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» Religion und Kirche « - ein Zitate-Archiv

Teil 2:  Zitate zu 'Gott und Kirche'



Gott schläft im Stein (Atom)
atmet in der Blume (Licht und Luft)
träumt im Tier (Instinkt)
wacht auf im Menschen (Vernunft).

Indische Weisheit


Ich suche in mir den Gott, den ich außer mir überall finde.

Johannes Kepler, Naturforscher (1571-1630)


Voltaire und Diderot diskutierten über die Religion. "Wenn es keinen Gott gäbe", sagte Voltaire, "müsste man ihn erfinden." "Was man ja auch tat", erwiderte Diderot.

Tiere haben Menschen gegenüber folgende Vorteile: Sie hören niemals die Uhr schlagen, sie sterben, ohne zu wissen, was der Tod überhaupt ist, sie haben keine Theologen, die ihnen Ratschläge geben.

Es gibt ein Recht auf Blasphemie, sonst gibt es keine wahre Freiheit.

Voltaire, Philosoph (1694-1778)


Die schönste Frucht der Selbstgenügsamkeit ist die Freiheit.

Das schauerlichste Übel, der Tod, geht uns nichts an, weil, solange wir sind, der Tod nicht da ist; ist er aber da, so sind wir nicht mehr.

Man soll sich vor keinem Gott fürchten, sondern sich frei machen vom Wahnglauben.

Epikur, Philosoph (341 - 271 v. Chr.):


Das höchste Gut ist nicht möglich, ohne drei theoretische Begriffe vorauszusetzen: nämlich Freiheit, Unsterblichkeit und Gott.

Es soll hier nur so viel gesagt werden: dass die Furcht zwar zuerst Götter (Dämonen), aber die Vernunft mit ihren moralischen Prinzipien zuerst den Begriff von Gott hervorbringen konnte.

Das höchste Wesen bleibt also ein bloßes, aber doch fehlerfreies Ideal, ein Begriff, welcher die ganze menschliche Erkenntnis schließt und krönt.

Gott ist nicht ein Wesen außerhalb mir, sondern ein notwendig Ding meines Gemüts, letzten Endes ein Gedanke in mir.

Keiner kann einer Sache gewiss sein, wenn nicht Gegengründe rege gemacht worden sind.

Das sittliche Handeln und die sittliche Wertschätzung ist von dem Glauben an die Existenz eines Gottes unabhängig.

Dass Tugend erworben werden müsse und nicht angeboren sei, liegt schon in dem Begriffe derselben. Denn das sittliche Vermögen des Menschen wäre nicht Tugend, wenn es nicht durch die Stärke des Vorsatzes in dem Streit mit so mächtigen entgegenstehenden Neigungen hervorgebracht wäre. - Sie ist das Produkt der Vernunft.

Immanuel Kant, Philosoph (1724 - 1804)


In einer Welt, die eine Gottheit nach einem Plane erschaffen oder in der eine Gottheit außerhalb des Menschen in irgend einem Sinne über Zukünftiges verfügt, ist der Mensch als sittliches Wesen, als Person vernichtet.

Max Scheler, Philosoph (1874-1928)


Die Einsicht in die Unfähigkeit, Gott zu erkennen, hat zu allen Zeiten Menschen in tiefste Verzweiflung gestürzt. Im achtzehnten Jahrhundert führte Kant den Nachweis, dass menschliche Vernunft nichts ausmachen könne über die Existenz Gottes; das brachte ihm den Namen "Alleszermalmer" ein, weil viele sich hierdurch zermalmt fühlten. ... Epikur und die Seinen stellten hingegen die freundlichere Seite der Unerforschlichkeit des Alls ins Licht.

Ludwig Marcuse, Philosoph (1894 - 1971)


Wär' einer droben in Wolkenhöh'n
Und würde das Schauspiel mit anseh'n,
Wie mitleidlos, wie teuflisch wild
Tier gegen Tier und Menschenbild,
Mensch gegen Tier und Menschenbild
Wütet mit Zahn, mit Gift, mit Stahl,
Mit ausgesonnener Folterqual,
Sein Vaterherz würd' es nicht ertragen;
Mit Donnerkeilen würd' er drein schlagen;
Mit tausend heiligen Donnerwettern
Würd' er die Henkersknechte zerschmettern

Friedrich Theodor Vischer, Dichter (1807-1887)


Die einzige Entschuldigung für Gott ist die, dass es ihn nicht gibt.

Stendhal (Marie Henri Beyle), Schriftsteller (1783-1842)


Der Gott, der Auschwitz zugelassen hat, kann nur unmoralisch sein oder gar nicht existieren.

Aus einem Fernseh-Interwiev 1990


Gott ist die aufs Lächerlichste vermenschlichte Erfindung der ganzen Menschheit. In den Jahrmilliarden, die unsere Erde alt ist, sollte sich Gott erst vor 4000 Jahren den Juden und vor knapp 2000 Jahren den Christen offenbart haben, mit deutlicher Bevorzugung der weißen Rasse unter Vernachlässigung der Schwarzen, der Gelben und der Rothäute? Auf solche Märchen kann ich mühelos verzichten.

Claire Goll, Dichterin (geb. 1891)


Der da bei Weihrauch und bei Kerzenscheine
Sich gängeln lässt durch Murmeln und durch Bücken,
Der wandelbare Gott ist nicht der meine.
Den Willen meines Gottes kann nichts verrücken,
Mein Gott ist das Gesetz, das ewig Eine!
Zerschellt ihr des Gebetes morsche Krücken!

Oskar von Redwitz, Schriftsteller (geb. 1823)


Er (Gott) wird ihnen, besonders den Geistlichen, die ihn täglich im Munde führen, zu einer Phrase, zu einem bloßen Namen, wobei sie sich auch gar nichts denken. Wären sie aber durchdrungen von seiner Größe, sie würden verstummen und ihn vor Verehrung nicht nennen mögen.

Johann Peter Eckermann, Schriftsteller (1792-1854)


Es ist der Glaub' ein schöner Regenbogen,
Der zwischen Erd' und Himmel aufgezogen,
Ein Trost für alle, doch für jeden Wandrer,
Je nach der Stelle, da er steht, ein andrer.

Was einst Trost und Heil der Massen,
Ward zur Satzung dumpf und schwer;
Dieser Kirche Formen fassen
Dein Geheimnis, Herr, nicht mehr.

Statt sich des Wissens der Welt zu bemächtigen, zieht sich die Kirche
von den Gedanken des Tages weiter und weiter zurück,
lebt in vergangener Zeit und spricht in verschollenen Zungen,
ach, und verwundert sich dann, dass sie der Tag nicht versteht.

Emanuel Geibel, Dichter (1815-1884)


Heil einer Religion, die dem leidenden Menschengeschlecht in den bittern Kelch einige süße, einschläfernde Tropfen goss, geistiges Opium, einige Tropfen Liebe, Hoffnung und Glauben!

(aus der 1840 verfassten Denkschrift für Ludwig Börne)

Heinrich Heine, Dichter (1797-1856)


Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.

(aus der Einleitung zu: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie; in: Deutsch-Französische Jahrbücher 1844)

Karl Marx, Philosoph (1818 - 1883)


Wer sein Leben lang schafft und darbt, den lehrt die Religion Demut und Geduld im irdischen Leben und vertröstet ihn auf den himmlischen Lohn. Wer aber von fremder Hände Arbeit lebt, den lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden; sie bietet ihm eine wohlfeile Rechtfertigung für sein Ausbeuterdasein und verkauft zu billigen Preisen Eintrittskarten zur himmlischen Seligkeit. Die Religion ist das Opium für das Volk. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz, ihren Anspruch auf ein auch nur halbwegs menschenwürdiges Dasein ersäufen.

(aus: Sozialismus und Religion, 1905)

Wladimir Iljitsch Lenin (1870 - 1924)


Die Kultur muss begreifen, dass sie mit dem Versuch, das Christentum zu absorbieren, etwas für sie selbst Tödliches absorbiert. Sie versucht, etwas zuzulassen, das sie nicht zulassen kann; etwas, das sie verneint.

Andre Gide, Schriftsteller (1869-1951)


Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Um einen Anfang zu machen, muss sie alles Eigentum den Notleidenden schenken. Die Pfarrer müssen ausschließlich von den freiwilligen Gaben der Gemeinde leben, eventuell einen weltlichen Beruf ausüben. Sie muss an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und dienend.

Gott ist nur eine Arbeitshypothese. Es zeigt sich, dass alles auch ohne Gott geht und zwar ebenso gut wie vorher.

Dietrich Bonhoeffer, Theologe (1906-1945)


Gott ist nur der Name, den Menschen dem geben, was sie nicht verstehen.

Stephen W. Hawkin, Physiker und Mathematiker (geb. 1942)


Gott ist immer der Verbündete der Herrschenden.

Nachdem ich von der Liebe zu Gott gesprochen habe, möchte ich klarstellen, dass ich persönlich nicht in theistischen Konzepten denke und dass der Gottes b e g r i f f  für mich nur historisch bedingt ist; in ihm hat der Mensch das Erlebnis seiner höchsten Kräfte und sein Streben nach Wahrheit und Einheit in einer bestimmten historischen Periode ausgedrückt. Ich glaube aber auch, dass die Konsequenzen des konsequenten Monotheismus und eines nicht-theistischen Erlebnisses der spirituellen Realität zwei Konzepte sind, die zwar verschieden sind, sich aber gegenseitig nicht bekämpfen müssen.

Erich Fromm, Psychoanalytiker (1900-1980)


Alle gesunden Menschen haben die Überzeugung eines Daseins und eines Daseienden um sich her. Indessen gibt es auch einen hohlen Fleck im Gehirn, das heißt eine Stelle, wo sich kein Gegenstand abspiegelt. Wird der Mensch auf diese Stelle besonders aufmerksam, vertieft er sich darin, so verfällt er in eine Geisteskrankheit, ahnet hier Dinge aus einer anderen Welt, die aber eigentlich Undinge sind.

(Goethe, Diwan IV 1816)

Dich vermag aus Glaubensketten
der Verstand allein zu retten.


Unsterblich ist die Pfaffenlist. ...nennen sich Christen, und unter ihrem Schafspelz sind sie reißende Wölfe.

Du nennst das Evangelium die göttlichste Wahrheit? Mich würde eine vernehmliche Stimme aus dem Himmel nicht überzeugen, dass das Wasser brennt und das Feuer löscht und ein Weib ohne Mann gebärt und ein Toter aufersteht; vielmehr halte ich dies für Lästerungen gegen den großen Gott und seine Offenbarung in der Natur. In diesem Glauben ist es mir ebenso heftig ernst wie Dir in dem Deinen.

(Goethe an Lavater 9.8.1782)


Man muss etwas zu sagen haben, wenn man reden will. Ich bedaure immer unsere guten Kanzelmänner, welche sich seit 2000 Jahren durchgedroschene Garben zum Gegenstand ihrer Tätigkeit wählen müssen.

(Goethe an Fr. von Müller 16.8.1798)


Die Kirche hat einen guten Magen,
Hat ganze Länder aufgefressen
Und doch noch nie sich übergessen;
Die Kirch' allein meine lieben Frauen,
Kann ungerechtes Gut verdauen.


Ist denn so groß das Geheimnis, was Gott und der Mensch und die Welt sei? - Nein!
Doch niemand hört's gerne; da bleibt es geheim.

(Venetianische Epigramme 1790)


Zwar überließ ich gern einem jeden, wie er sich das Rätsel seines Lebens zurechtlegen und ausbilden wolle. Aber die Art, auf einem abenteuerlichen Lebensgange alles, was uns vernünftigerweise Gutes begegnet, einer unmittelbaren göttlichen Einwirkung zuzuschreiben, erschien mir doch zu anmaßlich, und die Vorstellungsart alles, was aus unserem Leichtsinn und Dünkel übereilt oder vernachlässigt, schlimme, schwer zu ertragende Folgen hat, gleichfalls für eine göttliche Pädagogik zu halten, wollte mir auch nicht in den Sinn.

(Dichtung und Wahrheit XVI 1775)


Die Bauart der Markuskirche in Venedig ist jeden Unsinns wert, der damals darinne gelehrt oder getrieben sein mag. Alle diese Bemühungen, eine Lüge geltend zu machen, kommen mir schal vor, und die Mummereien, die für Kinder und sinnliche Menschen etwas Imposantes haben, erscheinen mir, auch sogar, wenn ich die Sache als Künstler und Dichter ansehe, abgeschmackt und klein.

Vom Theater und den kirchlichen Zeremonien bin ich gleich übel erbaut, die Schauspieler geben sich viel Mühe um Freude, die Pfaffen, um Andacht zu erregen, und beide wirken nur auf eine Klasse, zu der ich nicht gehöre.

(an Karl August, Rom 3.2.1787)


Glaubt nicht, dass ich fasele, dass ich dichte;
Geht hin und findet mir andre Gestalt!
Es ist die ganze Kirchengeschichte
Mischmasch von Irrtum und von Gewalt.

(Zahme Xenien 9)


Dem auserwählten Volke wollen wir die Abstammung von Adam keineswegs streitig machen. Wir anderen aber ... hatten gewiss auch andere Urväter.

(an Eckermann)

Die Beschäftigung mit Unsterblichkeitsideen ist für vornehme Stände und besonders für Frauenzimmer, die nichts zu tun haben. Ein tüchtiger Mensch aber, der schon hier etwas Ordentliches zu sein gedenkt und der daher täglich zu wirken hat, lässt die künftige Welt auf sich beruhen und ist tätig und nützlich in dieser.

(zu Eckermann am 25.2.1824)

Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche. Aber sie will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.

Es ist erbärmlich anzusehen, wie die Menschen nach Wundern schnappen, um nur in ihrem Unsinn und Albernheiten beharren zu dürfen und sich gegen die Obermacht des Menschenverstandes und der Vernunft wehren zu können.

(an Jacobi 1.6.1791)


Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.

(Faust 1)


Mit Kirchengeschichte was hab' ich zu schaffen?
Ich sehe weiter nichts als Pfaffen;
Wie's um die Christen steht, die Gemeinen,
Davon will mir gar nichts erscheinen.
Das könnte mich zur Verzweiflung treiben.
Wenn von dem Volk, das mich hier bedrängt,
Auch würde die Ewigkeit eingeengt.
Das wäre doch nur der alte Patsch
Droben gäb's nur verklärten Klatsch.


Ich bin nun einmal einer der ephesischen Goldschmiede, der sein ganzes Leben im Anschauen und Anstaunen und Verehrung des wunderwürdigen Tempels der Göttin Natur und in Nachbildung ihrer geheimnisvollen Gestaltung zugebracht hat und dem es unmöglich eine angenehme Empfindung erregen kann, wenn irgendein Apostel seinen Mitbürgern einen anderen und noch dazu formlosen Gott aufdrängen will.

(an Jacobi 10.5.1812)


Wie einer ist, so ist sein Gott;
Darum ward Gott so oft zum Spott.
Den deutschen Mannen gereicht es zum Ruhm,
dass sie gehasst das Christentum,
bis Herrn Carolus' leidigem Degen
die edlen Sachsen unterlegen.
Doch haben sie lange genug gerungen,
bis endlich die Pfaffen sie bezwungen
und sie sich unters Joch geduckt.

(Zahme Xenien 1815)


Viele folgen dir gläubig und haben des Lebens rechte Wege verfehlt, wie es dir selber erging. - Folgen mag ich dir nicht; ich möchte dem Ende der Tage als ein vernünftiger Mann, als ein vergnügter mich nahen.

(Venetianische Epigramme 1790)


Der Erdenkreis ist mir genug bekannt,
Nach drüben ist die Aussicht mir verrannt;
Tor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet,
Sich über Wolken seinesgleichen dichtet!
Er stehe fest und sehe hier sich um:
Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm!
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen!
Was er erkennt, lässt sich ergreifen.
Wenn Geister spuken geh' er seinen Gang,
Im Weiterschreiten find' er Qual und Glück,
Er! unbefriedigt jeden Augenblick!

(Faust 2)


Ich bin, indem ich den patriarchalischen Überresten nachspürte, in das alte Testament geraten und habe mich aufs neue nicht genug über die Konfusion und die Widersprüche der fünf Bücher Mosis verwundern können, die denn freilich - wie bekannt - aus hunderterlei schriftlichen und mündlichen Traditionen zusammengestellt sein mögen.

(an Schiller 12.4.1797)


Ich glaubte an Gott und die Natur und den Sieg des Edlen über das Schlechte; aber das war den frommen Seelen nicht genug; ich sollte auch glauben, dass Drei Eins sei und Eins Drei; das aber widerstrebte dem Wahrheitsgefühl meiner Seele; auch sah ich nicht ein, dass mir damit auch nur im mindesten wäre geholfen gewesen.


Vieles kann ich ertragen. Die meisten beschwerlichen Dinge
Duld ich mit ruhigem Mut, wie es ein Gott mir gebeut.
Wenige sind mir jedoch wie Gift und Schlange zuwider
Viere: Rauch des Tabaks, Wanzen und Knoblauch und Kreuz.


Mir willst du zum Gotte machen
Solch ein Jammerbild am Holze!


Das leidige Marterholz, das Widerwärtigste unter der Sonne, sollte kein vernünftiger Mensch auszugraben und aufzupflanzen bemüht sein. Das war ein Werk für eine bigotte Kaiserin-Mutter; wir sollten uns schämen, ihre Schleppe zu tragen.

Es werden wohl noch zehntausend Jahre ins Land gehen, und das Märchen vom Jesus Christus wird immer noch dafür sorgen, dass keiner so richtig zu Verstande kommt.

Wer das höchste will, muss das Ganze wollen, wer vom Geiste handelt, muss die Natur, wer von der Natur spricht, muss den Geist voraussetzen oder im stillen mitverstehen.

Eine jede Idee tritt als ein fremder Gast in die Erscheinung, und wie sie sich zu realisieren beginnt, ist sie kaum von Phantasie und Phantasterei zu unterscheiden.

Jede große Idee, die als ein Evangelium in die Welt tritt, wird dem stockenden Volke ein Ärgernis und einem Viel-, aber Leichtgebildeten eine Torheit.

Die Teile habt ihr in der Hand, allein es fehlt das geistige Band.


Freunde, flieht die dunkle Kammer,
Wo man euch das Licht verzwickt
Und mit kümmerlichstem Jammer
Sich verschrobnen Bildern bückt.
Abergläubische Verehrer
Gab's die Jahre her genug,
In den Köpfen eurer Lehrer
Lasst Gespenst und Wahn und Trug.

(Zahme Xenien VI.)

Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn', als euch Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Euere Majestät,
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.

(Prometheus, 2. Vers)

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


"Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden. Auch ein Individuum, das seinen körperlichen Tod überdauert, mag und kann ich mir nicht denken; mögen schwache Seelen aus Angst oder lächerlichem Egoismus solche Gedanken nähren." (Wie ich die Welt sehe, um 1930)

"An der Wiege des religiösen Denkens und Erlebens stehen die verschiedensten Gefühle. Beim Primitiven ist es in erster Linie die Furcht, die religiöse Gefühle hervorruft. Sie werden schwerlich einen tiefer schürfenden wissenschaftlichen Geist finden, dem nicht eine eigentümliche Religiosität eigen ist. Diese Religiosität unterscheidet sich aber von derjenigen des naiven Menschen. Letzterem ist Gott ein Wesen, von dessen Sorgfalt man hofft, dessen Strafe man fürchtet - ein sublimiertes Gefühl von der Art der Beziehung des Kindes zum Vater. Der Forscher ist aber von der Kausalität allen Geschehens durchdrungen. Seine Religiosität liegt im verzückten Staunen über die Harmonie der Naturgesetzlichkeit, in der sich so eine überlegene Vernunft offenbart, dass alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist. Sie werden schwerlich einen tiefer schürfenden Geist finden, dem nicht eine eigentümliche Religiosität eigen ist."

"Ich bin nicht der Meinung, dass man im Kampf um eine bessere Welt den Namen Gottes ins Spiel bringen sollte. Das ist, wie mir scheint, mit der Integrität eines modernen, gebildeten Menschen nicht vereinbar. Überdies zeigt die Geschichte, dass jede Partei glaubt oder andere davon zu überzeugen sucht, dass Gott auf ihrer Seite stehe. Dadurch werden rationales Verständnis und Verhalten nur noch erschwert. Unablässige, ehrliche Erziehungsarbeit für eine moralisch fundierte, tolerante Geisteshaltung ist der einzige Weg zu einem glücklicheren Leben." (1953)

"Wenn man das Judentum der Propheten und das Christentum, wie es Jesus Christus gelehrt hat, von allen Zutaten der Späteren, insbesondere der Priester, loslöst, so bleibt die Lehre übrig, die die Menschheit von allen sozialen Krankheiten zu heilen imstande wäre."

"Was uns der Erfindergeist der Menschen in den letzten hundert Jahren geschenkt hat, vermöchte das Leben sorglos und glücklich zu gestalten, wenn die organisatorische Entwicklung mit der technischen hätte Schritt halten können. So aber nimmt sich das mühsam Errungene in der Hand unserer Generation aus wie ein Rasiermesser in der Hand eines dreijährigen Kindes. Der Besitz von wunderbaren Produktionsmitteln brachte nicht Freiheit, sondern Sorge und Hunger. [...] Der Widerstand gegen den unbedingt notwendigen Fortschritt liegt in unglücklichen Traditionen der Völker, die durch den Erziehungsapparat wie eine Erbkrankheit von Generation zu Generation fortgeschleppt werden."

Albert Einstein, Physiker (1879-1955)

Siehe auch » Albert Einsteins Weisheiten und Ansichten - Eine Zitate-Anthologie


Die Vorstellung, der Mensch sei das von Anfang an festgelegte Ziel aller Entwicklung, scheint mir das Paradigma jenes verblendeten Hochmuts, der vor dem Fall kommt. Wenn ich glauben müsste, dass ein allmächtiger Gott den heutigen Menschen, wie er durch den Durchschnitt unserer Spezies repräsentiert wird, absichtlich so geschaffen habe, wie er ist, würde ich fürwahr an Gott verzweifeln. Wenn dieses, in seinem kollektiven Tun oft nicht nur so böse, sondern auch so dumme Wesen das Ebenbild Gottes sein soll, muss ich sagen: »Welch trauriger Gott!«.

Konrad Lorenz (1903 - 1989) - aus: 'Der Abbau des Menschlichen' (Credo), R. Piper & Co. Verlag, München 1963


Es bedarf nichts als Geschwätz, um beim Volke Eindruck zu machen. Je weniger es begreift, desto mehr bewundert es. Unsere Väter und Lehrer haben oft nicht das gesagt, was sie dachten, sondern was ihnen die Umstände und das Bedürfnis in den Mund legten.

Gregor von Nazianz, Kirchenlehrer (geb. um 390)


Das Volk will durchaus, dass man es täusche, man kann auf andere Weise gar nicht mit ihm verkehren... Ich meinesteils werde stets Philosoph sein für mich, aber Priester in bezug auf das Volk.

Synesius von Cyrene, Bischof (um 400)


"Unser Vater" - du wagst ihn Vater zu nennen, der du deinem Bruder an die Kehle willst?

"Dein Name werde geheiligt" - kann Gottes Name mehr entheiligt werden als durch gegenseitigen Krieg?

"Dein Reich komme" - so betest du, der du deine Herrschaft auf Blutströme gründest?

"Dein Wille geschehe" - Frieden will Gott, du aber bereitest Krieg vor.

"Unser täglich Brot gib uns heute" - darum bittest du den Vater unser aller, der du die Saaten des Bruders versengst und auch deine Saat lieber zerstörst, als für den Nutzen des Bruders verbraucht sehen möchtest.

"Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern" - wie kannst du das sprechen, der du zum Morde eilst?

"Und führe uns nicht in Versuchung " - deinen Bruder aber führst du geflissentlich in Gefahr.

"Sondern erlöse uns von dem Bösen" - wie willst du das beten, der du darauf sinnest, dem Bruder das schlimmste Böse zuzufügen!

Erasmus von Rotterdam, Humanist (1466-1536)


Aus aller guter Leute Mund kann man hören, dass die heilige Schrift das Wort Gottes ist, welches den Menschen die wahre Glückseligkeit oder den Weg des Heils lehrt; indessen denken sie über die Sache selbst ganz anders. Denn die gewöhnlichen Menschen trachten, so scheint es wenigstens, nach nichts weniger als nach einem der heiligen Schrift entsprechenden Leben, vielmehr sehen wir, dass fast alle ihre Hirngespinste für Gottes Wort ausgeben und nur darauf bedacht sind, unter dem Deckmantel der Religion andere Leute zu zwingen, dass sie denken wie sie selbst.

Ich habe mich oft darüber gewundert, dass Leute, die sich rühmen, die christliche Religion zu bekennen, also Liebe, Freude, Frieden, Mäßigung und Treue gegen jedermann, dennoch in der feindseligsten Weise miteinander streiten und täglich den bittersten Hass gegeneinander auslassen. (Tractatus theologico-politicus)

Baruch de Spinoza, Philosoph (1632-1677)


... wie ist es denn nur möglich, dass die Christen, die dank einer Offenbarung ... so klar wissen können, man müsse auf das Laster verzichten, um für ewig glücklich und nicht für ewig unglücklich zu sein; die so ausgezeichnete Prediger unterhalten ..., die überall so viele von (religiösem) Eifer erfüllte und weise Beichtväter zur Verfügung haben und so viele fromme Bücher; wie, sage ich, ist es denn bei all diesem nur möglich, dass die Christen in den ungeheuerlichsten Ausschweifungen leben, wie sie tatsächlich tun?

Pierre Bayle, Philosoph (1647-1706)


Die Nöte in dieser Welt betrachtend, wird gesagt, man könne Gott nur noch eine von zwei Eigenschaften zuerkennen: entweder Allmacht oder Güte. Denn besäße er beide, würde er soviel Leid nicht dulden.

Für eine wachsende Zahl von Exegeten steht fest, dass der Jude Jesus nivcht im Traum und nicht am Kreuz daran gedacht hat und nicht daran gedacht haben kann, für die Menschheit zu sterben, mit seinem Tod alle zu erlösen, die an ihn glauben.

Rudolf Augstein (aus: DER SPIEGEL 21/1999)


Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag            

Zweitausend Jahre sind es fast,
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!

Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wusstest, wie das Elend tut,
und wolltest alle Menschen gut,
damit es schöner werden!

Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!

Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.
Bis man an dir, weil nichts verfing,
Justizmord kurzerhand beging.
Es war genau wie heute.

Die Menschen werden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit,
trotz allem Händefalten.
Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst. Und alles blieb
beim alten.


Neues vom Tage

Da hilft kein Zorn. Da hilft kein Spott.
Da hilft kein Weinen, hilft kein Beten.
Die Nachricht stimmt! Der liebe Gott
ist aus der Kirche ausgetreten.

Erich Kästner, Schriftsteller (1899-1974)

Replik von Johannes Glötzner:

Erich Kästner täuschte sich in seinem Gedicht "Neues vom Tage" mit der Behauptung, der liebe Gott sei aus der Kirche ausgetreten. - Er war nie drin.


Nein, nichts ist deutlicher, als dass Jesus gar nicht daran gedacht hat, eine Kirche zu gründen.

Heinrich Weinel, Theologe (geb. 1874)


Der Satz: "Ich bin der Sohn Gottes", ist von Jesu selbst nicht in sein Evangelium eingerückt worden, und wer ihn als einen Satz neben den anderen dort einstellt, fügt dem Evangelium etwas hinzu.

Der römische Katholizismus als äußere Kirche, als ein Staat des Rechts und der Gewalt, hat mit dem Evangelium nichts zu tun, ja widerspricht ihm grundsätzlich.

Das (Abendmahl) war eine von unzähligen (heidnischen) Mysterien her geläufige Sache.

Die alten Götter ziehen ein, nur mit neuen Masken.

....gerade die paradoxesten Glaubenssätze, welche jeder Erfahrung und vernünftiger Überlegung spotten, sind die willkommensten; denn sie scheinen die Gewähr zu bieten, dass hier nicht nur Menschliches und daher Unzuverlässiges dargereicht wird, sondern göttliche Weisheit.

Der Antijudaismus ist in der Kirche immer heftiger geworden.

Adolf Harnack, Theologe (1851-1930)


Warum schrieb Christus nicht, wenn er die Evangelien wollte?

In der Kirche weiß jeder die 10 Gebote, aber auf der Straße weiß er immer nur 9, dasjenige, an das er sich gerade erinnern sollte, ist vergessen.

Das Christentum ist das Blatterngift der Menschheit. Es ist die Wurzel alles Zwiespalts, aller Schlaffheit, der letzten Jahrhunderte vorzüglich.

Friedrich Hebbel, Dichter (1813-1863)



Die Religion kann nie schlimmer sinken, als wenn sie solchermaßen zur Staatsreligion erhoben wird; es geht dann gleichsam ihre innere Unschuld verloren, und sie wird so öffentlich stolz wie eine deklarierte Maitresse.

Wer mit Pfaffen kämpft, der mache sich darauf gefasst, dass der beste Lug und die triftigsten Verleumdungen seinen armen guten Namen zerfetzen und schwärzen werden.

In die Kirche ging ich morgens, um Komödien zu schauen,
Abends ins Theater, um mich an der Predigt zu erbauen.

Ein katholischer Pfaffe wandelt einher, als wenn ihm der Himmel gehöre; ein protestantischer Pfaffe hingegen geht herum, als wenn er den Himmel gepachtet habe.

"Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
gerühret von ihrem Spiele...
Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ewgen Wonnen.
Sie sang das alte Entsagungslied,
das Eiapopeia vom Himmel,
womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser."

Es gibt schmutzige Ideenfamilien; zertritt man eine dieser Ideenwanzen, so lässt sie einen Gestank zurück, der jahrtausende lang riechbar ist. Eine solche ist das Christentum, das schon vor 1800 Jahren zertreten worden und das uns armen Juden seit der Zeit noch immer die Luft verpestet.

...der Teufel, der Adel und die Jesuiten existieren nur so lange, als man an sie glaubt.

Wahrlich, Rom, der Herkules unter den Völkern, wurde durch das judäische Gift so wirksam verzehrt, dass Helm und Harnisch seinen welkenden Gliedern entsanken, und seine imperatorische Schlachtstimme herabsiechte zu einem betenden Pfaffengewimmer und Kastratengetriller.

Einst war es freilich anders, da ließ sich keiner einfallen, die Lehre und die Feier seiner Religion besonders anzupreisen, oder gar sie jemand aufzudrängen ... einem Griechen wäre es ein Greuel gewesen, wenn ein Fremder, der nicht von seinem Geschlechte, eine Religionsgemeinschaft mit ihm verlangt hätte; noch mehr würde er es für eine Unmenschlichkeit gehalten haben, irgendjemand durch Gewalt oder List dahin zu bringen, seine angeborene Religion aufzugeben und eine fremde dafür anzunehmen. Da kam aber ein Volk aus Ägypten, dem Vaterland der Krokodile und des Priestertums, und außer den Hautkrankheiten und den gestohlenen Gold- und Silbergeräten brachte es auch eine sogenannte positive Religion mit, eine sogenannte Kirche, ein Gerüste von Dogmen, an die man glauben, und heilige Zeremonien, die man feiern musste, ein Vorbild der späteren Staatsreligion. Nun entstand die "Menschenmäkelei", das Proselytenmachen (Anmerkung: Proselytenmacher = zudringlicher Bekehrer), der Glaubenszwang und alle jene heiligen Greuel, die dem Menschengeschlechte soviel Blut und Tränen gekostet. ... Gäbe es keine solche Staatsreligion, keine Bevorrechtung eines Dogmas und eines Kultus, so wäre Deutschland einig und stark, und seine Söhne wären herrlich und frei. So aber ist unser armes Vaterland zerrissen durch Glaubenszwiespalt, das Volk ist getrennt in feindliche Religionsparteien ... überall Misstrauen ... überall Verketzerung, Gesinnungsspionage ... Kirchenzeitungsschnüffeleien, Sektenhass, Bekehrungssucht, und während wir über den Himmel streiten, gehen wir auf Erden zugrunde.

Christentum, Religion überhaupt ist ihm nicht bloß ein Greuel, es ist ihm ein Ekel.
(Ludwig Börne über Heinrich Heine, Paris, 27.10.1831)

Heinrich Heine, Dichter (1797-1856)


Gregor VII. kümmerten [nicht] die Liebesseufzer der kranken Nonnen, die verstohlenen Wege der Ordensbrüder, die stummen und lauten Sünden der Geistlichen, die durch sie gekränkten Ehen... und jede andere Verwirrung nicht, die daraus erwachsen musste; im Buch der Geschichte aber liegen die Folgen davon klar am Tage.

Durch Waffen werden Irrtümer weder bestritten, noch ausgerottet; der schlechteste Wahn hingegen dünkt sich eine Märtyrerwahrheit, sobald er mit Blut gefärbt dasteht.

Eine Verfolgung indessen, wie man in späteren Zeiten z.B. gegen die Sachsen, Albigenser, Waldenser, Hugenotten, Preußen und Liven vornahm, ist gegen sie nie ergangen; Religionskriege der Art lagen nicht in der römischen Denkweise.

Johann Gottfried Herder, Theologe (1744-1803)


Es gibt keine unbegrenztere Despotie als die der Mönche. Welche schreckliche Vorstellung, dass derselbe Mensch, der sowohl von Sünden freisprechen wie nach Belieben den Trost eines zukünftigen glücklicheren Lebens entziehen kann, auch Herr und Gebieter über eure geringfügigsten Handlungen ist.

Keine Religion predigt die Unmoral; aber sicher ist, dass von allen existierenden die christliche Religion diejenige ist, unter deren Maske die Menschen am unglücklichsten werden. - So steigert sich der Hass gegen eine Menschenklasse, die unter dem Anschein, den Indios Gutes zu tun, ihnen ihren Besitz gewaltsam wegnimmt und sie glauben macht, es sei eine Sünde, sich darüber zu beklagen.

Alexander von Humboldt, Naturforscher (1769-1859)


Das Mönchtum ist in seinem Ursprung eine höchst komplexe Erscheinung, aber in seiner Wirkung nichts anderes als das Asyl, in das sich das alte, vereinseitigte christliche Ideal geflüchtet hat.

Schließlich steht es bei den Christen äußerlich und tatsächlich genau so wie bei den Nichtchristen (mit dem Reichtum).

Alle in theologischen Werken üblichen Verherrlichungen des Christentums, dass es im Mittelalter wenigstens die Sklaverei abgeschafft habe, beruhen auf krasser Unwissenheit oder verlogender Apologetik. Ungefähr das Gegenteil ist wahr...Wo sie in Europa aufhörte, sind politische und ökonomische Verhältnisse die Ursache; niemals aber ein Verbot der Kirche. Ja, die Sklaverei nimmt in Südeuropa gegen Ende des Mittelalters einen Aufschwung, und die Kirche ist nicht bloß am Sklavenbesitz beteiligt, sondern verhängt auch geradezu Versklavung als Strafe in den verschiedensten Fällen.

Ernst Troeltsch, Theologe (geb. 1865)


Die Bibel - und zwar nicht nur das Alte, sondern auch das Neue Testament - ist in zentralen Teilen ein gewalttätig-inhumanes Buch, als Grundlage einer heute verantwortbaren Ethik ungeeignet.

Franz Buggle, Psychologe (geb.1933)


Würde der Mensch heute den Lehren des Alten Testaments folgen,
dann wäre er ein Krimineller.
Würde er den Lehren des Neuen Testaments genau folgen,
dann wäre er ein Verrückter.

Gotteslästerung ist ein Urteil, das vom Aberglauben
über den gesunden Menschenverstand verhängt wird.

In der Natur gibt es weder Belohnung noch Bestrafung -
da gibt es nur Konsequenzen.

Robert Green Ingersoll, Schriftsteller (1833-1899)


Die Unwissenschaftlichkeit ist der Boden der Inhumanität.

Karl Jaspers, Philosoph (1883-1969), - nach 1945


Das Beste an der Religion ist, dass sie Ketzer schafft.

Das Beste, was das Christentum hervorgebracht hat, sind seine Ketzer.

Ernst Bloch, Philosoph (1885-1977)


Der Jesus von Nazareth, der als Messias auftrat, die Sittlichkeit des Gottesreiches verkündete, das Himmelreich auf Erden gründete und starb, um seinen Werken die Weihe zu geben, hat nie existiert.

Der Anfang der Weisheit über Jesus - und zugleich der Anfang der Ehrfurcht, die wir ihm schulden - ist, dass wir von ihm ohne Phrasen reden.

Alles Tiefe ist zugleich ein Einfaches und lässt sich als solches wiedergeben, wenn nur die Beziehung auf die ganze Wirklichkeit gewahrt ist.

Jede tiefere Religiosität wird denkend, jedes wahrhaft tiefe Denken wird religiös.

Leben braucht Ehrfurcht, die ins Grenzenlose erweiterte Verantwortung für alles, was lebt.

Dass das Aufkommen des elementaren, zur ethisch-religiösen Idee der Ehrfurcht vor dem Leben gelangenden Denkens dazu beitrage, das Christentum und das Denken einander näherzubringen, ist meine Hoffnung.

Das Christentum bedarf des Denkens, um zum Bewusstsein seiner selbst zu gelangen. Jahrhundertelang hatte es das Gebot der Liebe und der Barmherzigkeit als überlieferte Wahrheit in sich getragen, ohne sich auf Grund desselben gegen die Sklaverei, die Hexenverbrennung, die Folter und so viele andere antike und mittelalterliche Unmenschlichkeiten aufzulehnen.

Albert Schweitzer, Theologe (1875-1965)


Ich frage mich vieles, vor allem das eine: Wie ist es möglich, dass 800 Millionen Christen diese Welt so wenig zu verändern vermögen, eine Welt des Terrors, der Unterdrückung, der Angst.

Heinrich Böll, Schriftsteller (1917-1985)



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