderen Charakterstrukturen (vgl. Selbsterkenntnis bzw. kognitive Empathie) mit Hilfe von erfahrungsbedingter Menschenkenntnis für existenzielle Lebensweisheit, insbesondere zur Ermöglichung des selbstbestimmten Überlebens hinsichtlich natürlicher Gefahren und Zwänge durch individuelle Abhängigkeiten (vgl. Erziehung, Elternpersönlichkeit, Partnerbeziehungen, sozialer und ökonomischer Status, auch Leid, Krankheit oder Sucht).
   Die Fähigkeit einer entwickelten Persönlichkeit zur anklagenden Einwirkung auf andere Menschen mit Hinweis auf soziale Verantwortung zwecks Überwindung von empörenden Verhältnissen wird bestimmt als ihr situationsbezüglicher Zorn (vgl. konstruktiver Protest mit Zuversicht), - im Unterschied zu destruktiver Wut- (vgl. Beleidigung, Hass-Tiraden oder -Attacken).


Siehe auch: » Geltung und Besitz  » Leben und Schicksal  » Mensch und Welt

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