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» Religion und Kirche « - ein Zitate-Archiv

Teil 1:  Zitate zu 'Glaube und Religion'



Wir sind Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns.
Die Erde ist unsere Mutter: was die Erde befällt,
befällt auch die Söhne und Töchter der Erde.

Aus der Rede des Häuptlings Seattle, 1855


Der Mensch muss das Licht lieben, gleichgültig, woher es kommt.
Er muss die Rose lieben, gleichgültig, in welchem Boden sie wächst.
Er muss ein Sucher nach Wahrheit sein, gleichgültig, aus welcher Quelle sie fließt.
Anhänglichkeit zur Lampe ist nicht Liebe zum Licht.

Abdul-Baha (1844-1921)


Die Stimme des Großen Geistes ist im Gesang der Vögel zu hören, im Rauschen der Bäche und im süßen Atem der Blumen. Wenn ihr das heidnisch nennt, dann bin ich eine Heidin.

Zitkala-Sa, Dakota Sioux


Von den vielen Furcht erregenden Erscheinungen umgeben, bildet sich der Mensch die Meinung, es gebe viele ewige und mächtige Götter.

Man soll sich vor keinem Gott fürchten, sondern sich frei machen vom Wahnglauben.

Epikur, Philosoph (341 - 271 v. Chr.)


Glaubt nicht bedingungslos den alten Manuskripten, glaubt überhaupt nicht an etwas, nur weil die Leute daran glauben - oder weil man es Euch seit Eurer Kindheit hat glauben lassen.

Wendet an alles Euren Verstand, und wenn Ihr es analysiert und für Euch und jeden anderen für gut befunden habt, dann könnt Ihr daran glauben, danach leben und Eurem Nächsten helfen, auch danach zu leben.

Buddha, Religionsstifter (um 560-480 v. Chr.)


Die Vernunft ist das größte Hindernis in Bezug auf den Glauben, weil alles Göttliche ihr ungereimt zu sein scheint, dass ich nicht sage, dummes Zeug. [aus Tischreden]

Martin Luther, Reformator (1483 - 1546)


Alles Wissen geht aus einem Zweifel hervor und endigt in einem Glauben.

Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigne Kraft.

Marie von Ebner-Eschenbach, Dichterin (1830-1916)


Der Glaube versetzt Berge,der Zweifel erklettert sie.

Friedrich Georg Jünger, Schriftsteller (1898-1977)


Ich glaube, dass weder das Leben noch die Geschichte einen letzten Sinn hat, der seinerseits dem Leben des Einzelnen Bedeutung verleihen oder sein Leiden rechtfertigen könnte. Angesichts der Widersprüche und Schwächen, die der Existenz des Menschen anhaften, ist es nur allzu natürlich, dass er nach einem »Absoluten« sucht, das ihm die Illusion der Gewissheit gibt und die Last der Konflikte, des Zweifels und der Verantwortung von seinen Schultern nimmt. Aber kein Gott, weder im theologischen noch im philosophischen noch auch im historischen Gewand, errettet oder verdammt den Menschen. [aus: "Jenseits der Illusionen", Die Bedeutung von Marx und Freud, 12 Credo (1962), Deutscher Taschenbuch Verlag 2006, S. 194]

Erich Fromm (1900 - 1980)


"Jene mit tiefem Gefühl verbundene Überzeugung von einer überlegenen Vernunft, die sich in der erfahrbaren Welt offenbart, bildet meinen Gottesbegriff; man kann ihn also in der üblichen Ausdrucksweise als 'pantheistisch' (Spinoza) bezeichnen. Konfessionelle Traditionen kann ich nur historisch und psychologisch betrachten; ich habe zu ihnen keine andere Beziehung. [...]
Ich kann mir keinen persönlichen Gott denken, der die Handlungen der einzelnen Geschöpfe direkt beeinflusste oder über seine Kreaturen zu Gericht säße. [...]
Meine Religiosität besteht in einer demütigen Bewunderung des unendlich überlegenen Geistes, der sich in dem wenigen offenbart, was wir mit unserer schwachen und hinfälligen Vernunft von der Wirklichkeit zu erkennen vermögen. Moral ist eine höchst wichtige Sache, aber für uns, nicht für Gott." (Brief an M. M. Schayer, 1927)

"Wer von der kausalen Gesetzmäßigkeit allen Geschehens durchdrungen ist, für den ist die Idee eines Wesens, welches in den Gang des Weltgeschehens eingreift, ganz unmöglich - vorausgesetzt allerdings, dass er es mit der Hypothese der Kausalität wirklich ernst meint. Die Furcht-Religion hat bei ihm keinen Platz, aber ebensowenig die soziale bzw. moralische Religion. Ein Gott, der belohnt und bestraft, ist für ihn schon darum undenkbar, weil der Mensch nach äußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit handelt, vom Standpunkt Gottes aus also nicht verantwortlich wäre, sowenig wie ein lebloser Gegenstand für die von ihm ausgeführten Bewegungen. Man hat deshalb schon der Wissenschaft vorgeworfen, dass sie die Moral untergrabe, jedoch gewiss mit Unrecht. Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten." [Religion und Wissenschaft] (Nov. 1930)

"Es liegt die Idee zugrunde, dass der Mensch zu einem würdigen und harmonischen Dasein nur dann gelangen kann, wenn er sich von dem Streben nach Wunsch-Erfüllungen materieller Art innerhalb der uns von der Natur gesteckten Grenzen zu befreien imstande ist. Es ist das Streben nach Erhöhung des geistigen Niveaus der Gesellschaft." (1954)

[Hohes Ziel:] "Freie und selbstverantwortliche Entfaltung des Individuums, damit es seine Kräfte froh und freiwillig in den Dienst der Gemeinschaft aller Menschen stelle. Da ist kein Platz für Vergottung einer Nation, einer Klasse oder gar eines Individuums." (1939)

Albert Einstein, Physiker (1879-1955)

Siehe auch » Albert Einsteins Weisheiten und Ansichten - Eine Zitate-Anthologie


Das Ziel der Philosophie ist einzig und allein die Wahrheit, das Ziel des Glaubens einzig und allein Gehorsam und Frömmigkeit.

Baruch (Benedictus) de Spinoza (1632-1677)


Welche Religion ich bekenne? Keine von allen, Die du mir nennst. - Und warum keine? - Aus Religion!

Wozu zwingt man die Menschen in bestimmte Religionssysteme, wenn sie nachher Jahrzehnte brauchen, um wieder davon loszukommen?

Herders Predigt hat mir besser als jede andere, die ich in meinem Leben zu hören bekommen habe, gefallen - aber ich muss Dir aufrichtig gestehen, dass mir überhaupt keine Predigt gefällt..., eine Predigt ist für den gemeinen Mann; der Mann von Geist, der ihr das Wort redet, ist ein beschränkter Kopf, ein Phantast oder ein Heuchler.

Die goldene Zeit der Geistlichkeit fiel immer in die Gefangenschaft des menschlichen Geistes.

Man sollte sich zur heiligsten Pflicht machen, dem Kinde nicht zu früh einen Begriff von Gott beibringen zu wollen. Die Forderung muss von innen heraus geschehen, und jede Frage, die man beantwortet, ehe sie aufgeworfen ist, ist verwerflich. Das Kind hat vielleicht seine ganze Lebenszeit daran zu wenden, um jene irrigen Vorstellungen wieder zu verlieren.

Der zahlreichere Teil der Menschen wird durch den Kampf mit der Not viel zu sehr ermüdet und abgespannt, als dass er sich zu einem neuen und härteren Kampf mit dem Irrtum aufraffen sollte. Zufrieden, wenn er selbst der sauren Mühe des Denkens entgeht, lässt er andere gern über seine Begriffe die Vormundschaft führen und ergreift mit durstigem Glauben die Formeln, welche der Staat und die Priester für ihn in Bereitschaft halten.

Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen.

Friedrich Schiller, Dichter (1759-1805)


Für mich stellen Liebe und Mitgefühl eine allgemeine, eine universelle Religion dar. Man braucht dafür keine Tempel und keine Kirche, ja nicht einmal unbedingt einen Glauben, wenn man einfach nur versucht, ein menschliches Wesen zu sein mit einem warmen Herzen und einem Lächeln, das genügt.

Tenzin Gyatso, Dalai Lama XIV (geb. 1936)


Das jüdisch-christliche Gottesbild als das summum bonum (das höchste Gute) ist dem reflektierenden Bewusstsein unmöglich.

Ohne das reflektierende Bewusstsein des Menschen ist die Welt von gigantischer Sinnlosigkeit, denn der Mensch ist nach unserer Erfahrung das einzige Wesen, das «Sinn» überhaupt feststellen kann. ...
Da eine Schöpfung ohne das reflektierende Bewusstsein des Menschen keinen erkennbaren Sinn hat, so wird mit der Hypothese eines latenden Sinnes dem Menschen eine kosmogonische Bedeutung zugedacht, eine wahrhafte raison d'être. Wenn dagegen dem Schöpfer der latente Sinn als bewusster Schöpfungsplan zugeschrieben wird, dann entsteht die Frage: warum sollte der Schöpfer dieses ganze Weltphänomen veranstalten, da Er ja bereits darum weiß, worin Er sich spiegeln könnte, und warum sollte Er sich spiegeln, da Er ja seiner selbst bewusst ist. (1959)

Carl Gustav Jung, Psychologe (1875-1961)


Der Mensch ist meine Passion. Ich glaube nicht an Gott. Ich sage das ohne atheistisch missionieren zu wollen. Ich lasse jedem seinen Glauben, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Gott eine Projektion des Menschen ist, nicht dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild, sondern der Mensch Gott nach seinem Ebenbild geformt hat, aus dem tiefen Bedürfnis dieses verletzbaren, körperlich und seelisch verletzbaren, dünnhäutigen Wesens Mensch, aus seinem Bedürfnis, aus seiner Bedürftigkeit nach Gott heraus sucht er jemand, den er ansprechen kann, von dem er Hilfe erwarten kann. - Was kommt nach dem Tod? Nichts! Nichts! Dieses Leben ist das einzige, es hat vorher nichts gegeben, es wird nachher nichts geben.

Ralph Giordano, Schriftsteller (geb. 1923)


In der zweiten Hälfte meines Lebens ist nichts bemerkenswerter als die Verbreitung des religiösen Unglaubens oder des Rationalismus.

Das Geheimnis des Anfangs aller Dinge ist für uns unlösbar; und ich für meinen Teil muss mich bescheiden, ein Agnostiker zu bleiben.

Ich war aber in dieser Zeit (1836-1839) allmählich dahin gekommen, einzusehen, dass dem alten Testament - mit seiner offensichtlich falschen Weltgeschichte, mit seinem babylonischen Turm, mit dem Regenbogen als Zeichen usw. und seiner Art, Gott Gefühle eines rachedurstigen Tyrannen zuzuschreiben - nicht mehr Glauben zu schenken sei als den heiligen Schriften der Hindus oder dem Glauben irgendeines Wilden.

... ich kann es kaum begreifen, wie jemand, wer es auch sei, wünschen könne, die christliche Lehre möge wahr sein; denn, wenn dem so ist, dann zeigt der einfache Text (des Evangeliums), dass die Ungläubigen, und ich müsste zu ihnen meinen Vater, meinen Bruder und nahezu alle meine besten Freunde zählen, ewige Strafen verbüßen müssen. Eine abscheuliche Lehre!... Der Gemütszustand, den großartige Szenen früher in mir anregten, und der ganz innig mit einem Glauben an Gott verbunden war, wich wesentlich von dem ab, der häufig das Gefühl des Erhabenen genannt wird; und wie schwierig es auch immer sein mag, die Entstehung dieses Gefühls zu erklären, so kann kaum mehr als ein Beweisgrund für die Existenz eines Gottes vorgebracht werden, als die mächtigen, wenn auch unklaren aber ähnlichen Empfindungen, die durch Musik angeregt werden.

Man darf ebenfalls nicht die Möglichkeit der ständigen Einflößung des Glaubens an Gott in die Gemüter der Kinder außer acht lassen, einer Einflößung, die eine außerordentlich starke und vielleicht erbliche Einwirkung auf deren Gehirn ausübt, das noch nicht vollständig entwickelt ist, so dass es für sie genau so schwer wäre, den Glauben an Gott aufzugeben, wie für einen Affen, seine instinktive Furcht und Abscheu einer Schlange gegenüber aufzugeben.

Charles Darwin, Naturforscher (1809-1882)


Im christlichen Glauben hat die Vernunft nichts zu suchen und die Naturwissenschaft nichts zu melden.

Klaus Berger, Theologe


Wo der Glaube anfängt, hört die Wissenschaft auf.

Die Früchte vom Baum der Erkenntnis sind es wert,
dass man um ihretwillen das Paradies verliert.

Die Mittel und Wege, welche wir zur Lösung der großen Welträtsel einzuschlagen haben, sind keine anderen als diejenigen der reinen wissenschaftlichen Erkenntnis überhaupt, also erstens der Erfahrung und zweitens Schlussfolgerung. Die wissenschaftliche Erfahrung erwerben wir uns durch Beobachtung und Experiment, wobei in erster Linie unsere Sinnesorgane, in zweiter die "innneren Sinnesherde" unserer Großhirnrinde tätig sind. ... Die Erfahrungen, welche wir von der Außenwelt durch diese unschätzbaren Organe unserers Geisteslebens erhalten haben, werden dann durch andere Gehirnteile in Vorstellungen umgesetzt und diese wiederum durch Assoziation zu Schlüssen verknüpft. Die Bildung dieser Schlussfolgerungen erfolgt auf zwei verschiedenen Wegen, die nach meiner Überzeugung gleich wertvoll und unentbehrlich sind: Induktion und Deduktion. Die weiteren verwickelten Gehirnoperationen, die Bildung von zusammenhängenden Kettenschlüssen, die Abstraktion und Begriffsbildung, die Ergänzung des erkennenden Verstandes durch die plastische Tätigkeit der Phantasie, schließlich das Bewusstsein, das Denken und Philosophieren, sind ebenso Funktionen der Ganglienzellen oder Neuronen der Großhirnrinde wie die vorhergehenden einfacheren Seelentätigkeiten. Alle zusammen vereinigen wir in dem höchsten Begriffe der Vernunft. [Die Welträtsel, 11. Auflg. 1918, S. 17]

Unser eigenes "Menschenwesen", welches in seinem anthropistischen Größenwahn sich als "Ebenbild Gottes" verherrlicht, sinkt zur Bedeutung eines plazentalen Säugetiers hinab, welches nicht mehr Wert für das ganze Universum besitzt als die Ameise und die Eintagsfliege, als das mikroskopische Infusorium und der winzigste Bazillus. Nur die Macht der Tradition und des Aberglaubens hält jene Einbildung noch aufrecht. Auch wir Menschen sind nur vorübergehende Entwicklungszustände der ewigen Substanz, individuelle Erscheinungsformen der Materie, deren Nichtigkeit wir begreifen gegenüber dem unendlichen Raum und der ewigen Zeit. [ebenda, S. 259]

Die fortgeschrittene Kosmologie und Astronomie hat das geozentrische Himmelsbild des Altertums ebenso zerstört wie die moderne Biologie das anthropozentrische Menschenbild des Christentums. Endlich hat uns die Entwicklungslehre bewiesen, dass das Menschengeschlecht weiter nichts ist als ein spät aus Primatenahnen entstandener Zweig des Säugetierstammes, und dass die Seele der enzelnen Personen ebensowenig unsterblich sein kann wie der anderen Wirbeltiere. [ebenda, Nachwort 1907, S. 429]

Ich betone hier nochmals, dass für mich das Bewusstsein nur e i n e n  T e i l  der Seelenerscheinungen bildet, die wir am Menschen und den höheren Tieren beobachten, während der weitaus größere Teil derselben unbewusst abläuft. [ebenda, S. 190]

Der physiologische Beweis [gegen "Unsterblichkeit der Seele"] lehrt uns, dass die menschliche Seele ebenso wie die der höheren Tiere kein selbständiges, immaterielles Wesen ist, sondern der Kollektivbegriff für eine Summe von Gehirnfunktionen; diese sind ebenso wie alle anderen Lebenstätigkeiten durch physikalische und chemische Prozesse bedingt, ... [Die Welträtsel, 11. Auflg. 1918, S. 216]

Die Auferstehung Christi, welche von Millionen gläubiger Christen an jedem Osterfeste gefeiert wird, ist ebenso ein reiner Mythus wie die "Auferweckung von den Toten", welche derselbe mehrfach ausgeführt haben soll. Für die reine Vernunft sind diese mystischen Glaubens-Dichtungen ebenso unannehmbar wie die damit verknüpfte Hypothese eines "ewigen Lebens". [ebenda, S. 209]

Jeder selbständig denkende Mensch bildet sich eben seinen eigenen, mehr oder weniger "persönlichen" Glauben", und immer ist dieser verschieden von demjenigen seiner Väter; denn er ist abhängig von dem gesamten Bildungszustande seiner Zeit. Je weiter wir in der Kulturgeschichte zurückgehen, desto mehr erscheint uns der gepriesene "Glaube unserer Väter" als unhaltbarer Aberglaube, dessen Formen sich beständig umbilden. [ebenda, S. 327]

Ernst Haeckel, Naturforscher (1834-1919)


Was viele glauben, glaubet nicht!

Christian Fürchtegott Gellert, Dichter (1715-1769)


Nichts ist so bequem, als etwas zu glauben, das ein anderer meint, und dieser hat seine Meinung gewöhnlich auch nur vom Hörensagen.

Ludwig Tieck, Dichter (1773-1853)


Sowohl in der Politik als auch in der Religion gibt es einen heiligen törichten Eifer. Indem wir andere überreden, überzeugen wir uns selbst.

Junius, engl. Politiker (1770)


Die größte Krankheit aller Religionen sind die Lippenbekenntnisse. Sie führen nicht zur Menschwerdung des Menschen, sie machen vielmehr krank. Eine Religion, die nicht praktische Lebenshilfe ist, führt millionenfach zu Neurosen. So hat das traditionell leibfeindliche Christentum Millionen von Sexualneurosen zu verantworten.

Franz Alt, Publizist (geb. 1938)


Glaubensbekenntnisse werden akzeptiert, nicht weil sie vernünftig sind, sondern weil sie wiederholt werden.

Oscar Wilde, Schriftsteller (1854-1900)


Denken ist allen erlaubt, doch vielen bleibt es erspart.

Curt Goetz, Schriftsteller (1888-1960)


Glauben ist leichter als Denken.

Sprichwort


Hätte man Verstand, brauchte man keine Götter.

Decimus Iunius Juvenal, röm. Dichter (um 60-140)


Was schließlich den Vorwurf betrifft, der "blinde Evolutionsprozess" durch Variation und Selektion - also durch Versuch und Erfolg beziehungsweise Irrtum, auf dem schließlich auch die wichtigsten Lernvorgänge beruhen, denen wir unsere hochgerühmte Intelligenz verdanken - könne doch sicher weder Geist noch Willensfreiheit und moralische Verantwortung hervorbringen, so könnte gerade das Gegenteil richtig sein. Tatsächlich müsste nämlich eine engstirnig kreationistische Theorie der Entstehung der Natur als Fertigprodukt eines Schöpfers genau jene Bedingungen dieser geistigen und moralischen Freiheit des Naturwesens Homo sapiens in Frage stellen. Dies hat schon Goethe zu Eckermann am 15. Oktober 1825 bemerkt: "Sobald wir dem Menschen die Freiheit zugestehen, ist es um die Allwissenheit Gottes getan, denn sobald die Gottheit weiß, was ich tun werde, bin ich gezwungen zu handeln, wie sie es weiß."

Axel Meyer (geb. 1960) und Hubert Markl (geb. 1938), Professoren an der Uni Konstanz


Ich bin Pfarrerssohn. Ich habe immer an Gott gezweifelt. Im klassischen Sinne. ... Ich sehe den Grund nicht mehr ein, die Fiktion Gott aufrechtzuerhalten. Genauer: die Fiktion eines persönlichen Gottes. Gott als ein Weltprinzip, sagen wir: einer Ordnung des Existierenden, kann ich mir als Hypothese vorstellen, etwa in Form der Symmetrie, die bald die Physik gefunden zu haben meint, bald wieder nicht festzustellen in der Lage ist, aber warum soll ich dieses Ordnungsprinzip noch Gott nennen? Für einen persönlichen Gott aber auch nur zu denken, halte ich heute mit unseren Ahnungen, die wir von der Welt erreicht haben, für unvereinbar. Ein persönlicher Gott ist eine Konzeption der Liebe und der Furcht. Der Mensch will nicht nur lieben, er will geliebt sein und fürchtet sich vor dem Tod.

Das Verbrechen des Christentums besteht in der Verdoppelung dieser Furcht durch die Erfindung der Hölle und die Verkoppelung des Todes mit der Sünde als deren Sold. Auf diesem Verbrechen beruht die christliche Kultur: Aus Furcht vor der Hölle schossen die Kathedralen in den Himmel und wurde das Christentum an der Leine der Angst aggressiv.

Der Mensch muss nicht erlöst werden, er steht vor der viel schwierigeren Aufgabe, sich selbst zu erlösen: Er ist in seine eigene Falle gerannt. Die Aufgabe, der sich die Menschheit gegenübersieht, ihr Weiterbestehen zu ermöglichen, ist so schwer, dass kein Gott ihr helfen kann. Nur sie sich selbst.

Der Wissende weiß, dass er glauben muss.

Nur wer weiß, weiß, dass er wenig weiß und dass das, was er weiß, vorläufig ist. Nur wer glaubt, glaubt, dass er weiß. Wahrheit ist ein Wort des Glaubens.
Niemand vermag grausamer zu sein als jene, die im Namen der Wahrheit handeln. ... Nicht nur Gott, auch der Glaube an sich ist unbeweisbar. Nicht einmal der Papst kann beweisen, dass er glaubt, woran zu glauben er vorgibt. Darum gibt es für mich nichts Unanständigeres als christliche Parteien: Mit dem, was man nicht beweisen kann, dass man es ist, darf nicht politisch operiert werden. ... Die Zeit der Khomeinis ist angebrochen, nicht nur in Rom, Iran und Israel. Es ist höchste Zeit, sich wieder zum Atheismus zu bekennen.

Der Mensch muss sich der Wirklichkeit stellen.

Friedrich Dürrenmatt, Schriftsteller (geb.1921)


Jeder Glaube an ein Göttliches, das mehr enthält, als den Begriff der moralischen Weltordnung, ist mir ein Greuel und eines vernünftigen Wesens unwürdig.

Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762-1814)


Sonst war die Religion, ich gesteh's, die Stütze des Staates; aber jetzt ist der Staat Stütze der Religion.

Berge versetzt der Glaube. Jawohl! Die schweren Probleme löset der Glaube nicht auf, sondern verschiebt sie nur.

Der Ursprung, ja das eigentliche Wesen der Religion, ist der Wunsch. Hätte der Mensch keine Wünsche, so hätte er auch keine Götter. Was der Mensch sein möchte, aber nicht ist, dazu macht er seinen Gott.

Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.

Der Religion ist nur das Heilige wahr, der Philosophie nur das Wahre heilig.

Rätsel findest du nur im Käfig der Gottesgelahrtheit;
Geh' in die offene Welt; dann sind dir alle gelöst!

Weißt du den Grund, warum in den Apfel gebissen hat Adam?
Um der Theologie einen Gefallen zu tun.

... Die Theologie ist die Anthropologie.

Zur Vollendung des Menschen gehört auch der Tod; denn auch er gehört zur Bestimmung, das heißt zur Natur des Menschen. Darum heißt der Tote mit Recht der Vollendete. Menschlich zu sterben, zu sterben mit dem Bewusstsein, dass du im Tode deine letzte Bestimmung erfüllst, zu sterben also im Frieden mit dem Tode - das sei dein letzter Wunsch, dein letztes Ziel. Dann triumphierst du auch noch im Tode über den üppigen Traum der christlichen Unsterblichkeit; dann hast du unendlich mehr erreicht, als du im Jenseits erreichen willst und doch nimmermehr erreichst.

Das Christentum ist das Mittelalter der Menschheit. Wir leben daher heute noch in der Barbarei des Mittelalters. Aber die Geburtswehen der neuen Zeit beginnen in unserer Zeit.

Es gehört kein Mut, kein Charakter, keine Anstrengung, kein Opfer dazu, Christ zu sein - Christentum und weltlicher Vorteil ist identisch - wohl aber kein Christ zu sein.

Das Abhängigkeitsgefühl ist der Grund der Religion.

Die Religion, heißt es, ist das beste Trostmittel im Unglück. Aber das beste Trostmittel im Unglück ist vielleicht das schlimmste oder schlechteste Beförderungsmittel der menschlichen Glückseligkeit. Denn der Trost lässt uns ein Übel zwar ertragen, sucht es aber nicht zu beseitigen. Wer sich darüber tröstet, dass er ein Sklave ist, kommt nicht in Versuchung die Sklavenketten zu brechen.

Nicht wider die Religion sein, aber über ihr sein.
Die Erkenntnis ist mehr als der Glaube.
Ist es auch wenig, was wir wissen, dieses bestimmte Wenige ist doch mehr, als das nebelhafte Mehr, was der Glaube vor dem Wissen voraus hat.

Ludwig Feuerbach (1804-1872)


Der Glaube ist nicht der Anfang, sondern das Ende alles Wissens.

Wer Wissenschaft und Kunst besitzt,
Der hat auch Religion!
Wer diese nicht besitzt,
Der habe Religion.

Sobald wir dem Menschen die Freiheit zugestehen, ist es um die Allwissenheit Gottes getan, denn sobald die Gottheit weiß, was ich tun werde, bin ich gezwungen zu handeln, wie sie es weiß.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), Bemerkung zu Eckermann am 15. Oktober 1825


Religion - Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.

Wir sagen uns, es wäre ja sehr schön, wenn es einen Gott gäbe als Weltschöpfer und gütige Vorsehung, eine sittliche Weltordnung und ein jenseitiges Leben, aber es ist doch sehr auffällig, dass dies alles so ist, wie wir es uns wünschen müssen. Und es wäre noch sonderbarer, dass unseren armen, unwissenden, unfreien Vorvätern die Lösung all dieser schwierigen Welträtsel geglückt sein sollte.

Sigmund Freud, Psychoanalytiker und Arzt (1856-1939)


All unser Wissen ist in der Tat hypothetisch, es weist nur unterschiedliche Grade an Plausibilität, interner Konsistenz und Kohärenz auf. So kann ich jemandem, der die modernen Naturwissenschaften und ihren Naturgesetzbegriff als fundamentalen Irrtum ablehnt und dafür den Glauben an einen Gott hochhält, der unmittelbar in das tägliche Leben eingreift, Inkonsequenz in seinem Denken und Handeln nachweisen. Im täglichen Leben verlässt er sich nicht ständig auf göttliche Fügungen, sondern darauf, dass bestimmte Dinge in vorhersehbarer Weise funktionieren.

Was nützt mir die Idee Gottes, wenn ich gleichzeitig der Meinung bin, dass er grundsätzlich unerkennbar ist? Ich kann dann weder der absoluten Wahrheit noch Gott irgendwelche Eigenschaften zuschreiben außer der, dass beide unerkennbar sind. Ich tue hierbei nichts anderes als eine Größe als nicht-definierbar zu definieren.

Gerhard Roth, Hirnforscher (geb. 1942)
aus: "Das Gehirn und seine Wirklichkeit", Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M., 1996, S. 356 bzw. 357


Gespräch anno 33

A: Wissen Sie schon das Neueste?
B: Nein. Was ist passiert?
A: Die Welt ist erlöst.
B: Was Sie sagen.
A: Ja. Der liebe Gott hat Menschengestalt angenommen und sich in Jerusalem hinrichten lassen;
    dadurch ist nun die Welt erlöst und der Teufel geprellt.
B: Ei, das ist ja ganz scharmant.

Der Arzt sieht den Menschen in seiner ganzen Schwäche,
der Advokat in seiner ganzen Schlechtigkeit,
und der Priester in seiner ganzen Dummheit.

Die Religionen sind wie Leuchtwürmer: sie bedürfen der Dunkelheit, um zu leuchten.

Endlich kommt noch hinzu, dass der Gott, welcher Nachsicht und Vergebung jeder Schuld, bis zur Feindesliebe, vorschreibt, keine übt, sondern vielmehr ins Gegenteil verfällt...bis auf jene wenigen Ausnahmen, welche durch Gnadenwahl, man weiß nicht warum, gerettet werden. Diese aber bei Seite gesetzt, kommt es heraus, als hätte der liebe Gott die Welt geschaffen, damit der Teufel sie holen solle; wonach er denn viel besser getan haben würde, es zu unterlassen.

Alle Religion steht im Antagonismus mit der Kultur.

Die Religion ist eine Krücke für schlechte Staatsverfassungen.

Religionen sind Kinder der Unwissenheit, die ihre Mutter nicht lange überleben.

Seit dem die ultima ratio theologorum, der Scheiterhaufen, nicht mehr ins Spiel kommt, wäre eine Memme, wer noch viel Umstände mit Lug und Trug macht.

Alles, was im Christentum Wahres ist, findet sich auch im Brahmanisnus und Buddhaismus.

Wenn die Welt erst ehrlich genug sein wird, um Kindern vor dem 15. Jahre keinen Religionsunterricht zu erteilen, dann wird etwas von ihr zu hoffen sein.

Es gibt keine andere Offenbarung als die Gedanken der Weisen.

Arthur Schopenhauer, Philosoph (1788-1860)


Ich glaube zwar, dass die Hauptbücher der großen Weltreligionen inspiriert sind, doch sie leiden unter einem zweifachen Destillationsprozess: zuerst gehen sie durch den Mund eines menschlichen Propheten; dann durch die Kommentare der Interpreten. Nichts daran kommt direkt von Gott - und da seine Botschaft durch das unvollkommene menschliche Medium weitergegeben wird, ist sie mehr oder weniger anfällig für Entstellungen.

Mahatma Gandhi (1869-1948)
in: All Religions Are True, S.20-21, 1962 Mohandas Karambachand, Bombay, Bahratyia Vidya Bhavan


Untersucht die religiösen Grundsätze, die tatsächlich in der Welt vorherrschten! Ihr werdet zur Überzeugung gelangen, dass sie kaum etwas anderes sind als die Träume Siecher.

Keine theologische Ungereimtheit ist so auffallend, dass sie nicht zuzeiten von den verständigsten und gebildetsten Menschen angenommen worden wäre.

David Hume, Philosoph (1711-1776)


Sehnt sich das Erdenkind nach einem höheren, seligeren Glück, seiner weiteren, unbekannten Heimat, so nennt es sein Sehnen - Glaube; sehnt es sich nach einem verlornen, irdischen Glück, so nennt es sein Sehnen - Heimweh!

Gott ist nicht wählerisch in seinen Boten und Werkzeugen, und die irren sich, die da meinen, dass er die Welt mit spitzen Fingern anfasse und das nämliche von ihnen verlange.

Wilhelm Raabe, Dichter (1831-1910)


Wie trivial erscheint mir gegenwärtig die Meinung, dass mit dem Aufgeben der sogenannten religiösen Ideen alle Poesie und erhöhte Stimmung aus der Welt verschwinde! Im Gegenteil! Die Welt ist mir unendlich schöner und tiefer geworden, das Leben ist wertvoller und intensiver, der Tod ernster, bedenklicher und fordert mich nun erst mit aller Macht auf, meine Aufgabe zu erfüllen und mein Bewusstsein zu reinigen und zu befriedigen, da ich keine Aussicht habe, das Versäumte in irgendeinem Winkel der Welt nachzuholen. (Gottfried Keller in dankbarem Gedenken an Ludwig Feuerbach)

Ich hab in kalten Wintertagen
In dunkler, hoffnungsarmer Zeit
Ganz aus dem Sinne dich geschlagen
O Trugbild der Unsterblichkeit.

Nun, da der Sommer glüht und glänzet,
Nun seh ich, dass ich wohlgetan!
Aufs neu hab ich das Haupt bekränzet,
Im Grabe aber ruht der Wahn.

Ich fahre auf dem klaren Strome,
Er rinnt mir kühlend durch die Hand,
Ich schau hinauf zum blauen Dome
Und such - kein bessres Vaterland.

Nun erst versteh ich, die da blühet,
Oh Lilie, deinen stillen Gruß:
Ich weiß, wie sehr das Herz auch glühet,
Dass ich wie du vergehen muss!

Seid mir gegrüßt, ihr holden Rosen;
In eures Daseins flücht'gem Glück!
Ich wende mich vom Schrankenlosen
Zu eurer Anmut froh zurück!

Zu glühn, zu blühn und ganz zu leben,
Das lehret eurer Duft und Schein,
Und willig dann sich hinzugeben
Dem ewigen Nimmerwiedersein!

Wir wähnten lange recht zu leben,
Doch fingen wir es töricht an;
Die Tage ließen wir entschweben
Und dachten nicht ans End' der Bahn!

Nun haben wir das Blatt gewendet
Und frisch dem Tod ins Aug' geschaut;
Kein ungewisses Ziel mehr blendet,
Doch grüner scheint uns Busch und Kraut!

Und wärmer ward's in unsern Herzen,
Es zeugt's der froh gewordene Mund;
Doch unsern Liedern, unsern Scherzen
Liegt auch des Scheidens Ernst zu Grund!

Gottfried Keller, Dichter (1819-1890)


Der Segen der Natur wird vernichtet durch den Segen Roms.

Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt, kriegt nichtchristliche Antworten.

Wilhelm Busch, Dichter (1832-1908)



Oberammergau

Eine bunte Völkerschau
weilt in Oberammergau,
denn der Höhepunkt der Ferien
sind stets ländliche Mysterien.

Ja, auch Bonns Regierungsspitzen
sah man bei den Laien sitzen,
wo Naivität und Bart
mit Profit so schön sich paart.

Amadeus ist sauer
auf die Oberammergauer,
die da wirken in dem Geist,
der zu Gott und Wohlstand weist.

Frömmigkeit zu Wucherpreisen
ist es, worauf die dort reisen;
fest hat man das Volk im Schlepp,
teils mit Glaube, teils mit Nepp ...

Eckard Hachfeld in "Die Welt" vom 28.5.1960


Religion ist Privatsache, so oder ähnlich steht es heute in den meisten Verfassungen. Nur frage ich mich sofort, ob das wirklich so sei. Kirchenglocken dröhnen in die Ohren aller, ob sie in die Kirchen gehen oder nicht. Jeden Morgen hält ein christlicher Geistlicher Andacht im Rundfunksender ab; entsprechende Veranstaltungen für die sogenannten Ungläubigen sind unbekannt. Vor allem aber bedroht das Strafrecht die Gotteslästerung: kein Paragraph verbietet es, die Überzeugung zu diffamieren, es gäbe keinen persönlichen Gott.

In Religionsdingen leben wir dahin in einer heuchlerischen Bewusstseinsspaltung; sie unterscheidet sich von dem bekannten doppelbodigen Verhalten unter einer Diktatur dadurch, dass es dort um Freiheit und Leben geht; heute und hier um Erfolg, Geltung, gesellschaftliche Anerkennung. Der zur Freiheit aufgerufene Mensch der westlichen Welt unterwirft sich gehorsam dem christlichen Tabu. Damit zerstört er seine innere Sicherheit, seine Würde und Wahrhaftigkeit.

Formulierte Religion ist Menschenwerk und wird damit zum Ausdruck menschlichen Willens. ... Liegt die Befürchtung nicht nahe, dadurch ginge dem einzelnen das Gefühl der Verantwortung für sein Leben verloren? Mehr noch: Wird der Mensch nicht durch den Verzicht auf diese eigene Verantwortung geradezu abgerichtet, alle Greuel seiner Geschichte und alle Schrecken seines Schicksals hinzunehmen? Mir jedenfalls hat es immer zu denken gegeben, dass so viele erfolgreiche Soldaten fromme Leute waren. Ich begreife es nicht, wie sie es sein konnten.

Der Gottlose wagt keinen Anspruch zu erheben als den, jeder müsse jeden Mitmenschen achten und schonen, da alle dem gleichen Gesetz unterliegen. Über jedem steht, ob er es weiß oder nicht, das Unerforschliche, von dem Goethe sagt: Wir können es nur schweigend in Ehrfurcht verehren. - Das ist alles. - Und kein Menschenglaube an einen Menschengott kann mehr geben.

Axel Eggebrecht, Schriftsteller (geb. 1899)


Auswahl-Religion

"Ich halte von Religion so viel, dass ich darin die naturgegebenen Problemfelder des Menschen angesprochen sehe. Der religiöse Mensch möchte über sich Bescheid wissen. Er sucht, seine Sinne auszuschöpfen, um zu wissen, was mit ihm ist und mit ihm passiert. Dass in dem Zusammenhang auch die Gottesfrage auftaucht und beantwortet werden möchte, halte ich für einen Begleiteffekt. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass man nicht sehr präzise über Gott Bescheid wissen muss, um ein religiöser Mensch zu sein. Man kann auch als bloß fragender und sich selbst nicht einfach genügender Mensch ein religiöser Mensch sein ...

Die Gewissensfrage wird zukünftig mit Sicherheit in allen Religionen eine große Rolle spielen. Der Einzelne wird mehr als bisher genötigt sein, sich ein religiöses Urteil zu bilden. Er wird sich in den Grundfragen des religiösen Empfindens zu befragen haben, wird sich über die Chancen und die Grenze des Menschseins verständigen und sich überlegen müssen, was er meint, wenn er Gott sagt. Dabei wird er selbstverständlich zuerst seine eigene Religion kritisch befragen müssen, was für ein Gottesbild sie ihm vermittelt. Eine künftige Religion im postkirchlichen Zeitalter könnte eine Art 'Auswahl-Religion' sein, die sich in intensiver Durchleuchtung eigener und fremder Antworten auf Lebensfragen eine individuelle Bahn sucht."

Prof. theol. Manfred Görg in einem Interview in CONTUREN Nr. 3/2000


Ich bestreite, dass es im menschlichen Leben einen vorgegebenen Sinn gibt. Der Sinn fällt nicht vom Himmel. Die allermeisten, die Sinn brauchen, bemühen eine Religion oder eine Sekte. Damit beginnt die Fremdbestimmung. Mir wächst Sinn zu, indem ich mich für etwas - einen Menschen, ein Tun - begeistere, wenn ich mit Vehemens ein Ziel verfolge.

Reinhold Messner (weltbekannter Bergsteiger, bezwang alle 14 Achttausender,
hat bei seinen 3500 Bergfahrten etwa 100 Erstbegehungen bewältigt)


Ich glaube, dass weder das Leben noch die Geschichte einen letzten Sinn hat, der seinerseits dem Leben des Einzelnen Bedeutung verleihen oder sein Leiden rechtfertigen könnte. Angesichts der Widersprüche und Schwächen, die der Existenz des Menschen anhaften, ist es nur allzu natürlich, dass er nach einem »Absoluten« sucht, das ihm die Illusion der Gewissheit gibt und die Last der Konflikte, des Zweifels und der Verantwortung von seinen Schultern nimmt. Aber ein Gott, weder im theologischen noch im philosophischen noch auch im historischen Gewand, errettet oder verdammt den Menschen.
Nur der Mensch allein kann für sein Leben ein Ziel und die Mittel zur Verwirklichung dieses Ziels finden. Er kann keine rettende letzte oder absolute Antwort finden, aber er kann nach seiner Intensität, Tiefe und Klarheit des Erlebens streben, die ihm die Kraft verleiht, ohne Illusionen zu leben und frei zu sein.

Erich Fromm (1900 - 1980)
aus: "Jenseits der Illusionen", Die Bedeutung von Marx und Freud, 12 Credo,
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2006, S. 194


Eine Veranlagung zu Herrschaft und Egoismus wird man nicht automatisch durch religiöse Bekehrung los, im Gegenteil, es liegt auf der Hand, dass infolge der Illusion, eine Wiedergeburt erlebt zu haben, angeborene Untugenden unter Umständen nur noch üppiger gedeihen, wenn auch vielleicht in verfeinerter Form.

George Orwell (1903 - 1950)



Kritische Sprüche                           


Ich tue als ein guter Christ
Nicht mehr, als mir befohlen ist.

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
der wollte keine Knechte!

Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.

Wer's kann tut's, wer's nicht kann lehrt's.

Wer's nicht glaubt, ist drum kein Ketzer.

Es sind nicht alle fromm, die in die Kirche gehen.

Wer sich an die Kirche lehnt, dem
fällt leicht ein Götze auf den Kopf.






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