Kopie der Seite http://www.storyal.de/story2003/widerspruch.htm von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Albrecht


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Das Grundmuster der globalen Konflikte

 

 

Eine These:
Die folgenden Widersprüche
sind für die Labilität der gegenwärtigen technischen Zivilisation
und ihre globalen Konflikte verantwortlich.
Mit ihnen lässt sich auch die Historie der Menschheit verstehen.
Prognosen über die Zukunft unserer Zivilisation werden von diesen Widersprüche geprägt.

 

W1. Steinzeitliches Verhalten: Menschen von heute sind steinzeitliche Jäger und Sammler, die in einer technischen Massengesellschaft leben. Das gleiche animalische Verhalten: Gewaltbereitschaft, Revierverhalten, Eigennutz, Selbstüberschätzung. Keine bewusste Sinngebung, kein Weitblick, beherrscht durch Emotionen, kaum Vernunft. Völlig ausgelastet mit der Produktion, Verteilung und Verteidigung von individuellem Wohlstand. Menschen mit solchem Verhalten sind unfähig, deutlich sichtbare, globale Zukunftsfragen (und die hier beschriebenen Widersprüche) zu lösen (Rio, Kyoto, Johannesburg). Deshalb entwickeln sich menschliche Gesellschaften zwangsläufig immer wieder zu Kaiserreichen, Diktaturen und Oligarchien.

W2. Gewalt statt Vernunft: Gewaltanwendung, Lüge und Täuschung sind die bevorzugten Verfahren für die Erringung und Verteidigung von Besitz und Macht. Je grösser ein Konflikt, umso wahrscheinlicher wird er mit Gewalt 'gelöst'. Vernunft und Bildung haben gegenüber Gewalt und Militär praktisch keinen Stellenwert. Die Gesellschaft funktioniert ohne Vernunft, ohne Bildung und ohne Kenntnis der Naturwissenschaften. Denken und spezialisierte Bildung sind nur bei 'Technikern' zwingend erforderlich. Unsere Zivilisation: Eine animalische Gesellschaft, gewaltbereit und emotional gesteuert, aber ausgestattet mit nie dagewesener Technik.

W3. Permanentes Wachstum: Endliche Recourcen und unendliches Wachstum schliessen sich aus. Deswegen ist Wachstum ein unvernünftiges Ziel einer Gesellschaft. Ständig wachsender Wohlstand und steigender Mehrwert ist mit offenen Kreisläufen, extensiver Ausbeutung der Natur und auf Kosten anderer Menschen (und Staaten) auf Zeit erreichbar. Die Folge aber ist die globale Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen: Verbrauch natürlicher Recourcen oder ihre Umwandlung in Müll. Verschmutzung von Landschaft, Wasser und Klima. Irreparable Eingriffe in den natürlichen Genpool.

W4. Instabile Zinswirtschaft: Die Zinswirtschaft war und ist die finanzielle und wirtschaftliche Grundlage in allen bisherigen Gesellschaftsordnungen: Hightech mit dem in der Steinzeit entwickelten Finanzsystem. Zinswirtschaft, Währungsinflation und Instabilität sind gesetzmässig miteinander verkoppelt. Geldentwertung, Schuldenspirale und zyklische Krisen der (inzwischen globalen) Finanzsysteme sind die ebenfalls gesetzmässigen Folgen. Die Zinswirtschaft hat entscheidenden Anteil am gesellschaftlichen Ziel des permanenten Wachstums. Wachstum nährt die Illusion, der Inflation zu entkommen.

W5. Kein Ausgleich zwischen Arm und Reich: Die Reichen (Staaten) wurden reich auf Kosten der Armen (Staaten). Die Reichen teilen ihren Reichtum mit den Armen nicht. Sie haben kein Interesse daran, dass die Armen aus eigener Kraft reich werden, denn das läuft letztendlich auch auf Teilen hinaus. Das Gefälle von Besitz, Wohlstand und Bildung läuft in Form eines Naturgesetzes auf die Reichen und die reichen Staaten zu. Trotzdem versucht die Erste Welt, den Ausgleich mit Gewalt aufzuhalten. Auch wenn längst bewiesen ist, dass Armut und Fanatismus mit Gewalt nicht zu beseitigen sind, wird genau das mit immer effektiveren Waffen ständig neu versucht (ABC-Waffen, Weltraum, Präventivkrieg).

W6. Unkontrollierte Technik: Die gegenwärtige Zivilisation ist völlig abhängig von labiler Technik und von fossilen Brennstoffen. Dazu addiert sich, dass Naturgesetze und Technik eine Komplexität besitzen, die der Mensch weder ahnt noch beherrscht. Niemand steuert oder kontrolliert die technische Entwicklung. Sie wird durch Geschäft und durch brennende Neugier angetrieben, aber nicht durch Moral begrenzt. Daraus erwachsen völlig unkalkulierbare Risiken.

W7. Religiöse Weltbilder: Die gesamte Technik der Gesellschaft basiert auf Naturwissenschaften. Die technisierten Menschen aber leben mit Jahrtausende alten, religiösen Weltbildern. Ideologien sind nicht besser als Religionen, weil auch sie auf fiktiven 'Glaubenssätzen' beruhen. Es existiert kein wissenschaftlich fundiertes Weltbild, das mit Religionen oder Ideologien konkurrieren könnte. Der menschliche Geist ist nicht annähernd adäquat mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Möglichkeiten gewachsen. Sinngebung, vernünftiges Handeln, Denken und Moral sind auf dem Niveau mystischer oder utopischer Fiktionen stehen geblieben. Ein konfliktträchtiger Anachronismus.

W8. Verschärfung der Widersprüche: In dieser Gesellschaft existieren tausende von Widersprüchen. Für die meisten gilt: Sie sind systemimmanent und prinzipiell nicht auszugleichen. Sie wirken global und sie besitzen die Tendenz, sich (auch exponentiell) zu verschärfen.

 

Das exemplarische Beispiel:

Die Kriegsvorbereitung der Bush-Administration
WARLOG.AAA

 

Thesen im Detail:

Mensch
Gesellschaft
Macht
Geld
Religion
Moral
Technik
Bildung
Kunst

 

Die Konsequenz:

Perspektiven
Facit
Links

 

Aktualisiert: Tawala, Panglao Island, 04.02.03, 07.02.03, 13.02.03, 21.03.03

Jürgen Albrecht, 22. Januar 2003

» Das wissenschaftliche Weltbild


Hinweis: Siehe auch  Schöne neue und so labile Welt