Weisheiten zum Thema »Mensch und Welt«

Eine diskursive Folge erlesener Aphorismen von genannten Autoren ohne Rangfolge - » VORWORT

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832):

Der Mensch kennt nur sich selbst, insofern er die Welt kennt.

Wir mögen die Welt kennenlernen, wie wir wollen: Sie wird immer eine Tag- und eine Nachtseite behalten.

Ohne Ernst ist in der Welt nichts möglich.

Je älter man wird, desto mehr verallgemeint sich alles, und wenn die Welt nicht ganz und gar verschwinden soll, so muss man sich zu denen halten, welche sie aufzubauen imstande sind.


          Selig wer sich vor der Welt
          Ohne Hass verschließt,
          Einen Freund am Busen hält
          Und mit ihm genießt.

[aus: "An den Mond", 1776]



Jean Paul (Friedrich Richter, 1763 - 1825):

Keine Zeit ist mit der Welt zufrieden, das heißt, die Jünglinge halten die künftige für idealer als die gegenwärtige, die Alten die vergangene.



Lord Byron (1788 - 1824):

Die "guten alten Zeiten" - alle Zeiten, wenn alt, sind gut.



André Malraux (1901 - 1976):

Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.



Franz M. Wuketits (geb. 1955):

Die etwa zwei Jahrmillionen, die seit der Entstehung der Gattung Homo verstrichen sind, sind ein sehr kurzer Zeitraum, und die knapp vierzigtausend Jahre, die Homo sapiens sapiens bisher auf der Erde weilte, sind auf der Zeitskala der Evolution eine praktisch unbedeutende Zeitspanne. Dennoch spielt sich in dieser Zeitspanne - mit immer höherer Beschleunigung - das größte Drama in der Entwicklungsgeschichte des Lebens auf der Erde ab.

Dem Menschen ist die Fähigkeit eigen, sich bewusste Ziele zu setzen, Absichten zu verfolgen, in die Vergangenheit und in die Zukunft zu blicken. Kraft seines Selbstbewusstseins kann sich jeder einzelne Mensch von seiner Umgebung, seinen Artgenossen und anderen Lebewesen deutlich »abheben«. Er kann seine Ziele bewusst gegen die Interessen anderer Lebewesen verfolgen und durchzusetzen versuchen. Daher kann er auch enorme Katastrophen anrichten.

[Zitate aus 'Die Selbstzerstörung der Natur', Deutscher Taschenbuch Verlag 2002, S. 126].



Jean-Paul Sartre (1905 - 1980):

Der Mensch, der verurteilt ist, frei zu sein, trägt das ganze Gewicht der Welt auf seinen Schultern; er ist, was seine Seinsweise betrifft, verantwortlich für die Welt und für sich selbst.



Christian Morgenstern (1871 - 1914):

Wer die Welt zu sehr liebt, kommt nicht dazu, über sie nachzudenken. Wer sie zu wenig liebt, kann nicht gründlich genug über sie denken.



Carl Friedrich von Weizsäcker (1912 - 2007):

In der Natur ist das Zweckmäßige da, ohne dass wir ein Bewusstsein erkennen könnten, das sich diese Zwecke setzt. Gerade in Bezug auf die Zweckmäßigkeit gilt, dass das Sein älter ist als das Wissen.

Nur die Erfahrung beweist es: was wirklich ist, muss möglich sein.

Erst Sterblichkeit und Fortpflanzung bringen den Überschuss an Individuen und damit den Kampf ums Dasein hervor, der der Motor der Entwicklung ist. Das Leben entwickelt sich weiter, weil jedes lebende Wesen auf der Schwelle des Todes steht.

Nicht alles, was entstehen kann, bleibt; die objektive Zweckmäßigkeit im Kampf ums Dasein trifft die Auswahl.

[Zitate aus: "Die Geschichte der Natur", IX. Das Leben, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1954, S. 89, 92, 94 bzw. 93]



Werner Heisenberg (1901 - 1976):

Ist es völlig sinnlos, sich hinter den ordnenden Strukturen der Welt im Großen ein »Bewusstsein« zu denken, dessen »Absicht« sie sind? Natürlich ist auch die so gestellte Frage eine Vermenschlichung des Problems, denn das Wort »Bewusstsein« ist ja aus menschlichen Erfahrungen gebildet.

[aus "Der Teil und das Ganze", 17. Positivismus, Metaphysik und Religion (1952), Deutscher Taschenbuch Verlag 1983, S. 250]



Carl Gustav Jung (1875 - 1961):

Menschliches Bewusstsein erst hat objektives Sein und den Sinn geschaffen, und dadurch hat der Mensch seine im großen Seinsprozess unerlässliche Stellung gefunden.

Der Mensch braucht unbedingt Vorstellungen und Überzeugungen, die seinem Leben einen Sinn geben und ihn in die Lage versetzen, für sich einen Platz im Universum zu finden. Er kann die unglaublichsten Leiden ertragen, wenn er davon überzeugt ist, dass sie einen Sinn haben. ...
Das Gefühl einer tieferen Bedeutung des eigenen Lebens hebt einen Menschen über das bloße Nehmen und Geben hinaus. Hat man dieses Gefühl nicht, dann ist man elend und verloren.

[aus "Zugang zum Unbewussten" in: Der Mensch und seine Symbole, Walter-Verlag Olten 1979]


Ohne das reflektierende Bewusstsein des Menschen ist die Welt von gigantischer Sinnlosigkeit, denn der Mensch ist nach unserer Erfahrung das einzige Wesen, das «Sinn» überhaupt feststellen kann.

[aus "Erinnerungen, Träume, Gedanken", Appendix: Aus einem Brief an einen Kollegen (1959), Walter-Verlag Olten 1984]



Albert Schweitzer (1875 - 1965):

Nimmt man die Welt, wie sie ist, so ist es unmöglich, ihr einen Sinn beizulegen, in dem die Zwecke und Ziele des Wirkens des Menschen und der Menschheit sinnvoll sind.

Die Welt lässt sich keinen Sinn abgewinnen, in dem ethisches Wirken des Menschen sinnvoll ist. ...

Nicht durch ein Erkennen, sondern durch ein Erleben der Welt kommen wir in ein Verhältnis zu ihr. [Kultur und Ethik, 1923]

Die Wahrheit einer Weltanschauung hat sich darin zu erweisen, dass das geistige Verhältnis zum Sein und zur Welt, in das wir durch sie kommen, innerliche Menschen mit tätiger Ethik aus uns macht. ...

Die Idee der Ehrfurcht vor dem Leben ergibt sich als die sachliche Lösung der sachlich gestellten Frage, wie der Mensch und die Welt zusammengehören. ...

Die einzige Möglichkeit, seinem Dasein einen Sinn zu geben, besteht darin, dass er sein natürliches Verhältnis zur Welt zu einem geistigen erhebt. ...

Nur der Mensch, der durch Resignation hindurchgegangen ist, ist der Weltbejahung fähig. ...

Die Ehrfurcht vor dem Leben enthält in sich Resignation, Welt- und Lebensbejahung und Ethik, die drei Grundelemente einer Weltanschauung, als untereinander zusammenhängende Ergebnisse des Denkens. [Aus meinem Leben und Denken, Epilog, 1931]



Erich Fromm (1900 - 1980):

Nur der Mensch allein kann für sein Leben ein Ziel und die Mittel zur Verwirklichung dieses Ziels finden. Er kann keine rettende letzte oder absolute Antwort finden, aber er kann nach seiner Intensität, Tiefe und Klarheit des Erlebens streben, die ihm die Kraft verleiht, ohne Illusionen zu leben und frei zu sein.

[aus: "Jenseits der Illusionen", Die Bedeutung von Marx und Freud, 12 Credo (1962), Deutscher Taschenbuch Verlag 2006, S. 194]



Richard P. Feynman (1918 - 1988):

Nach Prüfung aller früheren Auffassungen kommen wir zu dem Schluss, dass wir die Bedeutung von Leben nicht kennen; doch das Eingeständnis, dass wir nicht wissen, was Sinn und Zweck des Lebens ist, eröffnet uns wahrscheinlich den Ausweg - wir brauchen im Rahmen unserer Weiterentwicklung nur genau dies zuzulassen, dann laufen wir nicht Gefahr, uns alle anderen Möglichkeiten zu verbauen, begeistern uns nicht dafür, über ein endgültiges Wissen, die absolute Wahrheit zu verfügen, sondern verharren immer in Ungewissheit - wir gehen das Wagnis ein.

[aus: "Es ist so einfach, Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken", Piper Verlag GmbH München 2003, S. 151]



Hermann Hesse (1877 - 1962):

Die Welt ist nicht da, um verbessert zu werden. Auch ihr seid nicht da, um verbessert zu werden. Ihr seid aber da, um ihr selber zu sein. Ihr seid da, damit die Welt um diesen Klang, um diesen Ton, um diesen Schatten reicher sei. Sei du selbst, so ist die Welt reich und schön! Sei nicht du selbst, sei Lügner und Feigling, so ist die Welt arm und scheint dir der Verbesserung bedürftig. ...

Die Welt ist grausam, sie ist unberechenbar, sie liebt nur Starke und Gewandte, sie liebt die, die sich selber treu bleiben.

[Zitate aus: "Was sollen wir tun?" - Teildruck aus "Zarathustras Wiederkehr", geschrieben 1919]



Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916):

Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.



Konrad Adenauer (1876 - 1967):

Ein erfolgreicher Politiker muss nicht Recht haben, sondern Recht behalten.



Bertolt Brecht (1898 - 1956):

Die Veränderbarkeit der Welt beruht auf ihrer Widersprüchlichkeit.

Wirklicher Fortschritt ist nicht Fortgeschrittensein, sondern Fortschreiten.



Ernst Barlach (1870 - 1938):

Im Wandel der Dinge, im Entstehen, Verwehen, Verderben, Vergessen, bleibt das unverlierbare Einssein. Was geschieht, wird künftig anders geschehen, aber die Gewalt des Geschehens, der Geist des Waltens ist der gleiche.



Arthur Schopenhauer (1788 - 1860):

Der Wechsel allein ist das Beständige.

Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt.



Mahatma Gandhi (1869 - 1948):

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier.



Gottfried Keller (1819 - 1890):

Am Ende ist uns wohler, wenn wir nicht zu viel von der Welt wollen und das, was sie uns freiwillig gibt, als gelegentlichen Fund betrachten.



Charles Dickens (1812 - 1870):

Der Humor nimmt die Welt hin, wie sie ist, sucht nicht zu bessern und zu bekehren, sondern sie mit Weisheit zu ertragen, da sie doch nur eine närrische Welt ist und bleiben wird.



Marc Aurel (121 - 180):

Die beste Art sich zu wehren ist, nicht Gleiches mit Gleichem vergelten.



Voltaire (1694 - 1778):

In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon ein Widerspruch in sich.



Immanuel Kant (1724 - 1804):

Dass die Welt im argen liegt, ist eine Klage, die so alt ist wie die Geschichte.


Man könnte Weltwissenschaft und Weltweisheit unterscheiden, die erste ist die Gelehrsamkeit, die zweite Kenntnis von der Bestimmung des Menschen.


Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt:

der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.



Das Feld der Philosophie in weltbürgerlicher Bedeutung lässt sich auf folgende Fragen bringen:

          Erstens: Was kann ich wissen?

          Zweitens: Was soll ich tun?

          Drittens: Was darf ich hoffen?

          Viertens: Was ist der Mensch?

Die erste Frage beantwortet die Metaphysik, die zweite die Moral,
die dritte die Religion und die vierte die Antropologie.



Der Philosoph muss also bestimmen können, erstens: die Quellen des menschlichen Wissens; zweitens: den Umfang des Wissens, und endlich drittens: die Grenzen der Vernunft. Das letztere ist das nötigste, aber auch das schwerste.


Philosophie ist für den Menschen Bestrebung zur Weisheit, die jederzeit unvollendet ist.


Der größte und vielleicht einzige Nutzen aller Philosophie ist wohl nur negativ: da sie nämlich nicht als Organ zur Erweiterung,
sondern als Disziplin zur Grenzbestimmung dient und, anstatt Wahrheit zu entdecken, nur das stille Verdienst hat, Irrtümer zu verhüten.


Philosophieren lässt sich nur durch Übung und selbsteigenen Gebrauch der Vernunft lernen.



Friedrich W. Nietzsche (1844 - 1900):

Die Grenzen der menschlichen Vernunft begreifen -
das ist wahrhafte Philosophie.



Blaise Pascal (1623 - 1662):

Der Philosophie spotten, das heißt wahrhaft philosophieren.



Sokrates (496 - 399 v. Chr.):

Das Staunen ist die typische Reaktion der Philosophen.
Dies und nichts anderes ist der Anfang der Philosophie.



Thomas von Aquin (1225 - 1274):

Das Staunen ist eine Sehnsucht nach Wissen.



Sigmund Graff (1898 - 1979):

Es gibt nichts Wichtigeres auf der Welt, als die Menschen zum Nachdenken zu bringen.

Wie wir von den Menschen verkannt werden, beweisen uns nicht selten ihre Geschenke.



Jean Cocteau (1889 - 1963):

Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unüberschaubaren Zahl an Nachläufern.



Mark Twain (1835 - 1910):

Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen.



Oliver Hassencamp (1921 - 1988):

Aus Lügen, die wir glauben, werden Wahrheiten, mit denen wir leben.



Mahatma Gandhi (1869 - 1948):

Unter den vielen Lügenmächten, die in der Welt wirksam sind, ist die Theologie eine der ersten.



Karl Marx (1818 - 1883):

Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.

Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.



Joseph Joubert (1754 - 1824):

Die Richtung unseres Geistes ist wichtiger als sein Fortschritt.



John Locke (1632 - 1704):

Alles, was man ihm (dem Kinde) von der Geschichte sagt, kommt aufs Schlachten und Morden hinaus. Die Ehre und den Ruhm, den sie den Eroberern beilegt, welche meistenteils nur die Henker des Menschengeschlechts waren, bringt den heranwachsenden Jüngling vollends auf den Gedanken, dass Menschenmord das rühmlichste Geschäft und die größte Heldentugend seien. [aus: Gedanken über Erziehung]



Albert Einstein (1879 - 1955):

Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur in ihr zurechtfinden.

Seltsam erscheint unsere Lage auf dieser Erde. Jeder von uns erscheint da unfreiwillig und ungebeten zu kurzem Aufenthalt, ohne zu wissen warum und wozu. Im täglichen Leben fühlen wir nur, dass der Mensch um anderer willen da ist: solcher, die wir lieben, und zahlreicher anderer ihm schicksalsverbundener Wesen. [Mein Glaubensbekenntnis, Schallplatte, 1932]

Eine Verbesserung der Bedingungen auf der Welt ist im wesentlichen nicht von wissenschaftlicher Kenntnis, sondern vielmehr von der Erfüllung humaner Traditionen und Ideale abhängig. [1952]

Vollkommenheit der Mittel und Verworrenheit der Ziele scheinen mir unsere Zeit zu charakterisieren. Wenn wir Sicherheit, Wohlergehen und freie Entfaltung der Fähigkeiten aller Menschen ehrlich und leidenschaftlich wünschen, so wird es uns an Mitteln nicht mangeln, uns einem solchen Zustand zu nähern. Wenn auch nur ein kleiner Teil der Menschheit von solchen Zielen erfüllt ist, wird er für die Dauer sich als überlegen erweisen. [Einstein-Archiv, Jerusalem, 28-557, S. 3, 1941]

Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten. [aus: Religion und Wissenschaft, Nov. 1930]

Es ist ein glückliches Schicksal, wenn man bis zum letzen Schnaufer durch die Arbeit fasziniert wird. Sonst würde man zu sehr leiden unter der Dummheit und Tollheit der Menschen, wie sie sich hauptsächlich in der Politik äußert. [aus: Brief an Michele Besso, 24. Juli 1949]

Drei große Mächte regieren die Welt: Dummheit, Furcht und Habgier. [nachgesagt]



Erich Fromm (1900 - 1980):

Wir leben zwar in einer Welt, aber seinem Fühlen und Denken nach lebt der heutige Mensch noch immer in einem Nationalstaat. Er fühlt sich noch immer in erster Linie als Angehöriger eines souveränen Staates und nicht als Glied der Menschheit. Dieser Anachronismus kann nur zur Katastrophe führen. Es ist eine ähnliche Situation wie zur Zeit der Religionskriege, bevor religiöse Toleranz und Koexistenz zu anerkannten Grundsätzen im europäischem Leben wurden.

Wenn die Eine Welt sich nicht selbst zerstören soll, brauchen wir einen neuen Menschen - einen Menschen, der die engen Grenzen seiner Nation hinter sich lässt und der jedes menschliche Wesen als einen Nachbarn und nicht als einen Barbaren empfindet - einen Menschen, der sich in der Welt zu Hause fühlt.

[aus: "Jenseits der Illusionen", Die Bedeutung von Marx und Freud, 11 Verwandte Ideen (1962), Deutscher Taschenbuch Verlag 2006, S. 188]



Ernst Ferstl (geb. 1955):

Das Mensch-Sein ist keine Sache des Seins, sondern des Werdens.

Der erste Schritt auf dem Weg zu einer menschlichen Begegnung ist das Aufeinander-Zugehen.

Durch jedes freundliche Wort wird unsere Welt ein bisschen menschlicher.



Martin Kessel (1901 - 1990):

Hoffnungen, Pläne und Illusionen sind Verjüngungselemente des Lebens. Es sind Morgenröten, deren Glanz immer wieder bezaubert.



Martin Luther (1483 - 1546) zugeschrieben (nicht belegt):

Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge,
so würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen.

Man kann die Welt nicht nach dem Evangelium regieren; denn das hieße die wilden Tiere losbinden



Karl Valentin (1882 - 1948):

Optimist: Ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind.





Eberhard Liß (geb. 1941):

Das wissenschaftlich korrigierte Weltbild ist relativ wahr und begründet Veränderungen des traditionellen Menschenbildes.

Der wenig wissende Mensch hat keine Weitsicht. Er sieht nur einen Teil der näheren Umwelt - innerhalb der Grenzen seines egozentrischen Blickwinkels.

Menschen urteilen subjektiv über die objektive Welt, abhängig von eigenem Erfahrungswissen, aber auch mit angenommenen Meinungen und Vorurteilen.

Der suchende, versuchende und irrende Mensch hat hypothetische Vorstellungen oder Pläne zur Verbesserung seiner subjektiven Lage. Er belastet sich selbst mit der Lösung von Problemen, die ohne ihn nicht entstanden wären.

Die Eigennutz-Orientierung der 'konkurrierenden' Menschen, insbesondere ihr Geltungsdrang und Profitstreben (gesteigert zu Machtgier und Ruhmsucht), bedingt ihre vielen Konflikte und Kriege, auch den Missbrauch von wissenschaftlich-technischen Innovationen.

Fehlende Einsicht in die Begrenztheit ihres Erkenntnisvermögens ist charakteristisch für größenwahnsinnige Ideologen, machthungrige Dogmatiker und menschenverachtende Führer von Glaubenskriegen um die 'einzig wahre' Religion.

Einsichtige Anerkennung der unerbittlichen Realität verlangt ein Aufgeben irrealer Vorstellungen und Erwartungen des Wunschdenkens.

Wegen geringer Hoffnung auf Besserung der sozialen Verhältnisse, insbesondere hinsichtlich Gefahren und Unrecht, sind sensible Menschen gefährdet durch Depression, Verzweiflung oder Wut.

Gutgläubige, unkritische Menschen vertrauen auf die ihnen verständlich propagierten Glaubensätze, Ideale oder Überzeugungen, solange sie damit ihren Lebensmut für eigene Zielstellungen und Anstrengungen trotz zunehmender Erschwernisse begründen können.

Wer den Machthabern glaubt, lässt sich ausrichten wie eine Fahne im Wind.

Nihilistische Kritik an der Welt wirkt auf Menschen lebensfeindlich und ist deshalb destruktiv. - Zur Überwindung von Resignation dient konstruktive Kritik, die Wege zur Selbsthilfe aufzeigt.

Wer die vielen Übel erkennt, die er nicht bekämpfen kann, der muss sich mit konstruktiver Gelassenheit vor Ärger und Depression schützen, um sein Tagwerk erfolgreich erledigen zu können.

Optimisten glauben an mögliche Problemlösungen und menschlichen Fortschritt.

Wer sich für gemeinnützige Verbesserungen konstruktiv einsetzt, stößt auf subjektiven Unverstand.

Ideelle Beweggründe für uneigennütziges Handeln zum Wohle anderer werden angezweifelt von denen, die von sich ausgehend urteilen und ein materielles Vorteilsdenken unterstellen.

Wer andere mit unangepassten Äußerungen auf Unwahrheiten oder Mängel aufmerksam macht, wird als ein Störenfried oder Besserwisser falsch verstanden und emotional negativ bewertet.

Mittelmäßige Mitläufer machen eher Karriere als kluge Einzelkämpfer mit kritischem Selbstbewusstsein.

Ärgerliche Enttäuschung über Unerwartetes oder Irrtümliches kann zu Schuldzuweisung und Streit führen, ist aber kein ausreichender Grund für verbitternde Gegnerschaft.

Wer mitspielt, muss verlieren können.

Eingeschränktes Interesse und unzureichendes Wissen erschweren eine kognitive Verbesserung des Verstehens und ein Lernen durch Einsicht.

Andere Menschen können uns meist nur näherungsweise verstehen, weil sie unsere Äußerungen mit Hilfe ihres eigenen Wissens interpretieren und bewerten, wobei ihre subjektiven Deutungen beeinflusst werden von ihren individuellen Auffassungen, Einstellungen und Emotionen, meist ohne Kenntnis unserer Vorstellungen und Absichten.

Die Menschen würden sich besser verstehen und vertragen, wenn sie ihre subjektiven Ansichten und unterschiedlichen Gesichtskreise besser in Übereinstimmung bringen könnten. Sie müssten hierzu mehr Gemeinsamkeiten ihres Denkens und Wissens suchen - und finden.

Bemühungen zum Miteinander durch Aufeinanderzugehen verbessern das Verstehen durch gegenseitiges Kennenlernen.


Siehe auch:     » Phänomen Mensch    » Natur und Gesellschaft

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