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» Religion und Kirche « - ein Zitate-Archiv

Teil 4:  Zitate zu 'Dogma und Amtskirche' und

» Essay 'Dogma und Wahrheitsfindung'



Gönnt doch den Wahn dem armen Schlucker,
Der nur des Lebens Bitterkeit genießt!
Unsterblichkeit ist ja der Zucker,
Der ihm den herben Trank der Zeit versüßt.

Bist du schon gut, weil du gläubig bist?
Der Teufel ist sicher kein Atheist.

Paul Heyse, Dichter (1830-1914)


Der Glaube an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele ist ein Dogma, welches mit den sichersten Erfahrungssätzen der modernen Naturwissenschaft in unlösbarem Widerspruch steht. [Die Welträtsel, 1918, S. 222]

Das menschliche "Gemütsbedürfnis" hält den Unsterblichkeitsglauben besonders aus zwei Gründen fest, erstens in der Hoffnung auf ein besseres zukünftiges Leben im Jenseits und zweitens in der Hoffnung auf Wiedersehen der teueren Lieben und Freunde, welche uns der Tod hier entrissen hat. [ebenda, S. 218]

Die Vorstellungen der meisten Menschen über dieses "selige Leben im Jenseits" sind höchst seltsam und um so sonderbarer, als darin die "immaterielle Seele" sich an höchstmateriellen Genüssen erfreut. Die Phantasie jeder gläubigen Person gestaltet sich diese permanente Herrlichkeit entsprechend ihren persönlichen Wünschen. [ebernda, S. 219]

Kurz, jeder Gläubige erwartet von seinem ewigen Leben in Wahrheit eine direkte Fortsetzung seines individuellen Erdendaseins, nur in einer bedeutend "vermehrten und verbesserten Auflage". [ebenda, S. 219]

Ebenso unhaltbar erscheint uns heute im Lichte der reinen Vernunft der anthropistische Mythus vom "jüngsten Gericht", von der Scheidung aller Menschenseelen in zwei große Haufen, von denen der eine zu den  e w i g e n  Freuden des Paradieses, der andere zu den  e w i g e n  Qualen desr Hölle bestimmt ist - und das von einem persönlichen Gotte, welcher "der Vater der Liebe" ist! Hat doch dieser liebende Allvater selbst die Bedingungen der Vererbung und Anpassung "geschaffen", unter denen sich einerseits die bestvorzugten Glücklichen  n o t w e n d i g  zu straflosen Seeligen, andererseits die unglücklichen Armen und Elenden ebenso  n o t w e n d i g  zu strafwürdigen Verdammten entwickeln mussten. [ebena, S. 221/222]

Der christliche Glaube an die Schöpfung, die Dreieinigkeit Gottes, an die unbefleckte Empfängnis Mariä, an die Erlösung, die Auferstehung und Himmelfahrt Christi usw. ist ebenso reine Dichtung und kann ebensowenig mit der vernünftigen Naturerkenntnis in Einklang gebracht werden, als die verschiedenene Dogmen der mohammedanischen und mosaischen, der buddhistischen und brahmanischen Religion. Jede von diesen Religionen ist für den wahrhaft "Gläubigen" eine zweifellose Wahrheit, und jede von ihnen betrachtet jede andere Glaubenslehre als Ketzerei und verderblichen Irrtum. Je mehr eine bestimmte Konfession sich für die "allein selig machende" hält - für die "katholische" - und je inniger diese Überzeugung als heiligste Herzenssache verteidigt wird, desto eifriger muss sie naturgemäß alle anderen Konfessionen bekämpfen, und desto fanatischer gestalten sich die fürchterlichen Glaubenskriege, welche die traurigsten Blätter im Buche der Kulturgeschichte bilden. [ebenda, S. 325]

Ernst Haeckel, Naturforscher (1834-1919) - aus: Die Welträtsel


Wissenschaft kann nur aus der Selbständigkeit des Menschen ohne Autorität geschehen, Theologie ist keine Wissenschaft weil sie die Autorität als Inhalt ihres Denkens betrachtet.

Carl Friedrich von Weizsäcker, Physiker u. Philosoph (geb. 1912)


Aufklärung ist heute von größter Wichtigkeit, niemand kann etwas dabei zu befürchten haben, wenn es heller in den Köpfen der Menschen wird - als vielleicht diejenigen, deren Interesse es ist, dass es dunkel darin sei und bleibe. Sie werden auch künftig, wie bisher, ihr möglichstes tun, alle Öffnungen, Fenster und Ritzen, wodurch Licht in die Welt kommen kann, zu verbauen, zu vernageln und zuzustopfen.

Christoph Martin Wieland, Dichter (1733 - 1813)


Papst Johannes Paul II. hat 1981 den CERN besucht. Er fand unsere Forschung höchstinteressant und in keiner Weise im Konflikt mit der Bibel. Vor einigen Jahren hat der Vatikan eine Theologenkommission eingesetzt, die ebenfalls feststellte, dass weder die Urknall- noch die Evolutionstheorie der katholischen Schöpfungslehre widersprechen. Man dürfe die Urtexte der Bibel nur nicht zu eng interpretieren, und das Buch Genesis sei eher metaphorisch zu verstehen. Der Vorsitzende dieser Kommisssion war übrigens Kardinal Ratzinger, der heutige Papst. ...
Nach Ansicht der Kommission trägt Gott die Verantwortlichkeit für die Situation vor dem Urknall. Außerdem hat er die Naturgesetze geschaffen, die es der Materie ermöglichen, sich in einer Weise zu organisieren, die für die Entstehung und den Bestand lebender Organismen notwendig waren. Das ist eine für uns Physiker akzeptable Interpretation, da wir aus unseren heutigen Modellen nicht erkennen können, ob Gott während des Urknalls seine Hände im Spiel hatte. Es sieht aber ganz so aus, als hätte er sich danach mit seinen Eingriffen in die Natur sehr zurückgehalten.

Rolf Landua, Physiker, Abteilungsleiter am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) in Genf,
aus: »Am Rande der Dimensionen - Gespräche über die Physik am CERN«, Suhrkamp 2008, S. 90


Das Christentum ist nicht mehr der kulturelle Leim einer ganzen Gesellschaft, sondern nur noch ein Ferment darin. Ein Menschenrecht namens Religionsfreiheit hat sich durchgesetzt. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert ist es von Freigeistern, Aufklärern, Bürger- und Arbeitervereinen mühsam erkämpft worden - gegen erbitterten kirchlichen Widerstand. Seit aber die kirchliche Macht nicht mehr ausreicht, es zu verhindern, gehören die Kirchen zu denen, die es am lautesten für sich reklamieren. Wir wollen nur das Recht, unsern Glauben praktizieren zu dürfen wie jede andere Religionsgemeinschaft auch, beteuern sie. Doch wenn sie "Recht" sagen, meinen sie "Vorrecht". Eintreibung der Kirchensteuer durch den Staat, christlicher Religionsunterricht als reguläres Schulfach, konfessionsgebundene Theologie im gleichen wissenschaftlichen Rang an der Universität wie Physik, Mathematik oder Soziologie: all das, was in unserm Kulturkreis sämtlichen andern Glaubensgemeinschaften im Namen der Religionsfreiheit verwehrt wird und was die Großkirchen nur dürfen, weil sie es früher durften, als sie für das Menschenrecht der Religionsfreiheit noch der größte Hemmschuh waren, das soll ihnen selbstverständlich bleiben.

Christoph Türcke, Theologe


Wie der dogmatische Apparat ein Kerker für den Verstand ist, so ist die Beichte ein Kerker für den ganzen Menschen.

In Zeiten blinden und unwissenden Glaubens hat die Kirche festgesetzt, dass die Schriften, besonders die des Neuen Testaments, vollständig als authentisch und wahrhaftig zu gelten haben. Heute kann sie daher nicht mehr umkehren. Die Ergebnisse der modernen Wissenschaft müssen abgelehnt, als falsch bewiesen werden. Andererseits müssen die irrigen Entscheidungen der Kirche als wahr bewiesen werden. Deshalb muss man glauben, dass schwarz weiß ist.

...es überrascht, in welchem Ausmaß und mit welcher Peinlichkeit sich die führende Geistlichkeit mit solchen Fragen auseinandersetzt...Ohne weiteres kann man behaupten, dass es kaum ein unflätiges Buch gibt, das unter diesem Aspekt schlimmer wäre als eine moraltheologische Abhandlung.

Die Enzykliken gehen immer von abstrakten, ganz allgemeinen Betrachtungen aus. (Die Gewalt komme von Gott, nicht vom Volk... Gehorsam gegenüber der Obrigkeit sei notwendig; alle Übel rührten von der Trennung der Menschen von Gott und der Kirche her, usw.).

Wenn die Päpste dann zum Kern der Frage kommen, reden sie darumherum. Sie nennen kein wesentliches Mittel, das den Grund für die Missstände träfe.

Es ist eine Tatsache, dass niemals eine Verurteilung, niemals eine Exkommunizierung gegen das Regime Hitlers ausgesprochen worden ist, nicht einmal, als dieser und seine Partei in den Konzentrationslagern Millionen von Menschen umbrachten.

Alighiero Tondi, ehem. päpstl. Theologe



Neuer Glaube

(Dieses Gedicht fehlt in fast allen Ausgaben
von Storms "Sämtlichen Werken"!)

Größer werden die Menschen nicht.
Doch unter den Menschen
größer und größer wächst
die Welt des Gedankens.
Strengeres fordert jeglicher Tag
von den Lebenden.
Und so sehen es alle,
die zu sehen verstehen:

Aus dem Glauben des Kreuzes
bricht ein andrer hervor;
selbstloser und größer.
Dessen Gebot wird sein:
Edel lebe und schön,
ohne Hoffnung künftigen Seins
und ohne Vergeltung,
nur um der Schönheit des Lebens willen.

Kruzifixus

Am Kreuz hing sein gequält Gebeine,
Mit Blut besudelt und geschmäht,
Dann hat die stets jungfräulich reine
Natur das Schreckensbild verweht.

Doch die sich seine Jünger nannten,
Die formten es in Erz und Stein
Und stellten's in des Tempels Düster
Und in die lichte Flur hinein.

So, jedem reinen Aug' ein Schauder,
Ragt es hinein in unsere Zeit,
Verewigend den alten Frevel,
Ein Bild der Unversöhnlichkeit.

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Der Glaube ist zum Ruhen gut,
Doch bringt er nicht von der Stelle;
Der Zweifel in ehrlicher Männerfaust,
Der sprengt die Pforten der Hölle.


Ein Sterbender

Was ich gefehlt, des e i n e n bin ich frei;
Gefangen gab ich niemals die Vernunft,
Auch um die lockendste Verheißung nicht;
Was übrig ist, - ich harre in Geduld.

Auch bleib der Priester meinem Sarge fern;
Zwar sind es Worte, die der Wind verweht,
Doch will es sich nicht schicken, dass Protest
Gepredigt werde dem, was ich gewesen,
Indem ich ruh' im Bann des ew'gen Schweigens.

Theodor Storm, Dichter (1817-1888)



Wer am meisten weiß, am wenigsten glaubt.

Toskanisches Sprichwort


"Wer von der kausalen Gesetzmäßigkeit allen Geschehens durchdrungen ist, für den ist die Idee eines Wesens, welches in den Gang des Weltgeschehens eingreift, ganz unmöglich - vorausgesetzt allerdings, dass er es mit der Hypothese der Kausalität wirklich ernst meint. Die Furcht-Religion hat bei ihm keinen Platz, aber ebensowenig die soziale bzw. moralische Religion. Ein Gott, der belohnt und bestraft, ist für ihn schon darum undenkbar, weil der Mensch nach äußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit handelt, vom Standpunkt Gottes aus also nicht verantwortlich wäre, sowenig wie ein lebloser Gegenstand für die von ihm ausgeführten Bewegungen. Man hat deshalb schon der Wissenschaft vorgeworfen, dass sie die Moral untergrabe, jedoch gewiss mit Unrecht. Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten." [Mein Weltbild, Religion und Wissenschaft] (Nov. 1930)

"Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden. Auch ein Individuum, das seinen körperlichen Tod überdauert, mag und kann ich mir nicht denken; mögen schwache Seelen aus Angst oder lächerlichem Egoismus solche Gedanken nähren." [Mein Weltbild, Wie ich die Welt sehe] (um 1930)

"Jene mit tiefem Gefühl verbundene Überzeugung von einer überlegenen Vernunft, die sich in der erfahrbaren Welt offenbart, bildet meinen Gottesbegriff; man kann ihn also in der üblichen Ausdrucksweise als 'pantheistisch' (Spinoza) bezeichnen.
Konfessionelle Traditionen kann ich nur historisch und psychologisch betrachten; ich habe zu ihnen keine andere Beziehung." [Mein Weltbild, Über wissenschaftliche Wahrheit] (1922)

Albert Einstein (1879-1955)




Ideologiekritische Einsicht

Für einen wissenschaftlich arbeitenden Menschen, der alles versucht zu verstehen, das Leben, die Umwelt, die Menschen, ist die verklausulierte Religion keine Alternative. Aber für die Bereiche, wo es den Menschen versagt ist, die Zusammenhänge zu verstehen, kann die Religion ein Erklärungsersatz sein. Daneben hat die Religion noch den Nachteil, dass sie als frühere Staatsreligion Vereinscharakter bei uns hat mit Traditionen und Zeremonien und vielen alten Anschauungen. Der Mensch, der "immer strebend sich bemüht", braucht nicht unbedingt aktives Mitglied der Kirche zu sein, um Gemüt, Herz und Toleranz im Sinne der Menschlichkeit zu praktizieren. Ich finde, dass ich in meiner Freiheit (bes. geistiger) noch mehr beschränkt würde, was übrigens auch das machtorientierte Ziel aller Religionen bisher war, weil die Verwaltung und Organisation der Religionsgemeinschaften natürlich von Menschen (und nicht von Heiligen) durchgeführt wurde und wird.

Eberhard Liß (im Brief vom 29.10.1978 an die Eltern)



Essay von Eberhard Liß

Dogma und Wahrheitsfindung

1. Humanistische Kritik an dogmatischen Theorien und Ideologien

Der "glaubende" Mensch deutet das für ihn Unerklärliche mit angenommenen 'irrationalen' Behauptungen aus anthropozentrischer Sicht. Geglaubt werden unbeweisbare Postulate als 'göttliche Offenbarungen', z. B. übernommene Glaubenssätze traditioneller Religionen.
   Zur Beantwortung von Lebensfragen der Sinnsuche dienen auch transzendente Axiome neuerer Ideologien, die als "verführerische" Theorien machtpolitische Bedeutung mit gefährlichen Auswirkungen erlangen können.

Dogmatische Theorien basieren auf unwissenschaftlich (traditionell oder autoritär) definierten Grundsätzen, die nicht rational begründbar sind und nicht intersubjektiv überprüft werden können. Ideologien sind falsche Theorien über die Wirklichkeit (fiktive Weltanschauungen), die von partikulären Interessen ausgehend als dogmatische (unwissenschaftliche) Theorien propagiert werden und machtpolitisch (demagogisch) missbrauchbar sind.
   Eine Theorie ist genau dann "wissenschaftlich", wenn sie so formuliert ist, dass sie an der Erfahrung scheitern kann (d. h. dass sie falsifizierbar ist). Solange eine wissenschaftliche Theorie nicht empirisch widerlegt ist, gilt sie als vorläufig bestätigt und 'bisher bewährt', d. h. als 'relativ wahr' (vgl. Zitate von Karl R. Popper unter 2.).
   Nach Karl R. Popper ist unser Wissen nur "Vermutungswissen" und bestimmt 'ungewisse' Theorien, die hinsichtlich einer gesicherten Richtigkeit (Gültigkeit, Wahrheit) nicht verifizierbar sind. Die Gewissheit für eine theoretisch angenommene Gesetzmäßigkeit (hypothetische Wahrheit) ist nicht durch empirische Verallgemeinerung (induktiv) beweisbar, weil mögliche Gegenbeweise für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden können (vgl. Induktionsproblem).
   Eine "dogmatische" (nicht-wissenschaftliche) Theorie ist wegen ihrer postulierten Axiome nicht empirisch falsifizierbar, d. h. sie kann nicht durch Überprüfung an der Wirklichkeit (Bewährungsprobe) mit realistischen Erfahrungen widerlegt werden, obwohl sie prinzipiell falsch sein kann (vgl. Abgrenzungsproblem). Eine dogmatische Theorie ist ungewiss (vage) und entspricht einer "unerwiesenen" Behauptung (These) mit zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Sie kann aber von 'überzeugten' Menschen geglaubt und für wahr gehalten werden.
   Prinzipiell zu bezweifeln ist die Glaubwürdigkeit (Wahrheit) von dogmatischen Theorien aufgrund von religiösen Axiomen und traditionellen Glaubenssätzen, die gegenüber Gegenbeweisen immun sind (z. B. postulierte "göttliche Offenbarungen", fiktive Berichte von "gläubigen" Menschen).
   Bisher fehlt ein stichhaltiger Gottesbeweis, obwohl viele Kirchenvertreter und Philosophen ihre Überzeugungen theologisch begründet haben (vgl. Thomas von Aquin, Duns Scotus u. a.). Aber schon William Ockham (1295-1349) und später Immanuel Kant (1724-1804) hielten die Existenz Gottes für unbeweisbar (mittels der Vernunft). Andererseits ist die Nichtexistenz Gottes ebenso wie die Nichtexistenz eines Gegenstandes nicht logisch beweisbar.
   Sogar Martin Luther (1483-1546) meinte: "Die Vernunft ist das größte Hindernis in Bezug auf den Glauben, weil alles Göttliche ihr ungereimt zu sein scheint, dass ich nicht sage, dummes Zeug." (aus seinen Tischreden)
   Albert Einstein schrieb: "Die religiösen Genies aller Zeiten waren durch diese Religiosität ausgezeichnet, die keine Dogmen und keinen Gott kennt, der nach dem Bild des Menschen gedacht wäre." (ca. 1952)

Die überlieferten (von Menschen verfassten) dogmatischen Aussagen der Bibel betreffen monotheistische Behauptungen (gemäß anthropozentrischer Sichtweise) über nur einen allmächtigen Gott als Weltschöpfer und allwissenden Herrn über die Menschen, der diese gemäß seiner Beurteilung richten und bestrafen kann (als Sünder oder Ungläubige). -
   Dieser "Gott der Herr" beherrscht die Welt und weiß von allem - auch von Not und Elend vieler Menschen (z. B. unverschuldetes Leid durch Krankheit, Tod, Gewalt, Unglück oder Katastrophen). - Trotzdem soll er als "Lieber Gott" gelobt und gepriesen werden, wozu viele rituelle Handlungen und routinemäßig zu wiederholende Gebete traditionell weitergegeben werden.
   Die Frage, warum der "liebe" Gott das Übel in der von ihm geschaffenen Welt zulässt (als Böses, Unrecht oder Leid) obwohl er doch alles weiß und alles kann, entspricht dem "Theodizee"-Problem (vgl. Rechtfertigung Gottes, versucht von G. W. Leibniz - 1710).
   Die Gläubigen müssen ihren zu verehrenden Gott sogar fürchten, weil er jeden Menschen beobachten, ihn prüfen und verurteilen kann, indem er Opfer verlangt bzw. brutale Strafen erteilt (vgl. Bibel: Sintflut, Vernichtung von Städten und Völkern, auch Plagen und Katastrophen). - Gemäß Bibel befahl Gott dem auserwählten Abraham (erster Erzvater Israels), dass er seinen Lieblingssohn Isaak eigenhändig töten soll (aber nur als eine Treueprüfung!).
   Inbrünstige Gebete, Fürbitten und Hilferufe sollen den Kontakt mit mindestens einem Gott (vgl. Dreieinigkeit: Vater, Sohn und heiliger Geist) ermöglichen, - sogar vermittels 'Heiliger' (als heilig gesprochene) und ihren kirchlichen Abbildungen oder Reliquien.

Der biblische Gott bedauerte seine Erschaffung des "gottähnlichen" Adam (="Mensch", dazu Eva="Leben" auf Hebräisch, vgl. Erstes Buch Mose) aufgrund Adams Verfehlung, vom verbotenen Baum der Erkenntnis zu essen. Seit diesem "Sündenfall" (Resultat der Versuchung einer teuflischen Schlange) ist die gesamte Menschheit mit einer postulierten "Erbsünde" belastet, d. h. der Anlage für freies Wollen des Bösen. Das bedeutet ihren Ausschluss von der übernatürlichen Seligkeit (d. h. Unsterblichkeit, Leidensunfähigkeit, klare Erkenntnis, keine Begierde). Die Erbsünde gilt (nach Augustinus, 354-430) als Voraussetzung für die christliche Erlösungslehre (mögliche Befreiung von der Erbsünde nur durch göttliche Gnade).

Eine moralische Schuld im religiösen Sinne wird als Verfehlung gegen Gott (der Liebe) aufgefasst, die nur durch dessen Gnade "vergeben" (aufgehoben) werden kann, wenn er darum gebeten wird. Nur Gläubige können so von ihren "bereuten Sünden" frei gesprochen werden, - auch in Vertretung Gottes durch katholische Priester nach der Beichte.
   Strafbar, d. h. mit Strafe zu sühnen, ist aber nur eine rechtliche Schuld als vorsätzlicher oder fahrlässiger Verstoß gegenüber Gesetzen. Die Rechtmäßigkeit von Strafe gilt eingeschränkt auf schuldfähige 'zurechnungsfähige' Menschen mit Kenntnis der allgemeinen Sorgfaltspflicht und der Gesetze. Dagegen ist eine moralische Schuld für einen durch freie Entscheidung verursachten Schaden bei sich selbst oder bei anderen dann nicht strafbar, wenn die Schuld als bewusster Verstoß gegen sittliche Normen (Gewissen) nicht rechtlicher Natur ist.

Mit der (behaupteten) Allgüte, Allmacht und Allwissenheit Gottes logisch unvereinbar ist der postulierte 'freie Wille' des Menschen, demgemäß der (von menschlichen Absichten wissende) Gott "böse" Handlungen zwar zulässt, obwohl er menschliche Schuld bestrafen kann (zumindest nach dem Tode).
   Mit dem Postulat einer menschlichen Willensfreiheit für sittliches Verhalten, d. h. der freien Wahl zwischen 'gut und böse' beim bewussten Entscheiden, steht die christliche Ethik im Widerspruch zu neueren Ergebnissen der Hirnforschung hinsichtlich genetischer Anlagen für das Unbewusste, dessen 'Macht' bewusste Willensakte stark einschränkt. Das entspricht der klassischen griechischen Auffassung zur Begründung von menschlichen Fehlhandlungen durch eine 'Schwäche der Vernunft' gegenüber der Leidenschaft. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zur untersuchten Problematik des 'freien Willens' betreffen spezifizierbare Bedingungen (im Unbewussten) für die Einschränkung der Verantwortlichkeit des (meist unbewusst) handelnden Menschen, weshalb juristische und auch moralische Schuldzuweisungen kritischer beurteilt werden müssen.
   Der "relativ freie" Wille ist ein Bewusstseinsphänomen für 'mutwillige', zielgerichtet gefällte Entscheidungen des Subjekts im Rahmen seiner Handlungsfreiheit unter aktuellen Bedingungen, individuell bestimmt von unbewussten Gehirnzuständen.
   Für jede 'bewusst gefällte' Entscheidung muss eigene Verantwortung getragen werden, aber weniger für 'unüberlegte', unbewusst bestimmte oder Affekt-Handlungen.

Genetisch vorgegeben sind menschentypische Gehirn-Dispositionen (Anlagen), die individuell ausbildbar sind, insbesondere für wissbegieriges Erkenntnisstreben (Neugier, Fragen), analytisches Urteilsvermögen (Verstand, Kritik), "egoistisches" Vorteilsdenken (Lüge, List, Lust, Schadenfreude) und Geltungsdrang (Eitelkeit, Ehrgeiz, Neid, Hass), steigerbar zu unmoralischem Profitstreben (Habgier, Kriminalität, Ausbeutung) und Herrschsucht (Überwachung, Unterdrückung, Gewalt, Unrecht).

Der Begründer der Soziobiologie, Edward O. Wilson (geb. 1929) schrieb: "Es gibt eine biologische Basis der menschlichen Natur, und die ist für Ethik ebenso relevant wie für Religion. Die Fakten beweisen, dass der Mensch aufgrund dieser biologischen Prädisposition nur ein schmales Spektrum von ethischen Normen anzunehmen bereit ist."
   "Weil Vertrautheit und ein gemeinsames Interesse unerlässliche Grundbedingungen für soziale Transaktionen sind, entwickelte sich ein selektives Moralempfinden. ... Der Mensch bringt nur mit Mühe Vertrauen in einen Fremden auf, und wahres Mitgefühl ist ein äußerst seltenes Gut." (aus: Die Einheit des Wissens, W. Goldmann Verlag, München, 2000, S. 351 bzw. 337)

"Gewissen" kann mit einer 'ethisch-moralischen' Bewertungsinstanz im Stirnhirn erklärt werden (vermutl. orbitofrontaler Cortex), für die aber keine universellen Wertekategorien aus der Menschheitsgeschichte ableitbar sind.

Moralisten und Religionen haben bisher vergeblich versucht, mit ethischen Maximen und normativen Verhaltensregeln für alle Menschen sozialen Frieden zu erreichen.
   Historisch gewachsene Wertvorstellungen für ein sinnvolles menschliches Zusammenleben (Moral und Ethik) sind bereits im Altertum als "offenbarte" Gebote Gottes (auch unterschiedlicher Gottheiten) ausgegeben worden, wodurch sie argumentativ unangreifbar gemacht wurden.

Das unbeweisbare Postulat der "unsterblichen Seele" (wie bei Platon) ermöglicht gläubigen Menschen die Hoffnung auf ein "Weiterleben nach dem Tod". Auf diesem wunschgemäßen Axiom gründen sich religiöse Heilslehren, insbesondere mit der Verheißung eines besseren Lebens im Jenseits (Seligkeit und ewiges Leben im 'Himmel') als "göttliche" Belohnung der 'Guten' für ihr "gottgefälliges" Leben in Demut und Ehrfurcht vor Gottes Allmacht, - aber mit Androhung von "Gottes Strafe" (spätestens beim Jüngsten Gericht) für die 'Bösen' und nicht begnadigten 'Sünder' (im Fegefeuer der Hölle), sogar von "ewiger Verdammnis" für Atheisten (Gottlose), - entsprechend einer machtpolitisch nutzbaren Angstreligion.
   Außerdem gibt es in sehr alten (pan- oder polytheistischen) Religionen vergleichbare Axiome für "Reinkarnation" (Wiederverkörperung), d. h. die Verheißung von möglicherweise ewigem 'Weiterleben nach dem Tod' in andersartigen Organismen (Wiedergeburt, Seelenwanderung in Tieren oder Pflanzen), - auch postuliert als "gottgewollte" Bestrafung oder Belohnung vorheriger Taten (vgl. Sanskritverse der Bhagavad-gita).

Dogmatische Theorien aufgrund von Axiomen (z. B. 'Offenbarungen Gottes' oder irrationale Glaubenssätze) werden gemäß kirchlichen Auslegungen genutzt für demagogische Argumentationen und religiös motivierte Handlungen, die fatale gesellschaftliche Konsequenzen haben können. Ideologische Überzeugungen und fundamentalistische Verheißungen (Seligkeit im Jenseits) führten zu religiös begründeten Diskriminierungen von Menschen (Kampf gegen das Böse) und zu großem Unrecht, Terror und kriegerischen Auseinandersetzungen bis heute (vgl. islamistischer "Heiliger Krieg", 8 Kreuzzüge in fast 200 Jahren, Reformationskriege, Judenverfolgungen u. a.).
   Die religiösen Missionierungen von Andersgläubigen im Auftrag von Amtskirchen waren oft verbunden mit millitärischen Kolonialisierungen eroberter Länder zwecks ihrer wirtschaftlichen Ausbeutung, - sogar durch Ausrottung ganzer Völker (vgl. Indianer Amerikas u. a.).
   Machtpolitische Maßnahmen der katholischen Inquisition führten zu Verfolgungen von Ketzern mit grausamen Folterungen und Hexenprozessen (vom 13. bis ins 19. Jahrhundert).

Fundamentalistische Religionsaussagen basieren auf "offenbarten" Behauptungen und als "Gottes Wort" überlieferten Bibelgeschichten, die kritische Fragen und logischen Widerspruch herausfordern. Markante Beispiele für unglaubliche Aussagen sind (bei wörtlicher Auslegung der Bibel):
- die Erschaffung der Welt in nur 5 Tagen und am 6. Tag: Tier und Mensch 'Adam' (geformt aus Erde), als Zugabe seine Eva (geformt aus Adams Rippe bzw. aus Erde, vgl. 2 Varianten der Genesis),
- Mit der 'Vertreibung aus dem Paradies' bestrafte Gott die ersten Menschen, obwohl sie erschaffen waren als "Ebenbild Gottes"(?), - wegen ihres Erkenntnisstrebens und Wissensdrangs (postulierter Sündenfall).
- Gab es auch andere Menschen als die Kinder von Adam und Eva (ihre Söhne: Abel, Kain und Set)? - Woher kamen Kains und Sets Frauen, - waren sie etwa ihre Schwestern (d. h. Inzest)? Gab es auch andere Frauen (ohne Erbsünde)?
- Die Bibel nennt nur wenig Frauennamen und befürwortet die Rechtlosigkeit von Frauen. - Nach Paulus ist die Frau geschaffen, um des Mannes willen (1. Korinther 11,9).
- Die alles vernichtende Sintflut konnten nur Noahs Familie (abstammend von Set) und nur die mitgenommenen Tierpaare in der Arche überleben (nach ca. einem Jahr des Abwartens)! - Frage: Vermehrten sich die geretteten Tiere und Menschen durch Inzucht? Wenn "ja" entstammte die Menschheit einem Inzest ausgehend von Noah, - mit der Bevorzugung seines Sohnes Sem vor Ham (Semiten wurden Herren der versklavten Ham-Nachfolger).
- Außerdem enthält die überlieferte Schriftensammlung "Bibel" viele unerklärliche Geschichten von Übernatürlichem und Wundern (im alten und neuen Testament, z. B. unbefleckte Empfängnis Mariä, Heilwunder und Auferstehung Christi), die direkt durch Gott oder mit Gottes Hilfe geschehen sein sollen.
- Im Paulusbrief an die Römer steht: "Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet".
- Die Bibel, Evangelien und Koran (u. a. legendäres Menschenwerk) enthalten Anweisungen und Rechtfertigungen für ein brutales Vorgehen gegenüber Anders- oder Nichtgläubigen (Agnostiker, Atheisten), die als "vom Teufel bessene" Ketzer verfolgt oder bekehrt werden müssen (vgl. Exorzismus oder Missionierung).

Jede "Angstreligion" für Heilsversprechungen unter Androhung von Strafen ist ideologisches Menschenwerk (vgl. überlieferte Bibel-Varianten). Dieses wird antropozentrisch bestimmt durch machtpolitische Interessen und existenzielle Motive, aufgrund individueller Bedürfnisse und Wunschvorstellungen. - Die vielen Kriege der Menschheitsgeschichte waren meist ideologisch bestimmt von massenwirksamen (großen und kleinen) Religionen, die den Eroberern und Regierenden als Machtmittel dienten, - mit vielfältigem Nutzen für die Herrschenden im Bündnis mit der jeweiligen Amtskirche (vgl. Staatsreligionen, schon im Altertum; kriegerische Herrschaft von Päpsten und Kaisern u. a.).

Religion ist wie jede Ideologie von Menschen erdacht, auch wenn sie göttliche Offenbarungen vorgibt.

Die alten Schriftensammlungen der jüdisch-christlichen Religion (legendäres Menschenwerk aus Jahrhunderten) enthalten widersprüchlich deutbare Gottesvorstellungen und irrationale Behauptungen, die als "wahre Offenbarungen Gottes" blind geglaubt werden sollen. Beispiele hierfür sind:
- die 'Dreieinigkeit Gottes', d. h. die Trinität von Vater, Sohn und heiligem Geist (durch Hauchung aus Vater und Sohn hervorgegangen), und dazu
- die Doppelnatur Christi, d. h. der Jude Jesus als Marias und "Gottes Sohn" (Messias?): Jesus predigte gegen Gewalt und Geldgier, für Feindes- und Nächstenliebe, vollbrachte viele Wunder und starb als Märtyrer am Kreuz, - ist aber "wieder auferstanden von den Toden" und erschien danach persönlich Maria Magdalena und seinen Jüngern; von da ab "sitzt er zur Rechten Gottes" und soll sogar als "richtender Erlöser" wieder zur Erde zurück kommen, um das "Reich Gottes" zu gründen und die Sünder und Gottlosen zu bestrafen (Weltgericht am Jüngsten Tag);
- sowie die Apokalypse, d. h. der prophezeite Weltuntergang zwecks Neuanfangs mit 'jüngstem Gericht', furchtbar beschrieben als 'Offenbarung des Johannes' (letztes Buch des Neuen Testaments).

Menschliches Streben nach klug machender Erkenntnis, sogar nach "göttlicher" Einsicht mit Kenntnis von gut und böse, beschreibt die Bibel als den Sündenfall, weshalb Adam und Eva vom "lieben" Gott verflucht und aus dem Paradies vertrieben worden sind (vgl. Erstes Buch Mose, 3. Kapitel).

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse der Menschheit widersprechen fiktiven Behauptungen von Religionen oder Ideologien, insbesondere mystischen Legenden (Wunderglaube) und transzendenten Axiomen (Offenbarungen, Postulate). Logisch unverständlich sind auch Geisterglaube (Ahnen, Engel, Heilige), Aberglaube (Opfer, Tabus) und traditionelle Zeremonien (Riten), die mit der Fantasie von "Halt suchenden" oder "hilflosen" Menschen in Beziehung stehen.
Rituelle Bräuche gibt es für Kindstaufen, Opfergaben, Selbstkasteiungen, Anbetung von Heiligen und Reliquien, auch für Geschäfte mit menschlicher Angst und Ungewissheit (Ablasshandel, Kultobjekte, Engel-Figuren, Passionsspiele und Pilgerreisen).
   "Gottes Segen" kann versprochen werden von kirchlichen "Würdenträgern" wie dem Papst als "Stellvertreters Gottes" und von dazu befugten Geistlichen (Bischöfen, Pfarrern u. a.), - nicht nur für Menschen, sondern auch zur Segnung von toten Gegenständen wie Maschinen und Gebäuden, sogar von Waffen und Kriegsmaterial (z. B. Segnung der amerikanischen Atombomben im 2. Weltkrieg)!

Kirchliche Dogmen, orthodoxe Bibelauslegungen und kreationistische Theorien eines "Intelligent Design" sind konfrontiert mit kosmologischen, archäologischen und biologischen Nachweisen für Theorien zum Universum und zur erdgeschichtlichen Entwicklung der Artenvielfalt bis zum Menschen.
   Naturwissenschaftlich begründet wird das Evolutionsprinzip "Variation und Selektion" für die Entstehung und Entwicklung der Arten aufgrund von genetischen Rekombinationen (auch Mutationen) und natürlicher Auslese entsprechend der Darwinschen Evolutionstheorie.
   Aus einer Zeit vor 1,5 Millionen Jahren stammen Funde von Frühmenschen (Kulturen in Europa u. a.), die vom Homo erectus abstammen. Der heutige Mensch (Homo sapiens sapiens) wird biologisch gleichgestellt dem Cro-Magnon-Menschen aus der jüngeren Altsteinzeit, der vor ca. 33 000 bis 20 000 Jahren als Jäger und Sammler lebte. Der Neandertaler als ähnliche Homo-Art lebte ca. 3000 Jahre gleichzeitig neben dem Cro Magnon-Menschen und starb vor ca. 30 000 Jahren aus.
   Für Kulturen der Frühzeit (schon Stadtstaaten) gibt es überlieferte Nachweise, besonders für Stadtanlagen in Mesopotamien (z. B. der Sumerer in Uruk vor 5000 Jahren) und großartige Bauwerke in Ägypten (vgl. Pyramiden und Hieroglyphen-Schrift seit ca. 3000 v. Chr.), auch für sehr alte Kulturen in Babylonien und Assyrien.

Noch um das Jahr 1825 bekämpften katholische Bischöfe alle wissenschaftlichen Zweifel an ihrer Behauptung, dass eine "gottgewollte" Sintflut (etwa im Jahre 2340 v. Chr.) gewesen sein soll, die alles frühere Leben und Menschenwerk vernichtet hat, ausgenommen die Insassen der Arche Nohas. - Demnach müsste die heutige Menschheit durch Inzucht der Familie Nohas entstanden sein.

Erst im 20. Jahrhundert hat die katholische Kirche widerstrebend eingeräumt, dass die naturwissenschaftlichen Lehren von Kopernikus, Galilei und Darwin sachlich plausibel sind (d. h. Abkehr vom geozentrischen Weltbild und der sechstägigen Schöpfungsgeschichte der Genesis).
   Am 31.10.1992 (nach 359 Jahren!) rehabilitierte der Papst Johannes Paul II. den Mitbegründer der modernen mathematischen Experimentalphysik Galileo Galilei, der am 22.06.1633 vor der gefürchteten Inquisition wider besseres Wissen schwören musste, dass die Erde als "Zentrum des göttlichen Heilsgeschehens" sich nicht um die Sonne dreht (vgl. altes ptolemäisches contra neues kopernikanisches Weltbild).
   Noch um das Jahr 1997 wurde vom Papst Johannes Paul II. die Anerkennung von Darwins Evolutionstheorie eingeschränkt auf den Leib und behauptet, dass die "Seele" von Gott geschaffen ist. Das steht im Gegensatz zu monistischer Aufklärung und wissenschaftlicher Naturerkenntnis (Naturalismus).

Auch im hochtechnisierten 21. Jahrhundert werden religiöse Dogmen und Zeremonien/Liturgien administriert bzw. praktiziert von Kirchenvertretern und Gläubigen, auch von politischen Machthabern. - Hier einige Beispiele:
- Der Vatikan als Kirchenstaat in Rom (Vatikanstadt mit 'heiligem Stuhl', - auch mit profitorientierter Vatikanbank) wird regiert vom katholischen Papst, der gewählt worden ist als 'Stellvertreter Gottes' bis zu seinem Tod und als (unfehlbarer) 'heiliger Vater' residiert, - mit traditionellem Pomp nach alten Dogmen.
- Die katholische Kirche hält fest an mittelalterlichen Kirchengesetzen und Liturgien, verordnet weiterhin das Zölibat (Ehelosigkeit) für Priester und verbietet Frauen hohe Kirchenämter.
- Der im Jahr 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. (aus Polen) wurde von seinem Nachfolger Papst Benedikt XVI. (Ratzinger) im Jahr 2011 "selig" gesprochen, wofür ihm eine nachweisliche Wundertat kirchlicherseits bestätigt worden war. Seine Heiligsprechung wurde vom neuen Papst Franziskus im Jahr 2013 eingeleitet.
   Hinweis: Die vielen Selig- und Heiligsprechungen des Vatikans basieren auf definierten Bedingungen aus dem Jahr 1735 (vierbändiges Werk). Jeder Antragsteller für eine Heiligsprechung (Kanonisierung) muss mindestens 50.000 bis ca. 250.000 Euro als Verfahrenskosten an den Vatikan bezahlen. Eine Kanonisierungskommission überprüft die einzureichenden Nachweise, dass mindestens zwei Wunder (das zweite nach der Seligsprechung) auf die Fürbitte des Heiligzusprechenden bewirkt worden sind. - Nach der katholischen Theologie gelten Heilige als verehrungswürdige "Fürsprecher bei Gott", deren Hilfe von Gläubigen erbeten werden kann.
- Im Jahr 2005 wurde im Vatikan erneut der Exorzismus vom Papst bestätigt. Das bedeutet die kirchliche Zulassung für über 300 (heute ca. 2000) "Teufelaustreiber" mit großer Anhängerschaft in Italien.
- Bisher hat der Vatikan (u. a. Kirchen) die Europäische Menschenrechtskonvention nicht ratifiziert.
- Die katholische Kirche und der Islam verurteilen Homosexualität als große Sünde. Nicht nur im Iran werden Homosexuelle geächtet und sogar mit der Todesstrafe bedroht.
- Der Islam verlangt von jedem Muslim 5 Grundpflichten: das Glaubensbekenntnis (kein Gott außer Allah, dessen Gesandter Mohammed war), täglich fünf Kultgebete, die Almosensteuer, das Fasten im Monat Rammadhan und eine Pilgerfahrt nach Mekka.
- Immer wieder werden unschuldige Menschen bei islamistischen Terroranschlägen getötet oder verletzt, - meist von fanatischen Selbstmördern, die an eine versprochene Belohnung im Jenseits glauben (vgl. erlaubter Heiliger Krieg gegen Ungläubige).

'Angstreligionen' sind Menschenwerk und Machtmittel, die menschliches Leid mehr verursacht als gemindert haben, insbesondere durch Glaubenskriege, - mit der Androhung von "ewiger Verdammnis der Seele" bei ungenügender Unterwürfigkeit zur Erbetung von göttlicher Hilfe zwecks "Erlösung von Übel" und "Vergebung der Sünden".

Albert Einstein meinte: "Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden. Auch ein Individuum, das seinen körperlichen Tod überdauert, mag und kann ich mir nicht denken; mögen schwache Seelen aus Angst oder lächerlichem Egoismus solche Gedanken nähren." [Wie ich die Welt sehe, um 1930]
   "Wer von der kausalen Gesetzmäßigkeit allen Geschehens durchdrungen ist, für den ist die Idee eines Wesens, welches in den Gang des Weltgeschehens eingreift, ganz unmöglich - vorausgesetzt allerdings, dass er es mit der Hypothese der Kausalität wirklich ernst meint. Die Furcht-Religion hat bei ihm keinen Platz, aber ebenso wenig die soziale bzw. moralische Religion. Ein Gott, der belohnt und bestraft, ist für ihn schon darum undenkbar, weil der Mensch nach äußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit handelt, vom Standpunkt Gottes aus also nicht verantwortlich wäre, sowenig wie ein lebloser Gegenstand für die von ihm ausgeführten Bewegungen. Man hat deshalb schon der Wissenschaft vorgeworfen, dass sie die Moral untergrabe, jedoch gewiss mit Unrecht. Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten." [aus: 'Religion und Wissenschaft', Nov. 1930]

Die vielen unterschiedlichen Religionen und Ideologien der Menschheit basieren auf durch evolutionäre Anpassung entstandenen Glaubenssätzen als transzendenten Axiomen, deren angenommene Wahrheit unbewiesen ist und für die logische Begründungen fehlen. Wissenschaftlich inakzeptabel sind religionsspezifische Behauptungen mit dogmatischem Wahrheitsanspruch, die keinen Zweifel zulassen, obwohl sie oft widersprüchlich sind. Religiöse Postulate dienten oft zur Begründung von praktizierter Intoleranz bei Glaubens- und Machtkämpfen bis hin zu verheerenden Religionskriegen in der Geschichte der Menschheit.

Religionen als Ideologien dienten (und dienen weiterhin) zur demagogischen Begründung und fanatischen Unterstützung von Aggressionen, Kriegsmaßnahmen und Terroranschlägen zwecks vorteilsorientierter Bekämpfung von politischen Gegnern, Andersgläubigen oder Atheisten.

Viele neuere religiöse Konflikte scheinen unvermeidlich zu sein, weil menschliche Ängste, Aberglaube und Irrationalität von fanatischen Religionsführern weiterhin für ihre eigenen Machtinteressen demagogisch ausgenutzt werden können, besonders durch Verheißungen eines "unerschütterlichen" Glaubens, dessen faszinierende Behauptungen über Geisterhaftes und Wunderbares nicht durch empirische Tests widerlegbar sind.

Fazit: Dogmatische Aussagen lassen keine Kritik und Hinterfragung zu, weil sie absolute Gültigkeit und Wahrheit beanspruchen. - Der fanatische Glaube an dogmatische Offenbarungen mit absolutem Wahrheitsanspruch beruht auf religiösen Überzeugungen. Damit ermöglicht werden fiktive Argumentationen für Aggressionen, Terrorakte oder Glaubenskriege. - Solange Menschen an Dogmen glauben, die Begründungen für Kämpfe und Kriege liefern, werden Menschen für dogmatische Fiktionen geopfert.


2. Menschliches Erkenntnisstreben und wissenschaftliche Wahrheitsfindung

Albert Einstein schrieb: "Je weiter die geistige Entwicklung des Menschen vorschreitet, in desto höherem Grade scheint mir zuzutreffen, dass der Weg zu wahrer Religiosität nicht über Daseinsfurcht, Todesfurcht und blinden Glauben sondern über das Streben nach vernünftiger Erkenntnis führt." [1941]

Wissbegierige Menschen streben nach Einsicht durch Erkenntnis und stellen sich grundsätzliche Fragen gemäß ihrer modellhaften Weltbilder. Zu beantworten sind philosophische Fragen bei der Warheitssuche. Eine wissenschaftliche Wahrheitsfindung gelingt durch systematische Erforschung wirklicher Sachverhalte hinsichtlich erkennbarer Grundprinzipien (Ursprünge, Regeln).

Nach realistischer Erkenntnis streben Forscher (Wissenschaftler oder Philosophen), die ihre subjektive Weltsicht durch rationale Einsicht verbessern wollen. Sie publizieren ihre objektivierbaren Vorstellungen als deklarative Aussagen, Thesen oder Weisheiten entsprechend ihrer Philosophie (griechisch: Liebe zur Weisheit).
   Als allgemeine Behauptungen zu verstehen sind philosophische Thesen der jeweiligen Theorie oder Lehre vom Sein, von den Ursprüngen der Welt und/oder vom Denken (vgl. Logik), - gemäß einer damit postulierten Weltanschauung oder Ideologie (vgl. klassifizierte "-ismen").
   Im Unterschied zur 'pragmatischen' Naturwissenschaft ist eine philosophische Denkart hinsichtlich ihrer Methodik und auch ihres Gegenstandsbereichs nicht eindeutig definierbar (vgl. Metaphysik).

Auf der Suche nach wahren Grundaussagen über die Welt, das 'Ich' oder ethische Prinzipien (vgl. Wahrheitssuche für Axiome über das, was ist oder sein soll), führt die Philosophie zu fiktiven (theoretischen) Antworten auf aspektorientierte Fragen, die von der Naturwissenschaft noch nicht beweiskräftig beantwortet werden. - Die philosophischen Antworten sind wie unbewährte Aussagen mit bisheriger Ungewissheit zu deuten, weil sie nicht wissenschaftlich begründet werden können.

Erkenntnistheoretisch nicht gefunden wurde eine "einzig mögliche" Methode zur souveränen Erlangung von sicherem Wissen über die Welt, das rational begründet werden kann. Dafür fehlt eine universelle Theorie der Erkenntnis, insbesondere zur kognitiven Problematik unterschiedlicher Denkmodelle der Quantentheorie und klassischen Physik.

Prinzipielle Erkenntnisse (als Grunderkenntnisse) können gewonnen werden durch "kognitive" Verallgemeinerung angenommener Regelmäßigkeiten von ursprünglich erfassten, begrifflichen Beziehungen, die aufgefasst werden als erworbene (Grund-)Kenntnisse von grundsätzlich "begriffenen" (abstrahierten) Zusammenhängen situationsspezifischer Faktoren der untersuchten Sachverhalte (Situationen, Konstellationen). Diese entsprechen definierten Naturgesetzen oder Lebensweisheiten, die in Form von prägnanten Aussagen (als Logos-Relationen) ausdrückbar und dadurch kommunikativ mitteilbar sind.

Wer praktisch bewährte Erkenntnisse für prinzipielle Aussagen forschend gewinnt, kann wesentliche Sachverhalte realistisch beschreiben und begründet erklären, - verbunden mit Kritik bzw. Zweifeln an Denkgewohnheiten, bisherigen Lehrmeinungen, unbewiesenen Axiomen und tradierten Glaubenssätzen.

Mögliche Wissenskorrekturen durch Umlernen und Weiterlernen führen zur schrittweisen Verbesserung des ausbildbaren Erfahrungswissens für empirische Urteile und (Vor-)Aussagen (vgl. wissenschaftliches Auffinden der relativen Wahrheit ohne Gewissheit).

Eine adaptive Verhaltensänderung eines kognitiven Systems (zwecks Selbsterhaltung durch lebensnotwendige Anpassung an den Wandel) entspricht dem induktiven Lernen durch Erfahrung, insbesondere Lernen am Handlungseffekt (auch aus Fehlern, vgl. Methode 'trial and error') oder durch 'kennen gelerntes' Neues (vgl. Beobachtung, Entdeckung oder Erfindung) im Sinne der empirischen Wissensverbesserung.
   Die durch induktives Lernen situationsbedingt erworbenen Kenntnisse von kognitiv erfassten Beziehungen werden (empirisch verallgemeinert) genutzt als "bisher bewährtes" Teilwissen, dessen angenommene Allgemeingültigkeit (ungewisse Regelmäßigkeit) solange empirisch zu überprüfen ist, bis die praktische Bewährung (Konsolidierung) ausbleibt aufgrund einer Falsifizierung (vgl. notwendige Wissenskorrektur oder Umlernen gemäß veränderten Umweltbedingungen).

Das Induktionsproblem (nach David Hume) betrifft philosophische Zweifel an der Allgemeingültigkeit von induktiv ausgebildetem Wissen (d. h. erfahrungsgemäß verallgemeinerten (Er-)Kenntnissen) für naturwissenschaftliche Theorien über definierte 'Naturgesetze', die mit formal-sprachlichen Regeln (zunächst ohne Ausnahmebedingungen) mathematisch ausgedrückt werden können.

Der sprachbegabte, selbstbezüglich denkende Mensch kann sinnlose und sinnvolle Fragen zu Gegenständen seiner Begriffswelt stellen.

So genannte "letzte" Fragen zu bisher Unerklärlichem, die (noch) nicht mit wissenschaftlicher Begründung beantwortet werden können, sind Gegenstand hypothetischer Deutungen und religiöser Behauptungen.

Bisher unerforschte Phänomene als unerklärliche Erscheinungen können vom Menschen mit seinen schematischen Vorstellungen nur vage oder modellhaft erkannt und nur subjektiv gedeutet werden.

Wir erkennen und deuten sogar Unerklärliches, - mit modellhaften Vorstellungen.

Modellmäßige Vorstellungen für theoretische Interpretationen basieren auf kritisch zu überprüfenden Erkenntnissen des deklarativen Erfahrungswissens.

Vorstellungen sind mentale Deutungen oder Erinnerungsbilder.

Fehldeutungen entsprechen Missverständnissen aufgrund subjektiver Vorstellungen gemäß unzureichendem Kontextwissen.

Einbildung ist Vortäuschung einer virtuellen Wahrnehmung.

Die bisher unerklärlichen Naturvorgänge können von Menschen fantasiegemäß gedeutet und fiktiv beschrieben werden (Imagination, relativer Wissensstand). Diese sind nicht richtig verstehbar, solange das dafür erfordeliche Wissen fehlt (mangelhafte Einsicht).

Schon früh erfanden fantasievolle Menschen für das Unerklärliche fiktive Begründungen, - auch mindestens einen Verursacher, den sie als Gott verehrten oder aus Angst fürchteten.

Wer über fiktive Aussagen nachdenkt, kann davon nur wenig glauben.

Die Unterscheidung von Fakten und Fiktionen ist nur mit wissenschaftlicher Skepsis durch kritisches Denken möglich, das schwerer fällt als blinder Glaube.

Wer kritisch nachdenkt, findet Zweifelhaftes.

Einsichtige Anerkennung der unerbittlichen Realität verlangt ein Aufgeben irrealer Vorstellungen und Erwartungen des Wunschdenkens.

Erkenntnisvermögen für ausbildbares Erfahrungswissen befähigt den Menschen zum Lernen durch Einsicht für kluges Handeln, - auch zu vernünftiger Selbstbestimmung durch Aufklärung gegenüber dogmatischen Ideologien.

Ein vernünftiger Mensch mit lebensnotwendigem Wissen kann sein Nichtwissen akzeptieren und muss nicht ersatzweise an religiöse Mythologien glauben. -
Deshalb gilt: Glaube mit Überzeugung nur das, was du selbst kritisch geprüft hast!

Die bewusste Einsicht, etwas (noch) nicht zu wissen, wird meistens emotional (unbewusst) ignoriert und kompensiert mit Mutmaßungen (Behauptungen, Glaubenssätzen oder Hypothesen), insbesondere mit Vermutungen für fiktive Erklärungen, religiöse Bekenntnisse oder riskante Maßnahmen (vgl. Lösungsversuche für Probleme).

Glauben ist kein Wissen und betrifft mental Angenommenes als unbewiesene Behauptung (Postulat, Axiom), die unwiderlegt auch Hoffnung vermitteln kann.

Wer sich vor mühsamer Wahrheitssuche scheut, dem fällt Glauben leichter als Denken.

Es ist unglaublich, an was die Menschen mit Überzeugung glauben können.

Fantasievolle Geschichten und irrationale Fiktionen sind irreal "ersponnene" Dichtungen oder "unwahre" Behauptungen, die mit nachprüfbaren Tatsachen (Fakten) nicht übereinstimmen.

Irreale Überzeugungen bedingen Irrtümer oder Fehlurteile aus Unkenntnis und/oder Angst.

Wer an die Unsterblichkeit seiner Seele glaubt, nimmt sich selbst zu wichtig und ist an seiner Angst vor dem Tod selbst schuld.

Angst-Religionen indoktrinieren die 'kirchentreuen' Gläubigen mit der Hoffnung auf Vergebung ihrer Sünden und auf "ewiges Leben ihrer Seele" nach dem Tod (vgl. ewige Verdammnis mit Höllenqualen für Nichtchristen) infolge eines postulierten "jüngsten Gerichts" Gottes für alle Menschen (vgl. prophezeite Apokalypse des Johannes).

Wer in Not ist oder Angst hat, der sucht einen göttlichen "Erlöser von dem Übel" und erbittet eigennützig seine Hilfe, wenn er an seine Allmacht glaubt oder zumindest diese erhofft.

Blinder Glaube an religiöse Axiome und Heilsversprechungen mit Drohungen (vgl. vom 'lieben Gott' gewollte Bestrafungen, besonders nach dem Tod) widerspricht dem menschlichen Erkenntnisstreben (vgl. biblische 'Erbsünde'), der wissenschaftlichen Wahrheitssuche und einer humanistischen Ethik.

Traditioneller Glaube an mindestens einen Gott (auch Teufel, Engel und Heilige), an Wunder und göttliche Kreationen zwecks "anthropozentrischer" Gestaltung von Universum und Leben verlangt von Menschen Glaubensbekenntnisse, die nicht wissenschaftlich begründbar sind.

Gläubige Menschen lassen sich stark verwundern von (für sie) unvorhersehbaren oder unerklärlichen Ereignissen, beispielsweise einem unerwarteten Phänomen oder zufälligen Zusammentreffen.

Beeindruckende Zufälle festigen ideologischen Wunderglauben.

Ein vermeintlicher Zufall wird kausal bestimmt durch mindestens ein situationsbedingtes Ereignis, das mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit vorkommen kann.

Wir glauben zu wissen, wenn wir vermutete Vorstellungen für wahr halten.

An Unwahres können wir glauben, aber Wahres können wir wissen.

Unser begrenztes Wissen ist unvollständig und nur relativ wahr ohne Gewissheit.

Die relative Wahrheit über Prinzipien der Wirklichkeit ist kognitiv bestimmbar entsprechend theoretischer und praktischer Einsicht in wesentliche Zusammenhänge der wahren Wirklichkeit.

Gemäß dem 'Unschärfeprinzip der relativen Wahrheit' gelten logische (Vor-)Urteile, die in Form von Aussagesätzen mitteilbar und kritisch überprüfbar sind, als 'relativ wahr' aufgrund von bisher bewährten Regeln und bestimmten Ausnahmen für Sonderfälle, aber nur solange diese Regeln nicht verändert werden (durch Lernen oder Umlernen).

Wissen ist ein Führwahrhalten von bisher bewährten (begründeten) Kenntnissen, die theoretisch oder praktisch nutzbar sind, besonders für Urteile und (Vor-)Aussagen.

»Von etwas wissen« heißt über erworbene Kenntnisse verfügen, die als begriffliche Beziehungen situationsbedingt erfasst worden sind.

Die Wissenschaft ermöglicht im Unterschied zur Religion eine relative Wahrheitsfindung durch systematische Prüfung theoretischer Argumente zur Begründung von Behauptungen (d. h. Urteilsäußerungen mit Wahrheitsanspruch) aufgrund gewonnener Erkenntnisse von natürlichen Zusammenhängen (d. h. kognitiv erfasster Beziehungen).

Albert Einsteins Credo: "Wir glauben, dass die Wissenschaft der Menschheit am besten dient, wenn sie sich von aller Beeinflussung durch irgendwelche Dogmen freihält und sich das Recht vorbehält, alle Thesen einschließlich ihrer eigenen anzuzweifeln." [Deklaration der 3. Pugwash-Konferenz, Kitzbühel 1958]

Der unkritische "blinde" Glaube an dogmatische Theorien steht im Widerspruch zu rationalen Kritiken und wissenschaftlichen Theorien, die empirisch überprüfbar sind und als 'relativ wahr' gelten. Theorien, die auch in Übereinstimmung mit neueren Erkenntnissen wirklich zutreffen oder bestätigt werden, haben sich 'bisher bewährt', aber ohne Gewissheit für ihre künftige Nutzung.

Der namhafte Soziobiologie E. O. Wilson schrieb: "Blinder Glaube, wie leidenschaftlich er auch ausgedrückt sein mag, genügt nicht mehr. Die Wissenschaft ihrerseits wird nicht aufhören, jede einzelne Prämisse über die Conditio humana zu überprüfen, und mit der Zeit wird es ihr gelingen, die Urschichten aller moralischen und religiösen Gefühle freizulegen."
   "Ein aufrechter Charakter entspringt einem tieferen Quell als Religion. ... Er unterwirft sich keiner Autorität und ist, obwohl er oft im Einklang mit Religionsgläubigkeit steht und seinerseits von dieser bestärkt wird, nicht blind gottesfürchtig." - vgl. Zitate aus »Ethik und Religion«, Kapitel 11 in Wilsons Buch 'Die Einheit des Wissens', 1998.

Der "forschende" Mensch strebt nach Erkenntnis, vor allem zum Lösen von erkannten Problemen seines (Über-)Lebens. Er erwirbt Kenntnisse von seiner Umwelt und versucht, entdeckte Zusammenhänge mit erfassten Beziehungen zu erklären. Seine theoretischen Erkenntnisse beim Lernen durch Einsicht in prinzipielle Sinn-Zusammenhänge sind hypothetisch und ungewiss. Erst nach ihrer empirischen Bewährung (Erprobung an der Realität) kann mit diesen Erkenntnissen das Erfahrungswissen erweitert oder vervollkommnet werden.
   Erworbene Kenntnisse sind (mit-)bestimmend für empirische Urteile, Vorurteile, Erwartungen, Voraussagen oder Vorstellungen.

Lernen durch Einsicht führt zur Theorie. - Erst Lernen aus eigener Erfahrung wird zur Praxis einer Verhaltensänderung.
   Wer theoretische Einsicht in reale Zusammenhänge gewinnt und nach praktischer Überprüfung vorteilhaft nutzt, hat hochintelligent gelernt.

Kennzeichnend für mangelhafte Einsicht aufgrund fehlender Kenntnisse (z. B. bei der unerfahrenen Jugend) sind unkontrolliert übernommene "irreale" Vorstellungen (falsche Annahmen) für "unrichtige" (irrige) Einschätzungen oder "unklare" (verschwommene) Ansichten.

Ideale Illusionen und Fiktionen beeindrucken nicht nur Jugendliche, dagegen sind realistische Ansichten und Aufklärungen oft unerfreulich oder wirken belastend als unerwünschte Seinserfahrung.

Auf angenommenen Gesetzmäßígkeiten basierende hypothetische Theorien dienen zur modellhaften Beschreibung von "kognitiv" erfassten Zusammenhängen von untersuchten Sachverhalten der Wirklichkeit.
   Eine Theorie oder ein Satz ist dann wahr, wenn der von der Theorie beschriebene Sachverhalt mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

Die Wahrheit einer (Vor-)Aussage wird sich nur dann praktisch erweisen, wenn ihre Behauptung mit beobachtbaren (messbaren) Tatsachen begründet werden kann.
   Eine Aussage ist nur dann "deduktiv" beweisbar, wenn ihre Behauptung (als Konklusion) aus einem Axiom (als Prämisse) nach logischen Regeln ableitbar ist.

Der Wahrheitsgehalt einer Aussage wird entscheidend dadurch bestimmt, ob sie logisch widerspruchsfrei (konsistent) im Vergleich mit Erfahrungswissen ist.
   Eine "wahre" Aussage muss mit Fakten übereinstimmen oder als wirklich zutreffend bestätigt werden (praktische Bewährung).

Deutbare Aussagen werden dann richtig verstanden, wenn ihnen adäquate Begriffsbeziehungen interpretativ zugeordnet werden.

Der systematisch forschende Mensch gewinnt 'relativ wahre' Erkenntnisse von erfassbaren Zusammenhängen der Wirklichkeit, womit aber die Formulierung einer 'absolut wahren' Aussage über die veränderliche Umwelt für ihn erkenntnistheoretisch unmöglich ist.

Eine wissenschaftliche Erkenntnis wird erzielt durch systematisches Streben nach einsichtiger Klarheit, die aber nur eingeschränkt und schrittweise erreichbar ist, - gemäß dem definierten Unschärfeprinzip der relativen Wahrheit.
   Für prinzipielle Einsicht notwendige Grunderkenntnisse sind gewinnbar durch die kognitive Erfassung von fundamentalen Beziehungen (z. B. Wirkprinzipien) unter realen Bedingungen und außerdem von abschätzbaren Wahrscheinlichkeiten möglicher Änderungen von Prämissen oder Ausnahmen von Regeln (vgl. ungewisse Randbedingungen für definierte Naturgesetze).
   Mit 'scharfsinnigen' Formulierungen expliziter Grunderkenntnisse der forschenden Menschheit können theoretische Aspekte der absoluten Wahrheit nur angenähert beschrieben werden.

Ein Ziel der Wahrheitssuche ist der wissenschaftliche Nachweis der praktischen Bewährung (d. h. der faktengemäßen Bestätigung des tatsächlichen Zutreffens) von theoretischen Vorstellungen oder konstruktiven Konzepten der zu prüfenden Theorien und Modelle, die von erworbenen Kenntnissen (zunächst) hypothetisch bestimmt werden.
   Empirische und theoretische Erkenntnisse, die nutzbar sind für assoziativ erinnerte Vorstellungen und hypothetische Voraussagen, müssen sich aufgrund von "bestätigenden" Beobachtungen (sinnlichen Wahrnehmungen) praktisch bewähren.

Bisher unbewiesene Aussagen einer Theorie (vgl. Thesen ohne Gewissheit) entsprechen hypothetischen Vorstellungen (vgl. Auffassungen oder Ansichten) aufgrund von induktiv angenommenen Kenntnissen und müssen empirisch überprüft werden auf ihre praktische Bewährung (vgl. Experimente oder Beobachtungen), wodurch entweder ihre erfahrungs-gemäße Konsolidierung oder ihre Falsifizierung erfolgt.

Die wissenschaftliche Wahrheitsfindung erfordert eine kritische Analyse der begrifflich-abstrakten Modellvorstellungen des deklarativen Wissens aufgrund von "kennen gelernten" Zusammenhängen untersuchter Sachverhalte.
   Die Aufgabe einer wissenschaftlichen Wahrheitsfindung geht aus von "geglaubten" Axiomen und "hypothetischen" Theorien, die auch philosophische Fragen betreffen. Dazu findet man folgende Zitate von Karl R. Popper in dem Buch "Alles Leben ist Problemlösen", Piper, München, Zürich, 1994.

1. Zitate-Auswahl - aus dem Rundfunkvortrag "Wissenschaftslehre in entwicklungs-theoretischer und in logischer Sicht" (1972):

"Die Überprüfung einer Theorie ist also ein Versuch, die Theorie zu widerlegen oder zu falsifizieren." (S. 26)
   "Eine Theorie gehört zur empirischen Wissenschaft dann und nur dann, wenn sie mit möglichen Erfahrungen in Widerspruch steht, also im Prinzip durch Erfahrung falsifizierbar ist." (def. als Falsifizierbarkeitskriterium, S. 36)
   "Die Idee der Annäherung an die Wahrheit setzt - wie übrigens auch die Idee der Wahrheit als regulatives Prinzip - eine realistische Weltsicht voraus. Sie setzt nicht voraus, dass die Wirklichkeit so ist, wie sie unsere wissenschaftlichen Theorien beschreiben; aber sie setzt voraus, dass es eine Wirklichkeit gibt und dass wir mit unseren Theorien, die unsere selbstgeschaffenen Ideen und daher immer Idealisierungen sind, näher und näher an eine adäquate Beschreibung der Wirklichkeit herankommen können, wenn wir die vierstufige Methode des Versuchs und Irrtums verwenden." (S. 43)
   Hinweis: Popper meint sein für die Wissenschaftstheorie charakteristisches Schema:
"1. Das ältere Problem; 2. versuchsweise Theorienbildungen; 3. Eliminationsversuche durch kritische Diskussion, einschließlich experimenteller Überprüfung; 4. die neuen Probleme, die aus der kritischen Diskussion unserer Theorien entspringen." (S. 32)
   "Die Wissenschaft ist ein Produktsystem menschlicher Ideen: Soweit hat der Idealismus recht. Aber diese Ideen können an der Wahrscheinlichkeit scheitern. Daher hat letzten Endes der Realismus recht." (S. 44)

2. Zitate-Auswahl - aus dem Essay "Die erkenntnistheoretische Position der Evolutionären Erkenntnistheorie"(1986):

"Theorien können wahr und falsch sein. Begriffe können bestenfalls adäquat und schlimmstenfalls irreführend sein. Begriffe sind nicht wichtig, verglichen mit Theorien." (S. 128)
   "Wir lernen nur durch Versuch und Irrtum. Unsere Versuche sind aber immer unsere Hypothesen. Sie stammen von uns, nicht von der Außenwelt. Von der Außenwelt lernen wir nur, dass gewisse unserer Versuche Irrtümer sind." (S. 130)
   "Das Leben muss von Anfang an die Zukunft der Umwelt in irgendeinem Sinn antizipieren, das heißt, alle diese zukünftigen Umstände der Umwelt. Das sind vielleicht nur Stunden, oder es sind vielleicht Jahrmillionen. Es muss an die zukünftigen Bedingungen der Umwelt angepasst sein; und in diesem Sinn ist das allgemeine Wissen früher da als das momentane Wissen, das besondere Wissen. Von Anfang an muss das Leben ausgestattet gewesen sein mit allgemeinem Wissen, dem Wissen, das wir gewöhnlich Wissen von Naturgesetzen nennen. Selbstverständlich nicht Wissen in dem Sinne von bewusstem Wissen."(S. 134)
   "Meine Behauptung in der Erkenntnistheorie geht über alle anderen Erkenntnistheoretiker hinaus, ob nun evolutionär oder kantisch oder nicht-evolutionär: Die allgemeinen Anpassungen gehen den momentanen Anpassungen voraus. Sie sind zuerst da. Sie sind a priori." (S. 136)
   Hinweis: Genetisch vorgegeben ist ein "Basis-Wissen" für lebensnotwendige Grundfunktionen (veranlagt, a priori) einer ausbildbaren Gedächtnisstruktur mit Lerndisposition für Erfahrungswissen (siehe Essay "Gehirnstrukturen für Lernen und Gedächtnis" unter www.liss-kompendium.de, Rubrik "Natur und Mensch").
   "Unser Wahrnehmungswissen ist geleitet nicht nur von dem, was in uns anatomisch und physiologisch eingebaut ist, die Art, wie unser Gehirn alles filtriert und, sagen wir, integriert. Es ist vor allem auch immer wieder geleitet von unseren Zielen und Absichten. ... Also spielen im Leben und im Wahrnehmen unsere Ziele, unsere Wünsche, unsere Präferenzen eine ungeheuere Rolle. Sie bestimmen unsere Interpretationen, und unsere Interpretationen versuchen wir dann zu prüfen, zu verifizieren oder zu falsifizieren." (S. 137 - 138)
   "Um zusammenzufassen: Biologisch gesehen besteht also das tierische und das menschliche Wissen in oft unbewussten Erwartungen (oder auch in potentiellen Erwartungen)." (S. 140)
   "Unser bestes Wissen ist das Wissen der Wissenschaft, bei weitem unser bestes Wissen; und dennoch ist auch das wissenschaftliche Wissen nur Vermutungswissen." (S. 143)
"Unser aller Aufgabe als denkende Menschen ist die Wahrheitsfindung. ... Wäre die Wahrheit nicht absolut und objektiv, so könnten wir uns nicht irren. Oder unsere Irrtümer wären so gut wie unsere Wahrheit." (S. 143)
   "Wir haben dauernd Vermutungen, die von uns geschaffen werden. Diese Vermutungen versuchen wir dauernd mit der Wirklichkeit irgendwie zu konfrontieren und sodann unsere Vermutungen zu verbessern und sie der Wirklichkeit näher zu bringen." (S. 144)

Für Popper ist Wahrheit zwar prinzipiell erreichbar, aber niemals beweisbar. Eine wahre Theorie ist möglich, aber hinsichtlich ihrer Gewissheit (d. h. Gültigkeit für die Zukunft) unbewiesen, - besonders aufgrund von unsicherem Wissen über veränderliche Umweltbedingungen.

Eine Theorie ist genau dann "wissenschaftlich", wenn sie so formuliert ist, dass sie an der Erfahrung scheitern kann (d. h. dass sie falsifizierbar ist). Solange eine wissenschaftliche Theorie nicht empirisch widerlegt ist, gilt sie als vorläufig bestätigt und 'bisher bewährt', d. h. als 'relativ wahr'.

Denkgewohnheiten und Vorurteile basieren auf pragmatischem Teilwissen, das als 'bisher bewährt' solange gilt, bis es durch neue Erfahrungen und Erkenntnisse korrigiert oder verbessert werden kann.

Die wissenschaftliche Erforschung natürlicher Gesetzmäßigkeiten wird ermöglicht durch realitätsnah erworbene Kenntnisse (als prinzipielle Erkenntnisse) von kognitiv erfassten Beziehungen wesentlicher Zusammenhänge, insbesondere durch kenntnisspezifisch ausgebildete Begriffsstrukturen für adäquate Modellvorstellungen des situationsbedingt modifizierbaren Erfahrungswissens (vgl. bedingte Implikationen des deklarativen Wissens).

Ein 'Erkenntnisfortschritt' bei der Lernentwicklung (durch kritische Überprüfung hypothetischer Regeln oder Theorien) erfolgt dann, wenn mit Hilfe von neuen erworbenen Kenntnissen, d. h. neuen bedingten Relationen, vorhandene bedingte Verknüpfungen der lernfähigen Gedächtnisstruktur erfahrungsgemäß korrigiert oder ersetzt (d. h. induktiv verbessert bzw. umgelernt) werden.

Wer beim induktiven Lernen aus beobachteten Einzelfällen angenommene Regelmäßigkeiten verallgemeinert und mit situationsbedingt erworbenen Kenntnissen (bedingten Relationen) von erfassten Beziehungen begründet, kann erlernte (Verhaltens-)Regeln versuchsweise nutzen, auch wenn er keine Gewissheit für seine theoretischen oder praktischen Kenntnisse hat.

Geglaubt werden kann eine postulierte Gewissheit für 'bisher bewährte' Kenntnisse von erfassten Beziehungen der untersuchten Wirklichkeit, - aber nur solange diese empirisch konsolidiert werden und dadurch trotz Kritik bestehen bleiben.
   Ein Glaube an die postulierte Gewissheit von geprüftem Wissen ist nur dann praktikabel, wenn alle verfügbaren Quellen zur Wahrheitsfindung kritisch ausgeschöpft worden sind.

Die modellhaften Theorien aufgrund von begrifflichen Abstraktionen müssen auf ihren Wahrheitsgehalt wissenschaftlich und empirisch überprüfbar sein, was für Glaubenssätze von Religionen nicht gewährleistet werden kann.

Eine dogmatische Ablehnung vernünftiger Argumente für Zweifel an Glaubenssätzen geschieht ohne empirische Überprüfung und sachkundige Kritik. Von "fanatischen" (meist kirchlich organisierten) Religionsvertretern werden Andersdenkende bekämpft (auch kriegerisch) wegen ihrer "atheistischen" oder "ketzerischen" Ansichten.

Von Ideologien indoktrinierte Überzeugungen gemäß utopischen Wunschvorstellungen oder dogmatischen Glaubenssätzen behindern eine realistische Aufklärung für rationale Einsicht.

Auf wissenschaftlichen Grunderkenntnissen für naturalistische Aussagen, die experimentell überprüfbar sind und irrationalen Überzeugungen widersprechen, basieren logisch begründete Zweifel an religiösen Behauptungen (vgl. Axiome als 'göttliche Offenbarungen') und an dualistischen Auffassungen von Geist und Materie (vgl. Metaphysik und Mystik).

Monistische Kritiken und aufklärende Argumentationen zwecks Wahrheitsfindung verunsichern die theologischen Vertreter von Religionen und werden deshalb von diesen entweder ignoriert oder aber als atheistische Angriffe auf tradierte Glaubenssätze bekämpft (vgl. Glaubenskriege, Hexenprozesse, Ketzerverfolgungen und Missionierungen).
   Die menschenverachtende Verdammung, Verfolgung und Eliminierung von Nicht- oder Andersgläubigen werden von Religionsvertretern weiterhin dogmatisch begründet mit sog. göttlichen Offenbarungen (vgl. Bibel, Evangelien, Koran und anderes legendäres Menschenwerk).

Humanistische Lebenserfahrung und aufklärende Wissenschaft sind realitätsnäher als jeder dogmatische Glaube an fiktive Behauptungen, die unüberprüft als wahr akzeptiert werden sollen gemäß tradierten Religionen oder politischen Ideologien.

Dogmatische Theorien, die ohne Zweifel geglaubt werden sollen, basieren auf unwissen-schaftlich (traditionell oder autoritär) definierten Grundsätzen, die nicht rational begründbar sind und nicht intersubjektiv überprüft werden können.

Ideologien sind falsche Theorien über die Wirklichkeit (fiktive Weltanschauungen), die von partikulären Interessen ausgehend als dogmatische (unwissenschaftliche) Theorien propagiert werden und machtpolitisch (demagogisch) missbrauchbar sind.

Viele Menschen glauben trotz wissenschaftlicher Aufklärung weiterhin an ideologische Postulate und Glaubenssätze unterschiedlicher Religionen, die meist traditionell verankerte Gebräuche oder Zeremonien und auch aggressive Aktionen gegenüber den Andersdenkenden oder Nichtgläubigen rechtfertigen, insbesondere aufgrund dogmatischer Borniertheit und fundamentalistischem Fanatismus (vgl. Terrorismus, Glaubenskriege oder 'Cyber war' im Internet).
   Mangelhaftes Wissen und geringes Denkvermögen sind Gründe für Unverstand und falsche Meinungen, auch für Aberglaube und Fanatismus.

Der pragmatisch denkende Mensch strebt nach kognitiven Deutungen zwecks verständlicher Naturerklärung mit möglichst praktisch überprüfbaren Regeln, die grob bestimmt werden können durch vereinfachende Reduktion der natürlichen Komplexität dynamischer Systeme auf theoretisch definierte Gesetze und Erklärungsmodelle, - auch unter der fiktiven oder irrationalen Voraussetzung von unbeweisbaren Axiomen bzw. transzendenten Glaubenssätzen.
   Der Mensch entwirft wissenschaftliche Theorien über natürliche Sachverhalte mit großer Komplexität, die er mit unvollkommen entwickelten Modellen aufzuklären versucht, - mit eingeschränkter Adäquatheit gemäß seinen ausgebildeten Begriffsstrukturen).
   Möglichst anschauliche Wissensdarstellungen sind deklarativ formulierbar für verständliche Beschreibungen und Erklärungen von modellhaft dargestellten Zusammenhängen wirklicher Sachverhalte.
   Die Anschaulichkeit einer Theorie unterstützt das theoretische Verständnis, gilt aber nicht als Wahrheitskriterium für die Theorie.

Die Erforschung von Operationsprinzipien des Lebendigen (vgl. kognitive Systeme) in der natürlichen Welt des Werdens und Vergehens gelingt dem nach Erkenntnis strebenden Menschen mit seinen ausbildbaren Vorstellungen nur modellhaft angenähert an die Wirklichkeit gemäß den kognitiv erfassten begrifflichen Beziehungen als (Er-)Kenntnissen seines Erfahrungswissens. Die eingeschränkte Ausbildung seiner Modellvorstellungen wird ermöglicht durch die evolutionär (genetisch) prädisponierte Lernfähigkeit seines strukturell veränderlichen Gehirns (d. h. im Rahmen der strukturellen Lerndisposition seines 'plastischen' Gedächtnissystems).
   Unser nutzbares Weltbild und aktuelles Menschenbild entsprechen dem jeweiligen Wissensstand aufgrund unserer kognitiv-logischen Modellbildung.

Ein anspruchsvolles Ziel für wissenschaftliches Erkenntnisstreben ist die schrittweise Verbesserung eines möglichst fundamentalen (prinzipiellen) Verständnisses des tatsächlichen (physikalischen) Geschehens.
   Für forschend lernende Menschen kognitiv erreichbar ist ein "flexibles" detailliertes Verständnis wirklicher Sachverhalte oder Vorgänge, - auch selbstreflexive Deutungen individueller Rationalität (vgl. Selbsterkenntnis und Selbstkontrolle).

Die systematische Erforschung wirklicher Sachverhalte zwecks Erkenntnisgewinns über natürliche Grundprinzipien erzielt eine wissenschaftliche Wahrheitsfindung zur Verbesserung des ausgebildeten Erfahrungswissens. Durch neue Entdeckungen für Erkenntnisse können Denkmodelle korrigiert, geändert oder verbessert werden hinsichtlich ihrer relativen Wahrheit.

Wissenschaftliche Wahrheitsfindung ist schrittweise möglich durch rationale Kritik beim Erkenntnisstreben im Kampf gegen irrationale Überzeugung und Selbsttäuschung.

Um Kenntnisse und Annahmen des Erfahrungswissens weiterhin effektiv nutzen zu können, müssen diese auf ihre praktische Bewährung logisch-empirisch überprüft werden, insbe-sondere zwecks notwendigem Umlernen falls eine gedankliche Vorstellung (Erinnerung, Anschauung, Theorie) sich nicht bewährt und als falsifiziert gilt.

Akzeptiert werden muss die relative Wahrheit des nach dem Bewährungsprinzip verbesserten Wissens über natürliche Gesetzmäßigkeiten und damit ermöglichte empirische Voraussagen, insbesondere hinsichtlich realistisch zu bewertenden Entscheidungsfolgen für 'intelligente' Problemlösungen. -
   Beim wissenschaftlichen Problemlösen zu berücksichtigen ist die eingeschränkte Gültigkeit oder fachliche Begrenztheit (vgl. Randbedingungen) jedes kognitiv gewonnenen Wissens-zuwachses.
   Als problematisch gilt die Eingeschränktheit jedes weiterführenden Wissens, das zur Beurteilung von neu verfügbaren Entscheidungsmöglichkeiten erforderlich ist.

Bisher Unerforschtes ist zu respektieren als Unerklärliches, - aber nicht als theologisch mystifiziertes 'Gotteswerk'.

Die sich praktisch erweisenden Grenzen des Wissens über Natur und Mensch werden bestimmt vom bisher realisierten wissenschaftlichen Fortschritt mit seinen Vor- und Nachteilen für die Gesellschaft.

Aus ethischer Sicht gefordert wird ein "humaner" wissenschaftlich-technischer Fortschritt, der möglich ist durch "gewissenhafte" Forschungs - und Entwicklungsarbeiten mit sozialer Verant-wortung für künftige Generationen.

Resümee: Ein möglichst wahrhaftiges und hilfreiches Miteinander der lernfähigen Menschen mit Intelligenz und Denkvermögen (Kognition, Verstand, Vernunft) kann gelingen durch menschliche Bemühungen für verbesserte Einsicht in wirkliche Zusammenhänge, - auch für mehr Aufrichtigkeit, Verantwortung und soziale Anteilnahme. Deshalb müssen weiterhin von der gesamten Menschheit ethische Werte angestrebt und moralische Prinzipien eingehalten werden. Dieses Anliegen wurde von vielen Religionen und Ideologien zwar demagogisch vorgegeben, aber in praxi konnte das leidvolle Gegeneinander damit nicht verringert werden und wurde erheblich verstärkt durch fanatischen Glauben und politisches Machtstreben in der blutigen Geschichte der Menschheit (vgl. Glaubens- und Eroberungskriege, Missionierungen, Ketzerverfolgungen, Hexenprozesse, Exorzismus, Judenvernichtung, Heiliger Krieg, Terrorismus u. a.).
   Die spürbare Ohnmacht unserer Vernunft gegenüber Unverstand und Überschätzung darf uns nicht entmutigen, immer wieder aus unseren Erfahrungen und Fehlern zu lernen. - Nur durch Selbstlernen können wir erforderliches Wissen in unserem unvollkommenen Steinzeitgehirn ausbilden.


Literaturempfehlung: Essay von E. Liß » Kognitiv-logische Grunderkenntnisse (vgl. Abschnitt 2.1.)


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