Eberhard Liß, Hrsg. - www.liss-kompendium.de/erfindung+technik/modellbildung.htm


Kognitiv-logische Modellbildung

Zitate zu »Erkenntnis und Denkmodell« von namhaften Autoren:

| Singer | Weizenbaum | Moravec | Einstein | Feynman | Planck | Heisenberg | Popper |



1.  Erkenntnisse der Hirnforschung


  Ausgewählte Zitate von Wolf Singer.

aus: 'Der Beobachter im Gehirn', Essays zur Hirnforschung, Suhrkamp Verlag Frankfurt a. M., 2002


1.1  Kognitive Leistungen lernfähiger Gedächtnisstrukturen


"In höher differenzierten Gehirnen lässt sich die mit kognitivem Verhalten umschriebene Gesamtfunktion in eine Vielzahl von Teilleistungen untergliedern, die von spezialisierten Hirnarealen erbracht und entsprechend auch voneinander getrennt werden können.
  Solche Teilleistungen sind unter anderem: 1.) die Extraktion gewisser Merkmale von Mustern, 2.) die Bildung von Invarianten aus Merkmalskombinationen, 3.) die abstrakte, Generalisierung ermöglichende Repräsentation dieser Invarianten, 4.) die Fähigkeit derart repräsentierter Sachverhalte in neue Beziehungen zueinander zu setzen, 5.) die Ergebnisse dieser assoziativen Analyse in Speichern festzuhalten, 6.) andere Gehirne in einer für sie verständlichen Weise auf diese Prozesse hinzuweisen, und schließlich 7.) die schwer objektivierbare aber zweifellos vorhandene Fähigkeit, die in kognitiven Auseinandersetzungen mit der Außenwelt und dem eigenen Körper erfassten Sachverhalte zu bewerten, ihnen bestimmte emotionale Attribute zuzuordnen. In ihrer Gesamtheit sind diese kognitiven Leistungen sicher eine der Grundvoraussetzungen für die Emergenz menschlicher Kulturen." (S. 212, aus: Neurobiologische Anmerkungen zum Wesen und zur Notwendigkeit von Kunst, 1984)

"Das Gehirn hat eine Reihe von Mechanismen herausgebildet, mit denen sich elektrische Aktivität in strukturelle Veränderungen seiner Architektur übersetzen lässt. Dies wiederum ermöglicht es dem sich entwickelnden Gehirn, seine eigene Intelligenz zur weiteren Verfeinerung seiner Organisation zu nutzen. Darüber hinaus kann es aufgrund seiner, über den Zeitpunkt der Geburt hinaus andauernden Entwicklung sogar Information aus der Außenwelt zur weiteren Spezifikation seiner Organisation nutzen.
  Diesem genialen Trick ist es zu verdanken, dass sich derart komplexe Strukturen wie das Gehirn überhaupt entwickeln, an ihre Umwelt anpassen und schließlich Stabilität erreichen konnten. Das sich entwickelnde Gehirn nutzt seine verteilte Intelligenz, um sich selbst zu strukturieren." (S. 209, aus: Die Architektur des Gehirns als Modell für komplexe Stadtstrukturen, 1997)

"Der wichtigste stabilitätserzeugende Faktor ist die Kooperation zwischen einem weitverteilten und schnell reagierenden Lernmechanismus und einem kontrollierenden Bewertungssystem. Die jeweiligen Systemzustände des Gehirns entsprechen bestimmten Verhaltensweisen und werden durch den Erfolg oder Misserfolg der Verhaltensaktionen bewertet." (S. 207, ebenda)

"Die Bewertungssysteme weisen dementsprechend eine geringe strukturelle Spezifität auf und sind global organisiert. Einige von ihnen zeigen sogar Merkmale von hormonellen Signalsystemen auf, die Gehirnschaltkreise unterschiedslos belohnen. Entsprechend sind die Bewertungszentren nicht an der Spitze einer Verarbeitungshierarchie angeordnet, sondern finden sich im Zentrum einer verteilten, hochparallelen Struktur interagierender Untereinheiten." (S. 208, ebenda)

"Die Gesetzmäßigkeiten, nach denen die Phänomene der Welt segmentiert und zu kognitiven Strukturen rekombiniert werden, sind durch die Architektur der entsprechenden zentralnervösen Verarbeitungszentren vorgegeben. Diese Architekturen wieder passen sich während der Hirnentwicklung im Rahmen der genetisch fixierten Erwartungswerte an die "realen" Gegebenheiten der Welt an. Die im ausgereiften Gehirn realisierten Architekturen resultieren somit aus einem zirkulären Prozess von Wechselwirkungen zwischen genetisch gespeichertem Vorwissen über Gesetzmäßigkeiten der Welt und ontogenetischen Prägungsprozessen, die diese Erwartungswerte nach Bedarf modifizieren."
  "Genetisch vorgegeben ist ferner, zumindest was die globale Ordnung angeht, die Architektur neuronaler Verbindungen, über welche die verschiedenen Merkmalsdetektoren miteinander verkoppelt sind. Hierdurch wird festgelegt, zwischen welchen Merkmalsklassen überhaupt Assoziationen möglich sind."
  "Genetisch vorgegeben ist auch der Selektions-Algorithmus, der festlegt, nach welchen Kriterien statistische Bindungen zwischen Merkmalen erfasst und durch Strukturänderungen dauerhaft verankert werden. Dieser Selektions-Algorithmus ist allgemeiner Natur und assoziiert selektiv jene neuronalen Repräsentationen miteinander, die kohärent aktiv sind. Selektions-Kriterium für solche Assoziationen ist also die räumliche und zeitliche Kontiguität von Ereignissen. Diese genetischen Vorgaben spiegeln gewissermaßen das während der Philogenese erworbene Wissen über die Struktur der realen Welt wider, in welcher sich unser Gehirn entwickelt hat. Sie sind Grundlage für unsere Bewertung kausaler Verknüpfungen. Als zusammengehörig wird interpretiert, was zu korrelierter neuronaler Aktivität führt.
  Wir dürfen annehmen, dass diese genetischen Vorgaben den Gesetzmäßigkeiten der Umwelt angepasst und den in Hinblick auf das Überleben optimierten kognitiven Leistungen dienlich sind. Somit spiegeln die angeborenen Architekturen und Bewertungsmechanismen vermutlich das während der Phylogenese erworbene Wissen über bestimmte Zusammenhänge der Welt wider, in der sich unser Gehirn entwickelt hat.
  Für die Unterscheidung von Angeborenem und Erworbenem ist nun ferner von Bedeutung, dass die beschriebene Bildung von Repräsentationen wegen der starken Vernetzung neuronaler Zentren jeweils vom gesamten Gehirn mitgetragen wird. Die je realisierten Strukturen wirken somit als Determinanten für die jeweils nächsten Veränderungen. Dies bedeutet, dass die gesamte Vorgeschichte mitentscheidet, welcher Ast der je nächsten Verzweigungen im ontogenetischen Entwicklungsprozess beschritten werden soll.
  Lernfähige Nervennetze verhalten sich also wie assoziative Speicher. Sie haben die Fähigkeit, von Teilaspekten ausgehend zu generalisieren. Vermutlich erfolgen auch in diesem Fall die Assoziationen durch Synchronisation der zeitlich strukturierten Aktivität von Nervenzellen, die durch Lernen selektiv miteinander verkoppelt wurden." (S. 138 - 140, aus: Hirnentwicklung oder die Suche nach Kohärenz, 1994)

"Das sich entwickelnde System tritt also mit einem gewaltigen Satz von Hypothesen über die Struktur der Umwelt an diese heran und überprüft und modifiziert durch aktive Befragung der Welt das in der phylogenetischen Entwicklung erworbene und in den genetischen Kodes abgespeicherte Vorwissen." (S. 231, aus: Neurobiologische Anmerkungen zum Wesen und zur Notwendigkeit von Kunst, 1984)

"Wissen über die Welt und die Beherrschung rationaler Sprachen sind eine Grundvoraussetzung für eine kausale Analyse von Beziehungen und damit für die Entwicklung prädiktiver Modelle." ...
"Die Lösung der für unser Überleben im Augenblick bedrohlichsten Probleme wird davon abhängen, ob es uns gelingt, die Gesetze anschaulich und erfahrbar zu machen, welche die komplexen, von Menschen z. T. selbst erschaffenen Systeme regieren. Dies gilt für unsere Interaktion in hochkomplizierten Sozialsystemen ebenso wie für Wirtschaftssysteme und Ökosysteme." (S. 233, ebenda)

"Die Möglichkeit, Metarepräsentationen aufzubauen, befähigt zu umsichtigem Handeln und erlaubt damit, Gefahren präventiv aus dem Weg zu gehen. Letztlich kann in dieser Fähigkeit zum kombinatorischen Spiel mit gespeicherten Inhalten, zur Erzeugung neuer prädiktiver Modelle, die Grundlage für Kreativität gesehen werden." (S. 71. aus: Vom Gehirn zum Bewusstsein, 2000)

"Zwar sind die Grundstrukturen des menschlichen Gehirns zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden, ein Großteil der Verbindungen zwischen Nervenzellen, insbesondere der Großhirnrinde, werden jedoch erst nach der Geburt angelegt. ... Das im menschlichen Gehirn gespeicherte Wissen über die Welt residiert also in der spezifischen Verschaltung von Nervenzellen, und diese Verschaltung wird sowohl durch genetische Instruktionen als auch durch Erfahrung, beziehungsweise Erziehung determiniert." (S. 191, aus: Für und wider die Natur, 1999)


1.2  Abstrakte Repräsentation erfasster Relationen


"Unleugbar sind Tiere mit sensomotorischen Hirnarealen in der Lage, Muster auch dann wieder zu erkennen, wenn diese in einer Weise verändert worden sind, die zwar den Gesamtaspekt des Musters, wie etwa die Größe oder den Betrachtungswinkel stark verändert, jedoch die für das Muster charakteristischen inneren Bindungen konstant lässt. Die Tiere sind in der Lage, aus Mustern Relationen zu extrahieren und diese abzuspeichern anstelle skalarer Größen. Dies ist ein abstrakter Kodierungsvorgang. Für den Schritt von hier zur symbolischen Kodierung von Relationen, und nichts anderes ist die begriffliche Durchdringung unserer Welt mit Hilfe der Sprache, bedarf es keiner neuen Verarbeitungsqualität. Es ist lediglich notwendig, die abstrahierten Speicherinhalte, wie sie bereits in sensomotorischen Rindenarealen vorhanden sein müssen, erneut voneinander abzugrenzen, die bei diesem Abgrenzungsvorgang identifizierten Einheiten zueinander in Relation zu setzen und für diese Relation wiederum eine abstrakte Repräsentation niederzulegen usw. Im Laufe der Hirnentwicklung hat sich ferner die Möglichkeit angeboten - Möglichkeit hier realisiert durch das Entstehen entsprechender neuronaler Verbindungen -, auch die Inhalte dieser hierarchisch höher stehenden assoziativen Speicher über die bereits vorhandenen Effektorsysteme zu externalisieren und damit Lebewesen mit ähnlich strukturierten Nervensystemen auf Zustandsänderungen im eigenen System hinzuweisen.
  Die Effizienz solcher hierarchisch aufgebauter reflexiver Systeme liegt auf der Hand. Durch die Möglichkeit, abstrakte Repräsentationen von Beziehungen zu bilden und diese wiederum zueinander in Beziehung zu setzen und dafür wiederum abstrakte Repräsentationen niederzulegen, können prädiktive Modelle über die Umwelt, über den Organismus selbst und über die dynamischen Interaktionen des Organismus mit der Umwelt gebildet werden. Auf der Basis dieser Modelle lassen sich Maximen für das eigene Verhalten optimieren mit dem Ziel, die eigene Identität trotz vielfältigster Störungen konstant zu halten.
  Begrenzt lediglich durch die genetisch festgelegten Bahnverbindungen zwischen den einzelnen Hirnarealen ist ein solcherart organisiertes System in der Lage, eine fast beliebige Zahl von neuen Bezügen herzustellen. Positiv rückgekoppelte Nervennetze sind ferner in der Lage, den Speicherinhalten entsprechende Aktivitätsmuster selbst zu generieren. Somit können auch ohne Außenreize die bereits gespeicherten Inhalte ausgelesen und miteinander assoziiert werden. Damit solche kombinatorischen Prozesse schließlich auch wirklich ablaufen, müssen die assoziativen Speicher durch selbst erzeugte Aktivität angeregt werden. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass es im Gehirn Kontrollsysteme gibt, welche die Erregbarkeit der Hirnrinde modulieren. Die Aktivierung eines bestimmten Anteils dieser Kontrollsysteme ist offenbar mit angenehmen Empfindungen assoziiert. Werden diese aktivierenden Systeme über elektrische Reizelektroden stimuliert, stellt sich Wohlbefinden ein. Gibt man Tieren die Möglichkeit, sich diese Reize durch Betätigung eines Schalters selbst zu applizieren, so tun sie dies bis zur physischen Erschöpfung." (S. 217 - 218, aus: Neurobiologische Anmerkungen zum Wesen und zur Notwendigkeit von Kunst, 1984)

"Durch die, mit der Entwicklung von Werkzeugen eröffneten Möglichkeit, Umwelt gestalterisch zu verändern, erschließen sich zudem externe, das Individuum überdauernde Speichermöglichkeiten, in denen die Ergebnisse reflexiver Analysen festgehalten werden können. Schriftliche Mitteilungen, Bilder, Skulpturen, Kompositionen, Gebrauchsgegenstände bis hin zu technischen Produkten teilen sich in diese Speicherfunktion. Diese Speicher sind Bestandteil neuer Wirklichkeiten, und somit Objekte für weitere kognitive Interaktionen. Die bereits für die einzelnen Gehirne charakteristischen rekursiven Prozesse weiten sich aus und beziehen die Gehirne der kommunikationsfähigen Artgenossen mit ein. Diese Iteration von Perzeption, Reflexion, Rekombination, Abstraktion, Kommunikation und Perzeption, die sich als unendliche Reihe fortsetzen kann, ist in der Lage, neue Systeme von fast beliebiger Komplexität hervorzubringen." (S. 221, ebenda)

"Vor jeder wissenschaftlichen, philosophischen oder sonst wie gearteten alltäglichen Erkenntnis liegt ein Schöpfungsakt, der in seinem Wesen von künstlerischer Reflexion kaum verschieden sein dürfte. Die unterschiedliche Art der Externalisierung dieses Prozesses, die logischen, in Sprache gefassten Bezüge beim Philosophen und Wissenschaftler und die mannigfaltigen Materialisierungsformen beim künstlerischen Schaffen, sollen darüber nicht hinwegtäuschen." (S. 222, ebenda)

"Gemeinsam wäre allen kreativen Akten, dass Phänomene, die durch die reflexive Struktur unseres Gehirns erfahrbar, und durch diesen reflexiven Prozess je neu entstehen, also ohne diesen nicht vorhanden wären, symbolisch verdichtet, und in einer Weise externalisiert werden, die geeignet ist, andere Gehirne auf das Ergebnis dieser Verdichtung der in reflexiven Prozessen entstandenen Entitäten hinzuweisen. Geschieht dies in rationalen Sprachen, liegt die Botschaft also ausschließlich in einer Sequenz logisch verknüpfter Aussagen, so entstehen wissenschaftliche oder philosophische Werke, geschieht dies auf andere Weise, so liegt vermutlich ein Stück Kunst vor." (S. 223, ebenda)

"Das reflexiv organisierte Gehirn hat grundsätzlich die Möglichkeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Durch Herstellen neuer Bezüge zwischen gespeicherten Repräsentationen der über die Sinnessysteme vermittelten Informationen können Entdeckungen über die Struktur der Umwelt gemacht werden, und daraus lassen sich prädiktive Verhaltensstrategien ableiten, die das Überleben entscheidend begünstigen." (S. 224, ebenda)

"Es ist die Neigung zur Klassifikation, zur Kategorienbildung, der Drang, Phänomene nach Kriterien der Ähnlichkeit zu Klassen zusammenzufassen und diese voneinander zu trennen. Erkennen ist Ergebnis sich wechselseitig bedingender gegenläufiger Prozesse: Suche nach gemeinsamen Merkmalen und Abgrenzung, Analyse und Synthese, Deduktion und Induktion." (S. 171, aus: Im Grunde nichts Neues, 1998)

"Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass die Algorithmen, nach denen wir die symbolischen Objekte unserer Sprache in Kategorien einteilen und über syntaktische Regeln zu Sätzen verknüpfen, andere sein sollten als die Algorithmen, die unsere Sinnessysteme anwenden, wenn sie "konkrete" Objekte der Wahrnehmung kategorisieren und zwischen ihnen semantische Bezüge herstellen." (S. 172, ebenda)

"Unsere Fähigkeit zum Nach-Denken, zur Manipulation, zur Kategorisierung und Verknüpfung der symbolischen Repräsentanten primärer Wahrnehmungsprozesse erlaubt es uns, die von den Sinnessystemen vorgegebenen Kategoriengrenzen zu relativieren und Gemeinsamkeiten zu erkennen, wo die Primärerfahrung Unterschiede suggeriert. So lassen sich durch Nach-Denken Weltmodelle konstruieren, die einfacher und hinsichtlich ihrer prädiktiven Potenz mächtiger sind als Modelle, die sich an den durch die Primärwahrnehmung vorgegebenen Kategoriengrenzen orientieren müssen. Und dies gilt selbst dann, wenn die Algorithmen der Denkvorgänge den gleichen Gesetzen folgen wie die unreflektierten Wahrnehmungsprozesse. Vermutlich liegt hier die nachträgliche Begründung dafür, warum sich das Mehr an Großhirnrinde, das uns Menschen gegenüber anderen Lebewesen auszeichnet, in der biologischen Evolution behaupten konnte und warum ein Mehr vom Gleichen die Emergenz neuer kognitiver Fähigkeiten ermöglichte, die zusammen mit einer Reihe anderer evolutionärer Prozesse schließlich zum Beginn der kulturellen Evolution führten.
  So sollten wir also nicht erstaunt sein, wenn uns Nach-Denken über unsere Beobachtungen zu dem Schluss kommen lässt, dass verbunden ist, was uns getrennt schien, oder gemeinsame Ursachen hat, was wir zunächst für unabhängig hielten. Vorgänge dieser Art sind uns seit alters geläufig, und sie haben ihr Wesen nicht dadurch geändert, dass wir Werkzeuge einsetzen: Messinstrumente, um den Beobachtungsraum auszuweiten, und mathematische Formalismen, um Zusammenhänge zu beschreiben, deren Komplexität die Darstellungsmöglichkeiten der Umgangssprache übersteigt." (S. 173, ebenda)

"Für reine Intelligenzleistungen, wie sie etwa beim Schachspielen erforderlich sind, ist uns die Sichtweise einer materiellen Gebundenheit mentaler Operationen schon jetzt vertraut. Auch die Tatsache, dass so komplexe kognitive Funktionen wie logisches Folgern, Mustererkennung und die Lösung komplizierter mathematischer Probleme von Maschinen erfüllt werden können, wurde für uns zur Alltagserfahrung. Wir haben uns daran gewöhnt, dass ein Teil der mentalen Leistungen, die wir für spezifisch menschlich hielten, auch von technischen Systemen erbracht werden können. Noch verdanken diese Maschinen ihre Eigenschaften einem vom Menschen erdachten, durchstrukturierten Bauplan. Denkbar ist aber geworden, künstliche Systeme zu konzipieren, die, ähnlich wie unsere Gehirne, einen Entwicklungs- und Lernprozess durchlaufen, sich vorwiegend selbst organisieren und auf diese Weise einen Komplexitätsgrad erreichen, der weit über das hinausgeht, was wir gegenwärtig planend strukturieren und analytisch durchdringen können. Solche Systeme wären dann in der Lage, ihre eigenen Erfahrungen zu machen und mit Initiativen aufzuwarten, die nicht mehr vom Konstrukteur antizipierbar sind. Schon jetzt sollten wir darüber nachdenken, wie wir mit solchen Systemen umgehen wollen." (S. 195, aus: Für und wider die Natur, 1999)



2. Symbolische Konstruktion - Theorie und Modell


Ausgewählte Zitate von Joseph Weizenbaum,

aus: 'Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft', Theorien und Modelle,
Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, Taschenbuch Wissenschaft 274, 1978


"Wenn das Verständnis des Menschen von sich selbst mindestens in Teilbereichen naturwissenschaftlich sein soll, dann muss man der Naturwissenschaft das Recht zu der Annahme einräumen, dass wenigstens einige Aspekte des menschlichen Verhaltens Gesetzen folgen, die von der Naturwissenschaft entdeckt und innerhalb eines naturwissenschaftlichen Theorierahmens formalisiert werden können. Was also auch immer der Mensch sonst ist (und nochmals: es gibt da eine ganze Menge), er ist auch Empfänger und Übermittler von Informationen. Aber selbst dann ist er sicherlich mehr als ein bloßer Spiegel, der mehr oder weniger genau wieder gibt, was an Signalen auf ihn trifft; denn er befasst sich nur mit einem kleinen Ausschnitt aus dem, was William James die "blumenprächtige, summende Verwirrung" der Empfindungen genannt hat, mit denen ihn seine Umwelt bombardiert, und er transformiert dieses Destillat seiner Welt in Erinnerungen, in Phantasiebilder verschiedenster Art, in Rede und Schrift, Klavieranschläge, kurz in Denken und Verhalten. Was immer der Mensch sonst noch ist, und die Aufzählung ist lang, er ist auch jemand, der Informationen verarbeitet." (S. 189)

"Eine Theorie ist in erster Linie ein Text, also eine Verkettung der Zeichen eines Alphabets. Aber in einem tieferen Sinne ist sie auch eine symbolische Konstruktion; bereits die Begriffe, mit denen eine Theorie arbeitet, sind Symbole, die nach ihrer Bedeutung in der realen Welt tasten (Wort von Abraham Kaplan), andernfalls hören sie auf, symbolisch zu sein." (S. 190)

"Definitionen, die Begriffe durch andere Worte definieren, verschieben das Problem, da auch diese Worte definiert werden müssen. In der gesamten Naturwissenschaft werden Symbole oft über Operationen definiert." (S. 191)

"Kein theoretischer Begriff kann jemals völlig und bis ins letzte verstanden werden. In der Tat, um noch einmal Kaplan anzuführen, ist es gar nicht möglich, den Inhalt eines Einzelkonzepts oder eines Einzelbegriffs innerhalb einer genügend gehaltvollen Theorie (etwa über die menschliche Erkenntnis) zu fixieren, ohne damit gleichzeitig eine Aussage über die Wahrheit der gesamten Theorie zu machen. Dieser Umstand ist für die Einschätzung von Computermodellen komplexer Phänomene von größter Bedeutung.
  Eine Theorie ist natürlich nicht nur ein grammatisch korrekter Text, der sich einer Menge von Begriffen bedient, die in irgendeiner symbolischen Beziehung zur Realität stehen. Sie ist eine systematische Menge von Aussagen über Gesetze. Ihr Gehalt, ihr echter Wert als Theorie liegt mindestens ebenso sehr in der Struktur der Zwischenverbindungen, durch die ihre Gesetze aufeinander bezogen werden, als in den Gesetzen selbst." (S. 192)

"Normalerweise meinen wir natürlich mit der Umsetzung einer Theorie in die Praxis, dass wir aus ihr Konsequenzen ziehen. Und damit ist wiederum gemeint, dass wir bestimmte Umstände voraussetzen, die sich auf bestimmte Begriffe der Theorie beziehen und uns dann die Frage stellen, welche Implikationen diese besonderen Umstände nach der Theorie für andere Begriffe mit sich bringen." (S. 193)

"Wenn wir es eher technisch ausdrücken wollen, so können wir sagen, dass die Umsetzung einer Theorie in die Praxis bedeutet, einigen ihrer Parameter (d. h. die von den Begriffen bezeichneten Einheiten) bestimmte Werte zuzuordnen, die nicht unbedingt numerisch zu sein brauchen, und dann methodisch zu bestimmen, welche Werte die Theorie bestimmten anderen Parametern zuordnet. Oft gelangen wir natürlich zu den Spezifikationen, auf die wir eine Theorie anwenden wollen, indem wir einen Aspekt der realen Welt befragen oder messen." (S. 194)

"Die Beziehung zwischen einem Modell und einer Theorie ist die, dass ein Modell einer Theorie genügt; d. h. ein Modell gehorcht den Verhaltensgesetzen, die von einer entsprechenden Theorie explizit formuliert sind oder aus ihr abgeleitet werden können. Wir können bei einer gegebenen Theorie eines Systems B sagen, dass A ein Modell von B ist, wenn diese Theorie von B gleichzeitig auch eine von A ist. Wir akzeptieren die Bedingung, die auch von Kaplan erwähnt wird, dass zwischen dem Modell und dem modellierten Gegenstand keine Kausalitätsbeziehung existieren muss; denn wenn ein Modell als Werkzeug der Erklärung dienen soll, müssen wir stets sicher gehen, dass alles, was wir aus einem modellierten Sachverhalt durch das Studium seines Modells lernen, auch ohne das Modell gültig ist." (S. 195)

"Trotzdem ist es plausibel, dass wir alle unsere Schlüsse über die Wirklichkeit ausschließlich aus Denkmodellen ziehen, deren Strukturen und weitgehend auch deren Inhalte streng von unseren implizit oder explizit geglaubten Theorien über die Welt bestimmt sind." (S. 196)

"Eine Theorie in Form eines Computerprogramms ist somit sowohl eine Theorie als auch - in einen Computer eingegeben und von diesem bearbeitet - ein Modell, auf das die Theorie Anwendung findet." (S. 197)

"Ein Modell ist immer eine Vereinfachung, eine Art Idealisierung dessen, was modelliert werden soll.
  Der Zweck eines Modells besteht natürlich nicht darin, die Wirklichkeit in ihrer ganzen Komplexität wiederzugeben, sondern auf eine lebendige, manchmal formale Weise das zu erfassen, was für ein Verständnis eines Aspekts in deren Struktur oder Verhalten wesentlich ist.
  Wir wählen für unser Modell die Merkmale der Realität aus, die wir für unsere Zwecke als wesentlich betrachten.
  Beim Test eines Modells kann sich zeigen, dass etwas Wesentliches vergessen worden ist. Aber auch hier muss ein Urteil gefällt werden, um zu entscheiden, was dieses "etwas" sein könnte, und ob es für den Zweck "wesentlich" ist, den das Modell erfüllen soll. Die schließlichen Kriterien, die notwendig auf Absichten und Zwecken beruhen, werden letztlich vom einzelnen, d. h. menschlichen Modellbauer bestimmt.
  Das Problem, das mit der Frage verbunden ist, was "wesentlich" ist und was nicht, betrifft auch die Kehrseite der Medaille. Ein Modell ist letzten Endes ein anderes Objekt als der Gegenstand, den es modelliert. Aus diesem Grunde verfügt es über Eigenschaften, die sein Gegenstück nicht hat." (S. 202)

"Eine Funktion eines Modells besteht darin, Theorien an deren extremen Grenzen zu testen." (S. 203)

"Da Modelle in Form von Computerprogrammen ebenfalls Theorien darstellen (zumindest verdienen einige Programme diese Bezeichnung), so gilt das, was ich über Theorien im allgemeinen gesagt habe, auch für diese, und vielleicht in diesem Sinne sogar noch in viel stärkerem Maße; damit wir aus diskursiven Theorien Konsequenzen ziehen oder auch nur ihre Kohärenz und Konsistenz bestimmen können, müssen sie, wie ich mich ausgedrückt habe, irgendwie modelliert sein, d. h. es muss ein Modell davon im menschlichen Kopf existieren." (S. 206)

"Es kann sein, dass wir niemals wissen, ob die Vermutung, dass ein Teil unseres Denkens über Symbolstrukturen abläuft, richtig oder falsch ist, denn es handelt sich um eine Vermutung, die nur gefühlt, aber nicht sinnvoll formuliert werden kann. Natürlich haben Naturwissenschaftler einen Horror vor Hypothesen, die sich nicht falsifizieren lassen. Es kann jedoch sein, dass die Hypothese vor dem Hintergrund eines umfassenden Wahrheitsbegriffs richtig ist. Vielleicht kann man mit ihr leichter erklären, warum wir uns selbst und einander ein Leben lang fremd bleiben, warum jedes Wort in unserem Wörterbuch zumindest in einen Rest von Geheimnis getaucht ist und warum jeder Versuch, die Probleme des Lebens mit ausschließlich rationalen Mitteln zu lösen, zum Scheitern verurteilt ist." (S. 291)



3.  Mentale Deutung einer Computersimulation


Ausgewählte Zitate von Hans Moravec,

aus: 'Computer übernehmen die Macht', Vom Siegeszug der künstlichen Intelligenz,
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 1999


"Die künstliche Intelligenz hat es geschafft, die bewusste Oberfläche des logischen Denkens nachzuahmen, und hat uns vor Augen geführt, wie unabsehbar und fremd die unbewussten Prozesse unter der Oberfläche sind." (S. 44)

"Die Ingenieure, die die Mechanismen ihrer hochentwickelten Roboter ganz genau kennen, werden auf keinen Fall bereit sein, ihren Maschinen wirklichen Verstand zuzuschreiben. Von innen betrachtet, werden Roboter zweifellos Maschinen sein, die nach mechanischen Prinzipien handeln - wenn auch sehr komplexen Prinzipien. Doch von außen gesehen, wo die Maschinen als Ganzes in Erscheinung treten, werden sie den Eindruck von Intelligenz hinterlassen." (S. 110)

"Im Prinzip kann die Beziehung zwischen Simulation und simuliertem Inhalt beliebig indirekt sein." (S. 298)

"Es spielt keine Rolle, auf welche Weise das Simulationsprogramm realisiert wird."

  "Die Interpretation einer Simulation ist eine mathematische Abbildung von Zuständen des Simulationsprozesses auf Darbietungsformen, die ein bestimmter Beobachter verstehen kann. Wenn das von einem kleinen, schnellen Programm geleistet wird, handelt es sich um eine praktisch anwendbare Deutung." (S. 299)

"Die Repräsentation ist keinerlei formalen Einschränkungen unterworfen: Jede Simulation kann in jeder Sequenz enthalten sein, vorausgesetzt, es gibt die richtige Deutung." (S. 303)

"Mathematische Objekte wie Zahlen und geometrische Figuren präsentieren sich dem abstrakten Denken so konkret und überzeugend wie materielle Objekte den Sinnesorganen. Für Platon sind mathematische Begriffe nicht weniger real als materielle Objekte - lediglich so unsichtbar für die äußeren Sinne wie der Schall für die Augen." (S. 303 - 304)

"Die Computersimulation ist für das geistige Auge wie ein Fernrohr: Sie lenkt den Blick unseres Vorstellungsvermögens über den nahen Bereich einfacher mathematischer Objekte hinaus auf ferne Welten, einige so komplex wie unsere physische Realität, voller Lebewesen, Intelligenzen und was sonst noch dazugehört. So gesehen, gehört unsere Welt zu den abstrakt verstehbaren, denn sie wird durch die formalen Beziehungen bestimmt, die wir Naturgesetze nennen - genauso wie jede Simulation durch ihre inneren Gesetze bestimmt wird. Der Unterschied zwischen physischer und mathematischer Wirklichkeit ist eine perspektivische Täuschung: Die physische Welt ist zufällig die besondere abstrakte Welt, in der wir enthalten sind.
  Die platonische Sicht auf das Problem der Simulation gibt uns die Möglichkeit, ihre schwer fassbaren Aspekte in den Griff zu bekommen. Danach ist jede Deutung eines Prozesses eine eigene Wirklichkeit. Sonst ist eine Deutung nur sinnvoll im Kontext einer anderen Deutung, die eine in sich abgeschlossene Welt bestimmt und so fort, in unendlichem Regress. Die platonische Auffassung widerlegt verschiedene Einwände gegen Maschinenintelligenz. Einige Kritiker vertreten die Ansicht, eine Maschine könne keinen Geist enthalten, weil die Funktion einer Maschine vollkommen von einer äußeren Deutung abhänge, während der menschliche Geist seinen Sinn selbst hervorbringe. Die platonische Simulationsauffassung antwortet darauf, die abstrakten Beziehungen, die den Geist einschließlich seiner Selbstdeutung konstituierten, würden unabhängig existieren, und ein Roboter, ein Simulator oder ein Buch, das die Handlungen beschreibe, seien genauso wie das biologische Gehirn, nur eine bestimmte Art, sie zu betrachten. Andere Kritiker glauben, künftige Roboter würden sich wie intelligente, fühlende Wesen verhalten, ohne ein inneres Empfinden ihrer Existenz zu haben - sie würden bewusst- und seelenlose Zombies sein. Der Platonismus erwidert, dass es tatsächlich für jeden Mechanismus (auch das menschliche Gehirn) Deutungen gebe, in denen er seelenlos erscheine, dass es aber auch andere gebe, in denen er als realer, ich-bewusster Geist wahrgenommen werde. Wenn sich ein Roboter (oder ein Mensch) verhält, als habe er Meinungen und Gefühle, gestaltet sich unsere Beziehung zu ihm in der Regel einfacher, wenn wir uns zu der "Er-hat-einen-Geist"-Deutung entschließen. Natürlich tut ein Roboteringenieur (oder Hirnchirurg) gut daran, wenn er bei der Arbeit an den inneren Strukturen vorübergehend auf die "Er-ist-ein-seelenloser-Mechanismus"-Deutung umschaltet." (S. 304 - 305, - kursive Hervorhebungen von E. Liß)

"Bei einer interaktiven Simulation ist der Betrachtermechanismus nicht mehr passiv und überflüssig, sondern ein ganz wichtiger bidirektionaler Kanal, der Informationen an die Simulation und von ihr liefert. Solch einen Kanal können auch Bücher und Filme haben, wenn sie für entsprechende Inputs alternative Szenarien bereithalten." (S. 306)

"Möglicherweise ist das menschliche Bewusstsein das Nebenprodukt eines Gehirns, das im Laufe der Evolution für das Leben in sozialen Gruppen ausgebildet worden ist. Gedächtnis, Vorhersage- und Kommunikationsmechanismen, die der Fähigkeit ähneln, physische Objekte zu verfolgen, dienten einst dazu, die Stimmungen und Beziehungen von Stammesmitgliedern zu klassifizieren und mitzuteilen." (S. 301)

"Dank unserer Entscheidungen bahnen wir uns alle unseren eigenen Weg durch das Labyrinth möglicher Welten. Links und rechts vom Weg lassen wir ebenso reale Alternativen mit ebenso realen Versionen unserer selbst und anderer liegen, indem wir die Welt auswählen, in der wir leben müssen." (S. 307)

"Ohne Auswahl gibt es weder Inhalt noch Bedeutung. Das Reich aller möglichen Welten ist einerseits gewaltig, andererseits völlig nichtig." (S. 310)

"Die Regelmäßigkeiten, die wir beobachten, sind vielleicht nur eine bloße Selbstreflexion: Die Welt, die wir wahrnehmen, muss sich mit unserer Existenz vertragen - mit einem eindeutigen Zeitpfeil, zuverlässigen Wahrscheinlichkeiten, Bedingungen, unter denen sich Komplexität entwickeln und behaupten kann, unter denen sich Erfahrungen zu verlässlichen Erinnerungen konsolidieren und unter denen die Ergebnisse von Handlungen vorhersagbar sind." (S. 322)

"Daher befinden wir uns stets in einer Welt, wo die Konstanten genau den Wert haben, der erforderlich ist, um unsere Funktionen zu gewährleisten. Aus dem gleichen Grund beobachten wir, dass sich die Regeln über lange Zeiträume nicht verändert haben, so dass die Evolution in der Lage war, uns mit unseren vielen komplizierten und ineinandergreifenden inneren Mechanismen auszustatten." ( S. 323)

"Die Frage, warum unser Universum so fest mit den physikalischen Gesetzen verknüpft ist, ist bislang kaum in wissenschaftlicher Weise gestellt worden, von einer entsprechenden Antwort ganz zu schweigen. Doch die Antwort könnte mit Einsteins Beobachtung zu tun haben, dass die Mathematik bei der Beschreibung der physischen Welt einen erstaunlichen, durch keinerlei Gründe gerechtfertigten Erfolg habe." (S. 325)



4.  Logische Denkmodelle - Begriffe und Relationen


Ausgewählte Zitate von Albert Einstein,

aus: 'Albert Einsteins Weisheiten und Ansichten' - Eine Zitate-Anthologie von Eberhard Liß


"Wissenschaft ist der Versuch, der chaotischen Mannigfaltigkeit der Sinneserlebnisse ein logisch einheitliches gedankliches System zuzuordnen. In diesem System sollen die einzelnen Erlebnisse derart ihr gedanklich-theoretisches Korrelat finden, dass die Zuordnung eindeutig und überzeugend erscheint.
  Sinnen-Erlebnisse finden wir vor. Sie sind das unverrückbar Gegebene. Das Gedankliche aber, was uns zu dessen Erfassung dient, ist Menschenwerk, Ergebnis eines äußerst mühevollen Anpassungsprozesses, hypothetisch, niemals völlig gesichert, stets gefährdet und in Frage gestellt." (1940; AEA 1-135, S. 1, Das Fundament der Physik)

"Ziel der Wissenschaft ist einerseits die möglichst vollständige begriffliche Erfassung und Verknüpfung der Sinneserlebnisse in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit, zweitens aber die Erreichung dieses Ziels unter Verwendung eines Minimums von primären Begriffen und Relationen." (1935; AEA - Einsteinarchiv Jerusalem, www.alberteinstein.info, 122-858, S. 4)

"Die Wissenschaft sucht Beziehungen aufzufinden, die als unabhängig vom forschenden Menschen existierend gedacht werden. Dies schließt nicht aus, dass der Mensch selbst Gegenstand jener Beziehungen sein mag oder (in der Mathematik), dass von uns geschaffene Begriffe, die keinen Anspruch auf Beziehungen zu einer "Außenwelt" machen, Gegenstand wissenschaftlicher Aussagen sein können. Wissenschaftliche Aussagen und Gesetze sind von solchem Charakter, dass wir sie als wahr oder falsch, als zutreffend oder nicht zutreffend bezeichnen können; unsere Reaktion ist - grob gesprochen - "Ja" oder "Nein". " (1949; AEA 1-160, S. 1, Vorwort zu Philipp Frank, 'Relativity - A Richer Truth')

"Die Entwicklung der abendländischen Naturwissenschaft beruht auf zwei großen Leistungen: Der Erfindung des formal logischen Systems (in der euklidischen Geometrie) durch die griechischen Philosophen, und auf der Entdeckung der Möglichkeit, durch systematisches Experimentieren kausale Beziehungen herzustellen." (1953; aus: Alice Calaprice (Hrsg.), Einstein sagt, Zitate - Einfälle - Gedanken, Piper, München, 2004, S. 149)

"Logisches Denken ist notwendig deduktiv, auf hypothetische Begriffe und Axiome gegründet. Wie dürfen wir hoffen, letztere so wählen zu können, dass wir auf ihre Bewährung ihrer Konsequenzen an den Erscheinungen hoffen dürfen? Der günstigste Fall liegt offenbar dann vor, wenn die neuen Grundhypothesen durch die Erlebniswelt selbst oder durch Bewährung von theoretischen Bemühungen an der Erlebniswelt nahe gelegt werden." (1935; AEA 122-858, S. 18, Physik und Realität)

"Durch bloßes logisches Denken vermögen wir keinerlei Wissen über die Erfahrungswelt zu erlangen; alles Wissen über die Wirklichkeit geht von der Erfahrung aus und mündet in ihr. Rein logisch gewonnene Sätze sind mit Rücksicht auf das Reale völlig leer." (1930; Mein Weltbild, Zur Methodik der theoretischen Physik)

"Das Erfinden ist kein Werk des logischen Denkens, wenn auch sein Endprodukt an die logische Gestalt gebunden ist." (aus: Seelig (Hrsg.), Helle Zeit - dunkle Zeit, in memoriam Albert Einstein, Zürich, Stuttgart, Wien, 1956, S. 10)

"Nach meiner Überzeugung muss man sogar viel mehr behaupten: die in unserem Denken und in unseren sprachlichen Äußerungen auftretenden Begriffe sind alle - logisch betrachtet - freie Schöpfungen des Denkens und können nicht aus den Sinnen-Erlebnissen induktiv gewonnen werden. Dies ist nur deshalb nicht so leicht zu bemerken, weil wir gewisse Begriffe und Begriffsverknüpfungen (Aussagen) gewohnheitsmäßig so fest mit gewissen Sinnerlebnissen verbinden, dass wir uns der Kluft nicht bewusst werden, die logisch unüberbrückbar die Welt der sinnlichen Erlebnisse von der Welt der Begriffe und Aussagen trennt." (1944; Mein Weltbild, B. Russell und das philosophische Denken; AEA 1-139, S. 4)

"Damit Denken nicht in »Metaphysik« bzw. in leeres Gerede ausarte, ist nur notwendig, dass genügend viele Sätze des Begriffssystems mit Sinneserlebnissen hinreichend verbunden seien und dass das Begriffssystem im Hinblick auf seine Aufgabe, das sinnlich Erlebte zu ordnen und übersehbar zu machen, möglichst Einheitlichkeit und Sparsamkeit zeige. Im Übrigen aber ist das »System« ein (logisch) freies Spiel mit Symbolen nach (logisch) willkürlich gegebenen Spielregeln. Die alles gilt in gleicher Weise für das Denken des Alltags und für das mehr bewusst systematisch gestaltete Denken in den Wissenschaften." (1944; Mein Weltbild, B. Russell und das philosophische Denken)

Zur näheren Erläuterung schrieb Einstein an Max von Laue: "Die Bemerkung über Begriffe, und im besonderen über die 'erlebnisnahen', ist durchaus nicht so gemeint, dass ich die genetische Bedingtheit der Begriffe durch Erlebnisse leugnen wollte. Was ich meine, ist nur, dass Begriffe aus dem Rohmaterial der Erfahrung nicht durch einen logischen Prozess ableitbar sind." (aus: Horst Melcher, Albert Einstein wider Vorurteile und Denkgewohnheiten, WTB Bd. 239, Akademie-Verlag, Berlin, 1979, S. 44)

"Ein logisches Begriffssystem ist insofern Physik, als seine Begriffe und Aussagen zur Welt der Erlebnisse in zwangsläufiger Weise in Beziehung gebracht sind. Wer ein solches System aufzustellen versucht, findet in der Willkür (embarras de richesse) ein gefährliches Hindernis. Deshalb sucht er seine Begriffe so direkt und zwangsläufig wie möglich mit der Erlebniswelt zu verknüpfen. Seine Attitude ist dann empiristisch. Der Weg ist fruchtbar, aber immer anfechtbar, weil der Einzelbegriff und die Einzelaussage doch nur in Verbindung mit dem Ganzen etwas mit dem Empirisch-Gegebenen Konfrontierbares aussagen. Er erkennt dann, dass es keinen logischen Weg vom Empirisch-Gegebenen zu jener Begriffswelt gibt. Seine Attitude wird dann eher rationalistisch, weil er die logische Selbständigkeit des Systems erkennt. Die Gefahr bei dieser Einstellung liegt darin, dass man beim Suchen nach dem System jeden Kontakt mit der Erlebniswelt verlieren kann. Ein Schwanken zwischen diesen Extremen erscheint mir unvermeidlich." (aus: Paul Arthur Schilpp (Hrsg.), Albert Einstein als Philosoph und Naturforscher, Stuttgart, 1951, S. 504)

"Es ist mir nicht zweifelhaft, dass unser Denken zum größten Teil ohne Verwendung von Zeichen (Worte) vor sich geht und dazu noch weitgehend unbewusst. Denn wie sollten wir sonst manchmal dazu kommen, uns über ein Erlebnis ganz spontan zu »wundern«? Dies »sich wundern« scheint dann aufzutreten, wenn ein Erlebnis mit einer in uns hinreichend fixierten Begriffswelt in Konflikt kommt." (1946; aus: Paul Arthur Schilpp (Hrsg. s. o.), Autobiographisches, S. 3)

"Was ist eigentlich "Denken"? Wenn beim Empfangen von Sinneseindrücken Erinnerungsbilder auftauchen, so ist das noch nicht "Denken". Wenn solche Bilder Serien bilden, deren jedes Glied ein anderes wachruft, so ist dies auch noch kein "Denken". Wenn aber ein gewisses Bild in vielen solchen Reihen wiederkehrt, so wird es eben durch seine Wiederkehr zu einem ordnenden Element für solche Reihen, indem es an sich zusammenhangslose Reihen verknüpft. Ein solches Element wird zum Werkzeug, zum Begriff. Ich denke mir, dass der Übergang vom freien Assoziieren oder "Träumen" zum Denken charakterisiert ist durch die mehr oder minder dominierende Rolle, die der "Begriff" dabei spielt. Es ist an sich nicht nötig, dass ein Begriff mit einem sinnlich wahrnehmbaren und reproduzierenden Zeichen (Wort) verknüpft sei; ist er es aber, so wird dadurch Denken mitteilbar." (1946; aus: Paul Arthur Schilpp (Hrsg. s. o.), Autobiographisches, S. 2 - 3)

"Dass die Gesamtheit der Sinnen-Erlebnisse so beschaffen ist, dass sie durch das Denken (Operieren mit Begriffen und Schaffung und Anwendung bestimmter funktioneller Verknüpfungen zwischen diesen sowie Zuordnung der Sinneserlebnisse zu den Begriffen) geordnet werden können, ist eine Tatsache, über die wir nur staunen, die wir aber niemals werden begreifen können. Man kann sagen: Das ewig Unbegreifliche an der Welt ist ihre Begreiflichkeit. Dass die Setzung einer realen Außenwelt ohne jene Begreiflichkeit sinnlos wäre, ist eine der großen Erkenntnisse Immanuel Kants.
  Wenn hier von Begreiflichkeit die Rede ist, so ist dieser Ausdruck hier zunächst in seiner bescheidensten Bedeutung gemeint. Er bedeutet: durch Schaffung allgemeiner Begriffe und Beziehungen zwischen diesen Begriffen untereinander sowie durch irgendwie festgelegte Beziehungen zwischen Begriffen und Sinnen-Erlebnissen zwischen letzteren irgendeine Ordnung herstellen. In diesem Sinne ist die Welt unserer Sinnen-Erlebnisse begreifbar, und dass sie es ist, ist ein Wunder." (1935; AEA 122-858, S. 2, Physik und Realität)

"Inhalt erlangen die Begriffe erst dadurch, dass sie - wenn auch noch so mittelbar - mit den Sinneserlebnissen verknüpft sind. Diese Verknüpfung aber kann keine logische Untersuchung aufdecken; sie kann nur erlebt werden. Und doch bestimmt gerade diese Verknüpfung den Erkenntniswert der Begriffssysteme." (1930; Mein Weltbild, Das Raum-, Äther- und Feldproblem der Physik)

"Die Verknüpfung der elementaren Begriffe des Alltagsdenkens mit Komplexen von Sinnen-Erlebnissen ist nur intuitiv erfassbar und wissenschaftlicher (logischer) Fixierung unzugänglich." (1935; AEA 122-858, S. 3, Physik und Realität)

"Andererseits aber haben jene Begriffe und Relationen, insbesondere die Setzungen realer Objekte, überhaupt einer 'realen Welt', nur insoweit Berechtigung, als sie mit Sinneserlebnissen verknüpft sind, zwischen welchen sie gedankliche Verknüpfungen schaffen." (1935; AEA 122-858, S. 2, Physik und Realität)

"Es scheint, dass die menschliche Vernunft die Formen erst selbständig konstruieren muss, ehe wir sie in den Dingen nachweisen können. Aus Keplers wunderbarem Lebenswerk erkennen wir besonders schön, dass aus bloßer Empirie allein die Erkenntnis nicht erblühen kann, sondern nur aus dem Vergleich von Erdachtem mit dem Beobachteten." (09.11.1930; Mein Weltbild, Johannes Kepler)

"Begriffe, welche sich bei der Ordnung der Dinge als nützlich erwiesen haben, erlangen über uns leicht eine solche Autorität, dass wir ihres irdischen Ursprungs vergessen und sie als unabänderliche Gegebenheiten hinnehmen. Sie werden dann zu 'Denknotwendigkeiten', 'Gegebenen a priori' usw. gestempelt. Der Weg des wissenschaftlichen Fortschritts wird durch solche Irrtümer oft für längere Zeit ungangbar gemacht." (1916; Ernst Mach, Phys. Z. 18, S. 101-104)

"Die wissenschaftliche Begriffsbildung und Methodik unterscheidet sich von der des Alltags lediglich durch größere Schärfe der Begriffe und Schlüsse, durch sorgfältigere und systematischere Auswahl des Erfahrungsmaterials sowie durch Sparsamkeit im logischen Sinne. Hierunter sei das Bestreben verstanden, alle Begriffe und Relationen auf möglichst wenige logisch voneinander unabhängige zurückzuführen (Grundbegriffe und Axiome)." (1940; AEA 1-135, S. 1, Das Fundament der Physik)

"Eine Theorie ist desto eindrucksvoller, je größer die Einfachheit ihrer Prämissen ist, je verschiedenartigere Dinge sie verknüpft, und je weiter ihr Anwendungsbereich ist." (1946; aus: Paul Arthur Schilpp (Hrsg. s. o.), Autobiographisches, S. 12)

"Physik ist diejenige Gruppe von Erfahrungswissenschaften, die ihre Begriffe auf das Messen gründet, und deren Begriffe und Sätze sich mathematisch konstruieren lassen." (1940; AEA 1-135, S. 1)

"Insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit. ...
Der von der Axiomatik erzielte Fortschritt besteht nämlich darin, dass durch sie das Logisch-Formale vom sachlichen bzw. anschaulichen Gehalt sauber getrennt wurde; nur das Logisch-Formale bildet gemäß der Axiomatik den Gegenstand der Mathematik, nicht aber der mit dem Logisch-Formalen verknüpfte anschauliche oder sonstige Inhalt." (1921; Mein Weltbild, Geometrie und Erfahrung)

"Ohne den Glauben daran, dass es grundsätzlich möglich ist, die Wirklichkeit durch unsere logischen Konstruktionen begreiflich zu machen, ohne den Glauben an die innere Harmonie unserer Welt, könnte es keine Naturwissenschaft geben. Dieser Glaube ist und bleibt das Grundmotiv jedes schöpferischen Gedankens in der Naturwissenschaft." (1938; A. Einstein und L. Infeld, Die Evolution der Physik)

"Die Wissenschaft sucht, allgemeine Regeln aufzustellen, die den gegenseitigen Zusammenhang der Dinge und Ereignisse in Raum und Zeit bestimmen. Für diese Regeln beziehungsweise Naturgesetze wird allgemeine und ausnahmslose Gültigkeit gefordert - nicht bewiesen. Es ist zunächst nur ein Programm, und der Glaube in seine prinzipielle Durchführbarkeit ist nur durch Teilerfolge begründet. [..] Die Tatsache, dass wir aufgrund solcher Gesetze den zeitlichen Verlauf von Erscheinungen auf gewissen Gebieten mit großer Genauigkeit und Sicherheit vorherzusagen vermögen, sitzt tief im Bewusstsein des modernen Menschen, selbst wenn er vom Inhalt jener Gesetze sehr wenig erfasst hat." (1941; Aus meinen späten Jahren, Naturwissenschaft und Religion II)

"Wohl ist es Ziel der Wissenschaft, Regeln aufzufinden, welche Tatsachen zu verknüpfen und vorauszusagen gestatten. Aber dies ist nicht alles, was sie erstrebt. Sie sucht auch die gefundenen Zusammenhänge auf eine möglichst geringe Zahl voneinander unabhängiger Begriffselemente zu reduzieren. Bei diesem Streben nach rationaler Vereinigung des Mannigfaltigen erlebt sie ihre größten Erfolge, wenngleich sie gerade bei diesem Streben sich am meisten in Gefahr begibt, Illusionen zum Opfer zu fallen. Wer aber erfolgreiche Schritte auf diesem Gebiet intensiv erlebt, der wird von einer tiefen Verehrung für die in dem Seienden sich manifestierende Vernunft ergriffen." (1941; AEA 28-521, S. 1=5)

"Je mehr der Mensch von der gesetzmäßigen Ordnung der Ereignisse durchdrungen ist, um so fester wird seine Überzeugung, dass neben dieser gesetzmäßigen Ordnung für andersartige Ursachen kein Platz mehr ist. Er erkennt weder einen menschlichen noch einen göttlichen Willen als unabhängige Ursache von Naturereignissen an. Die Naturwissenschaft kann freilich niemals die Lehre von einem in Naturereignisse eingreifenden persönlichen Gott widerlegen, denn diese Lehre kann stets in jenen Gebieten Zuflucht suchen, in denen wissenschaftliche Erkenntnis bis jetzt noch nicht Fuß zu fassen vermochte." (1941; Aus meinen späten Jahren, Naturwissenschaft und Religion II)



5. Die Ungewissheit in der Wissenschaft


Ausgewählte Zitate von Richard P. Feynman,

aus einer Vorlesung im Jahr 1963 in 'Was soll das alles?', Gedanken eines Physikers,
Piper, München, 1999


"Man kann Wissenschaft und ihr Verhältnis zu allem anderen nur begreifen, wenn man sie als das große Abenteuer unserer Zeit auffasst und schätzt." (S. 19)

"Wissenschaftler nehmen all das, was mittels Beobachtung analysiert werden kann ; was man auf diese Weise herausfindet, bezeichnet man in seiner Gesamtheit als Wissenschaft." (S.27)

"Wir haben eine Methode, um zu überprüfen, ob eine Idee stimmt oder nicht, und diese Methode ist völlig unabhängig davon, woher die Idee stammt. Wir messen sie einfach an der Beobachtung. In der Naturwissenschaft interessiert es also niemanden, wo eine Idee herkommt. (S. 33)
  Ihr eigentlicher Ursprung bleibt ohnehin verborgen; wir bezeichnen ihn als die Vorstellungskraft des menschlichen Gehirns, als kreative Phantasie - "(S. 34)

"Übrigens grenzt die Tatsache, dass überhaupt Regelhaftigkeiten existieren, die überprüft werden können, an ein Wunder; die Möglichkeit, eine Regel wie das invers-quadratische Entfernungsgesetz der Gravitation aufzustellen, kommt einem Wunder gleich. Man versteht sie überhaupt nicht, doch sie ermöglicht Vorhersagen - das heißt, sie sagt einem, womit bei einem Experiment zu rechnen ist, das man noch nicht durchgeführt hat.
  Interessant und von ausschlaggebender Bedeutung ist dabei, dass die verschiedenen wissenschaftlichen Regeln miteinander in Einklang stehen müssen." (S. 35)

"Die Regeln, die die Natur beschreiben, scheinen mathematischer Natur zu sein. Das ist nicht etwa auf die Tatsache zurückzuführen, dass Beobachtung die Richtschnur ist, und die Wissenschaft muss auch keineswegs notwendigerweise mathematisch sein. Es erweist sich lediglich, dass sich mit Hilfe mathematisch formulierter Gesetzmäßigkeiten zumindest in der Physik überzeugende Vorhersagen treffen lassen. Warum die Natur mathematisch organisiert ist, das ist wiederum ein Geheimnis. " (S. 36)

"Warum müssen Physiker die Gesetze ständig modifizieren? Die Antwort darauf lautet: Erstens sind die Gesetze nicht mit den Beobachtungen gleichzusetzen, und zweitens sind Experimente immer ungenau. Bei den Gesetzen handelt es sich um erratene Gesetzmäßigkeiten, um Extrapolationen; sie sind nicht etwas, das die Beobachtungen zwingend nahe legen. Es handelt sich bei ihnen einfach um gute Schätzungen, die bislang durch das Sieb geschlüpft sind. Später stellt sich heraus, das jetzige Sieb hat kleinere Löcher als die bisher verwendeten, und diesmal bleibt das Gesetz hängen. Man errät also die Gesetzmäßigkeiten; es handelt sich um Extrapolationen ins Unbekannte hinein. Man weiß nicht, was geschehen wird, also stellt man Mutmaßungen an." (S. 36-37)

"Jedes wissenschaftliche Gesetz, jedes wissenschaftliche Axiom, jede Feststellung der Ergebnisse einer Beobachtung ist eine Art Zusammenfassung, bei der die Einzelheiten unter den Tisch fallen, da man nichts genau festlegen kann." (S. 38)

"Für alle unsere wissenschaftlichen Aussagen. all unsere Schlussfolgerungen gilt notwendigerweise, dass sie ungewiss sind, denn es handelt sich lediglich um Schlussfolgerungen. Um Schätzungen, was geschehen könnte. Man kann jedoch nicht wissen, was wirklich geschehen wird, weil man die umfassendsten Experimente nicht durchgeführt hat." (S. 38-39)

"Wissenschaftler sind daher an Zweifel und Ungewissheit gewöhnt und kommen damit zurecht. Jegliche wissenschaftliche Erkenntnis ist ungewiss. Diese Erfahrung im Umgang mit Zweifel und Ungewissheit ist wichtig. Ich glaube, sie ist sehr wertvoll und reicht über die Wissenschaften hinaus." (S. 39)

"Und um Fortschritte zu erzielen, ist es von ungeheuerer Bedeutung, dieses Nicht-Wissen und diesen Zweifel zuzulassen. Denn eben weil wir zweifeln, nehmen wir uns vor, in neuen Richtungen nach neuen Ideen zu suchen."
  "Daher ist das, was wir heutzutage als wissenschaftliche Erkenntnisse bezeichnen, eine Ansammlung von Aussagen mit einem unterschiedlichen Grad an Gewissheit. Einige sind äußerst unsicher, andere fast sicher, doch absolut gewiss ist keine. Wissenschaftler sind daran gewöhnt. Wir wissen, es ist möglich, zu leben, ohne zu wissen." (S. 40)

"Vor Zweifeln braucht man sich nicht zu fürchten, sondern sollte sie als die Möglichkeit eines neuen Potentials für die Menschheit begrüßen." (S. 41)



6. Vervollkommnung des wissenschaftlichen Weltbildes


Ausgewählte Zitate von Max Planck,

aus: Vortrag "Sinn und Grenzen der exakten Wissenschaft" an der Universität Bonn am 28. März 1947


"Welches ist nun der Sinn dieser wissenschaftlichen Arbeit? Er liegt, kurz gesagt, in der Aufgabe, in die bunte Fülle der uns durch die verschiedenen Gebiete der Sinnenwelt übermittelten Erlebnisse Ordnung und Gesetzlichkeit hineinzubringen - eine Aufgabe, die sich bei näherer Betrachtung als völlig übereinstimmend erweist mit derjenigen Aufgabe, die wir in unserem Leben von frühester Jugend auf gewohnheitsmäßig tagtäglich üben, um uns in unserer Umgebung zurechtzufinden, und an der die Menschen von jeher gearbeitet haben, seitdem sie überhaupt zu denken anfingen, schon um sich im Kampf ums Dasein zu behaupten. Nicht nach der Qualität, sondern nur nach dem Grade der Feinheit und Vollständigkeit unterscheidet sich das wissenschaftliche von dem gewohnheitsmäßigen Denken, etwa ebenso, wie sich die Leistungen eines Mikroskops von den Leistungen des bloßen Auges unterscheiden. Dass das gar nicht anders sein kann, erhellt schon einfach daraus, dass es nur eine einzige Art von Logik gibt, dass also aus gegebenen Voraussetzungen die wissenschaftliche Logik nichts anderes ableiten kann als die des ungeschulten praktischen Verstandes."

"Dieses praktische Weltbild, das jeder von uns in sich trägt, besitzt aber, da es nicht unmittelbar gegeben, sondern auf Grund unserer Erlebnisse erst allmählich erarbeitet ist, keinen endgültigen Charakter, sondern es wandelt und korrigiert sich mit jeder neuen Erfahrung, die wir machen, von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter, in anfangs schnellerem, später langsameren Tempo. Ganz das nämliche lässt sich behaupten von dem wissenschaftlichen Weltbild."

"Der ständige Wechsel des Weltbildes bedeutet daher nicht ein regelloses Hin- und Herschwenken im Zickzack, sondern er bedeutet ein Fortschreiten, ein Verbessern, ein Vervollkommnen. Mit der Feststellung dieser Tatsache ist, wie ich meine, die grundsätzlich wichtigste Errungenschaft bezeichnet, welche die naturwissenschaftliche Forschung überhaupt aufzuweisen hat."

"Denn das große Wunder der unablässig fortschreitenden Vervollkommnung des wissenschaftlichen Weltbildes treibt den Forscher notgedrungen dazu, nach dessen endgültiger Gestaltung zu suchen. Und da man das, was man sucht, auch als vorhanden annehmen muss, so befestigt sich bei ihm die Überzeugung von der tatsächlichen Existenz einer realen Welt im absoluten Sinn. Dieser feste, durch keine Hemmnisse zu erschütternde Glaube an das absolut Reale in der Natur ist es, der für ihn die gegebene und selbstverständliche Voraussetzung seiner Arbeit bildet und der ihn immer wieder in der Hoffnung bestärkt, dass es ihm gelingen möge, sich an das Wesen der objektiven Natur noch etwas näher heranzutasten und dadurch ihren Geheimnissen immer mehr auf die Spur zu kommen.
  Da die reale Welt im absoluten Sinn unabhängig ist von der einzelnen Persönlichkeit, ja unabhängig von aller menschlichen Intelligenz, so kommt jeder Entdeckung, die ein einzelner macht, eine ganz allgemeine Bedeutung zu. Das gibt dem Forscher, der in stiller Abgeschiedenheit mit seinem Problem ringt, die Gewissheit, dass jedes Resultat, das er dabei findet, unmittelbar auch bei allen Sachverständigen der ganzen Welt Anerkennung erzwingt, und dieses Gefühl der Bedeutung seiner Arbeit bildet sein Glück, es gibt ihm vollwertigen Ersatz für mancherlei in seinem Alltagsleben gebrachte Opfer."

"Die Gewissheit, das wir mit jeder neuen Entdeckung, mit jeder daraus abgeleiteten neuen Erkenntnis dem Ziele näher kommen, muss als Ersatz gelten für die zahlreichen und gewiss nicht leicht zu nehmenden Nachteile, die mit der fortwährenden Verminderung der Anschaulichkeit und Bequemlichkeit in der Benutzung des Weltbildes verbunden sind. In der Tat gewährt das jetzige wissenschaftliche Weltbild, verglichen mit dem ursprünglichen naiven Weltbild, einen seltsamen, geradezu fremdartig anmutenden Anblick."

"Die exakte Wissenschaft wurzelt ja im menschlichen Leben. Aber sie ist mit dem Leben in doppelter Weise verbunden. Denn sie schöpft nicht allein aus dem Leben, sondern sie wirkt auch zurück auf das Leben, auf das materielle wie auf das geistige Leben, und zwar um so kräftiger und fruchtbarer, je ungehinderter sie sich entfalten kann."



7. Modellhafte Objektivierung wirklicher Zusammenhänge


Ausgewählte Zitate von Werner Heisenberg


7.1  Beschreibbare Zusammenhänge - Wirklichkeit und Bewusstsein

aus: "Ordnung der Wirklichkeit", Teil eines Manuskripts in "Gesammelte Werke", Bd. 1, Physik und Erkenntnis, 1927-1955; Hrsg. H.-P. Dürr u. a., München 1984, - Heyne Sachbuch Nr. 19/1, 1989


"Für uns ist der gesetzmäßige Ablauf in Raum und Zeit nicht mehr das feste Skelett der Welt, sondern eher nur ein Zusammenhang unter anderen, der durch die Art, wie wir ihn untersuchen, durch die Fragen, die wir an die Natur richten, aus dem Gewebe von Zusammenhängen herausgelöst wird, das wir die Welt nennen. Diese Auffassung ist herbeigeführt worden durch die im Fortschreiten der Naturwissenschaft gewonnene Einsicht in Gesetzmäßigkeiten, die sich nicht mehr einfach auf Abläufe in Raum und Zeit zurückführen lassen."

"Die Beschreibung der Wirklichkeit als ein Gewebe verschiedenartiger Zusammenhänge ist natürlich nicht erst eine Folge neuerer wissenschaftlicher Entwicklungen. Diese Entwicklung rechtfertigt vielleicht die Hoffnung, dass es möglich sein müsste, genauer als bisher die gegenseitigen Verhältnisse der verschiedenen Wirklichkeitsbereiche zu bestimmen. Die meisten Verwirrungen in den Gedanken über die Wirklichkeit entspringen ja wohl dem Umstand, dass jedes Ding gleichzeitig an verschiedenartigen Zusammenhängen teilhat, ebenso wie jedes Wort sich gleichzeitig auf verschiedene Zusammenhänge bezieht."

"Die Beziehungen zwischen dem Leben eines Individuums und seinem Bewusstsein sind dabei so eng, dass man die Frage aufwerfen muss, ob überhaupt sinnvoll eine Trennung in zwei Bereiche Bewusstsein und Leben vollzogen werden kann. Viele Anzeichen deuten im Gegenteil darauf hin, dass es Wirkungen gleicher Art sind, die die Teile eines Organismus auf eine gemeinsame Einheit beziehen und die im Bewusstsein als Wünsche oder Gefühle, als Eindrücke oder Willensakte in Erscheinung treten können."

"Der Gedanke, dass es eine stetige Fortsetzung der bewussten Vorgänge in ein ganz »unbewusstes« Gebiet gibt, drängt sich uns unabweisbar auf.
  Wenn dies aber wahr ist, so entsteht sogleich die weitere Frage, ob die unbewussten Vorgänge nicht unmittelbar identisch seien mit dem Leben schlechthin, also mit den Vorgängen, die einfach als Ausdruck der organischen Einheit angesehen werden können, als welche ein Lebewesen sich gegen die Umwelt abzeichnet."

"Schon mehrfach hat sich ja eine ähnliche Lage ergeben: dass zwar in der Natur scheinbar nur fließende Übergänge vorkommen, dass aber die Begriffsbildungen, mit denen wir an die Natur herantreten, die Sprache, die wir gebrauchen, scharfe Grenzen zwischen den verschiedenen Bereichen der Wirklichkeit notwendig entstehen lassen."

"Die seelischen Vorgänge gehören also, insofern sie fixiertes Objekt unseres Nachdenkens sind, einem besonderen Bereich der Wirklichkeit an und können wahrscheinlich nicht in einen eindeutig festlegbaren Zusammenhang mit den Abläufen gebracht werden, die als der unmittelbare Ausdruck der biologischen Funktionen anzusehen sind. Dies hindert aber nicht, dass der Zusammenhang zwischen den rein biologischen und den seelischen Vorgängen doch so eng ist, dass die letzteren einfach als die dem Bewusstsein gegebene Form des biologischen Ablaufs gelten können."

"Ebenso wie eine bestimmte biologische Funktion oft auf recht verschiedene Weise materiell realisiert wird, so kann auch der gleiche Gedanke verschiedenen materiellen und biologischen Vorgängen zugeordnet werden. Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass dem elektrochemischen Ablauf im Gehirn, für den ja Begriffe wie »logische Folge« usw. nicht existieren, eine logische Kette von Gedanken »parallel läuft«. Denn das logische Schließen ist ja etwas Erlerntes, es ist dem Gehirn erst durch die Verständigung mit anderen Menschen und durch die Erfahrung aufgeprägt."

"Daher ist auch die Art, wie sich die uns umgebende Umwelt in unserem Bewusstsein spiegelt, ein unmittelbarer Ausdruck der biologischen Beziehungen, die uns mit dieser Umwelt verbinden."

"Eine besondere Folge dieses Bewusstwerdens lebendiger Zusammenhänge muss noch hervorgehoben werden: dass nämlich das Bewusstsein - im Gegensatz zu allen niederen Zusammenhängen - zu einer scharfen Trennung des Individuums von seiner Umwelt führt."

"Nur das Bewusstsein sondert völlig scharf eine bestimmte Einheit aus, und es kann schlechterdings nicht vorgestellt werden, dass etwa das Bewusstsein eines Individuums mit dem eines anderen verschmelzen könnte oder dass eine Teilung des Bewusstseins einträte."

"Das Ich ist seiner Natur nach eine unlösbare Einheit, die entstehen oder verlöschen, aber nicht dem Prozess des Teilens oder Zusammenführens ausgesetzt werden kann. Während also in den niederen Bereichen der Wirklichkeit die Vorgänge sich in einem bunten, aber gesetzmäßigen Wechsel ablösen, derart, dass aus einer Situation nach Ursache und Wirkung oder dem Spiel des Zufalls folgend eine andere nächste entsteht, ist für die höheren Bereiche die Existenz letzthin unwandelbarer Einheiten charakteristisch, die, eben weil sie nicht zu etwas »anderem« werden, nur entstehen und wieder verlöschen können.
  Dabei kann grundsätzlich der Einwand erhoben werden, dass es sich hier um eine scharf von der Umwelt getrennte Einheit nur in unserer Begriffsbildung handele; denn erst durch den Versuch, jene Struktur, die wir Bewusstsein nennen, zu objektivieren und zu bezeichnen, wird diese völlige Trennung erzwungen. Doch muss daran erinnert werden, dass ja die wissenschaftliche Sprache stets objektivieren und bezeichnen muss, wenn sie einen Bereich der Wirklichkeit darstellen will."


7.2  Wissenschaftliche Objektivierungsformen - Philosophische Aspekte

aus: "Der Teil und das Ganze" - 17. Positivismus, Metaphysik und Religion (1952) - erinnerte Gespräche


"Nur dadurch, dass man über die merkwürdigen Beziehungen zwischen den formalen Gesetzen der Quantentheorie und den beobachteten Phänomenen immer wieder mit verschiedenen Begriffen spricht, sie von allen Seiten beleuchtet, ihre scheinbaren inneren Widersprüche bewusst macht, kann die Änderung in der Struktur des Denkens bewirkt werden, die für ein Verständnis der Quantentheorie die Voraussetzung ist."

"Die Quantentheorie ist so ein wunderbares Beispiel dafür, dass man einen Sachverhalt in völliger Klarheit verstanden haben kann und gleichzeitig doch weiß, dass man nur in Bildern und Gleichnissen von ihm reden kann."

"Wahrscheinlich ist es doch bei den allgemeinen Problemen der Philosophie, insbesondere auch der Metaphysik, ganz ähnlich. Wir sind gezwungen, in Bildern und Gleichnissen zu sprechen, die nicht genau das treffen, was wir wirklich meinen. Wir können auch gelegentlich Widersprüche nicht vermeiden, aber wir können uns doch mit diesen Bildern dem wirklichen Sachverhalt irgendwie nähern. Den Sachverhalt selbst dürfen wir nicht verleugnen."

"Ein Fachmann ist ein Mann, der einige der gröbsten Fehler kennt, die man in dem betreffenden Fach machen kann und der sie deshalb zu vermeiden versteht."

"Wir wissen, dass es sich bei der Religion um eine Sprache der Bilder und Gleichnisse handeln muss, die nie genau das darstellen können, was gemeint ist. Aber letzten Endes geht es wohl in den meisten alten Religionen, die aus einer Epoche vor der neuzeitlichen Naturwissenschaft stammen, um den gleichen Inhalt, den gleichen Sachverhalt, der eben in Bildern und Gleichnissen dargestellt werden soll und der an zentraler Stelle mit der Frage der Werte zusammenhängt."

"Für den Positivisten gibt es dann eine einfache Lösung: Die Welt ist einzuteilen in das, was man klar sagen kann, und das, worüber man schweigen muss. Also müsste man hier eben schweigen. Aber es gibt wohl keine unsinnigere Philosophie als diese. Denn man kann ja fast nichts klar sagen. Wenn man alles Unklare ausgemerzt hat, bleiben wahrscheinlich nur völlig uninteressante Tautologien übrig."

"Die Frage nach den Werten - das ist doch die Frage nach dem, was wir tun, was wir anstreben, wie wir uns verhalten sollen. Die Frage ist also vom Menschen und relativ zum Menschen gestellt; es ist die Frage nach dem Kompass, nach dem wir uns richten sollen, wenn wir unseren Weg durchs Leben suchen."

"Natürlich wissen wir, dass für uns die Wirklichkeit von der Struktur unseres Bewusstseins abhängt; der objektivierbare Bereich ist nur ein kleiner Teil unserer Wirklichkeit. Aber auch dort, wo nach dem subjektiven Bereich gefragt wird, ist die zentrale Ordnung wirksam und verweigert uns das Recht, die Gestalten dieses Bereichs als Spiel des Zufalls oder der Willkür zu betrachten."

"Wenn nach den Werten gefragt wird, so scheint also die Forderung zu lauten, dass wir im Sinne dieser zentralen Ordnung handeln sollen - eben um die Verwirrung zu vermeiden, die durch abgetrennte Teilordnungen entstehen kann."

"Ich finde, dass man diese ganzen Zusammenhänge sehr viel besser denken kann, seit man die Quantentheorie verstanden hat. Denn in ihr können wir in einer abstrakten mathematischen Sprache einheitliche Ordnungen über sehr weite Bereiche formulieren; wir erkennen aber gleichzeitig, dass wir dann, wenn wir in der natürlichen Sprache die Auswirkungen dieser Ordnungen beschreiben wollen, auf Gleichnisse angewiesen sind, auf komplementäre Betrachtungsweisen, die Paradoxien und scheinbare Widersprüche in Kauf nehmen."

"Der Pragmatismus hat den Einzelnen gelehrt, die Hände nicht untätig in den Schoß zu legen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen, sich um das Nächstliegende zu bemühen, ohne gleich an Weltverbesserung zu denken, und dort, wo die Kräfte reichen, tätig für eine bessere Ordnung im kleinen Bereich zu wirken. An dieser Stelle scheint mir der Pragmatismus sogar vielen der alten Religionen überlegen. Denn die alten Lehren verführen doch leicht zu einer gewissen Passivität, dazu, sich ins scheinbar Unvermeidliche zu fügen, wo man mit eigener Aktivität noch vieles bessern könnte.
  Dass man im Kleinen anfangen muss, wenn man im Großen bessern will, ist im Gebiet des praktischen Handelns doch sicher ein guter Grundsatz; und selbst in der Wissenschaft mag dieser Weg auf weiten Strecken richtig sein, wenn man nur den großen Zusammenhang nicht aus den Augen verliert."

"Mit den Forderungen der Pragmatiker und Positivisten, Sorgfalt und Genauigkeit im Einzelnen und äußerste Klarheit in der Sprache, wird man sich gern einverstanden erklären. Ihre Verbote aber wird man übertreten müssen; denn wenn man nicht mehr über die großen Zusammenhänge sprechen und nachdenken dürfte, ginge auch der Kompass verloren, nach dem wir uns richten können."



8. Wissenschaftliche Modellbildung und angeborene Dispositionen


Ausgewählte Zitate von Karl R. Popper


8.1  Auszüge aus dem Rundfunkvortrag "Wissenschaftslehre
    in entwicklungstheoretischer und in logischer Sicht" (1972)

aus: "Alles Leben ist Problemlösen" - Über Erkenntnis, Geschichte und Politik, Piper, München, 1994


"Die Wissenschaft ist aus der vorwissenschaftlichen Erkenntnis entstanden, sie ist eine höchst merkwürdige Weiterbildung der Erkenntnisweise des gesunden Menschenverstandes, die ihrerseits wieder als eine Weiterbildung der tierischen Erkenntnis aufgefasst werden kann." (S. 19)

"Meine These ist, dass jede wissenschaftliche Entwicklung nur so zu verstehen ist, dass ihr Ausgangspunkt ein Problem ist, oder eine Problemsituation, das heißt, das Auftauchen eines Problems in einer bestimmten Situation unseres Gesamtwissens." (S. 19)

"Es ist sehr wichtig, sich darüber klar zu werden, was für ein ungeheuerer Unterschied besteht zwischen einem bloß subjektiv oder privat gedachten oder für wahr gehaltenen Gedanken, einem dispositionellen psychologischen Gebilde, und demselben Gedanken, der sprachlich (oder vielleicht sogar schriftlich) formuliert ist und damit der öffentlichen Diskussion unterbreitet werden kann." (S. 22)

"Wir kommen hier zu einer wichtigen Unterscheidung zwischen zwei Bedeutungen des Wortes "Wissen" - Wissen im subjektiven und im objektiven Sinn. Gewöhnlich wird Wissen als ein subjektiver oder geistiger Zustand betrachtet. Man geht aus von der Verbalform »ich weiß« und erklärt das Wissen als eine bestimmte Art des Glaubens, nämlich als eine Art des Glaubens, die auf zureichenden Gründen beruht. Die subjektive Interpretation des Wortes »Wissen« hat die ältere Wissenschaftstheorie zu stark beeinflusst, denn sie ist völlig unbrauchbar für eine Theorie der Wissenschaft, da die Wissenschaft aus objektiven, sprachlich formulierten Sätzen, aus Hypothesen und aus Problemen besteht und nicht aus subjektiven Erwartungen oder subjektiven Überzeugungen.
  Die Wissenschaft ist ein Produkt des menschlichen Geistes, aber dieses Produkt ist ebenso objektiv wie eine Kathedrale." (S. 23)

"Denkvorgänge können in kausalen Beziehungen stehen." "Der logische Gehalt von Sätzen ist es, auf den ich vor allem anderen abziele, wenn ich den Charakter der Objektivität der menschlichen Sprache betone." (S.24)

"Meine Hauptthese ist: Was die wissenschaftliche Einstellung und die wissenschaftliche Methode unterscheidet, das ist die Methode der Falsifkationsversuche. Jeder Lösungsversuch, jede Theorie wird so streng, wie es uns nur möglich ist, überprüft."
"Die Überprüfung einer Theorie ist also ein Versuch, die Theorie zu widerlegen oder zu falsifizieren." (S. 26)

"Eine Theorie gehört zur empirischen Wissenschaft dann und nur dann, wenn sie mit möglichen Erfahrungen in Widerspruch steht, also im Prinzip durch Erfahrung falsifizierbar ist." (def. als Falsifizierbarkeitskriterium, S. 36)

"Die Idee der Annäherung an die Wahrheit setzt - wie übrigens auch die Idee der Wahrheit als regulatives Prinzip - eine realistische Weltsicht voraus. Sie setzt nicht voraus, dass die Wirklichkeit so ist, wie sie unsere wissenschaftliche Theorien beschreiben; aber sie setzt voraus, dass es eine Wirklichkeit gibt und dass wir mit unseren Theorien, die unsere selbstgeschaffenen Ideen und daher immer Idealisierungen sind, näher und näher an eine adäquate Beschreibung der Wirklichkeit herankommen können, wenn wir die vierstufige Methode des Versuchs und Irrtums verwenden." (S. 43)

Hinweis: Popper meint sein für die Wissenschaftstheorie charakteristisches Schema:
"1. Das ältere Problem; 2. versuchsweise Theorienbildungen; 3. Eliminationsversuche durch kritische Diskussion, einschließlich experimenteller Überprüfung; 4. die neuen Probleme, die aus der kritischen Diskussion unserer Theorien entspringen." (S. 32)

"Die Wissenschaft ist ein Produktsystem menschlicher Ideen: Soweit hat der Idealismus recht. Aber diese Ideen können an der Wahrscheinlichkeit scheitern. Daher hat letzten Endes der Realismus recht." (S. 44)


8.2  Auszüge aus dem Aufsatz "Die erkenntnistheoretische
    Position der Evolutionären Erkenntnistheorie" (1986)  

aus: "Alles Leben ist Problemlösen" - Über Erkenntnis, Geschichte und Politik, Piper, München, 1994


"Theorien können wahr und falsch sein. Begriffe können bestenfalls adäquat und schlimmstenfalls irreführend sein. Begriffe sind nicht wichtig, verglichen mit Theorien.
  Ich behaupte nämlich, dass alles, was wir wissen, genetisch a priori ist. A posteriori ist nur die Auslese von dem, was wir a priori selbst erfunden haben.
  Wie alle Organismen, die so etwas wie Wahrnehmungen haben und diese Wahrnehmungen verwenden können, um aus ihnen etwas zu lernen, müssen wir, bevor wir das können, - also genetisch a priori - , die Fähigkeit besitzen, unsere Sinneseindrücke zu ordnen und zu interpretieren. Aber das ist äquivalent mit dem Kantischen apriorischen Wissen, was besonders klar ist, wenn wir an Kants Theorie von Raum und Zeit denken." ... "Es war Kants bedeutende Leistung zu zeigen, dass alles Wahrnehmungswissen ein apriorisches Wissen voraussetzt." (S. 128)

"Aber von der »Notwendigkeit« eines apriorischen Wissens, um das Wahrnehmungswissen zu ermöglichen, darf man nicht auf die Notwendigkeit im Sinne einer logischen Modalität schließen. Genau hier weiche ich von Kant ab: Da unser Wahrnehmungswissen hypothetisch ist, darf unser apriorisches Wissen auch hypothetisch sein. Und so ist es in der Tat." (S.129)

"Ich stelle nämlich, im schärfsten Gegensatz zu allen Erkenntnistheoretikern seit John Locke und sogar auch im Gegensatz zu Kant, die folgende These auf: Alles Wissen ist seinem Inhalt nach a priori, nämlich genetisch a priori. Denn alles Wissen ist hypothetisch, konjekturell: Es ist unsere Hypothese. A posteriori sind nur Ausmerzungen der Hypothesen: der Zusammenprall der Hypothesen mit der Wirklichkeit. Darin, und darin allein, besteht das Erfahrungselement in unserem Wissen. Und das genügt, um von der Erfahrung lernen zu könne: Es genügt, um ein Empirist zu sein.
  Um es anders zu formulieren: "Wir lernen nur durch Versuch und Irrtum. Unsere Versuche sind aber immer unsere Hypothesen. Sie stammen von uns, nicht von der Außenwelt. Von der Außenwelt lernen wir nur, dass gewisse unsere Versuche Irrtümer sind." (S. 130)

"Das Leben muss von Anfang an die Zukunft der Umwelt in irgendeinem Sinn antizipieren, das heißt, alle diese zukünftigen Umstände der Umwelt. Das sind vielleicht nur Stunden, oder es sind vielleicht Jahrmillionen. Es muss an die zukünftigen Bedingungen der Umwelt angepasst sein; und in diesem Sinn ist das allgemeine Wissen früher da als das momentane Wissen, das besondere Wissen. Von Anfang an muss das Leben ausgestattet gewesen sein mit allgemeinem Wissen, dem Wissen, das wir gewöhnlich Wissen von Naturgesetzen nennen. Selbstverständlich nicht Wissen in dem Sinne von bewusstem Wissen." (S. 134)

"Meine Behauptung in der Erkenntnistheorie geht über alle anderen Erkenntnistheoretiker hinaus, ob nun evolutionär oder kantisch oder nicht-evolutionär: Die allgemeinen Anpassungen gehen den momentanen Anpassungen voraus. Sie sind zuerst da. Sie sind a priori." (S. 136, - Hinweis: vgl. genetisch vorgegebenes "Grundwissen" einer ausbildbaren Gehirnstruktur)

"Unser Wahrnehmungswissen ist geleitet nicht nur von dem, was in uns anatomisch und physiologisch eingebaut ist, die Art, wie unser Gehirn alles filtriert und, sagen wir, integriert. Es ist vor allem auch immer wieder geleitet von unseren Zielen und Absichten. ... Also spielen im Leben und im Wahrnehmen unsere Ziele, unsere Wünsche, unsere Präferenzen eine ungeheuere Rolle. Sie bestimmen unsere Interpretationen, und unsere Interpretationen versuchen wir dann zu prüfen, zu verifizieren oder zu falsifizieren." (S. 137 - 138)

"Um zusammenzufassen: Biologisch gesehen besteht also das tierische und das menschliche Wissen in oft unbewussten Erwartungen (oder auch in potentiellen Erwartungen)." (S. 140)

"Unser bestes Wissen ist das Wissen der Wissenschaft, bei weitem unser bestes Wissen; und dennoch ist auch das wissenschaftliche Wissen nur Vermutungswissen." (S. 143)

"Unser aller Aufgabe als denkende Menschen ist die Wahrheitsfindung. ... Wäre die Wahrheit nicht absolut und objektiv, so könnten wir uns nicht irren. Oder unsere Irrtümer wären so gut wie unsere Wahrheit." (S. 143)

"Wir haben dauernd Vermutungen, die von uns geschaffen werden. Diese Vermutungen versuchen wir dauernd mit der Wirklichkeit irgendwie zu konfrontieren und sodann unsere Vermutungen zu verbessern und sie der Wirklichkeit näher zu bringen." (S. 144)


8.3 Auszüge aus "Bemerkungen über das Ich" (1976),

aus: "Das Ich und sein Gehirn" von Karl R. Popper und John C. Eccles, Serie Piper 1989, Teil I, Kap. 4


"Von Hume bis in unsere Zeit gilt die Existenz eines Ich als höchst problematisch." (S. 137)

"Das Ich hängt mit dem zusammen, was gewöhnlich Charakter oder Persönlichkeit genannt wird. Es verändert sich. Es hängt zum Teil vom physischen Typus eines Menschen und auch von seiner intellektuellen Initiative, seinem Einfallsreichtum und seiner Entwicklung ab. Gleichwohl glaube ich, dass wir eher psycho-physische Prozesse als Substanzen sind." (S. 140)

"Dagegen behaupte ich, dass ein Ich zu sein teils das Ergebnis angeborener Dispositionen und teils das Ergebnis von Erfahrungen ist, besonders sozialer Erfahrungen. Das neugeborene Kind hat viele angeborene Handlungs- und Reaktions-Weisen und viele angeborene Tendenzen zur Entfaltung neuer Reaktionen und neuer Aktivitäten. Unter diesen Tendenzen ist auch die Tendenz, sich zu einer ihrer selbst bewussten Person zu entwickeln. Aber um das zu erreichen, muss viel geschehen. Ein in sozialer Isolation aufgewachsenes Kind wird kein volles Bewusstsein seiner selbst erlangen. (S. 146)
  Ich behaupte also, dass nicht nur Wahrnehmung und Sprache - aktiv - erlernt werden müssen, sondern auch noch die Aufgabe, eine Person zu sein; und ich behaupte ferner, dass das nicht nur einen engen Kontakt mit der Welt 2 anderer Personen, sondern auch einen engen Kontakt mit der Welt 3 der Sprache und der Theorien, etwa einer Theorie der Zeit (oder etwas Entsprechendes) einschließt." (S. 147)

"Das sich verändernde Ich, das doch es selbst bleibt, scheint also auf dem sich verändernden individuellen Organismus zu beruhen, der dennoch seine individuelle Identität behält." (S. 149)

"Bei solchen Lebewesen, denen wir Geist oder Bewusstsein zuschreiben, steht die biologische Funktion des Bewusstseins offensichtlich in enger Verbindung mit dem Kontrollmechanismus (Selbstkontrolle) des individuellen Organismus.
  Es scheint, dass Bewusstsein und sogar Vernunft sich weitgehend dank ihres Überlebenswertes für den individuellen Organismus ausgebildet haben." (S. 150)

"Jedenfalls gibt es zwei große Quellen unserer Information: das, was durch genetische Vererbung erworben ist, und das, was wir uns während unseres Lebens aneignen. Ferner ist alles Wissen, ob ererbt oder erworben, historisch eine Modifikation früheren Wissens; und alles erworbene Wissen kann Schritt für Schritt auf Modifikationen angeborenen oder instinktiven Wissens zurückverfolgt werden. Der Wert erworbener Information beruht fast restlos auf unserer angeborenen Fähigkeit, sie in Verbindung mit unserem unbewussten, ererbten Wissen und vielleicht auch zu dessen Korrektur zu nutzen." (S. 158)

"Die Hauptfunktion der durch Welt 3 vollzogenen Vergegenständlichung ist jedoch die, unsere Theorien bewusster Fehleraufdeckung zugänglich zu machen: der Kritik. Und obwohl das, was unser »kritischer Scharfsinn« genannt werden kann, weitgehend unbewusste Erkenntnis sein mag, müssen die zu kritisierende Theorie und vielleicht auch unsere kritischen Argumente bewusst und sprachlich formulierbar sein: Unsere Vermutungen der Welt 3 setzen wir der Auslese durch bewusste Kritik aus." (S. 159)

"Bewusstsein ist nötig, damit neue Ansichten oder Theorien kritisch ausgelesen werden - wenigstens auf einer gewissen Abstraktionsstufe. Wenn irgendeine Ansicht oder Theorie unter bestimmten Bedingungen unverändert erfolgreich ist, dann wird ihre Anwendung nach einer gewissen Zeit zu einer Routineangelegenheit und unbewusst. Ein unerwartetes Ereignis aber zieht die Aufmerksamkeit auf sich und regt damit Bewusstsein an."
  "Aber die Rolle des Bewusstseins ist vielleicht da am klarsten, wo ein Ziel oder Zweck (vielleicht nur ein unbewusstes oder instinktives Ziel oder ein instinktiver Zweck) durch alternative Mittel erreicht werden kann und wenn zwei oder mehrere Mittel nach reiflicher Überlegung ausprobiert werden. Das ist der Fall einer neuen Entscheidung." (S. 163)

"Unser Bewusstsein (und ich wage zu sagen, auch das Bewusstsein der Tiere) ist niemals nur ein »Bewusstseinsstrom«, ein Strom von Erlebnissen. Unsere aktive Aufmerksamkeit ist vielmehr in jedem Augenblick genau auf die wesentlichen Aspekte der Situation gerichtet, die durch unseren Wahrnehmungsapparat, dem ein Selektionsprogramm einverleibt ist, ausgewählt und abstrahiert werden; ein Programm, das dem uns verfügbaren Repertoire von Verhaltensreaktionen angepasst ist." (S. 166)

"Das Zentralnervensystem hatte von Anfang an die Hauptfunktion, den sich bewegenden Organismus zu steuern oder zu leiten. Das Wissen um seinen Standort (die Lage seines Körperbildes) im Verhältnis zu den biologisch bedeutsamsten Aspekten der Umwelt ist eine unerlässliche Vorbedingung für diese Leitfunktion des Zentralnervensystems. Eine andere derartige Vorbedingung ist die zentralisierte Einheit des Steuerorgans, des Entscheidungsträgers, der, nach Möglichkeit, einige seiner Aufgaben auf eine hierarchisch niedere Verantwortungsstufe, auf einen der vielen unbewussten einheitschaffenden Mechanismen abwälzt." (S. 166)

"Ich halte das bewusste Ich für entscheidend wichtig, vor allem seine Beziehung zu Welt 3, zu der Welt unserer Theorien über uns und unsere Umwelt, einschließlich unserer Erwartungen und unserer Handlungsprogramme. Das alles kann die Form von Dispositionen annehmen; und diese Dispositionen stellen unser »Wissen« im subjektiven oder im Sinn von Welt 2 dar. Dieses dispositionale Wissen ist also Teil von uns, aber es besteht, zumindest teilweise, in Dispositionen zum »Erfassen« von Gegenständen der Welt 3, also von »Wissen« im objektiven Sinne." (S. 170)

"Auch wenn man den Essentialismus ablehnt, kann man das Ich doch noch als ein »Quasi-Wesen« beschreiben, als etwas, das für die Einheit und Kontinuität der verantwortlichen Person wesentlich ist."
  "Im Gegensatz zu den elektrochemischen Prozessen des Gehirns, von denen das Ich weitgehend abhängig ist - eine Abhängigkeit, die anscheinend ganz und gar nicht einseitig ist, ist das Ich dadurch gekennzeichnet, dass alle seine Erlebnisse eng miteinander in Beziehung stehen und zu einer Einheit zusammengeschlossen sind: nicht nur mit vergangenen Erlebnissen, sondern auch mit unseren wechselnden Handlungsprogrammen, unseren Erwartungen und unseren Theorien - mit unseren Modellen der physischen und kulturellen Umwelt, der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen, mitsamt den Problemen, die sie für unsere Wertungen und unsere Handlungsprogramme darstellen. Doch sie alle gehören wenigsten teilweise der Welt 3 an." (S. 186)

"Wenn ich das Wesentliche dieses Kapitels angeben sollte, dann würde ich sagen, dass es für mich keinen Grund gibt, an eine unsterbliche Seele oder an eine psychische Substanz zu glauben, die unabhängig vom Körper existiert." (S. 186)


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