Dr.-Ing. Eberhard Liß  -  www.liss-kompendium.de/erfindung+technik/information.htm



Information - subjektive Nachricht für kognitive Systeme

Aussagen des österreichischen Computerpioniers Heinz Zemanek (TU Wien)
im Gespräch mit Josef Karner am 08.08.1999 (veröffentlicht im Internet), -

ergänzt mit Erläuterungen von Eberhard Liß, - insbesonder zu kenntnistheoretischen
Aspekten und kognitiv-logischen Gedächtnissystemen. - Als Anhang folgt ein
Auszug aus Zemaneks Vortrag  'Der Triumph der Digitalisierung' vom 28.08.2002.



 - Was ist eigentlich Information?

"Information ist ein sehr weiter Begriff, kaum zu umschreiben. Man könnte Information mit Einformung übersetzen; es geht um die Form, die Nachricht gibt. Alles ist eine Frage der Information, des Wissens, der Erfahrung, gespeichert im Menschen und in seinen Werken, und später im Buch und im Computer."

   Erläuterung 1:

Im Sinne des lateinischen Wortes "informare" (in Form bringen, gestalten, bilden, auch: vorstellen oder unterrichten) bezeichnet "Information" ein In-Form-Gebrachtes (Eingeformtes, Dargestelltes). Der umstrittene Begriff Information wird bestimmt als abstrakt klassifizierter 'subjektiv-ideeller' (semantischer) Inhalt einer deutbaren Darstellungsform, die wahrnehmbar und erkennbar ist als 'objektiv-reale' (syntaktische) Formation. Die interpretativ entnehmbare Information (der Formation) entspricht mindestens einer möglichen Deutung oder Bedeutung (Nachricht, Mitteilung oder Auskunft) der Darstellungsform.
Information wird für einen Interpreten (vor-)bestimmt als die "entnehmbare" Bedeutung des "eingeformten" semantischen Inhalts einer syntaktischen Formation (vgl. übertragbare Darstellungsform mit Begriffssymbolen).

Eine Informationsdarstellung ist gekennzeichnet durch mindestens eine erkennbare und deutbare Darstellungsform (mit besonderen Merkmalen oder Signalwerten). Deutbar sind beispielsweise materielle Objektformen oder kommunikative Ausdrucksformen für Aussagen.
Eine natürlich oder künstlich "geordnete" (syntaktische) Darstellungsform für (semantische) Information wird bezeichnet als 'informelle' Formation. Eine vereinbart definierte (codierte) Formation ist beschreibbar als besonderer Invariantensatz entsprechend einem ausgewählten Wertetupel der Variablenkonfiguration einer Darstellung (vgl. weitere Definitionen und mein Postulat der 'semantischen' Information im publizierten Essay: » Dynamische Wissensdarstellung in kognitiv-logischen Gedächtnissystemen , 1982). [1] [2]
Informativ deutbare Formationen sind beispielsweise: Zeichen, Wörter, Sätze, Sequenzen, Muster, Anordnungen, Gestaltformen, Abbildungen, Grafiken, Geräusche, Tonfolgen oder Texte. Logisch begründbare Darstellungsformen sind Aussagesätze für Urteile und Schlüsse, die kommunikativ mitgeteilt werden zwecks Informierung bei der sozialen Interaktion.
Verständliche Formationen von Informationsdarstellungen werden vorteilhaft genutzt zur Übertragung von Nachrichten bei der Kommunikation, beispielsweise formale Daten, Formeln, Bilder oder Ausdrücke der Schrift und Sprache.
Speziell vereinbarte Darstellungsformen (codierte Formationen) sind systematisch definierte Sätze (Zeichenfolgen als Symbolverknüpfungen), zu deren richtiger Interpretation erforderliche Codes gelten, d. h. vorbestimmte Regeln für relationale Zuordnungen.
Symbolische Ausdrucksformen für Informationsdarstellungen entsprechen begrifflichen Vorstellungen, die auf der symbolisch-abstrakten Denkfähigkeit des sprachbegabten Gehirns beruhen (vgl. hoch entwickeltes 'sprachliches Bewusstsein'). [4] [5]

Einer Darstellungsform ist nur dann Information entnehmbar, wenn mindestens ein "verstehendes" kognitives System (Organismus, Subjekt) existiert, das diese objektive Formation erkennen und individuell interpretieren kann, wobei sein "informelles" Deutungsergebnis als subjektive Nachricht (für sich und andere) aspektorientiert nutzbar ist.

Die lebensnotwendige Anpassung der Organismen an Umweltveränderungen wird ermöglicht durch individuelles Lernen, d. h. situationsbedingte Verhaltensänderung infolge "intelligenter" Informationsverarbeitung aufgrund von erworbenen Kenntnissen (vgl. Erkenntnis für Einsicht zwecks Problemlösung).
Ein "wahrnehmendes" kognitives System (Organismus oder Artefakt) kann formale Darstellungen seiner Umwelt (z. B. eines Informationssenders) auf seine Weise (subjektiv) interpretieren. Eine Informationsdarstellung kann es dann "verstehen", wenn es die empfangene Signalform richtig deutet, d. h. wenn es der vom Sender dargestellten Information eine adäquate Nachricht für sich zuordnen kann. (vgl. Erläuterung 3 und 4). - Ein lernfähiges System kann sich nach der empfangenen informellen Nachricht vorteilhaft "richten", um sein Verhalten zu ändern, - zwecks Anpassung an erkannte Umweltbedingungen (vgl. » Lernender Homöostat mit kognitiver Logik für rationale Autonomie, - siehe » Beschreibung). [1][3][8]

 - Aber Information gab es ja schon vor dem Menschen.

"Natürlich, Information steht seit dem Urknall bereit. Und mit der Bildung oder Erschaffung des Lebens wird die Information tätig: es ist die schöpferische, die steuernde Information, die das Leben ermöglicht und verbreitet. Information hält jeden Organismus zusammen, und Lebewesen können nur überleben, wenn sie über ihre Umwelt informiert sind."

   Erläuterung 2:

Seit seinen Anfängen ist Leben gekennzeichnet durch chemische Arbeit (Stoffwechsel) und Verdopplung (Replikation) von Molekülen in regenerativen Zellen, wobei "genetische Information im Genom" an viele Generationen bis heute weitergegeben worden ist. Genetische Informationen sind 'eingeformt' in die Gene, d. h. "codierte" Abschnitte von kettenförmigen Makromolekülen der Nukleinsäuren (DNA) des Genoms in Form von Chromosomen des Zellkerns. Ein Makromolekül der DNA (Desoxyribonukleinsäure) hat die Gestalt einer schraubenförmig gewundenen 'Doppelhelix' mit zwei komplementär-parallelen DNA-Strängen, die gemäß einem Kopiermechanismus voneinander getrennt werden können (bei Replikation oder als Arbeitskopie, s. u.). Auf jedem DNA-Strang befinden sich viele spezifische Abschnitte, die als Gene sequenzierbar sind.
Jedes Gen ist gekennzeichnet durch markante Abfolgen von Nukleotiden, genannt 'Basen' der unterschiedlichen 4 Arten: Adenin, Guanin, Thymin und Cytosin (bezeichnet mit den Buchstaben: A, G, T und C). Diese sind wie kombinierte Bausteine der Gene entlang eines DNA-Strangs speziell angeordnet. Jedes Gen hat mehrere "kodierte" Abschnitte (Exons) entsprechend der "informativen" Basenabfolge (Nukleoitid-Sequenz als 'primäre Formation'), die gelesen werden kann wie Zeichenkombinationen einer Schrift mit vier Buchstaben.
Für beide unverzweigte DNA-Stränge (als Doppelstrang) gelten komplementäre Basen, die sich jeweils gegenüberliegen als Basenpaare und durch Wasserstoffbrücken verbunden sind, - jeweils als Basenpaar A-T oder G-C. Die Auftrennung beider DNA-Stränge einer Doppelhelix ermöglicht die Vervielfältigung und genetische Nutzung jedes getrennten DNA-Strangs infolge seiner Ergänzung mit den jeweils zugeordneten Basen zu Basenpaaren entsprechend dem Kopiermechanismus zwecks Verdopplung der DNA (Replikation bei Zellteilung) oder zur Herstellung von Arbeitskopien (vgl. mRNA für Proteinsynthese).
Mehrmals kopierbare Basenabfolgen der Gene auf einer "kodierenden" DNA sind veranlagte Vorgaben (primäre Formationen) zur genetisch bestimmten Synthese von vielen Proteinen (Eiweißmolekülen) außerhalb des Zellkerns.
Für 'kodierende' DNA bestimmt sind nur ca. 3 % von allen ca. 3,5 Milliarden Basenpaaren des menschlichen Genoms (d. h. aller Gene der 23 Chromosomen pro Elternteil), weil ca. 97 % des Genoms als "nichtkodierende" DNA bisher eingeschätzt worden sind (etwa 50% als Junk-DNA). [6]
Jedes Gen der kodierenden DNA ist gekennzeichnet durch spezifische Basenabfolgen seiner definierten Exons. Ein menschliches Gen besteht im Mittel aus 10 Exons mit je 100 Basenpaaren. [7]
Die "genetische Information" eines Gens wird vorausgesetzt für den biogenetischen Aufbau mindestens eines Proteins (sogar 1 Million sind möglich, vgl. Hinweise s. u.), d. h. für dessen spezielle Synthese durch vorbestimmte Verkettung von jeweils ca. 300 Aminosäuren, die ausgewählt werden aus 20 Hauptarten (Polypeptid-Bildung mittels Enzymen). Die Bildung eines Proteins erfolgt durch 'genetisch codierte' Verkettung ausgewählter Aminosäuren (Ketten-Formation) in Zuordnung zur selektierten Basenabfolge (primäre Formation) des hierfür 'aktivierten' Gens. Für diese Protein-Biosynthese sind zwei Schritte charakteristisch: Transkription und Translation.
Die Proteinbildung durch Aufbau einer Aminosäurenkette geschieht an einem Ribosom im Cytoplasma außerhalb des Zellkerns. Vorbereitend für diese Proteinsynthese geschieht eine Transkription (Abschrift) der Basenabfolge (primäre Formation) von der Kern-DNA auf ein einzelsträngiges mRNA-Molekül (messenger-RNA, Ribunukleinsäure), das im Zellkern gebildet wird und in das Cytoplasma gelangt, um die 'genetische Information' in Form einer einzelsträngigen Arbeitskopie nach außen zu übertragen. Damit ermöglicht wird die folgende Translation (Übersetzung, Transformation) der kopierten Basenabfolge pro Gen (mRNA-Arbeitskopie-Formation) in eine Aminosäurenabfolge (Ketten-Formation) eines gebildeten Proteins. Bei der Translation bestimmen jeweils drei Basen (Triplett, Codon) der mRNA-Basenabfolge eine selektierte Aminosäure. Dabei gilt allgemein im Tierreich der fundamentale 'genetische Code' für die Tripletts (aufgefasst als je 3 vierwertige Variablen, die max. 64 Kombinationen ermöglichen). - Funktionelle Unterstützung leisten einzelne tRNA-Moleküle (transfer-RNA), die vorher frei existierende Aminosäuren an sich binden und zum Ribosom transportieren, wo sie dann unter Mitwirkung der mRNA zu einem Protein verknüpft werden.
   Hinweise: Von einem Gen (mehrere Tripletts) können in ca. 10 Minuten ca. 1000 mRNA-Moleküle kopiert werden. Jedes mRNA-Molekül kann als Matrize zur Synthese von 1000 Proteinkopien dienen. Folglich kann von einem aktiven Gen die mögliche Produktion einer Million Proteine bestimmt werden. - Die mRNA-Moleküle werden in Zellen schnell synthetisiert und ebenso schnell wieder abgebaut (turn over).
Bekannt geworden ist, dass Gene gestückelt in "Exon-Intron-Strukturen" als genetische Bausteine vorliegen. Von einem Gen können mit kombinierten Exons mehrere unterschiedliche Proteine produziert werden.
Gene können, bedingt durch äußere Einflüsse, chemisch verändert werden, so dass sie als "an- oder ausgeschaltet" gelten. Durch sog. Methylgruppen markierte Gene (Methylierung) bleiben inhaltlich unverändert, sind aber abgeschaltet hinsichtlich ihrer Wirkung.

In der Evolution ist mit der Epigenese ein 'selbstorganisatorischer' Mechanismus entstanden, der es Zellen erlaubt, schnell auf äußere Einflüsse zu reagieren (vgl. Wachstum, Heilung oder Zellerneuerung). Beim Wachsen des Körpers (vor und nach der Geburt) werden unterschiedliche Zellarten 'epigenetisch' ausgebildet.
Für einen Organismus genetisch vorbestimmte Eigenschaften und Dispositionen, z. B. besondere Anlagen und Krankheiten, können verursacht werden von spezifischen Genen, die aktivierbar oder deaktivierbar sind durch situationsbedingte Einflüsse (auch Umweltbedingungen), wofür erste experimentelle Nachweise vorliegen.
"Aktivierte" Gene der Nukleinsäuren DNA und RNA (d. h. selektierte Formationen für 'genetische Informationen') bestimmen die jeweilige biogenetische Proteinsynthese der verschiedenen Bauphasen im Organismus, - können aber nicht einen Gesamtbauplan für den Phänotyp exakt vorgeben. Sie entsprechen 'vorbestimmten' Spezifikationen für viele zusammenhängende Prozesse, die zur "ontogenetischen" und "epigenetischen" Entwicklung beitragen, d. h. von einer befruchteten Eizelle zu einem 'ausgewachsenen' Individuum.
Bisherige Genetik-Untersuchungen an Organismen zeigen, dass mindestens einige ihrer biochemische Eigenschaften (spezifische Merkmale) an bestimmte Proteine geknüpft sind, die von lokalisierbaren Genen (ihren Zuständen = Allele) der DNA bestimmt werden.

Forschungen zur wissenschaftlichen Aufklärung von "genetisch codierten" Veranlagungen für lebensfördernde oder krankhafte Funktionen in Form der bis zu 32 000 Gene jeder Körperzelle (maximal beim menschlichen Genom) verlangen viel größere Anstrengungen als die aufwendige DNA-Sequenzierung zur Identifikation von unterschiedlichen Genen in ihrer Aufeinanderfolge (vgl. Forschungskosten von ca. 3 Milliarden Dollar für Human Genome Project bis 2003). [6]
Untersuchte Vergleiche von bekannten DNA-Sequenzen unterschiedlicher Menschen zeigten meist große Übereinstimmungen und nur durchschnittlich ca. 0,1 Prozent genetische Unterschiede.

Die Vererbung der Eigenschaften eines Organismus auf seine Nachkommen beruht auf der Bildung einer genauen Kopie der DNA. Obwohl die Natur für diese Replikation der DNA viele Vorkehrungen getroffen hat, um den Kopierprozess möglichst fehlerfrei zu gestalten, kommt es dennoch zu Fehlern (genetischen Mutationen), besonders durch Umwelteinflüsse. Auf genetischen Veränderungen (Rekombinationen oder Mutationen) beruht die Vielgestaltigkeit des Lebens nach dem evolutionären Prinzip von Variation und Selektion.
Vererbbar sind Veränderungen in den Genen, besonders der Geschlechtszellen höherer Organismen. Nicht erblich sind im Leben erworbene Kenntnisse (Erkenntnisse im Gehirn) entsprechend den ausgebildeten Gedächtnisstrukturen mittels synaptischer Verbindungen zwischen Neuronen. [3]



 - Kann man Information messen?

"Sie können Buchstaben zählen, Information aber ist allein durch Messung nicht zu verstehen, sie ist ihrem Wesen nach nicht physikalisch und bedarf der Darstellung und Deutung, wo Physik und Technik fertig sind."

   Erläuterung 3:

Im Jahr 1948 veröffentlichte Claude C. Shannon "Eine mathematische Theorie der Kommunikation". Nach dieser Informationstheorie erfolgt eine Messung des "mittleren Informationsgehalts" als statistischer Erwartungswert für Zeichen einer (stochastischen) Quelle, aufgefasst als Informationsdarstellung. Begründet durch zählbare binäre Auswahl-Entscheidungen (bit = binary digit) gilt dieser als ein Maß für die Unbestimmtheit (Entropie) einer Quelle entsprechend der Seltenheit sendbarer Zeichen (wahrscheinlicher Formationen) in Analogie zu physikalischen Größen. Die Theorie ist unbestritten nützlich für die Nachrichtentechnik, besonders zur Bestimmung einer "optimalen Codierung", auch von sog. 'nützlicher Redundanz' zur Fehlerreduktion für digitale Darstellungsformen (mit Bits) bei der modernen Signal- und Datenübertragung. Erzielt wurde eine Berechnung der erforderlichen Kapazität eines Übertragungskanals für ein Sender-Empfänger-Modell.
Nach der Informationstheorie wird nur "potentielle" Information (keine kontextabhängige Bedeutung von Zeichen) unter syntaktischem Aspekt betrachtet. Nachrichtentechnisch definiert ist ein sog. "Informationsgehalt" eines Zeichens gleich der Mindestanzahl erforderlicher Binärentscheidungen (bits) für die Auswahl aus einem vereinbarten Zeichenvorrat. Damit wird ein Maß für die Seltenheit einer Nachricht bestimmt, aber nicht für einen erzielbaren Wissenszuwachs (Kenntniserwerb) aufgrund ihrer relativen Unbekanntheit im Empfänger (vgl. Publikation, 1982 - [1]).

Die semantische Information einer deutbaren Darstellungsform (vgl. Symbol, Zeichen, Wort, Satz, Muster, Bild u. a.) wird aufgefasst als 'subjektive Nachricht' (Mitteilung) für den verstehenden Interpreten, womit dessen Verhaltenssteuerung beeinflusst werden kann. Die zugeordnete 'informelle' Bedeutung bestimmt der Interpret gemäß seiner individuellen Deutung, Beurteilung und Bewertung aufgrund von Erfahrungswissen (vgl. Reaktion, Ablehnung, Erstaunen oder Erheiterung). [1] - [3] [8]
   Im "interpretierenden" kognitiven System wird die Information einer übertragenen (explizit mitgeteilten) Formation entsprechend dem systemeigenen Deutungsergebnis im selbstbestimmten Kontext "verstanden", d. h. als subjektive Nachricht (Mitteilung) mit funktionsbestimmenden Einfluss. [2]

Aufgrund unserer subjektiven Sichtweisen und individuellen Vorstellungen (Phantasie) gibt es unterschiedliche Interpretationen (informative Inhalte) ein und derselben Darstellungsform.


Wir erkennen und deuten sogar Unerklärliches, - mit modellhaften Vorstellungen.

Übereinstimmend mit dem kognitiven Konzept der 'subjektabhängigen Wahrnehmung' kann eine beobachtete oder übertragene Darstellungsform (als Formation, z. B. Sequenz, Muster oder Bild) von verschiedenen Beobachtern bzw. Empfängern sehr unterschiedlich gedeutet werden durch Zuordnung von mehreren Bedeutungen, - gemäß der möglichen Vielfalt individueller, wissensabhängiger Interpretationen. [4] [5]

Individuell verstanden werden erkannte Darstellungsformen durch ihre sinngemäße Deutung mittels dafür geeignetem Vorwissen, das genutzt wird zur erfahrungsgemäßen Erinnerung von symbolisch-abstrakten Vorstellungen und damit assoziierten Erwartungen (vgl. kognitive Schemata zur Kategorisierung bzw. Voraussage bei der Wahrnehmung). [3] [8]

Aus aspektorientierten Deutungen von informativen Darstellungsformen als zu verstehende Aussagen resultieren empirische Urteile für subjektive Bewertungen und Entscheidungen.


 - Information hat ja viele merkwürdige Eigenschaften, wie beispielsweise
   die Weitergabe ohne Verlust.

"Jede Kopie hat die Kraft des Originals. Geld und Ware kann man nur einmal, nur in eine Richtung vergeben, Information aber kann man beliebig oft, in beliebig viele Richtungen vergeben. Eine andere merkwürdige Eigenschaft ist die Wandlungsfähigkeit der Information: sie kann die verschiedensten Formen annehmen und bleibt doch dieselbe Information. Das Wort "Eins" oder die Ziffer "1" meinen dasselbe."

   Erläuterung 4:

Explizite Aussagen können als mitteilbare Darstellungsformen (vgl. Bilder, Schemata, Sätze, Formeln oder Worte) übertragen und verstanden werden. Diese werden definiert als 'codierte Formationen' und sind jeweils sinngemäß zu deuten, so dass ihnen mindestens eine Information im Sinne einer (subjektiven) Nachricht interpretativ entnommen wird.

Eine nach ihrer Übertragung wahrgenommene Informationsdarstellung kann vom Empfänger (Betrachter oder Beobachter) nur dann richtig gedeutet (verstanden) werden, wenn eine semantische Vereinbarung (Code) zwischen Sender und Empfänger der Darstellung besteht. Voraussetzungen zum Verstehen bei der Kommunikation sind (vorher vereinbarte) Verständigungsregeln und ein "gemeinsamer" Zeichenvorrat zur Symbolisierung von Begriffen und Aussagen. Eine sprachliche Vereinbarung (z. B. kryptografischer Schlüssel) entspricht einer beidseitig bekannten Codierung (Verschlüsselung) von einzeln sendbaren Darstellungsformen, z. B. Zeichen, Worten oder Sequenzen einer Sprache. -
   Ein Datencode für verschlüsselte Darstellungen ist eine vereinbarte, d. h. beiden Seiten bekannte, Vorschrift (Code-Tabelle) für die Zuordnung einzelner Zeichen (digitalisiert als Bitfolgen) aus zwei unterschiedlichen Vorratsmengen (Zeichenvorräten), die der Empfänger kennen muss, damit er die richtige Entschlüsselung erkannter Zeichen vollziehen kann (Decodierung durch Zeichen-Zuordnung).

Ein kognitives System (als Informationsempfänger mit Erkenntnisvermögen) versucht eine formale Darstellung zu erkennen und "für sich" zu deuten. Seine 'subjektive' Interpretation ist kontextabhängig und wird bestimmt durch die Grenzen seines eigenen Erfahrungswissens.
   Nutzbare Kenntnisse des Erfahrungswissens bestimmen kognitive Schemata (abstrakte Begriffsstrukturen) in Zuordnung zu (wieder-)erkennbaren Objekten oder Situationen, die mit Hilfe von erinnerten Vorstellungen handlungsorientiert interpretiert werden können. Interaktiv nutzbar sind wissentlich (bewusst) zugängliche Kenntnisse des deklarativen Wissens für sprachliche Beschreibungen und Erklärungen von Sachverhalten.

Äußerbare Resultate der individuellen Erkennung und Deutung von Situationen können als informative Aussagen formal ausgedrückt werden, um sie kommunikativ mitzuteilen.
   Als explizite (auch deklarative) Aussagen gelten verständlich formulierte Aussagesätze (vgl. logische Sätze) für kommunikativ mitteilbare Deutungsergebnisse oder Urteile, auch für Thesen oder Argumente.

Die deutbare Darstellungsform einer Aussage wird verständlich definiert als eine übertragbare Formation (vgl. codierter Bedeutungsträger) zur kommunikativen Mitteilung mindestens einer 'in Form' gebrachten Information (als Eingeformtes, von lat. informare) als ihre 'entnehmbare' Nachricht (für decodierende Interpreten).
   Durch die interpretative Deutung einer 'informativen' Formation (als zu verstehende Form) wird dieser eine 'inhaltlliche' Bedeutung (vgl. Sinngehalt) funktionell zugeordnet, - entsprechend einer semantischen Information der syntaktischen Formation.

Im jeweiligen Kontext zu verstehen sind Formationen als Informationsdarstellungen (z. B. Zeichenfolgen, Worte oder Sätze), denen subjektive Nachrichten interpretativ entnommen werden können, - gemäß ihrer Deutung durch Vergleich mit bekannten Mustern oder kognitiven Schemata zwecks begrifflicher Klassifizierung von erkennbaren Regelmäßigkeiten (vgl. Begriffssymbole zugeordnet zu logischen Merkmalsverknüpfungen). [2] [5] [8]
   Darstellungsformen für 'verständliche' Aussagen können nur dann richtig gedeutet und somit verstanden werden, wenn der dafür geeignete Interpret die dazu erforderlichen Kenntnisse für adäquate Muster-Vorstellungen besitzt und im richtigen Kontext nutzen kann.


Das bemerkte Fehlen (Vermissen) einer besonderen Mitteilung (wegen Ausbleiben der erwarteten Formation) kann subjektiv bewertet werden als ein Informationsverlust.

Die einer übertragenen Darstellungsform entnommene Information kann auch als 'vermittelte Kenntnis' aufgefasst werden, die im Gedächtnissystem strukturell gespeichert wird. [3] [8]
   Wer richtig über etwas informiert ist, weiß Bescheid, d. h. hat davon adäquate Kenntnis entsprechend der "verstandenen" Information. - Von etwas Kenntnis haben oder 'darüber informiert' sein heißt davon wissen.
   Wissen bedeutet ein 'Führwahrhalten', das mehr oder weniger begründet ist (vgl. Meinung oder Glaube).

Von etwas Kenntnis erlangen heißt Kenntniserwerb durch "erkenntnisgemäßes" Erfassen (kognitives Begreifen) mindestens einer begrifflichen Beziehung, die aufgefasst wird als situationsbedingt erworbene Kenntnis von einem (aufmerksam untersuchten) Zusammenhang/Sachverhalt. Diese wird (erinnerbar) behalten als 'strukturell erlernte' bedingte Relation einer lernfähigen Gedächtnisstruktur, die ausgebildetes Erfahrungswissen repräsentiert. [2]

Eine situationsbedingt erworbene Kenntnis als 'neue Erfahrung' eines kognitiven Systems entspricht einer "neuen" Information (von kennengelerntem Neuen) und wird zunächst temporär behalten (kurzzeitiges Speichern). Später kann diese Kenntnis im Gedächtnis vergessen werden, z. B. wenn sie nicht wiederholt bestätigt worden ist. Andernfalls wird eine "konsolidierte" Kenntnis als mehrfach bestätigtes (bisher bewährtes) Wissenselement im Gedächtnissystem langzeitig gespeichert, - definiert als Erkenntnis (vgl. relativ wahrer Wissenszuwachs). [1] - [3]

Durch situationsabhängige Nutzung von erworbenen Kenntnissen als "strukturell gespeicherte" bedingte Relationen wird das vorteilhafte "Assoziieren aus Erfahrung" ermöglicht, d. h. die lerntypische Kenntnisnutzung für erinnerbare Vorstellungen oder Erwartungen (vgl. assoziierte Voraussagen) entsprechend ausgebildeten Begriffsstrukturen.

Gewonnene "informative" Erkenntnisse (als 'bewährte' Begriffsrelationen) von kognitiv erfassten (begriffenen) Beziehungen oder Zusammenhängen ermöglichen "konstruktive" Wissensverbesserungen, insbesondere zwecks intelligentem Verhalten durch optimale Entscheidungen beim Problemlösen mittels realistischen Vorstellungen oder Voraussagen.

Ein kognitives Systems verfügt über ausbildbares (Erfahrungs-)Wissen seiner plastischen Gedächtnisstruktur, womit es befähigt ist zur lerntypischen Informationsverarbeitung mit modifizierten Funktionen, die formal beschreibbar sind als bedingte logische Verknüpfungen oder erlernte Zuordnungen (vgl. » Beiträge zu Definitionen und Konzepten einer Kognitiven Logik).

Allgemein bestimmbar ist "Denken" (lat. cogitare - zusammenbringen, verknüpfen) als 'informationsverarbeitende' Aktivität eines lernfähigen Gedächtnissystems (Gehirn oder Artefakt), das gekennzeichnet ist durch 'veranlagte' und 'ausbildbare' Speicher- und Verarbeitungsfunktionen für mentale Interpretationen und kognitive Leistungen aufgrund seines Basis- und Erfahrungswissens (vgl. Erkennung, Beurteilung, Bewertung und Entscheidung). [8]

Ein "denkendes" lernfähiges Gedächtnissystem ist beschreibbar als kognitives System, das individuelles Erfahrungswissen gewinnen und für 'intelligente' Verhaltenssteuerungen operativ nutzen kann (aufgrund seiner 'strukturellen Lerndisposition' für Kognition und Verstehen). [1]
   Das Phänomen "denkendes Gedächtnis(system)" ist erklärbar (gemäß meiner Begriffsdefinition, publiziert seit 1982, vgl. [1]) durch die funktionelle Einheit von assoziativer Informationsspeicherung und interpretativer Informationsverarbeitung im Gehirn (ZNS), das als 'lernfähiges Gedächtnissystem' modellierbar ist wie ein dynamisches "offenes" System mit funktionell variabler Struktur (def. als lernfähige Gedächtnisstruktur), - mit der Befähigung zu kognitiven Gedächtnisleistungen und interpretativen Denkoperationen (in Funktionseinheit) für empirische Urteile und logische Schlüsse zwecks situationsangepasstem (intelligentem) Verhalten durch Problemlösen und Lernen aus Erfahrung. -
   Diese Begriffsdefinition entspricht einem neuen Paradigma (der Kognitiven Logik) für 'kognitiv-logische' Gehirnmodelle mit künstlicher Intelligenz (analog dem 'denkenden' Gedächtnis) zwecks möglicher Erklärung und Simulation von Lernen, Verstehen und Problemlösen. [1] - [3][8]

Ein kognitiv-logisches Gedächtnissystem nutzt sein veränderliches Erfahrungswissen zur individuellen Interpretation von symbolischen Mustern und kann situationsangepasstes Verhalten erlernen, um sich auf einem bestmöglichen Niveau gemäß seiner 'rationalen' Autonomie zu behaupten (Adaption, Intelligenz). Es funktioniert nach eigenen Organisationsprinzipien (u. a. für Erkennung, Bewertung, Beurteilung und Entscheidung) und nutzt erworbene Kenntnisse für empirische Urteile und kognitiv-logische Schlüsse (vgl. induktive Inferenzen). -
   (Er-)Kenntnisse seines veranlagten Basis-Wissens und ausbildbaren Erfahrungswissens sind objektivierbar mit relationalen Aussagen (vgl. Implikationen oder Logos-Relationen), insbesondere gemäß modellartigen Konstrukten (vgl. erprobte oder vermutete Regeln) hinsichtlich seiner Umwelt oder möglicherweise auf sich selbst bezogen (vgl. Umweltmodell bzw. Selbstmodell). [1][2]

Durch kenntnisspezifische Ausbildung und Präzisierung von nutzbarem (Erfahrungs-)Wissen erklärbar sind Veränderungen des umweltangepassten Verhaltens kognitiver Systeme (Organismen oder lernender Automaten). Ihre wissenschaftliche Erforschung auf Basis einer innovativen (Er-)Kenntnistheorie ist orientiert auf prinzipielle Simulationen des natürlichen Kenntniserwerbs lernender Gedächtnissysteme, wobei technische Lösungen mit großen gesellschaftlichen Auswirkungen erwartet werden. [8]




Anhang

Heinz Zemanek sagte in seinem Vortrag » Der Triumpf der Digitalisierung « am 28.08.2002:

"Information ist nur ausnahmsweise von der Objektivität der naturwissenschaftlichen Wahrheit. Dann ist sie künstlich objektiv gemacht, meist formalisiert, von reichlich Logik und Mathematik getragen und nur innerhalb gewisser Grenzen so gültig (über diese Grenzen pflegen sich die Fachleute zu wenig Gedanken zu machen). Die meiste Information hat subjektive Züge (auch die naturwissenschaftliche Information wird von jeder Generation neu formuliert oder sie ist veraltet) und man dürfte behaupten, dass alle Information vom Menschen ausgeht und grundsätzlich beim Menschen endet - sie ist nur in Büchern und Computern zwischengespeichert und bekommt ihren Wert erst, wenn sie ein Mensch aufnimmt und benutzt. Außerdem ist die meiste Information kontextabhängig - ändert sich das Netz, die Nutzumgebung, in welchem sie gewonnen wurde oder für das sie bestimmt ist, muss auch sie geändert werden oder sie verliert ihre ursprüngliche Natur.

Im Computer gespeicherte und aus dem Computer kommende Information entbehrt des Kontexts, sie ist unvollständig, wenn Empfänger und Benutzer nicht schon vorher im Besitz dieses Kontexts sind. Das ist der Grund, warum die Fülle der Computerinformation Fragen so selten beantwortet und so häufig weit mehr weitere Fragen aufwirft.

Hans Hass, der berühmte Taucher und Tiefseeforscher hat in seinem philosophischen Buch "Ergonon" die völlig richtige Behauptung aufgestellt, dass man eine Spinne erst dann voll zu verstehen vermag, wenn man sie zusammen mit ihrem Netz studiert. Genau so ist die Informationstechnik erst mit ihrem Sinn zu begreifen, wenn man das Netz mitbetrachtet, für das sie arbeitet (und wenn die Ingenieure der technischen Lösung dieses Netz beim Entwurf mitberücksichtigt haben). Mit andern Worten: Information ist nicht nur subjektiv, sondern auch sozial, und diese Einsicht eröffnet weit mehr Perspektiven als sich in einem Vortrag beschreiben lassen."



Literatur und publizierte Essays von Eberhard Liß


[1] Kognitive Logik für Intelligente Automaten , wiss. Seiten im LISS-KOMPENDIUM, hrsg. seit 2001

[2] Grundbegriffe zur Kognitiven Logik, Definitionen, Anhang aus: LISS-KOMPENDIUM, Okt. 2002

[3] Gehirnstrukturen für Lernen und Gedächtnis, wiss. Seite aus: LISS-KOMPENDIUM, Sept. 2003

[4] »Rätselhafte Symbolgrafiken erkennen und deuten«, Einführung zur Deutung stilisierter Zeichen

[5] »Symbol und Wirklichkeit«, Vortrag von Max Born in Lindau 1963 - Auszüge (ein Exzerpt, 2007)

[6] Arndt v. Haeseler, Dorit Liebers, Molekulare Evolution, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt, 2003

[7] Christiane Nüsslein-Volhard, Das Werden des Lebens, Wie Gene die Entwicklung steuern, dtv, München, 2006

[8] Kognitiv-logische Grunderkenntnisse, Gedächtnisprinzipien und Logos-Relationen für Denkmodelle (seit 2009)


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