Weisheiten zum Thema »Einsamkeit und Geselligkeit«

Eine diskursive Folge erlesener Aphorismen von genannten Autoren ohne Rangfolge - » VORWORT

 

Stanislaw Jerzy Lec (1909 - 1966):

Einsamkeit, wie bist du übervölkert!



Wilhelm Busch (1832 - 1908):

Wer einsam ist, der hat es gut,
weil keiner da, der ihm was tut.



Annette Kolb (geb. 1875):

Alleinsein ist schön, wenn man allein sein will,
nicht wenn man es muss.



Erich Kästner (1899 - 1974):

Am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.



Karl Kraus (1874 - 1936):

Einsamkeit wäre ein idealer Zustand, wenn man sich die Menschen aussuchen könnte, die man meidet.



Arthur Schopenhauer (1788 - 1860):

Dem intellektuell hochstehenden Menschen gewährt nämlich die Einsamkeit einen zwiefachen Vorteil: erstens den, mit sich selber zu sein, und zweitens den, nicht mit andern zu sein.

Was nun andererseits die Menschen gesellig macht ist ihre Unfähigkeit, die Einsamkeit, und in dieser sich selbst, zu ertragen. Innere Leere und Überdruss sind es, von denen sie sowohl in die Gesellschaft, wie in die Fremde und auf Reisen getrieben werden.

Übrigens kann man die Geselligkeit auch betrachten als ein geistiges Erwärmen der Menschen an einander, gleich jenem körperlichen, welches sie, bei großer Kälte, durch Zusammendrängen hervorbringen. Allein wer selbst viel geistige Wärme hat, bedarf solcher Gruppierung nicht.

Wer nun aber, zumal in jüngeren Jahren, so oft ihn auch schon gerechtes Missfallen an den Menschen in die Einsamkeit zurückgescheucht hat, doch die Öde derselben, auf die Länge, zu ertragen nicht vermag, dem rate ich, dass er sich gewöhne, einen Teil seiner Einsamkeit in die Gesellschaft mitzunehmen, also dass er lerne, auch in der Gesellschaft, in gewissem Grade, allein zu sein, demnach was er denkt nicht sofort den anderen mitzuteilen, und andererseits mit dem, was sie sagen, es nicht genau zunehmen, vielmehr, moralisch wie intellektuell, nicht viel davon zu erwarten und daher, hinsichtlich ihrer Meinungen, diejenige Gleichgültigkeit in sich zu befestigen, die das sicherste Mittel ist, um stets eine lobenswerte Toleranz zu üben.

Ein Hauptstudium der Jugend sollte sein, die Einsamkeit ertragen zu lernen: Weil sie eine Quelle des Glücks und der Gemütsruhe ist.



Karl Jaspers (1883 - 1969):

Gleichgültigkeit ist die mildeste Form der Intoleranz.



Hans Kudszus (1901 - 1977):

Abstand wahren ist der kürzeste Weg in die Nähe des anderen.



Christian Morgenstern (1871 - 1914):

Einanderkennenlernen heißt lernen, wie fremd man einander ist.



Albert Einstein (1879 - 1955):

Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können,
muss man vor allem selbst ein Schaf sein.



Stanislaw Jerzy Lec (1909 - 1966):

Unter Blinden wird auch der Einäugige blind.



Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.):

Gleich und gleich gesellt sich gern.



Hermann Hesse (1877 - 1962):

Kein Mensch fühlt im anderen eine Schwingung mit, ohne dass er sie selbst in sich hat.

Nach meiner Erfahrung ist der Feind und Verderber der Menschen der auf Denkfaulheit und Ruhebedürfnis beruhende Drang nach dem Kollektiv, nach Gemeinschaften mit absolut fester Dogmatik, sei diese nur religiös oder politisch.



Albert Schweitzer (1875 - 1965):

Wie sehr die Gedankenlosigkeit dem modernen Menschen zur zweiten Natur geworden ist, zeigt sich in der Geselligkeit, die er pflegt. Wo er mit seinesgleichen ein Gespräch führt, wacht er darüber, dass es sich in allgemeinen Bemerkungen halte und sich nicht zu einem wirklichen Austausch von Gedanken entwickele. Er hat nichts Eigenes mehr und wird von einer Art Angst beherrscht, dass Eigenes von ihm verlangt werden könnte.

Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir sind.



Thomas Clayton Wolfe (1900 - 1938):

Ein Teil allen Kummers und aller Verworrenheit des Lebens könnte vermieden werden, wenn die Menschen sich dann und wann aussprächen.



Gilbert Keith Chesterton (1874 - 1936):

Die Leute streiten im allgemeinen nur deshalb, weil sie nicht diskutieren können.



Immanuel Kant (1724 - 1804):

In Disputen ist die ruhige Stellung des Gemüts, verbunden mit Güte und Nachsicht gegen den Streitenden, ein Zeichen, dass man im Besitz der Macht sei.



Romain Rolland (1866 - 1944):

Eine Diskussion ist unmöglich mit jemandem, der vorgibt,
die Wahrheit nicht zu suchen, sondern schon zu besitzen.



Demokrit (um 460 - 360 v. Chr.):

Es ist eine Art Habsucht, alles zu sagen und nichts hören zu wollen.



japanisches Sprichwort:

Sag nicht alles, was du weißt, iss nicht alles auf, was du hast.



Max Frisch (1911 - 1991):

Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann - nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen.



Jean Giraudoux (1882 - 1944):

Wer seinen Willen durchsetzen will, muss leise sprechen.



Wilhelm Busch (1832 - 1908):

Die gute Unterhaltung besteht nicht darin, dass man selbst Gescheites sagt, sondern, dass man etwas Dummes anhören kann.

Dumme Gedanken hat jeder, nur der Weise verschweigt sie.



Indisch:

Nur der Unwissende wird böse, der Weise versteht.



Chinesisch:

Solange du dem anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du noch weit ab vom Wege der Weisheit.



Jüdisches Sprichwort:

Wirf keinen Stein in den Brunnen, aus dem du geschöpft hast.



Robert Musil (1880 - 1942):

Die Persönlichkeit ist der Ausgangspunkt und Fluchtpunkt
alles dessen, was gesagt wird, und dessen, wie es gesagt wird.



Mark Twain (1835 - 1910):

Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen.



Arthur Schopenhauer (1788 - 1830):

Höflichkeit ist wie ein Luftkissen, es mag wohl nichts drin sein, aber es mildert die Stöße des Lebens.



Indische Spruchweisheit:

Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück.



Charlie Chaplin (eigentl. Charles Spencer, 1889 - 1977):

Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag.



Japanische Weisheiten:

Wer lächelt, statt zu toben, ist immer der Stärkere.

Der Scherz ist oft das Loch, aus dem die Wahrheit pfeift.



Werner Finck (1902 - 1978):

Lächeln ist die eleganteste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen.



Amintore Fanfani (geb. 1908):

Auch mit einer Umarmung kann man einen Gegner bewegungsunfähig machen.



Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832):

Es ist Pflicht, anderen nur dasjenige zu sagen, was sie aufnehmen können.

Deutlichkeit ist eine gehörige Verteilung von Licht und Schatten.



Immanuel Kant (1724 - 1804):

Nur derjenige kann etwas auf eine populäre Weise vortragen, der es auch gründlicher vortragen könnte.

Ich kann einen anderen niemals überzeugen als durch seine eigenen Gedanken.



Max Frisch (1911 - 1991):

Es ist nicht Zeit für Ich-Geschichten. Und doch vollzieht sich das menschliche Leben oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst.



Heinrich Heine (1797 - 1856):

Wer uns vor nutzlosen Wegen warnt, leistet uns einen ebenso guten Dienst wie derjenige, der uns den rechten Weg anzeigt.



Chinesische Weisheit:

Ein guter Frager ist wie einer, der die Glocke zu schlagen versteht.

Der Weise spricht vorher, nicht nachher.



Jean Anouilh (1910 - 1987):

Geistreich sein heißt, sich leicht verständlich machen, ohne deutlich zu werden.



Pablo Picasso (1881 - 1973):

Was gibt es Gefährlicheres, als verstanden zu werden? Um so mehr, als es das gar nicht gibt. Immer wird man verkehrt verstanden. Man glaubt, man sei nicht einsam. Und in Wirklichkeit ist man es nur um so mehr.



Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916):

Es gehört immer etwas guter Wille dazu, selbst das Einfachste zu begreifen, selbst das Klarste zu verstehen.

Die Empfindung der Einsamkeit ist schmerzlich, wenn sie uns im Gewühl der Welt, unerträglich jedoch, wenn sie uns im Schoße unserer Familie überfällt.



Stefan Zweig (1891 - 1942):

Man soll den Kopf wach halten, sich nicht binden, nicht Sklave werden, frei sein.



Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781):

Wer Freunde sucht,
ist sie zu finden wert;
wer keinen hat,
hat keinen noch begehrt.



Konfuzius (551 - 479 v. Chr.):

Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von anderen. So bleibt dir mancher Ärger erspart.



Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832):

Man ist nur eigentlich lebendig, wenn man sich des Wohlwollens anderer erfreut.



Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945):

Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.






Eberhard Liß (geb. 1941):

Für sich und andere Nützliches tun bedeutet: - die kurze Lebenszeit sinnvoll nutzen.

Existenzielle Selbständigkeit gelingt mit natürlicher Eigennutz-Orientierung zwecks Selbsterhalt durch möglichst sozialverträgliche Selbstbestimmung ohne "unsoziale" Auswirkungen.

Der Selbständige hat gelernt sich selbst zu helfen und kann so seinen Selbsterhalt sichern. - Der Unselbständige ist auf fremde Hilfe angewiesen, die er nicht fordern, aber erbitten darf.

Für eigensinnige Ziele und Aktionen sollte man besonnen das rechte Maß finden, damit ihre sozialen Auswirkungen von unverständigen Gegnern nicht bekämpft werden.

Wem es mit Besonnenheit gelingt, sein Eigeninteresse auf sozialverträgliches Maß zu beschränken, der kann dann lieblose Einsamkeit vermeiden, wenn er immer wieder kooperativ auf Partner zugeht und mit Toleranz das persönliche Miteinander anstrebt.

Isolation und Einsamkeit fördern eigensinnige Selbständigkeit, können aber auch zu depressiver Hilflosigkeit führen.

Ein sensibler "ängstlicher" Mensch vermeidet emotionale Depressionen durch eine "schützende" Selbstbeschränkung seines Mitgefühls auf die ihm Nahestehenden. Er unterdrückt politisch-soziale Reflexionen und zeigt Ablehnung gegenüber vorausschauenden Problemdiskussionen, die ihm seine Macht- und Ratlosigkeit gewahr werden lassen.

Lähmende Gleichgültigkeit verhindert nötige Vorsicht, Rücksicht und auch Voraussicht; sie resultiert aus einer Abstumpfung gegenüber dem Unerfreulichen und der allgemeinen Reizüberflutung durch die Medien.

Habe weiterhin Mut zum Miteinander, - trotz bestärkter Skepsis durch erfahrene Ungerechtigkeit!

Bemühungen zum Miteinander durch Aufeinanderzugehen verbessern das Verstehen durch gegenseitiges Kennenlernen.

Begrenzter Interessenbereich und ungenügendes Wissen sind schlechte Voraussetzungen für gutes Verstehen und Lernen durch Einsicht.

Andere Menschen können uns meist nur näherungsweise verstehen, weil sie unsere Äußerungen mit Hilfe ihres eigenen Wissens interpretieren und bewerten, wobei ihre subjektiven Deutungen beeinflusst werden von ihren individuellen Auffassungen, Einstellungen und Emotionen, meist ohne Kenntnis unserer Vorstellungen und Absichten.

Die Menschen würden sich besser verstehen und vertragen, wenn sie ihre subjektiven Ansichten und unterschiedlichen Gesichtskreise besser in Übereinstimmung bringen könnten. Sie müssten hierzu mehr Gemeinsamkeiten ihres Denkens und Wissens suchen - und finden.

Aufklärung über soziale Seinserfahrungen kann menschliche Beziehungen verbessern.

Meinungsstreit und Nichtverstehen schmerzen um so mehr, enger die Beziehungen zum Partner sind.

Ein freundliches Wort im rechten Moment wirkt Wunder - und verbindet.

Echte Lebenshilfen sind Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Humor, - wohl dem, der dazu fähig ist.



Siehe auch:    » Mensch und Welt    » Leben und Schicksal

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