www.liss-kompendium.de  © 2000  by Eberhard Liß  -  HOLZ-DESIGN

Nachwort zu Schnitzarbeiten


Die gezeigten Unikate entstanden nach eigenen Entwürfen, zunächst für unsere Wohnung, dann auch als Geschenke für Verwandte und Bekannte.

Angeregt durch meine Mutter nahm ich als Junge am mehrjährigen Modellierkurs einer Bildhauerin teil und fertigte selbstgestaltete Tierplastiken. Bei einem öffentlichen Modellierwettbewerb mit Ausstellung in Eisenach erhielt ich als 12-Jähriger den ersten Preis zugesprochen (vgl. » Tonplastik 'Pferdekopf').
Später richtete sich mein künstlerisches Interesse besonders auf Holz-Design, angeregt durch Schnitzarbeiten des Wasungener Holzbildhauers Fritz Schack, meinem künftigen Schwiegervater. Im Jahr 1964 entwarf ich einen Leuchter mit zwei verschlungenen Dreikant-Armen als unser Verlobungsgeschenk, das Fritz Schack aus einem großen Birnbaum-Klotz schnitzte (vgl. » Leuchter 1 «).

Seit 1969 begann ich zu schnitzen, autodidaktisch nach eigenen Entwürfen, - mit geschenkten Schnitzmessern und abgelagertem Holz von Fritz Schack. Als erste Schnitz-Studie gestaltete ich eine ovale Brotschale mit zwei gegenüberliegenden Reliefs (Traube und Ähre).
Ich entwickelte einen eigenen Stil für meine abstrakten Reliefs mit Durchdringungen gekrümmter Schnittflächen. Mit solchen Relief-Formen gestaltete ich anfangs einen »tiefen Teller« (achtkantig hinterschnitten mit waagerechtem Boden). Nach dem Fertigschnitzen von vorgedrechselten Teilen eines »Steinholz-Leuchters« aus der Hinterlassenschaft von Fritz Schack entstanden später einige große Wandreliefs für unsere Wohnung, z. B. »Schuppenstruktur« (56 x 35 cm) , »Blätter« (76 x 20 cm) und »Kampf ums Dasein« (47 x 31 cm). Verfügbares Holz stammte aus Beständen meines Schwiegervaters, - besonders schwere rot-braune Stücke aus Afrika.
Als Geschenke schnitzte ich mehrere Wappen-Reliefs und kleine Spatzen-Figuren. Für unsere Wohnung fertigte ich vier reliefartig geschnitzte Bilderrahmen.

Meine erste Kleinplastik mit menschlichen Zügen gestaltete ich zum Thema »Ohnmacht der Vernunft« aus aktuellem Anlass im Jahr 1983 (wegen Zuspitzung der atomaren Hochrüstung). Damit versuchte ich die abstrahierte Darstellung eines animalischen Vorfahrens des Menschen, ähnlich einem Schimpansen. Nach dieser Erstlingsarbeit wagte ich mich ans Schnitzen von menschlichen Gesichtern im Relief »Mutter und Kind« als Geschenk für meine Tochter (1984). Vorlagen hierfür waren eine Zeichnung von Picasso und einige Fotos meiner Frau Antje und Tochter Anke. Dabei erlebte ich, wie schwierig es ist, im Relief verkürzte Gesichter zu schnitzen, wobei sich die gewünschte Erhöhung des runden Relief-Randes als besonders hinderlich erwies.

Infolge der politischen Ereignisse nach 1989, besonders durch meine berufliche Umorientierung vom Ingenieur zum Dozenten/Ausbilder, fehlte für meine Hobby-Schnitzerei die nötige Freizeit. Gutes Schnitzholz wartete im Keller auf seine Bearbeitung.

Im Jahr 2009 begann ich wieder (nach über 20 Jahren) zu schnitzen. Als Hochzeitsgeschenk für Elisabeth und Lutz fertigte ich einen neuen Teller (mit zentralem Symbol) aus Erlenholz.

Eberhard Liß

Siehe ANHANG: Unikate von Fritz Schack, Ornamentik, Studien u. a.