Weisheiten zum Thema »Urteil und Wahrheit«

Eine diskursive Folge erlesener Aphorismen von genannten Autoren ohne Rangfolge - » VORWORT

 

Ludwig Feuerbach (1804 - 1872):

Niemand urteilt schärfer als der Ungebildete. Er kennt weder Gründe noch Gegengründe und glaubt sich immer im Recht.



Henry-Frédéric Amiel (1831 - 1881):

Wer auf völlige Klarheit vor einem Entschluss besteht, wird sich nie entscheiden. Leben bedeutet Bedauern.



Herbert Spencer (1820 - 1903):

Meinung wird letztlich durch Gefühle und nicht durch den Intellekt bestimmt.



Giordano Bruno (1548 - 1600):

Die allgemeine Meinung ist nicht immer die wahrste.



Mark Twain (1835 - 1910):

Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen.



Bertrand Russel (1872 - 1970):

Es gibt keinen Unsinn, den man der Masse nicht durch geschickte Propaganda mundgerecht machen könnte.

Manche Menschen würden eher sterben als nachzudenken. Und sie tun es auch.

Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe so selbstsicher sind und die Klugen so voller Zweifel.



Max Frisch (1911 - 1991):

Voraussetzung der Toleranz (sofern es sie geben kann) ist das Bewusstsein, das kaum erträgliche, dass unser Denken stets ein bedingtes ist.



Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900):

Denken ist ein Interpretieren nach einem Schema, welches wir nicht abwerfen können.



Bertolt Brecht (1898 - 1956):

Alles in seinen Widersprüchen zu durchdenken ist notwendig, aber schwer. Wer Grundsätze hat, lebt nach Grundsätzen - das ist leichter.

Auch uns selbst können wir nur begreifen, indem wir in uns eingreifen.



Rudolf Steiner (1861 - 1925):

Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als dass man verurteile.



Cesare Pavese (1908 - 1950):

Über Personen urteilen heißt groteske Bilder von ihnen zeichnen.



Albert Schweitzer (1865 - 1965):

Lebendige Wahrheit ist nur die, die im Denken entsteht.

Wahrhaftigkeit ist das Fundament des geistigen Lebens. Durch seine Geringschätzung des Denkens hat unser Geschlecht den Sinn für Wahrhaftigkeit und mit ihm auch den für Wahrheit verloren. Darum ist ihm nur dadurch zu helfen, dass man es wieder auf den Weg des Denkens bringt. Es wird unbegreiflich bleiben, dass unser durch Errungenschaften des Wissens und Könnens so groß gewordenes Geschlecht so herunterkommen konnte, auf das Denken zu verzichten.

So stark wie der Wille zur Wahrheit muss der zur Wahrhaftigkeit sein. Nur eine Zeit, die den Mut der Wahrhaftigkeit aufbringt, kann Wahrheit besitzen, die als geistige Kraft in ihr wirkt.

Alles Tiefe ist zugleich ein Einfaches und lässt sich als solches wiedergeben, wenn nur die Beziehung auf die ganze Wirklichkeit gewahrt ist.



Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781):

Der Besitz macht ruhig, träge, stolz...

Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen.

(aus: Ein Duplik, 1778)

Denn nichts ist groß, was nicht wahr ist.

(aus: Hamburgische Dramaturgie, 22.04.1767, 30. Stück)



Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832):

Wahrheitsliebe zeigt sich darin, dass man überall das Gute zu finden und zu schätzen weiß.

Jeder Mensch muss nach seiner Weise denken, denn er findet auf seinem Wege immer ein Wahres, oder eine Art von Wahrem, die ihm durchs Leben hilft; nur darf er sich nicht gehen lassen; er muss sich kontrollieren; der bloße nackte Instinkt geziemt nicht dem Menschen.

Man kann die Erfahrung nicht früh genug machen, wie entbehrlich man in der Welt ist.

Wenn man einmal weiß, worauf es ankommt, hört man auf, gesprächig zu sein.
[Wilhelm Meisters Wanderjahre]

Wer klare Begriffe hat, kann befehlen.

Da jedermann irrt, da die Weisesten geirrt haben, so haben wir keinen Grund, unseren Irrtum als etwas Schändliches zu empfinden.

Zum Ergreifen der Wahrheit braucht es ein viel höheres Organ als zur Verteidigung des Irrtums.



Alexander von Humboldt (1769 - 1859):

Wahrheit an sich ist kostbar, kostbarer aber noch die Fertigkeit, sie zu finden.

Wahrheit ist man im Leben nur denen schuldig, die man tief achtet.



Arthur Schopenhauer (1788 - 1860):

Um fremden Wert willig und frei anzuerkennen und gelten zu lassen, muss man eigenen haben.

Das Disputieren ist als Reibung der Köpfe allerdings oft von gegenseitigem Nutzen, zur Berichtigung der eigenen Gedanken und auch zur Erzeugung neuer Ansichten. Allein beide Disputanten müssen an Gelehrsamkeit und an Geist ziemlich gleichstehen. Fehlt es einem an der ersten, so versteht er nicht alles, ist nicht au niveau. Fehlt es ihm am zweiten, so wird die dadurch herbeigeführte Erbitterung ihn zu Unredlichkeiten und Kniffen oder zu Grobheit verleiten. [aus: Eristische Dialektik, Letzter Kunstgriff]



Voltaire (eigtl. Francois-Marie Arouet, 1694 - 1778):

Der Friede ist mehr wert als die Wahrheit.

Gewohnheit, Sitte und Brauch sind stärker als die Wahrheit.



Karl Raimund Popper (1902 - 1994):

Unser aller Aufgabe als denkende Menschen ist die Wahrheitsfindung.

Wäre die Wahrheit nicht absolut und objektiv, so könnten wir uns nicht irren. Oder unsere Irrtümer wären so gut wie unsere Wahrheit.

Wir haben dauernd Vermutungen, die von uns geschaffen werden. Diese Vermutungen versuchen wir dauernd mit der Wirklichkeit irgendwie zu konfrontieren und sodann unsere Vermutungen zu verbessern und sie der Wirklichkeit näher zu bringen.

Wer etwas sicher weiß, der kennt die Wahrheit. Aber es kommt oft vor, dass jemand etwas vermutet, ohne es sicher zu wissen; und dass seine Vermutung tatsächlich wahr ist.

Es gibt Wahrheiten, denen wir nur in mühevollerem Suchen näher kommen können. Unser Weg führt fast immer durch den Irrtum; und ohne Wahrheit kann es keinen Irrtum geben. (Und ohne Irrtum gibt es keine Fehlbarkeit).

Eine Theorie oder ein Satz ist wahr, wenn der von der Theorie beschriebene Sachverhalt mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

Theorien können wahr oder falsch sein. Begriffe können bestenfalls adäquat und schlimmstenfalls irreführend sein. Begriffe sind nicht wichtig, verglichen mit Theorien.



Moriartes, gr. Philosoph (314 - 244 v. Chr.):

Es gibt nur eine Wahrheit, jedoch viele Ansichten.



Pablo Picasso (1881 - 1973):

Gäbe es nur eine Wahrheit, könnte man nicht hundert Bilder zum gleichen Thema malen.

Die Menschen vergessen so gern, dass alles einzigartig ist.



Albert Einstein (1879 - 1955):

Es lässt sich schwer sagen, was Wahrheit ist, aber manchmal ist es leicht, etwas Falsches zu erkennen.

Nur, wer nicht sucht, ist vor Irrtum sicher.

Wer es in kleinen Dingen mit der Wahrheit nicht ernst nimmt, dem kann man auch in großen Dingen nicht vertrauen. [aus letztem unvollendetem Schriftstück, 1955]

Das Streben nach Wahrheit und Erkenntnis gehört zum Schönsten, dessen der Mensch fähig ist, wenn auch der Stolz auf dieses Streben meist im Munde derjenigen ist, die am wenigsten von solchem Streben erfüllt sind.

Wer unternimmt, auf dem Gebiet der Wahrheit und der Erkenntnis als Autorität aufzutreten, scheitert am Gelächter der Götter.

Wie herrlich auch die Erkenntnis der Wahrheit als solche sein mag, als Führerin ist sie so ohnmächtig, dass sie nicht einmal die Berechtigung und den Wert des Strebens nach eben dieser Erkenntnis der Wahrheit zu begründen vermag. Hier liegt also die Grenze der rein rationalen Erfassung unseres Daseins.

Insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.

"Wir glauben, dass die Wissenschaft der Menschheit am besten dient, wenn sie sich von aller Beeinflussung durch irgendwelche Dogmen freihält und sich das Recht vorbehält, alle Thesen einschließlich ihrer eigenen anzuzweifeln." [aus Deklaration der 3. Pugwash-Konferenz, Kitzbühel 1958]

Der gesunde Menschenverstand - das sind all die Vorurteile, die sich bis zum 18. Lebensjahr im Bewusstsein ausgebildet haben.

Große Geister haben stets heftige Gegnerschaft in den Mittelmäßigen gefunden. Diese letzteren können es nicht verstehen, wenn ein Mensch sich nicht gedankenlos ererbten Vorurteilen unterwirft, sondern ehrlich und mutig seine Intelligenz gebraucht und die Pflicht erfüllt, die Ergebnisse seines Denkens in klarer Form auszusprechen.

Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen.

Siehe auch » Albert Einsteins Weisheiten und Ansichten - Eine Zitate-Anthologie



Thornton N. Wilder (1897 - 1975):

Fast alles Große in der Welt ist durch das Genie und die Festigkeit eines einzelnen Mannes bewirkt worden, der gegen die Vorurteile der Menge ankämpfte oder ihr welche beibrachte.



Immanuel Kant (1724 - 1804):

Die Hauptquellen der Vorurteile sind: Nachahmung, Gewohnheit und Neigung.

    Was will ich? fragt der Verstand.
    Worauf kommts an? fragt die Urteilskraft.
    Was kommt heraus? fragt die Vernunft.


Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen.



William James (1842 - 1910):

Viele Menschen denken, dass sie denken, obwohl sie in Wirklichkeit lediglich ihre Vorurteile neu sortieren.



William Saroyan (1908 - 1981):

Für viele Menschen bedeutet Nachdenken nur ein Ummöblieren ihrer Vorurteile.



Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916):

Ein Urteil lässt sich widerlegen, ein Vorurteil nie.

Der Spott endet, wo das Verständnis beginnt.

Sag etwas, das sich von selbst versteht, zum ersten Mal, und du bist unsterblich.

Wir suchen die Wahrheit, finden wollen wir sie aber nur dort, wo es uns beliebt.

Nur die gescheitesten Leute benutzen ihren Scharfsinn zur Beurteilung nicht bloß anderer, sondern auch ihrer selbst.



Wilhelm Ludwig Wekhrlin (1739 - 1792):

Wahrheiten, die zur Unzeit kommen, können unmöglich nützen.

Das Beste ist der größte Feind des Guten.



Sextus Empiricus, gr. Philosoph (2. Jhd. n. Chr.):

Von der Natur aus gibt es weder Gutes noch Böses. Diesen Unterschied hat die menschliche Meinung gemacht.



Konfuzius (551 - 479 v. Chr.):

Wenn man in den Grundsätzen nicht übereinstimmt, kann man einander keine Ratschläge geben.

In allem nur dem Vorteil nachgehen bringt viel Ärgernis.



Ludwig Erhard (1897 - 1977):

Ein Kompromiss, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, dass jeder meint, er habe das größte Stück bekommen.



Jean Paul (1763 - 1825)

Zuviel Vetrauen ist häufig eine Dummheit, zuviel Misstrauen immer ein Unglück.



Wladimir Iljitsch Lenin [Uljanow] (1870 - 1924):

Vertrauen ist gut, Vertrauen und Kontrolle ist besser.



Leonardo da Vinci (1452 - 1519):

Die Mitteilungsmöglichkeit des Menschen ist gewaltig, doch das meiste, was er sagt, ist hohl und falsch.

Die Sprache der Tiere ist begrenzt, aber was sie damit zum Ausdruck bringen, ist wichtig und nützlich.

Jede kleine Ehrlichkeit ist besser als eine große Lüge.



Romain Rolland (1866 - 1944):

Ein aufrichtiger Irrtum ist keine Lüge, er ist nur ein Schritt auf die Wahrheit zu.



Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799):

Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt.



Thornton Wilder (1897 - 1975):

Schlagwörter sind keine Argumente, sondern nur zur Faust geballte Gedanken.



Immanuel Kant (1724 - 1804):

Die Lüge ist der eigentliche faule Fleck in der menschlichen Natur.

Aufrichtigkeit muss man von jedem Menschen fordern können. Wahrhaftigkeit ist der Grundzug und das wesentlichste eines Charakters. Ein Mensch, der lügt, hat keinen Charakter.

Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält;
aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaft sein.

Dass das, was jemand sich selbst oder einem anderen sagt, wahr sei: dafür kann er nicht jederzeit stehen - dafür aber kann und muss er stehen, dass sein Bekenntnis oder Geständnis wahrhaft sei: denn dessen ist er sich unmittelbar bewusst.



Oliver Hassenkamp (1921 - 1988):

Aus Lügen, die wir glauben, werden Wahrheiten, mit denen wir leben.

Wer die Wahrheit im falschen Moment sagt, gilt als Zyniker.



Gabriel Laub (1928 - 1998):

Der Zynismus der Zyniker besteht nicht darin, dass sie sagen, was sie denken, sondern darin, dass sie denken.



Ludwig Marcuse (1894 - 1971):

Zynismus: die trüben Aspekte des Menschen nicht nur kennen, sondern mit ihnen protzen.



Spruchweisheit:

      Auch wenn sie an Macht gewinnt, kann die Lüge
      nie zur Wahrheit werden.



Otto Fürst von Bismarck (1815 - 1898)

Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.



Mahatma Gandhi (1869 - 1948):

Unter den vielen Lügenmächten, die in der Welt wirksam sind, ist die Theologie eine der ersten.



Hans A. Pestalozzi (1929 - 2004):

Wie sehr die Macht der Wahrheit im Wege steht, ergibt sich schon daraus, dass zur Macht die Angst gehört.



Ludwig Börne (eigtl. Löb Baruch, 1786 - 1837):

Im Dienst der Wahrheit genügt es nicht, Geist zu zeigen, man muss auch Mut zeigen.



Jan Hus (um 1370 - 1415):

Wer die Wahrheit sagt, wird bestraft.



Vauvenargues (1715 - 1747):

Wenige Menschen sind stark genug, um die Wahrheit zu sagen und die Wahrheit zu hören.



Christian Morgenstern (1871 - 1914):

Es gibt Menschen, die sich immer angegriffen fühlen, wenn jemand die Wahrheit sagt.



Bertolt Brecht (1898 - 1956):

Man kann die Wahrheit nur mit List verbreiten.

Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher! [Galilei]

Es setzt sich nur soviel Wahrheit durch, als wir durchsetzen;
der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.

Ja, ich glaube an die sanfte Gewalt der Vernunft über die Menschen. Sie können ihr auf die Dauer nicht widerstehen.

Das Schlimmste ist nicht: Fehler haben, nicht einmal sie nicht bekämpfen, ist schlimm. Schlimm ist, sie zu verstecken. [Buch der Erfahrung]

Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war. [Neinsagen]



Thomas Mann (1875 - 1955):

Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.



Hermann Hesse (1877 - 1962):

In den Momenten, in denen wir nackt der Wahrheit gegenüberstehen, fehlt uns stets die Sicherheit eines guten Gewissens und das Behagen des unbedingten Glaubens an uns selber.

Der Verstehende findet Wahrheit überall und ebenso Schönheit. In der einfachsten Lebenserfahrung findet er die ewige Wahrheit und Gesetzmäßigkeit wieder und findet Symbole der Schönheit überall: im Regentropfen, im Schmetterlingsflügel, in der Spinnwebe, in jeder Naturform.



Stefan Zweig (1891 - 1942):

Alles Erleben ist sinnlos, insoweit es vergänglich ist und wieder verloren geht, alle Wahrheit nutzlos, wenn sie wieder vergessen wird.
Und darum muss es der Lebenssinn jedes Wachen sein, die einmal klar erkannte Wahrheit für sich selbst festzuhalten und unablässig zu erinnern an das Sternbild über unseren Häuptern, um vorbereitet zu sein auf die heilig-seltene Stunde seiner Wiederkehr.

(aus: Die Tragik der Vergesslichkeit, 1919)



Erich Fromm (1900 - 1980):

Worauf es ankommt, ist nicht, dass eine neue Einsicht unbedingt die letzte Wahrheit ist, sondern dass sie fruchtbar ist und zu weiteren Entdeckungen führt, vor allem aber, dass bei der Entdeckung der Wahrheit der Mensch sich selber ändert, weil er wacher wird und diese größere Wachheit auf die übertragen kann, die nach ihm kommen.

(aus: Jenseits der Illusionen, 11 Verwandte Ideen)



Eugen Roth (1895 - 1976):

      Wer Wahrheit liebt, der urteilt scharf,
      vorausgesetzt, dass er das darf.

      Ein Mensch sieht ein - und das ist wichtig:
      Nichts ist ganz falsch und nichts ganz richtig!



Ernst Ferstl (geb. 1955):

Die Wahrheit lässt sich immer suchen, manchmal finden - aber nie besitzen.

Wer die Übersicht haben will, muss übersehen können.



Ludwig Wittgenstein (1889 - 1951):

Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.






Eberhard Liß (geb. 1941):

Imposante Phänomene der sinnlichen Wahrnehmung werden gemäß subjektiven Vorstellungen begrifflich gedeutet, emotional bewertet und empirisch beurteilt als ob sie real seien.

Erkennbare Naturformen kann der Mensch gemäß seinem Vorwissen begrifflich abstrahiert deuten und sich als erinnerbare Erfahrungen für Vorstellungen merken, womit ihm sprachliche Beschreibungen oder künstlerische Darstellungen ermöglicht werden.

Der unperfeklte Mensch ist nicht frei von Irrtümern und Vorurteilen.

Menschen urteilen subjektiv über die objektive Welt, abhängig von eigenem Erfahrungswissen, aber auch mit angenommenen Meinungen und Vorurteilen.

Unsere (Vor-)Urteile und hypothetischen Aussagen resultieren aus der subjektiven Interpretation von teilweise erkennbaren Sachverhalten unter dem assoziativen Einfluss von individuellen Vorstellungen oder Voraussagen "aus Erfahrung".

Empirische Voraussagen für erwartete Wahrnehmungen oder Handlungskonsequenzen sind bestimmbar mit erfahrungsgemäß erworbenen Kenntnissen, die nur dann als 'bisher bewährt' gelten, wenn sie erneut nachgewiesenen Beziehungen realer Zusammenhänge entsprechen.

Interpretative Vorstellungen von erinnerbaren Erfahrungen oder intuitiven Einfällen entsprechen individuellen Annahmen als Vermutungen, Hypothesen oder Überzeugungen, deren Aussagen möglicherweise mit logischen Argumenten 'dialektisch' begründbar sind, aber dennoch kritisch überprüft werden müssen, ob sie sich logisch-empirisch bewähren.

Menschliche Übereinkünfte zwischen Gleichgesinnten basieren auf ihren gemeinsamen Interessen und veträglichen Überzeugungen für subjektive Bewertungen und Urteile, die aber in Konflikt mit der Wahrheit stehen können.

Die subjektive Reiz-Bewertung erfolgt gemäß individuellem Naturell und Befinden beim Empfinden.

Beim wissentlichen Empfinden und Deuten beurteilen wir dasjenige als schön oder gut, das vorzugsweise unserem Befinden wohl tut.

Starke Erregungen für Emotionen und Affekte behindern logisches Urteilsvermögen.

Wir sehen die Dinge und Probleme gemäß unserer Sichtweise.
   Wir urteilen subjektiv, - meist pauschal, voreingenommen oder mit geringer Kenntnis des wirklichen Sachverhalts.
   Unser subjektives Urteil kann sich ändern, wenn wir selbst betroffen sind oder wenn wir es der Mehrheit nachahmen.

Die Bedeutung von unüberlegten und unbewussten Äußerungen wird uns zu spät bewusst, erst dann wenn wir ihre Wirkungen auf Andere mit Erstaunen feststellen.

Typisch für menschliche Irrtümer sind Fehlurteile aufgrund falscher Vorstellungen wegen mangelnder Sachkenntnis.

Unrealistische Vorstellungen basieren auf falsch angenommenen oder fehlenden Kenntnissen und bedingen deshalb 'irreale' (nicht wahrheitsgemäße) Interpretationen (vgl. Fehldeutungen oder Missverständnisse), insbesondere für Fehlurteile, die äußerbar sind als Falschaussagen von 'unwahren' Meinungen, Ansichten oder Behauptungen.

Gründe für Fehlurteile oder unwahre Behauptungen sind falsche Vorstellungen oder Annahmen, jeweils bestimmbar als irreale Anschauung oder Fehleinschätzung aus Unkenntnis des wahren Sachverhalts, - infolge von Nichterkennung des Wesentlichen wegen Wissensmangel oder Unachtsamkeit.

Wem die erforderlichen Detailkenntnisse zur begrifflichen Unterscheidung von als gleichartig erkannten Objekten, Dingen oder Ausdrücken fehlen, der kann diese nicht differenziert klassifizieren und "wirft alle in einen Topf" für ein Pauschalurteil.

Behauptungen oder Fehlurteile durch irrige Selbsttäuschung können solange nicht revidiert werden, bis die dafür notwendige Einsicht durch korrektive Selbsterkenntnis gewonnen wird.

Vieles erscheint uns als selbstverständlich, weil wir daran gewöhnt sind und keinen Gedanken darüber verlieren wollen.

Denkgewohnheiten und Vorurteile basieren auf pragmatischem Erfahrungswissen, das in Fällen gewonnener Einsicht durch neue Erkenntnisse verbessert, korrigiert oder erweitert werden kann.

Schnellfertige Urteile und Illusionen der Überschätzung haben ihre subjektiv gefärbten Quellen in der Verdrängung von Problemen, d. h. in bequemem Schwarz-Weiß-Denken bzw. himmelblauem Wunschdenken.

Urteilsschwäche (Unverstand) wegen unzureichender Einsicht in komplexe Zusammenhänge kann konstruktiv kompensiert werden mit "pragmatischen" Regeln und "ratgebenden" Theorien durch reduktionistische Vereinfachungen, insbesondere gemäß fiktiven Postulaten oder spiritistischen Axiomen, die bestimmt werden als konzeptionelle Hypothesen für Glaubenssätze von Ideologien (vgl. Indoktrinierung gemäß Dogmen von Religionen).

Fantasie-Vorstellungen für Fiktionen des Wunschdenkens bedingen unwissenschaftliche Hypothesen des Wunderglaubens, - insbesondere unbeweisbare Behauptungen als Dogmen für Ideologien oder Religionen (gemäß Utopien bzw. Legenden oder Mythen).

Aufklärende Erkenntnisse der theoretischen Einsicht widersprechen oft kritikwürdigen Denkgewohnheiten für Vorurteile und Aberglaube.

Es ist unglaublich, an was die Menschen mit Überzeugung glauben können.

Wer tradierte oder fiktive Behauptungen mit Überzeugung glaubt, der ignoriert kritische Einwände und logische Gegenargumente.

Eine glaubwürdige Aussage über die Welt ist nur dann überzeugend formuliert, wenn sie mit Erfahrungstatsachen und empirischen Belegen begründet werden kann.

Die unbegründete Aussage eines thesenartigen Urteils als Behauptung sollte nicht geglaubt werden, weil ihr Wahrheitsanspruch zumindest begründet und möglichst bewiesen werden muss.

Das Fehlen von Beweisen für eine Vermutung ist kein Beweis für ein Nichtzutreffen ihrer Aussage.

Wo sicheres Wissen fehlt, kann nur gutes Vermuten helfen.

Wir verallgemeinern und vermuten zu viel, weil wir zu wenig wissen.

An Unwahres können wir glauben, aber Wahres können wir wissen.

Humanistische Lebenserfahrung und aufklärende Wissenschaft sind realitätsnäher als jeder dogmatische Glaube an fiktive Behauptungen, die unüberprüft als wahr akzeptiert werden sollen gemäß tradierten Religionen oder politischen Ideologien.

Eine glaubwürdige Aussage über die Welt ist nur dann überzeugend formuliert, wenn sie mit Erfahrungstatsachen und empirischen Belegen begründet werden kann.

Informative Aussagen von logisch begründbaren Erkenntnissen können nach ihrer kritischen Überprüfung und empirischen Bewährung dann 'kognitiv' gerechtfertigt werden, wenn dafür fundamentales 'Wissen vom Wesentlichen' im lernfähigen Gedächtnissystem durch situationsbedingten Kenntniserwerb ausgebildet werden konnte, womit 'rationale' Einsicht in wirkliche Zusammenhänge ermöglicht wird.

Überprüfbare Theorien und anfechtbare Überzeugungen verhelfen zu der vorläufigen Gewissheit von erlernten Regeln, die notwendig sind für intelligentes Verhalten zwecks Selbsterhaltung in einer sich ungewiss verändernden Welt.

Unser begrenztes Wissen ist unvollständig und nur relativ wahr ohne Gewissheit.

Gemäß dem 'Unschärfeprinzip der relativen Wahrheit' gelten logische (Vor-)Urteile, die in Form von Aussagesätzen mitteilbar und kritisch überprüfbar sind, als 'relativ wahr' aufgrund von bisher bewährten Regeln und bestimmten Ausnahmen für Sonderfälle, - aber nur so lange diese Regeln nicht verändert werden.

Die relative Wahrheit über Prinzipien der Wirklichkeit ist kognitiv bestimmbar entsprechend der theoretischen und praktischen Einsicht in wesentliche Zusammenhänge der zugänglichen Wirklichkeit.

Praktische oder theoretische Einsicht (für Klugheit bzw. Weisheit) basiert auf situationsbedingt erworbenen Kenntnissen (Erkenntnissen für Wissen), die modellhaft erfassten 'begrifflichen' Beziehungen entsprechen.

Wahrheitssucher forschen nach prinzipiellen Erkenntnissen zur Beantwortung von bisher offenen oder neu gestellten Fragen.

Wer wissen will, was wirklich wahr ist, kommt in Konflikt mit pragmatischen Denkgewohnheiten und ideologischen Theorien.

Wahrheitssuche durch wissbegieriges Fragen erheitert oft die Schmalspurdenker und empört sogar - die Dogmatiker.

Wissenschaftliche Wahrheitsfindung ist schrittweise möglich durch rationale Kritik beim Erkenntnisstreben im Kampf gegen irrationale Überzeugung und Selbsttäuschung.

Unrealistische Weltbilder in Gehirnen verursachen Konflikte und Leid.

Einsichtige Anerkennung der unerbittlichen Realität verlangt ein Aufgeben irrealer Vorstellungen und Erwartungen des Wunschdenkens.

Ein kritischer Realist, der für Wahrheit und Gerechtigkeit offen eintritt, versucht objektiv zu urteilen und kommt damit in Widerspruch zu subjektiven Ansichten und Vorurteilen.

Wer Unwahrheiten kritisiert oder Mängel aufzeigt, wird als negativer Besserwisser missverstanden.

Wer allgemeines Unrecht anprangert, wird als agitierender Störenfried bekämpft.

Wo es keine Gerechtigkeit gibt, nützt es einem nicht, Recht zu haben.

Gerechte Urteile über einen neuen Sachverhalt kann nur derjenige fällen, der die spezifisch neuen Zusammenhänge durch sachkundige Untersuchung selbst festgestellt, korrekt erfasst und richtig im Kontext verstanden hat.

Eine wissenschaftliche Wahrheitsfindung ist möglich durch systematische Erforschung wirklicher Sachverhalte hinsichtlich erkennbarer Grundprinzipien (Ursprünge, Regeln).

Auch selbständige Freidenker mit 'gesundem Menschenverstand' können sogar im Kopf krank werden, - spätestens im Alter.



Siehe auch:  » Erkenntnis und Erfahrung   » Wissen und Wissenschaft

Anhang:  » Zitate-Archiv »Religion und Kirche« - 4. Teil mit Essays

Essay:  » Kognitiv-logische Grunderkenntnisse (Logos-Relationen)

Dialog:  » Information - subjektive Nachricht für kognitive Systeme

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