Weisheiten zum Thema »Leben und Schicksal«

Eine diskursive Folge erlesener Aphorismen von genannten Autoren ohne Rangfolge - » VORWORT

 

Leonardo da Vinci (1452-1519):

Wer das Leben nicht schätzt, der verdient es nicht.

Wie ein gut verbrachter Tag einen glücklichen Schlaf beschert,
so beschert ein gut verbrachtes Leben einen glücklichen Tod.



Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832):

Man ist nur eigentlich lebendig, wenn man sich des Wohlwollens andrer erfreut.

Das ganze Leben besteht aus Wollen und Nicht-Vollbringen,
Vollbringen und Nicht-Wollen.

Das Muss ist hart, aber beim Muss kann der Mensch allein zeigen, wie's inwendig mit ihm steht. Willkürlich leben kann jeder.

Man verliert nicht immer, wenn man entbehrt.

Jeder Mensch muss nach seiner Weise denken, denn er findet auf seinem Wege immer ein Wahres, oder eine Art von Wahrem, die ihm durchs Leben hilft; nur darf er sich nicht gehen lassen; er muss sich kontrollieren; der bloße nackte Instinkt geziemt nicht dem Menschen.

Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.

Wer freudig tut und sich des Getanen freut, ist glücklich.


        Glücklich wenn die Tage fließen,
        Wechselnd zwischen Freud und Leid,
        Zwischen Schaffen und Genießen,
        Zwischen Welt und Einsamkeit.


Es gibt keine Lage, die man nicht veredeln könnt durch Leisten oder Dulden.


Des Menschen Heil ist: ein immer strebend sich Bemühen in täglicher Arbeit, innig verbunden mit Besinnnung und Betrachtung.


        Das ist der Weisheit letzter Schluss:
        Nur der verdient sich Freiheit wie das leben,
        Der täglich sie erobern muss.

(Faust, 2. Teil, 5. Akt)



John Stuart Mill (1806 - 1873):

Die einzige Freiheit, die diesen Namen verdient, ist das Recht, unser Wohlergehen auf unserem eigenen Wege zu verfolgen, solange wir nicht anderen das ihrige verkümmern oder ihre darauf gerichteten Bemühungen durchkreuzen.



William Hazlitt (1778 - 1830):

Die Lebenskunst besteht darin zu wissen, wie man sich an wenigem erfreut und vieles erträgt.



George Bernard Shaw (1856 - 1950):

Die Kunst des Lebens liegt in einer dauernden Neueinstellung zu unserer Umgebung.



Anaximander (um 611 - 546 v. Chr.):

Lebenskunst ist, Problemen nicht auszuweichen, sondern daran zu wachsen.



Curt Goetz (1888 - 1960):

Ein Lebenskünstler ist, wer sich von den lästigen Kleinkriegen des Lebens nicht klein kriegen lässt.



Thomas Jefferson (1743 - 1826):

Lebenskunst ist die Kunst, Schmerzen zu vermeiden.



Konrad Lorenz (1903 - 1989):

Dem Leide aus dem Wege gehen zu wollen heißt, sich einem wesentlichen Teil des menschlichen Lebens zu entziehen.



Jean Anouilh (1910 - 1987):

Die wahren Lebenskünstler sind bereits glücklich, wenn sie nicht unglücklich sind.



Erich Fromm (1900 - 1980):

Glück ist kein Geschenk der Götter - es ist die Frucht einer inneren Einstellung.

Glücklich wird der Mensch durch die Bestätigung seiner eigenen Kräfte, wenn er sich selbst aktiv in der Welt erlebt. Es lässt sich zeigen, dass das Glück für den Menschen in der Liebe zum Leben liegt.



Maurice Barrés (1862 - 1923):

Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille zu leben, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt.




Demokrit (um 460 - 360 v. Chr.):

Ein Leben ohne Feste ist ein weiter Weg ohne Wirtshäuser.



Sokrates (496 - 399 v. Chr.):

Bedenke, dass die menschlichen Verhältnisse insgesamt unbeständig sind, dann wirst du im Glück nicht zu fröhlich und im Unglück nicht zu traurig sein.



Epikur (341 - 271 v. Chr.):

Das höchste Gut ist das Glück, das höchste Übel das Unglück.

Einem Unglück muss man begegnen mit der dankbaren Erinnerung an das Verlorene und der Erkenntnis, dass sich das Geschehene nicht ungeschehen machen lässt.

Das schauerlichste Übel, der Tod, geht uns nichts an, weil, solange wir sind, der Tod nicht da ist; ist er aber da, so sind wir nicht mehr.

Man soll sich vor keinem Gott fürchten, sondern sich frei machen vom Wahnglauben.

Der Weise wird sich nicht an der Politik beteiligen und nicht Herrscher sein wollen.

Die schönste Frucht der Selbstgenügsamkeit ist die Freiheit.



Aristoteles (384 - 322 v. Chr.):

Das Glück gehört denen, die sich selber genügen.



Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.):

Ein glückliches Leben besteht in erster Linie aus Freiheit von Sorgen.



Carl Zuckmayer (1896 - 1977):

Die Hälfte des Lebens ist Glück, die andere ist Disziplin - und die ist entscheidend, denn ohne Disziplin könnte man mit seinem Glück nichts anfangen.



Hermann Hesse (1877 - 1962):

Wer stärker individualisiert ist, muss erkennen, dass das Leben ein Kampf zwischen Opfer und Trotz, zwischen Anerkennung der Gemeinschaft und Rettung der Persönlichkeit ist.

Allerhöchster Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.

Jeder, der an einen Sinn im Leben und an die hohe Bestimmung des Menschen glaubt, ist im heutigen Chaos wertvoll, einerlei zu welcher Konfession er gehört und an welche Zeichen er glaubt.

Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.



Carl Gustav Jung (1875 - 1961):

Der Mensch braucht unbedingt Vorstellungen und Überzeugungen, die seinem Leben einen Sinn geben und ihn in die Lage versetzen, für sich einen Platz im Universum zu finden. Er kann die unglaublichsten Leiden ertragen, wenn er davon überzeugt ist, dass sie einen Sinn haben. ...
Das Gefühl einer tieferen Bedeutung des eigenen Lebens hebt einen Menschen über das bloße Nehmen und Geben hinaus. Hat man dieses Gefühl nicht, dann ist man elend und verloren.

[aus "Zugang zum Unbewussten" in: Der Mensch und seine Symbole, Walter-Verlag Olten 1979]



Niels Bohr (1885 - 1962):

Der Sinn des Lebens besteht darin, dass es keinen Sinn hat zu sagen, dass das Leben keinen Sinn hat.



Albert Einstein (1879 - 1955):

Nach dem Sinn und Zweck des eigenen Daseins sowie des Daseins der Geschöpfe überhaupt zu fragen, ist mir von einem objektiven Standpunkt aus, stets sinnlos erschienen. [Mein Weltbild, Wie ich die Welt sehe, um 1930]

Wer sein eigenes Leben und das seiner Mitmenschen als sinnlos empfindet, der ist nicht nur unglücklich, sondern auch kaum lebensfähig. [Mein Weltbild, Vom Sinn des Lebens, vor 1934]

Seltsam erscheint unsere Lage auf dieser Erde. Jeder von uns erscheint da unfreiwillig und ungebeten zu kurzem Aufenthalt, ohne zu wissen warum und wozu. Im täglichen Leben fühlen wir nur, dass der Mensch um anderer willen da ist: solcher, die wir lieben, und zahlreicher anderer ihm schicksalsverbundener Wesen. [Mein Glaubensbekenntnis, Schallplatte, 1932]

Vollkommenheit der Mittel und Verworrenheit der Ziele scheinen mir unsere Zeit zu charakterisieren. Wenn wir Sicherheit, Wohlergehen und freie Entfaltung der Fähigkeiten aller Menschen ehrlich und leidenschaftlich wünschen, so wird es uns an Mitteln nicht mangeln, uns einem solchen Zustand zu nähern. Wenn auch nur ein kleiner Teil der Menschheit von solchen Zielen erfüllt ist, wird er für die Dauer sich als überlegen erweisen. [Einstein-Archiv, Jerusalem, 28-557, S. 3, 1941]



Erich Fromm (1900 - 1980):

Bei der Kunst des Lebens ist der Mensch sowohl der Künstler als auch der Gegenstand seiner Kunst. Er ist der Bildhauer und der Stein, der Arzt und der Patient.

Der Bereich der Liebe, Vernunft und Gerechtigkeit existiert als Realität nur deshalb und insofern, als der Mensch es vermochte, während des gesamten Evolutionsprozesses diese Kräfte in sich zu entwickeln. Nach dieser Auffassung besitzt das Leben keinen Sinn außer dem, den der Mensch ihm gibt; die Menschen sind völlig allein und können ihre Einsamkeit nur überwinden, indem sie einander helfen. [Die Kunst des Liebens, Liebe zu Gott]

Ich glaube, dass weder das Leben noch die Geschichte einen letzten Sinn hat, der seinerseits dem Leben des Einzelnen Bedeutung verleihen oder sein Leiden rechtfertigen könnte. Angesichts der Widersprüche und Schwächen, die der Existenz des Menschen anhaften, ist es nur allzu natürlich, dass er nach einem »Absoluten« sucht, das ihm die Illusion der Gewissheit gibt und die Last der Konflikte, des Zweifels und der Verantwortung von seinen Schultern nimmt. Aber kein Gott, weder im theologischen noch im philosophischen noch auch im historischen Gewand, errettet oder verdammt den Menschen. [aus: "Jenseits der Illusionen", Die Bedeutung von Marx und Freud, 12 Credo (1962), Deutscher Taschenbuch Verlag 2006, S. 194]



Bertrand Russell (1872 - 1970):

Solange man nicht annimmt, dass es einen Gott gibt, bleibt die Frage nach dem Sinn des Lebens sinnlos.



Samuel Butler (1835 - 1902):

Ist das Leben lebenswert? Das ist eine Frage für einen Embryo, nicht für einen Erwachsenen.

Leben ist die Kunst, aus falschen Voraussetzungen richtige Schlüsse zu ziehen.



John Henry Newman (1801 - 1890):

Leben heißt sich verändern.

Vollkommen sein heißt, sich oft verändert haben.



Oscar Wilde (1854 - 1900):

Darauf läuft alles Leben hinaus: sich zu entfalten.

Ziel des Lebens ist die Selbstentwicklung. Das eigene Wesen völlig zur Entfaltung bringen, das ist unsere Bestimmung.

Die Menschen fragen immer nur nach dem Preis und nicht nach dem Wert.



Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835):

Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.



Albert Schweitzer (1875 - 1965):

Liebe Menschen im Leben haben, macht den Reichtum des Daseins aus.



André Gide (1869 - 1951):

Die Art, in der wir versuchen, der äußeren Welt unsere private Deutung aufzuerlegen, macht das Drama unseres Lebens aus. Alle, die behaupten, nach gewissen Lebensregeln zu handeln - wie schön diese Regeln auch sein mögen - , scheinen mir Narren zu sein oder zumindest Tölpel, unfähig, das Leben auszunutzen - das heißt, vom Leben zu lernen.

Verstehen heißt, sich eine Frage stellen, die durch das, was man versteht, genau beantwortet wird.



Immanuel Kant (1724 - 1804):

Ein jeder Mensch macht sich einen eigenen Plan seiner Bestimmung auf dieser Welt. Geschicklichkeiten, die er erwerben will, Ehre und Gemächlichkeit, die er sich davon für künftig verspricht, dauerhafte Glückseligkeiten im ehelichen Leben und eine lange Reihe von Vergnügungen oder von Unternehmungen machen die Bilder der Zauberlaterne aus, die er sich sinnreich zeichnet und lebhaft nacheinander in seinen Einbildungen spielen lässt. Der Tod, der dieses Schattenspiel schließt, zeigt sich nur in dunkler Ferne und wird durch das Licht, das über die angenehmeren Stellen verbreitet ist, verdunkelt und unkenntlich gemacht. Während dieser Träumereien führt uns unser wahres Schicksal ganz andere Wege. Das Los, das uns wirklich zuteil wird, sieht demjenigen selten ähnlich, was wir uns versprachen; wir finden uns bei jedem Schritte, den wir tun, in unseren Erwartungen getäuscht, indessen verfolgt gleichwohl die Einbildung ihr Geschäft und ermüdet nicht, neue Entwürfe zu zeichnen, bis der Tod, dennoch immer fern zu sein scheint, plötzlich dem ganzen Spiel ein Ende macht.

Was der feinere Teil der Menschen Leben nennt, ist ein wunderliches Gewebe von langweiligen Zeitkürzungen, auch mehreren Plagen der Eitelkeit und einem ganzen Schwarm alberner Zerstreuungen. Der Verlust derselben wird meist für noch viel ärger als der Tod gehalten.

Das Ausfüllen der Zeit durch planmäßig fortschreitende Beschäftigungen, die einen großen beabsichtigten Zweck zur Folge haben, ist das einzige sichere Mittel, seines Lebens froh und dabei doch auch lebenssatt zu werden.



Sir Winsten Churchill (1874 - 1965):

Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.



Thornton Niven Wilder (1897 - 1975):

Das ist alles, was wir tun können: immer wieder von neuem anfangen - immer wieder und wieder.



Walter Janka (geb. 1914):

Um neu zu beginnen, muss das Alte überwunden werden. Was nicht von selbst stürzt, muss man abtragen. Aber mit dem Abtragen allein ist es nicht getan. Man muss auch wissen, worin das Neue besteht, wie es besser zu machen ist.



Ernst Ferstl (geb. 1955):

Es spricht nichts gegen ein Leben für etwas. Ganz im Gegenteil.

Wir müssen oft neu anfangen, aber nur selten von vorne.

Nichts in unserem Leben geschieht ohne Grund. Der Rest ist Zufall.

Wenn wir den Sinn des Lebens suchen, finden wir im Idealfall unseren eigenen Weg.

Der Sinn des Lebens: immer das Leben und die Liebe im Sinn zu haben.

Wer um die Wurzeln seines Lebens weiß, kann seinen Gedanken, Worten und Werken Flügel verleihen.

Ob wir vom Leben hart- oder weichgeklopft werden, hängt davon ab, ob wir hart oder weich sind.

Die Kunst eines erfüllten Lebens ist die Kunst des Lassens: Zulassen - Weglassen - Loslassen.



Lin Yutang (1895 - 1976):

Neben der edlen Kunst, Dinge zu tun, gibt es die Kunst, Dinge ungetan zu lassen.

Die Weisheit des Lebens besteht im Weglassen des Unwesentlichen.



Oskar Wilde (1854 - 1900):

Meiner Ansicht nach ist das Geheimnis des Lebens, die Dinge sehr, sehr leicht zu nehmen.



Theodor Fontane (1819 - 1898):


                Kunst des Lebens

        Leicht zu leben, ohne Leichtsinn,
        heiter zu sein, ohne Ausgelassenheit,
        Mut zu haben, ohne Übermut.



Chinesisch:

Hauptsache ist, dass wir lächeln können zu unserem Leben, unseren Pflichten, ja unseren Leiden.



Christian Morgenstern (1871 - 1914):

Sieh, das ist Lebenskunst: Vom schweren Wahn des Lebens sich befrein, fein hinzulächeln übers große Muss.



Philipp Nicodemus Frischlin (1547 - 1590):

Sich selbst und die lieben Mitmenschen nicht gar so ernst zu nehmen, lässt uns in vielen Fällen den lächerlichen Kleinkram, den wir Sorge nennen, erträglicher erscheinen. Ist es wirklich so wichtig, das bisschen Leben?



George Bernard Shaw (1856 - 1950):

Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe.



Franz M. Wuketits (geb. 1955):

»Ja« zum Leben bedeutet, den Tatsachen ins Auge zu sehen: die Natur nicht nur in ihren uns angenehm erscheinenden Aspekten zu sehen, sondern auch ihre »ewigen Zyklen« von Leben und Sterben, Geburt und Tod, Aufbau und Zerstörung zu erkennen und zur Einsicht zu gelangen, dass sich selbst ein Leben in diesem Schlamassel für jeden einzelnen von uns lohnen kann, wenn auch nur für begrenzte Zeit und ohne irgendeine noch so vage Aussicht auf das Paradies.



Albert Einstein (1879 - 1955):

Wie ohnmächtig auch die guten und gerechten Menschen sein mögen, sie allein machen das Leben lebenswert.

Der Mensch kann eben in seinem kurzen und gefahrenreichen Leben einen Sinn nur finden, wenn er sich dem Dienst an der Gesellschaft widmet.

Und es ist die hohe Bestimmung des Menschen, mehr zu dienen als zu herrschen oder sich sonst in irgendeiner Form zu erheben.

Nur das Leben im Dienst anderer ist ein lebenswertes Leben.

Nicht auf Personen kommt es an, sondern auf Werke im Dienst der Gesellschaft.

[Hohes Ziel:] Freie und selbstverantwortliche Entfaltung des Individuums, damit es seine Kräfte froh und freiwillig in den Dienst der Gemeinschaft aller Menschen stelle. Da ist kein Platz für Vergottung einer Nation, einer Klasse oder gar eines Individuums.



William Shakespeare (1564 - 1616):

Der bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht.



Arabischer Rat:

Sage nicht alles, was du weißt,
tue nicht alles, was du kannst,
glaube nicht alles, was du hörst, und
verbrauche nicht alles, was du hast!



Arthur Schopenhauer (1788 - 1860):

Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat an Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen: durch erstere wird man vor Schaden und Verlust, durch letztere vor Streit und Händel geschützt. Wir erkennen alsdann, dass das Beste, was die Welt zu bieten hat, eine schmerzlose, ruhige, erträgliche Existenz ist und beschränken unsere Ansprüche auf diese, um sie desto sicherer durchzusetzen.

Denn überhaupt ist die Basis unseres Wesens und folglich auch unseres Glücks unsere animalische Natur. Daher ist, für unsere Wohlfahrt, Gesundheit das Wesentlichste, nächst dieser aber die Mittel zu unserer Erhaltung, also ein sorgenfreies Auskommen. Ehre, Glanz, Rang, Ruhm, so viel Wert auch mancher darauf legen mag, können mit jenen wesentlichen Gütern nicht kompetieren (wetteifern), noch sie ersetzen: vielmehr würden sie, erforderlichenfalls, unbedenklich für jene hingegeben werden.

Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. - Man muss nach reiflicher Überlegung und scharfem Nachdenken, seinem eigenen Charakter gemäß handeln. Also auch im Praktischen ist Originalität unerlässlich: sonst passt was man tut nicht zu dem, was man ist.

Um mit vollkommener Besonnenheit zu leben und aus der eigenen Erfahrung alle Belehrung, die sie enthält, herauszuziehen, ist erfordert, dass man oft zurückdenke und was man erlebt, getan, erfahren und dabei empfunden hat rekapituliere, auch sein ehemaliges Urteil mit seinem gegenwärtigen, seinen Vorsatz und Streben mit dem Erfolg und der Befriedigung durch denselben vergleiche.

Ein wichtiger Punkt der Lebensweisheit besteht in dem richtigen Verhältnis, in welchem wir unsere Aufmerksamkeit teils der Gegenwart, teils der Zukunft widmen, damit nicht die eine uns die andere verderbe. Viele leben zu sehr in der Gegenwart: die Leichtsinnigen; - andere zu sehr in der Zukunft: die Ängstlichen und Besorglichen. Selten wird einer genau das rechte Maß halten.

Leben ist vom Standpunkt der Jugend aus gesehen eine unendlich lange Zukunft; vom Standpunkt des Alters aus eine sehr kurze Vergangenheit.

Das Schicksal mischt die Karten, wir spielen.

Vorzügliche und edle Menschen werden jener Erziehung des Schicksals bald inne und fügen sich bildsam und dankbar in dieselbe: sie sehen ein, dass in der Welt wohl Belehrung, aber nicht Glück zu finden sei, werden es sonach gewohnt und zufrieden, Hoffnungen gegen Einsichten zu vertauschen, und sagen endlich mit Petrarka: Kein anderes Glück empfind' ich als zu lernen.



Heinrich von Kleist (1777-1811):

Unsere äußeren Schicksale interessieren die Menschen, die inneren nur den Freund.



Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916):

Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.

Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.

Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, geben uns den Halt im Leben.



Ignazio Silone (1900-1978):

Schicksal ist eine Erfindung der Feigen und Resignierten.



Ernst Bloch (1885 - 1977):

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, besonders wenn er keines hat.



Marc Aurel (Marcus Aurelius, 121 - 180):

Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht.



Jean de la Bruyére (1645 - 1696):

Das Leben ist eine Tragödie für die, die fühlen, und eine Komödie für die, die denken.



Rabindranath Tagore (Thakur, 1861 - 1941):

Leuchtende Tage - nicht weinen, dass sie vorüber, sondern lächeln, dass sie gewesen.



Thornton N. Wilder (1897 - 1975):

Ein Übermaß an Hoffnung ist nicht ungefährlich. Es wirkt wie örtliche Betäubung auf die Tatkraft.



Gottfried Benn (1886 - 1956):

Hoffen heißt: Vom Leben falsche Vorstellungen haben.



Anatole France (1844 - 1924):

Wer von den ungewissen Ereignissen der Zukunft nichts erhofft und nichts befürchtet, ist wahrhaft klug.

Die Wahrheit ist: das Leben ist entzückend, schrecklich, charmant, grauenvoll, süß, bitter, und das ist alles.



H.-G.-V. R. Comte de Mirabeau (1749 - 1791):

Es gibt nur drei Formen, um im Leben zu bestehen:
stehlen, betteln oder etwas leisten.



Laotse (vor 300 v. Chr.):

Wirken, nicht gewinnen! Schaffen, nicht besitzen!

Wer auf sich sieht, strahlt nicht in die Welt.



Friedrich Nietzsche (1844 - 1900):

Das beste Mittel, jeden Tag gut zu beginnen, ist beim Erwachen daran denken, ob man nicht wenigstens einem Menschen an diesem Tage eine Freude machen könne.

Seines Todes ist man gewiss: Warum sollte man nicht heiter sein?



Karl Raimund Popper (1902 - 1994):

... Das ist die Tatsache, dass der Tod unserem Leben einen Wert, und zwar in gewissem Sinne einen beinahe unendlichen Wert verleiht und die Aufgabe dringlicher und attraktiver macht, unser Leben dazu zu nutzen, etwas für andere zu leisten...

(aus: Das Ich und sein Gehirn, Piper 1989, S. 654, Dialog mit John C. Eccles)



Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781):

Totsein hat nichts Schreckliches und insofern Sterben nichts als der Schritt zum Totsein ist, kann auch das Sterben nichts Schreckliches haben.

(aus: Wie die Alten den Tod gebildet, 1769)



Bertold Brecht (1898-1956):

Ihr sterbt mit allen Tieren, und es kommt nichts nachher.

Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.



Immanuel Kant (1724 - 1804):

Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, ist nicht tot, der ist nur fern.
Tot ist nur, wer vergessen wird.

Der Himmel hat dem Menschen als Gegengewicht zu den vielen Mühseligkeiten des Lebens drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.



Siegmund Graff (1898 - 1979):

Lachen erhält jung - und es wird aus eben diesem Grund mit dem Alter immer kostbarer.



Henrik Ibsen (1828 - 1906):

Lebenskünstler wissen,dass es vor allem darauf ankommt, sich mit den richtigen Leuten zu vergleichen.



Eugen Roth (1895 - 1976):

        Gesunde quält oft der Gedanke:
        Wohin sie schauen - lauter Kranke!
        Doch blickt ein Kranker in die Runde,
        Sieht er nur unverschämt Gesunde.






Eberhard Liß (geb. 1941):

Hohes Ziel für Selbständigkeit ist die "vernünftige" Selbstbestimmung durch rationale Selbstkontrolle mit einer 'sozialverträglichen' Eigennutz-Orientierung (vgl. Gewissen).

Aktive Menschen, die selbständig handeln wollen, müssen lernen Unsicherheit zu ertragen und Verantwortung für ihre Urteile und Taten zu übernehmen.

Nützliches für sich und andere tun bedeutet: - die kurze Lebenszeit sinnvoll nutzen.

Ein glückliches Leben ist möglich durch sinnvolles Tun zwecks Selbsterhaltung und sozialer Anteilnahme.

Glücklich ist, wer sich freuen kann.

Das Gefühl der Freude über einen schönen Eindruck wird als Glücksmoment erlebt entsprechend dem Bewusstmachen von emotionalem Wohlempfinden.

Erlebte Freude am Denken und Gestalten ermutigt und stärkt das Selbstvertrauen.

Viele kleine und wenige große Lebensfreuden helfen uns über den existentiellen Ernst des Lebens und mögliche Schicksalsschläge hinweg.

Wer Schönes am Leben mit Freude findet und wer Leid ohne Verzagen ertragen kann, der wird als ein 'Lebenskünstler' geachtet.

Das Leben glücklich meistern ohne Klagen, - das ist Lebenskunst.

Lebenskünstler pendeln erfolgreich zwischen riskantem Austesten eigener Grenzen und sicherheitsorientierter Selbsteinschränkung.

Die bewusste Selbstverwirklichung ist eine Lebenskunst. Sie gleicht einer gefährlichen Gratwanderung zwischen faulen Kompromissen und kämpferischer Selbstaufopferung.

Lebenskunst erfordert das Finden und Einhalten des rechten Maßes für eigenwillige Bestrebungen.

Das gesunde Maßhalten einer realistischen Lebensführung erfordert eine sinnvolle Begrenzung der individuellen Ansprüche gemäß natürlicher Eigennutzorientierung und kann gelingen durch vernünftige Selbstkontrolle und rationale Einsicht, wobei das jeweils 'rechte' Maß schwierig zu bestimmen ist, - angesichts verführender Werbung und sittlicher Indoktrinierung.

Dem lernenden Lebenskünstler mit Selbstvertrauen gelingen optimale Entscheidungen zum Selbsterhalt, besonders durch Selbsthilfe und Selbstvorsorge.

Hohe Lebenskunst wird bestimmt als Lebensweisheit aufgrund von Erfahrungen und Erkenntnissen für rationale Einsicht beim Denken und Gestalten.

Erfolgreiche Problemlöser bauen auf ihr Erfahrungswissen und können Unbestimmtheit mit wenig Angst ertragen.

Planlos leben mit naiver Zuversicht ist bequemer als voraussichtiges Denken mit ungewissen Modellvorstellungen beim Problemlösen.

Pragmatisches Handeln ohne Vorsichtsmaßnahmen ist riskant hinsichtlich notwendiger Fehlerkorrekturen zwecks Schadensbegrenzung.

Wer ohne Sicherheitspolster über seine Verhältnisse lebt, der tappt in die Schuldenfalle.

Wer seine Schaffenskraft nutzvoll einsetzt, führt ein erfülltes Leben.

Für sich und andere Nützliches tun bedeutet: - die Lebenszeit nutzen.

Die spürbare Ohnmacht unserer Vernunft gegenüber Unverstand und Überschätzung darf uns nicht entmutigen, immer wieder aus unseren Erfahrungen und auch Fehlern zu lernen. - Nur durch Selbstlernen können wir erforderliches Wissen in unserem unvollkommenen Steinzeitgehirn ausbilden.

Auch Lebenskünstler machen Fehler, die sie erkennen sollten, um aus ihnen zu lernen.

Wer eigene Fehler selbstkritisch prüft und aufrichtig zugibt, hat Rückgrat. - Wer gelassen seine Schuldlast erträgt, muss dazu breite Schultern haben.

Leidminderung wird ermöglicht durch menschliche Hilfe mit Rat und Tat.

Selbstmitleid hilft nicht weiter, - schwächt sogar Tatkraft und Lebensmut.

Wer die vielen Übel erkennt, die er nicht bekämpfen kann, der muss sich mit konstruktiver Gelassenheit vor Ärger und Depression schützen, um sein Tagwerk erfolgreich erledigen zu können.

Je älter man wird, um so mehr muss man beim Durchhalten aushalten.

Im Lebenskampf hilft persönliche Entschlusskraft zur Überwindung von Unglück und Leid, - entsprechend einem eigenen Schlüssel zum Glück, mit dem wieder Quellen der Lebensfreude erschlossen werden können.

Aktive Menschen, die selbständig handeln wollen, müssen lernen Unsicherheit zu ertragen und Verantwortung für ihre Urteile und Taten zu übernehmen.

Existenzielle Selbständigkeit gelingt mit natürlicher Eigennutz-Orientierung zwecks Selbst-erhalt durch möglichst sozialverträgliche Selbstbestimmung ohne "unsoziale" Auswirkungen.

Wir erfahren ein beglückendes Selbstwertgefühl und neuen Lebensmut nach erfolgreicher Anstrengung oder tapferem Durchhalten, wobei eigener Humor erleichternd wirkt.

Humorvolles Lachen macht den Ernst des Lebens erträglicher.

Echte Lebenshilfen sind Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Humor, - wohl dem, der dazu fähig ist.

Wer seine Schaffenskraft nutzvoll einsetzt, führt ein erfülltes Leben.

Wer durch erfolgreiches Handeln nutzt, kann mit sich zufrieden sein.

Ein ideales Lebensziel ist das "Verstehen lernen" durch Erkenntnisse zur Wissensverbesserung zwecks Wahrheitsfindung, d. h. das Gewinnen von Einsicht in natürliche Zusammenhänge mit Respekt vor dem Leben.


Siehe auch:   » Charakter und Tugend    » Genuss und Glück   » Mensch und Welt

                 » LEBENSKUNST - Aphorismen und Zitate  » Logos und Seinserfahrung

Literaturauswahl:  » Erkenntnisse zu Evolution, Mensch und Technik

HOME: » Zitate-Archiv »Zeitlose Weisheiten« im LISS-KOMPENDIUM


www.liss-kompendium.de  ©  Copyright by Eberhard Liß